Lebensdaten
1581 bis 1655
Geburtsort
Wernigerode
Sterbeort
Quedlinburg
Beruf/Funktion
Musiktheoretiker ; Kantor ; Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115783563 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baryphonus, Henricus
  • Pipegrop, Heinrich
  • Grobstimm, Heinrich
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Baryphonus, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115783563.html [21.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Pipegrop (Pipgrop, Pipgroppe u. ä., 1631), seit 1569 Bürger in Wernigerode.

  • Leben

    B. besuchte die Lateinschule in Wernigerode, wo er auch seine musikalische Ausbildung (vermutlich durch den Kantor J. Crüger, 1598, und den Organisten P. Becker, 1608) erhalten hat. Er hat dann an der Universität Helmstedt studiert, in deren Matrikel er unter dem 20.4.1603 verzeichnet ist. Vom Jahre 1605 an wirkte er bis zu seinem Tode als Lehrer des Gymnasiums und Kantor der Stadtkirche St. Benedicti in Quedlinburg. - Die musikgeschichtliche Bedeutung des B. beruht vornehmlich auf seinen theoretischen Werken, die ihn mit fast allen namhaften deutschen Musikern seiner Zeit in Verbindung gebracht haben: mit M. Praetorius, dessen Syntagma musicum III (1619) die lateinischen Titel von 16 Schriften des B. aufführt, mit S. Calvisius, den er „wie einen Lehrer verehrte“ (Pleiades, 1615, praefatio), mit H. Schütz und S. Scheidt, mit denen er korrespondierte, und mit H. Grimm, der sein theoretisches Hauptwerk, die „Pleiades musicae“ 1630 in 2. Auflage herausgegeben hat. Der Musiktheoretiker B. (sicherlich auch der Komponist B., von dessen Kompositionen aber so gut wie nichts erhalten ist) steht vermittelnd zwischen der älteren und der jüngeren Musikauffassung seiner, von der musikalischen Stilwende um 1600 gezeichneten Epoche. Mit Calvisius, Praetorius, J.|Nucius, J. Lippius und Crüger galt sein Streben dem Bemühen, die musik-theoretischen Lehren des großen Italieners G. Zarlino, wie sie in dessen Hauptwerk „Istitutioni Harmoniche“ (1588) zur Darstellung gelangt waren, den deutschen Musikern in übersichtlicher Form darzubieten. Konservativ der kontrapunktischen Tradition der deutschen Musik des 16. Jahrhunderts verbunden, weist sein musiktheoretisches Denken jedoch auch in die Zukunft. So, wenn er mit Lippius die Trias harmonica in Dur und Moll erkennt oder etwa die Komposition über dem fortgehenden Baß (Basso continuo, Generalbaß) nachdrücklich empfiehlt. Sein Hauptwerk, in seinen beiden Auflagen die einzige seiner heute noch nachweisbaren theoretischen Arbeiten, gehört zu den bedeutenden kontrapunktischen Lehrbüchern des frühen 17. Jahrhunderts.

  • Werke

    u.a. Pleiades musicae, Halberstadt 1615, Magdeburg 21630;
    s. a. MGG.

  • Literatur

    ADB II; E. Jacobs, Zwei harz. Musiktheoretiker… (II: H. B. 1581-1655), in: Vjschr. f. Musikwiss. 6, 1890, S. 111-22;
    ders., H. Pipegrop (B.), ebenda 7, 1891, S. 459-63;
    ders., Noch einmal Pipegrop-B., ebenda 8, 1892, S. 145-47;
    R. H. Robbins, Btrr. z. Gesch. d. Kontrapunkts v. Zarlino bis Schütz, Diss. Berlin 1938;
    A. Adrio, in: MGG (vollst. W-Verz.).

  • Autor/in

    Adam Adrio
  • Empfohlene Zitierweise

    Adrio, Adam, "Baryphonus, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 616 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115783563.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baryphonus: Henricus B. (Heinrich Grobstimm?), Cantor und gelehrter Musiktheoretiker. Seine Schriften hat er vor 1618 verfaßt, die erste ist 1609 gedruckt worden, also mag er um 1580 geboren sein. Von seinem Leben wissen wir nur, daß er aus Wernigerode stammte und in Quedlinburg Cantor war, mit angesehenen Musikern wie Heinrich Schütz und dem Cantor Grimm, seinem Landsmann Mag. Joh. Fortmann in Wernigerode, einem durch seine litterarischen und künstlerischen Bestrebungen ausgezeichneten Zeitgenossen u. A. in gelehrtem Briefwechsel stand, und von Zeitgenossen und Nachkommen seiner Kenntnisse wegen sehr geachtet wurde. Die meiste Nachricht von ihm gibt Prätorius „Synt. Mus.“ III. 227, nämlich ein Verzeichniß seiner Werke, 16 an Zahl, welche ihm „als dieselbe jhm newlicher zeit zu handen kommen, sehr wohlgefallen. Und weil er (Prätorius) befunden daß mit denenselbigen Operibus allen Musicis, nicht allein Tyronibus, sondern auch Theoricis und Practicis merklich gedienet seyn werde: So hat er, dem Gemeinen Besten zu gute, selbige mit Göttlicher verleyhung zum Druck zu befördern, willig auf sich genommen“. Es sind davon aber nur im Druck bekannt geworden: 1) „Isagoge musica“, Magdeburg 1609; 2) „Plejades Musicae“, Halberst. 1615; stark vermehrt und von Grimm herausgeg. Magdeb. 1630, angeblich auch noch öfter aufgelegt; Inhalt bei Walther. 3) „Institutiones Musico-Theoreticae“, Leipz. 1620; 4) „Ars canendi, Aphorismis succinctis descripta“ etc., Leipz. 1626 und 1630. Seine übrigen Schriften, deren Titel man bei Prätorius und Gerber N. Lex. nachsehen kann, sind Manuscript und man weiß nicht wo geblieben. Am meisten dürfte wol der Verlust des „Catalogus Musicorum tam priscorum quam recentium“ zu bedauern sein.

    • Korrektur

      Korrektur: Von ihm findet sich auch ein Satz in dem Fasciculus primus Geistlicher wolklingender Concerten mit 1 und 2 Stimmen. Goslar 1638, Nr. 24: Wir glauben all an einen Gott.

    • Korrektur

      Korrektur: Ueber Baryphonus vgl. Ed. Jacobs in Vierteljahrschrift f. Musikw. Bd. 6 (1890) S. 111 f.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von; Jacobs, Eduard, "Baryphonus, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 113 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115783563.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baryphonus: Henricus B. (zu A. D. B. II, 113), eigentlich Pipegrop, wie er sich selbst im J. 1622 seinen Landsleuten gegenüber nennt, geboren zu Wernigerode am 11. September 1581, zu Quedlinburg am 3./13. Januar 1655. Auf der Lateinschule seiner Vaterstadt und höchst wahrscheinlich auch sammt seinem Jugendfreunde und Strebensgenossen Kaspar Krüger bei dem tüchtigen Organisten an der Oberpfarrkirche Paul Becker wissenschaftlich und musikalisch vorgebildet besuchte er seit April 1603 die Universität Helmstedt und war seit 1605 bis an sein Ende fast ein halbes Jahrhundert Musiklehrer und Cantor — gewöhnlich bezeichnet er sich einfach als musicus — zu Quedlinburg. Wenn Seth Calvisius schon den Fünfundzwanzigjährigen als einen Meister in der Composition bezeichnet, so ist zwar der dreistimmige Gesang, der zu diesem Urtheil den Anlaß gab, nicht erhalten, wol aber ein zwei Jahre jüngeres „Melos genethliacum | Oder | Weihenacht Gesang | Mit 6 Stimmen gesetzt, vnd|dem | Newgebornen Jesulein aus schuldiger Danck- | barkeit zur Newen Jahrs Ga- | be verehret .... Gedruckt zu Magdeburgk, Im Jahr 1609“ (1608 wegen des Chronostichons O Jesu Misericordia), mit eigenhändiger Widmung an den Wernigeröder J. Luttrott in der Stadtbibliothek zu Hamburg. Diese Composition läßt des Calvisius günstiges Urtheil durchaus als gerechtfertigt erscheinen. In Partitur gesetzt ist der Gesang von Ph. Spitta VJschr. f. Musik-Wissenschaft IX, 381—392. Ein anderer Tonsatz von ihm in Fascic. I. Geistl. wolklingender Concerten. Mit 1 vnd 2 St. sampt dem Basso continuo pro Organis. Goßlarberg Nicolao Dunckern A. 1638 Nr. 24 sola voce: Wir gläuben all an einen Gott.

  • Autor/in

    Ed. Jacobs.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA