Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kaufmannsfamilie
Konfession
katholisch,französisch-reformiert
Normdaten
GND: 118696386 | OGND | VIAF: 47556394
Namensvarianten
  • Gontard

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Zitierweise

Gontard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118696386.html [14.05.2021].

CC0

  • Leben

    Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes kam Peter (1662–1725) aus Grenoble bereits 1689 zusammen mit anderen marchands Savoyards und einer Gruppe von Genfern nach Frankfurt/Main und gründete die sogenannte „Frankfurter Linie“. Er handelte damals bereits mit englischen Textilien. Jakob Friedrich (1702–66), seit 1726 mit einer Frankfurter Bürgerstochter (Sarasin) verheiratet, erlangte erst 1740 mit Frau und Kindern gegen ein sehr hohes Bürgergeld das Bürgerrecht der Reichsstadt. Er war einer der führenden Männer im Handel mit englischen Wollwaren und der repräsentativste Vertreter der französisch-reformierten Gemeinde. Seine erfolgreichen Geschäfte erlaubten ihm den Erwerb wertvoller Grundstücke in und vor der Stadt. 1749 errichtete er an der Stelle des alten Wollweber-Kaufhauses einen stattlichen Neubau, unweit des Römers (1944 zerstört). Seine Witwe hinterließ 1773 ein Vermögen von über 300 000 Talern. Seine Firma – 1810 mußte sie bei der Einführung der Kontinentalsperre für ihren Bestand an englischen Waren eine Abgabe von 618 216 frs. zahlen – wurde bis 1847 von den Nachkommen, seit 1815 nur noch als Bankgeschäft fortgesetzt. Einer seiner Söhne, Alexander (1733–1819), gründete eine bedeutende Seidenhandlung, die über 150 Jahre von seiner Familie betrieben wurde. Der Enkel Jakob Gontard-Borkenstein (1764–1843, Gatte von Susette geborene Borkenstein [1769-1802], Hölderlins „Diotima“), war seit 1786 Teilhaber der Firma Jakob Friedrich Gontard & Söhne und vertrat seit 1823 deren Interessen in Paris. Jakob Friedrichs jüngster Sohn, Jacob (1739–1819), war Kaufmann in Frankfurt und Wien und Teilhaber des Bankhauses Fries und Co..|Er erhielt 1768 den Reichsritterstand und 1780 den Reichsfreiherrnstand, letzteren mit seiner Schwester Luise (1746–85). Diese heiratete 1780 Franz Graf von Nesselrode-Ereshofen (1728–1810), russischer Gesandter in Lissabon. Aus dieser Ehe ging Karl Robert Graf von Nesselrode (1780–1862), der spätere russische Staatskanzler, hervor. Heinrich (1787–1816), Sohn von Jakob G.-Borkenstein, gründete die heute noch in Frankfurt als Privatbankhaus bestehende Firma Heinrich Gontard & Co., auf die zunächst 1815 die Manufakturwarenhandlung des Urgroßvaters übergegangen war. Zur „Frankfurter Linie“ gehören ferner: Maria (s. 2), die Malerin Rosalie (1806–87), Clothilde (1813–69, Koch), deren „Tagebuch über die Konstituierende Deutsche Nationalversammlung zu Frankfurt am Main (Mai bis Dezember 1848)“ G. Küntzel 1924 veröffentlichte (s. Literatur), der kaiserlich und königliche Generalmajor Heinrich von G. (österreichischer Adel 1883, 1819-1905) und Alexander von G. (sachsen-meiningischer Adel 1892, 1842-1921), Leiter der Spinnerei Glücksbrunn bei Meiningen.

    Der Zusammenhang mit der 1767 geadelten sogenannten „Preußischen Linie“ hat sich bisher nicht nachweisen lassen. Aus ihr stammen Carl (s. 1), Hans (1861–1931), preußischer Generalleutnant und Generaladjutant (s. Wi. 1928), Paul (1868–1941), Geheimer Oberbaurat, Generaldirektor der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin und Mitglied des Preußischen Herrenhauses (s. Rhdb., Porträt), und dessen Sohn Gert (* 1906), Regisseur, Herausgeber der „Neuen Revue“ (1930-32), Friedrich (1860–1942), preußischer General der Infanterie und Kommandierender General des XIV. Armeekorps, und dessen Sohn Fritz (* 1890), Pferdemaler, und Enkel Ludwig (* 1922), Maler.

  • Literatur

    L. zur Gesamtfam.: Ch. v. Lindeiner-Wildau, Btrr. z. Fam.gesch. d. Gontard I, 1958, II, 1963 (maschinenschriftlich vervielf.); - zur Frankfurter Linie:
    K. Jügel, Das Puppenhaus, e. Erbstück in d. G.schen Fam., 1857, neu hrsg. v. W. Pfeiffer-Belli, 1921;
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch. IV, 1925, S. 320 ff., 361 (P);
    E. Achterberg, Der Bankplalz Frankfurt a. M., 1955;
    Stammtafel Gontard, in: Archiv f. Frankfurter Gesch. u. Kunst, 4. F., 5, 2, 1942, S. 123;
    - zu Clothilde Koch-Gontard:
    W. Klötzer, in: Frankfurt, Lebendige Stadt, Vj.-Hh., 1959, 1, S. 6-11.

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Gontard" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 642 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118696386.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA