Lebensdaten
1674 – 1731
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wriezen/Oder
Beruf/Funktion
Mediziner ; Medizinalstatistiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128529148 | OGND | VIAF: 69983556
Namensvarianten
  • Wahrmund, Ursinus (Pseudonym)
  • Gohl, Johann Daniel
  • Wahrmund, Ursinus (Pseudonym)
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Zitierweise

Gohl, Johann Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128529148.html [23.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Gool ( 1690). brandenburg. Kammermusikant;
    M Sophia (1649–74), T d. Joh. Weiland ( 1683), aus Torgau, Mag., Pfarrer u. Insp. zu Ziesar, u. d. Dorothea (T d. Matthäus Seelfisch, 1572–1636, Stadtrichter u. Buchhändler in Wittenberg);
    ⚭ Eva Victoria Eisener;
    2 S, 2 T, u. a. Daniel Aug., Buchhändler in B., Eleonore Cath. ( Phil. Jac. Manitius, 1692–1749, Kriegsrat, Bgm. v. Königsberg).

  • Biographie

    G. besuchte das Gymnasium in Berlin und Halle. Anschließend studierte er in Halle Sprachen und Jurisprudenz, seit 1696 – nach einer Krankheit – auch Medizin. Er wurde Schüler G. E. Stahls und F. Hoffmanns. In den Franckeschen Stiftungen war G. zeitweise tätig. Nach der Promotion 1698 ging er nach Berlin und übte etwa ein Jahr die ärztliche Praxis aus. Nach seiner Heirat ließ er sich 1699 wieder in Halle nieder, trieb Praxis und hielt medizinische Vorlesungen. Bald muß er jedoch in Gegensatz zu den dortigen Professoren geraten sein. Er zog erneut nach Berlin und war hier als praktischer Arzt tätig. 1711 wurde G. Brunnenarzt in Freienwalde – wo er sich von nun an im Sommer aufhielt – und Mitglied der Societät der Wissenschaften in Berlin. Seit 1721 war er Physikus des Oberbarnimschen Kreises mit dem Amtssitz in Wriezen. In der älteren Literatur wird G. als ein Anhänger Stahls angesehen, dem keine weitere Bedeutung zukomme. Seine medizinalstatistischen Arbeiten haben jedoch in neuerer Zeit volle Anerkennung gefunden. G. zählt zu den praktizierenden Ärzten, die sich um die Verbreitung praktischen medizinischen Wissens bemühten. Die von ihm seit 1717 herausgegebenen „Acta medicorum Berolinensium“ sind ein bedeutendes Zeugnis der medizinischen Publizistik zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Hier wurden unter anderem wahrscheinlich die beiden ersten deutschen Todesursachenstatistiken veröffentlicht (Band 4, 1719, Band 9, 1722). G. versuchte, auch die Geisteskrankheiten in das ärztliche Denken mit einzubeziehen und wissenschaftlich zu bearbeiten. – Mitglied der Leopoldina (1723).

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedancken v. gesunden u. langen Leben d. Menschen…, Berlin 1709;
    Historia Pestis, ebd. 1709;
    Compendium od. Einl. z. Praxin clinicam, Frankfurt/O. 1715, ⁵1755;
    Gantz generale Instruction v. d. Tugend u. Gebrauch d. Freyenwalder Gesundbrunnens…, Berlin 1716;
    Versuch patriot. Gedancken üb. d. v. Vorurtheilen kranken Verstand…, Halle 1729;
    Medicina practica, clinica et forensis, Leipzig 1735; weitere W b.
    A. v. Haller, Bibl. chirurgica, 1775, S. 39 f.;
    ders., Bibl. anatomica, 1777, S. 58 f.;
    mann, 1884;
    J. Pagel, Die Entwickelung d. Med. ders., Bibl. medicinae practicae, 1788, S. 246-54.

  • Literatur

    ADB IX;
    J. Graetzer, D. G. u. Chrstn. Kundin Berlin, 1897;
    K. Kißkalt, Ein Jubiläum d. med. Presse, in: Dt. Med. Wschr. 43, 1917, S. 48 f.;
    A. Fischer, Gesch. d. dt. Gesundheitswesens, 1933 (P);
    W. Artelt, Med. Wiss. u. ärztl. Praxis im alten Berlin, 1948, S. 107 f.;
    B. Harms, Qu.-schrr. z. Gesch. d. Berliner Med. im 18. Jh., in: Berliner Med. 13, 1962, S. 264;
    BLÄ. |

  • Quellen

    Qu.: Halle, Archiv d. Leopoldina (vita Gohlii); Berlin, Archiv d. Dt. Ak. d. Wiss.

  • Porträts

    Kupf. (Halle, Archiv d. Leopoldina u. Univ.-bibl.) Abb. (Ausschnitt) in: A. Fischer, Gesch. d. dt. Gesundheitswesens II, 1933, S. 36.

  • Autor/in

    Manfred Stürzbecher
  • Zitierweise

    Stürzbecher, Manfred, "Gohl, Johann Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 600 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128529148.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Gohl: Joh. Dan. G., Arzt, 1675 in Berlin geboren, hatte in Halle, besonders von Stahl angezogen, Medicin studirt und war daselbst 1698 promovirt worden. — Er habilitirte sich als praktischer Arzt zuerst in seiner Vaterstadt, erhielt im J. 1711 eine Anstellung als Badearzt in Freienwalde und siedelte 1721 als Kreisphysikus des Oberbarnim’schen Kreises nach Wrietzen über, wo er im J. 1731 gestorben ist. — G. gehört zu den eifrigsten Partisanen Stahl's und seiner Lehre, welche er in mehreren der von ihm veröffentlichten Schriften, so namentlich in der „Diss. epistolaris de motus tonici demonstratione per revulsionem et derivationem veterum“ (Halle 1707) und in der pseudonym (unter dem Namen von Ursinus Wahrmund) erschienenen Schrift „Versuch patriotischer Gedanken über den von Vorurtheilen kranken Verstand, besonders in der Therapie“ (1729, nach seinem Tode sehr erweitert von dem Stahlianer Juncker 1733 herausgegeben unter dem Titel: „Aufrichtige Gedanken über den von Vorurtheilen kranken Verstand, insonderheit in der Materie von den spiritus animalibus") unter heftiger Bekämpfung iatromechanischer Grundsätze, besonders der Lehre von den spiritus animales und der Leibnitz’schen Monadologie und prästabilirten Harmonie, Geltung zu verschaffen bemüht gewesen ist — allein in einer so plumpen Weise und mit so weit gehender Verläugnung anatomischer und physiologischer Thatsachen, daß seine Bestrebungen ohne jeden Erfolg geblieben sind. Wie wenig durchdrungen übrigens G. selbst von Stahl’schen Grundsätzen gewesen ist, geht daraus hervor, daß er, denselben entgegen, keinen Anstand genommen hat, den Gebrauch von Mineralquellen in einer besonderen Schrift ("Instruction von der Tugend und dem Gebrauch des Freyenwalder Gesundbrunnens“, 1716) zu empfehlen. — Von seinen litterarischen Arbeiten (vergl. das vollständige Verzeichniß derselben in Haller, Biblioth. anat. II. p. 58, Bibl. chirurg. II. p. 39, Bibl. med.-pract. IV. p. 245) hat seine Aufsehen erregende Inaugural-Dissertation „De morborum aetatum fundamentis pathologico-therapeuticis“ (Halle 1698, in 2. Aufl. 1707), welche er unter Stahl's Vorsitz vertheidigt hat und welche, wie angenommen wurde, von Stahl selbst verfaßt ist, und seine „Epistola de spina ventosa“ (Halle 1727) am meisten Beachtung gefunden. G. ist der Begründer und Herausgeber der seit dem Jahre 1717 erschienenen „Acta medicorum Berolinensium“ gewesen.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Zitierweise

    Hirsch, August, "Gohl, Johann Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 327 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128529148.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA