Lebensdaten
1857 bis 1926
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Industrieller ; Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118696203 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Goldschmidt, Karl Bernhard
  • Goldschmidt, Karl
  • Goldschmidt, Karl Bernhard
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Zitierweise

Goldschmidt, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118696203.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Hans (s. 1);
    1) 1882 Martha (1859–91), T d. Domänenpächters Hermann Zoller in Buchholz/Neumark u. d. Emma Schleusener, 2) 1896 Anna Weller (Cousine d. 1. Ehefrau);
    2 S, 1 T aus 1), u. a. Theo (* 1883, s. Rhdb.; Wenzel), Bernhard (* 1884), beide Leiter d. „Th. Goldschmidt AG“ in Essen, 1 S aus 2).

  • Leben

    G. war noch Primaner der Luisenstädtischen Oberrealschule, als er seinen Vater verlor und die Geschicke der elterlichen Fabrik unternehmerische Einsicht und Verständnis für wirtschaftliche Fragen von ihm verlangten Um dem jungen G. das Chemiestudium an den Universitäten Berlin, Leipzig und Göttingen und die Promotion (1881) in Heidelberg zu ermöglichen, wurde dem Schwager O. Kersten vorübergehend die Leitung des Berliner Unternehmens übertragen. 1882 trat G. in die väterliche Fabrik, die damals 13 Arbeiter beschäftigte, ein, sein Bruder Hans folgte 1888. Es bildete sich eine Zusammenarbeit zwischen ihnen, die sich bei vielen gleichartigen Wesenszügen doch auf die Verschiedenheit ihrer Charaktere und Begabungen gründete derart, daß sie sich wertvoll ergänzten. Die wesentlichen Elemente bei G. waren eine ungewöhnliche geistige Beweglichkeit, die ihn zu immer neuen Kombinationen beflügelte, dazu ein klarer Verstand, der ihn jederzeit die Grenzen des Erreichbaren erkennen ließ. Diese Eigenschaften kamen insbesondere dem kaufmännischen Teil der Geschäfte zugute. Nach kurzer gemeinsamer Arbeit waren sich beide Brüder darüber klar, daß für eine Ausdehnung des Werkes und für Rohstoffbeschaffung und Abfallverwertung Berlin nicht günstig war. 1889 erfolgte die Verlegung der Firma nach Essen. Die „Chemische Fabrik Th. Goldschmidt“ in Essen beschäftigte sich weiterhin mit der Herstellung von Textilchemikalien (vor allem Zinnsalze, Präpariersalz, Pinksalz, Chlorzinn). Um von der Einfuhr des teuren Blockzinns als Ausgangsmaterial unabhängig zu sein, wurde die elektrolytische Entzinnung von Weißblechabfällen und Konservendosen ausgearbeitet. In eigener Zinnhütte wurden die Abfälle der Elektrolyse und auch Zinnerze aufgearbeitet. Als die chemische Industrie Chlorgas in größeren Mengen anbot, stellte man den Betrieb auf Chlorentzinnung um. In den 90er Jahren wurde die „Aluminothermie“ (s. Hans G.) das zweite große Arbeitsgebiet. Zur Ausnutzung der Erfindung seines Bruders zog G. ein Netz von Aufkaufstellen und Aufbereitungsanlagen in den USA (1906), England (1907), Frankreich (1909), Spanien, Südamerika und Australien auf, die oft mit Vertretungen für den Absatz von Zinn, Chlorzinn und Chemikalien verbunden waren. Lizenzunternehmen und Tochtergesellschaften für Zinngewinnung und Auswertung des „Thermitverfahrens“ wurden in USA, Frankreich, Österreich, England und Australien errichtet. Im Inland wurden die Chemische Fabrik Gernsheim-Heubruch und eine Zweigfabrik der Chemischen Fabrik Rhenania-Aachen, das Werk in Mannheim-Rheinau, erworben; damit trat die Firma in die Herstellung der anorganischen Großerzeugnisse ein (anorganische Salze). 1911 erfolgte die Umwandlung der offenen Handelsgesellschaft in die „Th. Goldschmidt AG“, deren Aktien weitgehend im Familienbesitz verblieben. Nach dem Weltkrieg 1914/18 gingen die im Ausland gelegenen Beteiligungen und Tochtergesellschaften vollständig verloren. Die Zinnhütte wurde stillgelegt. Als Ersatz wurden neue Arbeitsgebiete erschlossen. Der Chemiker Friedrich Bergius, von G. 1914 als Leiter des Versuchslaboratoriums gewonnen, begann seine Arbeiten über Holzverzuckerung und Verflüssigung von Kohle zwecks Überführung in Treibstoffe. Neben den Versuchen, neue Verfahren zu entwickeln, war die Firma in der ersten Nachkriegszeit bestrebt, die Verluste durch neue Beteiligungen (unter anderem elektrotechnische Fabrik Neufeldt & Kuhnke in Kiel und Chemische Fabrik Buckau) abzugleichen. – Ist G.s Mitarbeit als Chemiker vor allem der Zinnabteilung des Werkes zugute gekommen, so lag seine unternehmerische Leistung in der Organisation der Firma, in ihrem Aufbau, in der Zusammenfassung zu einem Ganzen, und nicht zuletzt in der finanziellen Planung des sich sprunghaft erweiternden Werkes. Aufgrund seiner patriarchalischen Einstellung sorgte er für ein gutes betriebliches Zusammenwirken. Schon um 1900 führte er den freien Samstagnachmittag ein und ließ die Familien der Arbeiter von einer Fürsorgerin betreuen. Er gründete frühzeitig eine Pensionskasse und ein Arbeitererholungsheim. Seinen Lebensabend verbrachte er auf einem 1913 erworbenen Gut an der Bergstraße. – Führendes Mitglied in wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationen und Verbänden; Dr.-Ingenieur Ehren halber (Hannover), Kommerzienrat.

  • Werke

    Aluminothermie, 1925.

  • Literatur

    Die chem. Industrie 49, 1926, S. 81 f. (P);
    W. v. Niebelschütz, K. G., Lb. e. dt. Unternehmers, 1957 (P).

  • Portraits

    Gem. v. L. Samberger (im Bes. v. Theo Goldschmidt, Essen), Abb. in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogr. VIII, 1962, u. b. Niebelschütz, s. L.

  • Literatur

    zum Gesamtart.: W. Däbritz, Th. Goldschmidt AG Essen, 1937 (P);
    L. Schertel, in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogr. VIII, 1962, S. 94-122 (P).

  • Autor/in

    Walter Däbritz , Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Däbritz, Walter; Gerstein, Barbara, "Goldschmidt, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 609 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118696203.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA