Lebensdaten
1702 oder 1703 bis 1771
Geburtsort
Wahrenbrück bei Liebenwerda
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Violinist ; Komponist
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 118541692 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Graun, Johann Gottlieb
  • Graun, Giovanni Amadeo
  • Graun, J. G.
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Zitierweise

Graun, Johann Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541692.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August, Akzise-Einnehmer in W., S d. Pfarrers Joh. Caspar, aus sächs. Pfarrerfam.;
    M Anna Margarete Schneider (* 1663) aus Elsterwerda;
    Ov Caspar Heinr. (1659–1710), D. theol., Sup. in Rochlitz;
    B Aug. Frdr. (1698–1705), Domkantor in Merseburg, Komponist (s. L), Carl Heinr. (s. 2);
    Berlin 1731 Dor. Sophie, T d. kgl. Kammerdieners Samuel Schmiel;
    3 K.

  • Leben

    G. war 1713-21 Alumnus der Kreuzschule in Dresden und erhielt dort Gesangsunterricht von Johann Zacharias Grundig. Sein Violin- und Kompositionslehrer wurde Johann Georg Pisendel, später war G. für kurze Zeit Violinschüler von G. Tartini. 1726 kam er als Kapelldirektor (= Konzertmeister) nach Dresden, ging aber noch im selben Jahr an den Hof in Merseburg und dann 1728 als fürstlich Waldeckscher Kapelldirektor nach Arolsen. 1732 trat G. als Kammermusikus in den Dienst des preußischen Kronprinzen in Ruppin, später in Rheinsberg, wohin er seinen jüngeren Bruder Carl Heinrich nachzog, und wurde nach der Thronbesteigung Friedrichs II. (1740) Konzertmeister der königlichen Kapelle in Berlin. – G. brachte das königliche Orchester in Berlin – nach dem Vorbild Pisendels in Dresden – auf hohes künstlerisches Niveau und bereitete dadurch, zusammen mit seinem Bruder, die Eröffnung der Berliner königlichen Oper (1741) vor. Auf Grund seiner Stellung als Kammermusikus und Konzertmeister bilden bei G. im Gegensatz zu dem umfangreichen Opernschaffen seines Bruders die Instrumentalgattungen den kompositorischen Schwerpunkt; so in der Orchestermusik: Sinfonien, französische Ouvertüren, Concerti grossi, Solokonzerte für verschiedene Instrumente, besonders aber für Violine; in der Kammermusik: Quartette, Quintette, überwiegend jedoch Sonaten und Triosonaten. G.s Verbindung des italienischen Instrumentalstils mit der Fugen- und Imitationstechnik ergab vor allem eine prägnantere Themenbildung und wurde mitbestimmend für die Ausprägung des im Gegensatz zu den Mannheimer Sinfonikern stehenden sogenannten „galanten Stils“ der Berliner Schule. G. war als Komponist, obwohl er in seiner Bedeutung hinter seinem Bruder zurücksteht, zu seiner Zeit sehr geschätzt, was unter anderem aus der Sammlung vieler seiner Werke|in einer zehnbändigen Reinschrift, veranlaßt durch die Prinzessin Anna Amalie, die Schwester Friedrichs II., nach dem Tode G.s hervorgeht. Neben der allgemeinen Bewunderung als Violinist und Orchestererzieher genoß G. auch den Ruf eines hervorragenden Violinlehrers. Seine bekanntesten Schüler waren Wilhelm Friedemann Bach und Franz Benda, der sein Nachfolger als Konzertmeister in Berlin geworden ist.

  • Werke

    W Die Urheberschaft d. Werke d. Brüder Graun ist in zahlr. Fällen nicht eindeutig festzulegen , vgl. MGG V, Sp. 705.

  • Literatur

    ADB IX;
    W. Freytag, in: MGG V, Sp. 704-10 (W-Verz.; zu B Aug. Frdr.:
    Sp. 704).

  • Autor/in

    Ernst Waeltner
  • Empfohlene Zitierweise

    Waeltner, Ernst, "Graun, Johann Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 9 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541692.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Graun: Johann Gottlieb G., geboren zu Wahrenbrück um 1698, erhielt mit seinem jüngeren Bruder Karl Heinrich (s. d. Art.) in Dresden die gleiche musikalische Erziehung. Im J. 1718 verließ er die Kreuzschule und nahm Violin- und Compositions-Unterricht bei dem berühmten kurfürstl. Concertmeister Johann Georg Pisendel. Hierauf ging er nach Italien, wo seine Ausbildung namentlich in Padua durch Tartini sehr gefördert wurde. 1726 nach Dresden zurückgekehrt, wurde er in demselben Jahre als Capelldirector an den fürstlichen Hof nach Merseburg berufen, gab aber schon 1727 diesen Posten wieder auf, um in die Dienste des Fürsten von Waldeck zu treten. Später berief ihn der Kronprinz von Preußen als Concertmeister seiner Kammermusik nach Rheinsberg, wo er vereint mit seinem Bruder wirkte und 1740 nach der Thronbesteigung seines Herrn als Concertmeister in die königlich preußische Capelle eintrat. Er starb den 27. October 1771 in Berlin. Seine Compositionen verzeichnet Ledebur im Tonkünstlerlexikon. Er hat einige Gesangswerke für Kirche|und Haus, sowie viel Instrumentalcompositionen geschrieben, die in Berlin theils in der königlichen Bibliothek, theils in der Bibliothek des Joachimsthal-Gymnasiums vorhanden sind. In letztere Sammlung sind sie mit der reichen musikalischen Hinterlassenschaft der Prinzessin Amalie, Schwester Friedrich des Großen, gekommen. Gedruckt existirt nur ein Werk von ihm und zwar 6 Sonaten für die Violine, welche ohne Jahreszahl in Merseburg erschienen sind. Die königliche Musikaliensammlung in Dresden besitzt außer diesen Sonaten folgende Werke von ihm: 51 Concerte, 19 Soli, 27 Trio's, 10 Ouverturen und Sinfonien. G. galt seiner Zeit als trefflicher Violinvirtuos, Orchesteranführer, Lehrer und Componist. Er beschränkte sich in seinen Compositionen, wie viele Deutsche jener Zeit auf die Nachbildung der italienischen Meisterwerke und bereicherte die Violinlitteratur mehr quantitativ als qualitativ. Das Hauptverdienst des Künstlers gründet sich auf seine praktische Thätigkeit als Violinist und Concertmeister, vermöge deren er namentlich für die Hebung der Berliner Orchestermusik nach dem Muster der Dresdener Capelle unter Hasse unermüdlich thätig war.

    • Literatur

      v. Wasielewski, Die Violine und ihre Meister, Leipzig 1867, S. 165 ff.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Graun, Johann Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 606-607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118541692.html#adbcontent

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