Lebensdaten
1861 bis 1923
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Industrieller ; Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116756373 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Goldschmidt, Johann Wilhelm
  • Goldschmidt, Hans
  • Goldschmidt, Johann Wilhelm

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Zitierweise

Goldschmidt, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116756373.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (1817–75, isr., seit 1834 ev.), Kolorist in d. Kattunfabrik „R. Goldschmidt u. Söhne“, gründete 1847 d. „Chem. Fabrik Th. Goldschmidt“ in Berlin, in der er Chemikalien f. d. Textilindustrie, u. a. eine d. ersten Anilinfarben („Murexid“) herstellte, 1867 Mitbegründer d. Dt. Chem. Ges., S d. Kaufm. Abraham in Berlin u. d. Caroline Goldschmidt;
    M Joh. Sophie Luise (1827–64, ev.), T d. Dr. med. Bernh. Koner, prakt. Arzt u. Geh. Sanitätsrat in Berlin, u. d. Emilie Emma (T d. Papierfabr. Carl Moses Lemelson, 1747–1829);
    Groß-Ov Karl (1792–1857), Eduard (* 1794), beide Inh. d. Kattunfabrik „R. Goldschmidt u. Söhne“ in Berlin;
    Ov Wilhelm (1841-n. 1922), Buchhändler in Petersburg, Hrsg. d. russ. Frauenztg. „Der Neue Russ. Bazar“ u. d. „Petersburger Herold“, Schriftsteller (s. Wi. 1922);
    Om Wilh. Koner (1817–87), Prof. d. klass. Philol. u. Bibliothekar a. d. Univ. Berlin;
    Tante-v Marie (⚭ Siegfr. Lommatzsch, 1833–1907, Prof. d. Theol. in Berlin);
    B Karl (s. 2);
    Schw Caroline (⚭ Otto Kersten, 1839–1900, Afrikareisender, erforschte mit Klaus v. d. Decken u. a. das Kilimandscharogebiet, 1876-83 Prokurist d. Chem. Fabrik Th. Goldschmidt, s. W, L);
    Vt Max Koner (1854–1900, ⚭ Sophie verw. Meyer geb. Schäffer, 1855–1929, Malerin), Maler, war bes. wegen s. Porträts (u. a. ca. 30 Bildnisse Kaiser Wilhelms II.) berühmt (s. ThB, auch f. Sophie Koner);
    1891 Isolina Waring (1863–1941);
    5 T.

  • Leben

    Seine Schulbildung erhielt G. nach des Vaters Tode auf dem Gymnasium Altenburg. Wie sein Bruder wählte er das Studium der Naturwissenschaften und besuchte die Universitäten Berlin, Leipzig, Straßburg und Heidelberg (Promotion 1886). Seine bedeutendsten Lehrer waren A. Slaby und R. Bunsen. 1888 nahm er seine Arbeit in der Geschäftsleitung der väterlichen Firma Th. Goldschmidt auf, die seit des Vaters Tode vom Schwager Kersten geleitet und 1889 von Berlin nach Essen verlegt wurde. Lagen Organisation und kaufmännische Leitung in der Hand des Bruders, so schuf G. die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen, die die Entwicklung des Betriebes zu einem weltweiten Unternehmen ermöglichten. Von G. stammt das Goldschmidtsche Verfahren der elektrolytischen Entzinnung der Weißblechabfälle. Ende der 90er Jahre begründete er die „Aluminothermie“, ein Verfahren zur Herstellung kohlenstoffreier Metalle bei hoher Temperatur, die durch Verbrennen von Aluminium erzeugt wird. Frühere Versuche, als Reduktionsmittel das Aluminium – an Stelle des die Festigkeitseigenschaften hochwertiger Stähle und Legierungen beeinträchtigenden Kohlenstoffs – zu verwenden, hatten zu explosionsartigem Verlauf geführt. G. entwickelte den Gedanken, den Prozeß in dem im Reaktionstiegel befindlichen Gemisch Metalloxyd – Aluminiumgrieß durch „Zündkirsche“ im kleinen Bereich einzuleiten (Initialzündung) und – ohne weitere Wärmezufuhr von außen – sich im Gemisch fortsetzen zu lassen. Bei relativ gemäßigtem Ablauf bewirkt die durch die Verbrennungswärme des Aluminiums erzeugte hohe Temperatur vollständigen Umsatz und saubere Trennung in Schlacke und Metall. Nach diesem „Thermitverfahren“ wurden zum ersten Male schwerschmelzbare Metalle wie Chrom, Mangan, Molybdän und so weiter rein dargestellt und in größerem Maße für die Edelstahl- und Leichtmetallindustrie fabriziert. G. hat das Thermit-Verfahren in vielen Anwendungen durchgearbeitet und auch der Schweißtechnik dienstbar gemacht. Erstmals bei den Schienen elektrischer Straßenbahnen angewandt, wurde es in der Folgezeit das übliche Schweißverfahren auch für Eisenbahnschienen und bei Stahlkonstruktionen. – 1918 schied G., im Grunde eine Gelehrtennatur, aus persönlichen Gründen aus der Firma aus und siedelte nach Berlin über, blieb aber weiter mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt. So befaßte er sich gemeinsam mit A. Stock mit der Herstellung von metallischem Beryllium. – G. vermachte 1919 seine Villa mit Grundstück, wie auch sein Bruder 1922, dem Folkwangmuseum.|

  • Auszeichnungen

    Prof.-Titel (1914), Dr.-Ing. E. h. (Dresden 1918), Elliot-Cresson Medaille d. Franklin Inst. in Philadelphia, Vizepräs. d. Dt. Chem. Ges. u. 1. Vorsitzender d. Dt. Bunsenges. f. angew. physikal. Chemie.

  • Werke

    Ges. Veröff., 1914. - Zu Schwager O. Kersten: K. K. v. d. Deckens Reise in Ostafrika 1859–65, 1869-79.

  • Literatur

    F. Haber, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 56 A, 1923, S. 77-79 (P);
    J. Weber, Chemiker-Ztg. 47, 1923, S. 533 (P);
    O. Neuß, in: Zs. f. angew. Chemie 36, 1923, S. 365 f. (P);
    Karl Goldschmidt [B], Aluminothermie, 1925;
    K. Müller, in: DBJ V, S. 122-26 (u. Tl. 1923, L);
    Pogg. IV, VI; s. a. L z. Gesamtart. - Zu Schwager O. Kersten:
    W. Wolkenhauer, in: BJ V, S. 79-81 (W, L);
    Pogg. III, IV.

  • Empfohlene Zitierweise

    Däbritz, Walter; Gerstein, Barbara, "Goldschmidt, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 609 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116756373.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA