Lebensdaten
1765 bis 1818
Geburtsort
Königswarthe bei Bautzen
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Buchhändler ; Buchdrucker
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 117750786 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Barth, Johann August
  • Barth, Johann
  • Barth, Johann August
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Barth, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117750786.html [18.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Barth, Schloßverwalter und Ökonom;
    M Maria Dorothea Jäger;
    Breslau 22.5.1799 Friederike Sophie, T des Friedrich Siegismund Graß (1736–88), Buchdrucker und Besitzer der Stadtbuchdruckerei Breslau;
    S Stanislaus Hermann Barth (1812–62), Buchdrucker und Verleger in Breslau, Nachfolger in der Firma, Begründer der liberalen „Breslauer Zeitung“;
    T (adoptiert) Johanne Christiane ( Breslau 1817 Karl Sigismund Zäschmar, 1776–1842, zeitweise Leiter der Firma).

  • Leben

    Nach den Lehrlingsjahren in Bautzen ging B. 1787 nach Breslau als Faktor in die Stadtbuchdruckerei, 1790 zu G. J. Decker nach Berlin, von dort auf Wanderschaft nach Kopenhagen, Holland, London, Wismar, Halle, wo er bei J. C. Hendel den Notendruck erlernte. 1797 kehrte er nach Breslau zurück. Er erwarb 1799 die Stadtbuchdruckerei samt dem seit 1504 nachweisbaren Verlag. Durch dessen Ausbau zu einem großen Zeitschriftenverlag (Breslauer Erzähler, Schlesische Gewerbs- und Handelszeitung, Altertumszeitung) und durch die wirtschaftliche und technische Reorganisation der Druckerei (unter der Firma Graß, B. & Co.) wurde er einer der angesehensten Drucker Schlesiens. Er verbesserte die Notendruckpresse, die Haltbarkeit der Druckfarben, führte die Ablaugung der Druckformen ein, errichtete eine Schriftgießerei und führte als erster den Steindruck in Schlesien ein. Sein typographisches Meisterwerk ist das „Monumentum“ (1816), das Siegeshymnen in 42 Sprachen bzw. Schriften enthält.

  • Werke

    u. a. Universitati litterariae Viadrinae post tria saecula gloriose peraeta Francofurto Wratislaviam translatae…, 1811;
    Pacis annis 1814 et 1815 foederatis armis restitutae Monumentum…, 1816.

  • Literatur

    ADB XLVI;
    J. G. Schummel, Breslauer Alm. f. d. Anfang d. 19. Jh.s, 1801, S. 32, 38;
    J. E. Scheibel, Gesch. d. seit dreihundert Jahren in Breslau befindl. Stadtbuchdruckerey…, 1804, S. 70-72.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Barth, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 604 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117750786.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Barth: Johann August B., geboren 1765 in Königswarthe b. Bautzen, 1818 in Breslau, hat sich ebenso als Buchdrucker wie als Buchhändler und Zeitungsverleger einen Namen gemacht. Er entfaltete in beiden Eigenschaften eine gleich rege und vielseitige Thätigkeit. Als Factor in die ehemals Baumann'sche, spätere Graß'sche Breslauer Stadtbuchdruckerei eingetreten, übernahm er bald nach dem Tode des Besitzers Karl Wilh. Graß das Geschäft und verheirathete sich mit dessen Tochter. Nach der Uebernahme firmirte er: „Graß, Barth & Comp. in Breslau“. In kurzer Zeit vergrößerte er die Officin, kaufte die katholische Universitätsdruckerei hinzu, errichtete eine Verlagshandlung, Schriftgießerei, Notendruckerei und führte später als Erster die Steindruckerei in Schlesien ein. — Schon früh hatte B. sich für das Buchdruckergewerbe interessirt; die Bautzener Buchdruckergesellen, welche zu jener Zeit noch, einem alten Zunftrechte entsprechend, den Degen trugen, haben ihm oft als Ideal vorgeschwebt. Er machte seine Lehrzeit in der Druckerei der Wittwe Scholz in Bautzen durch, ging dann auf die Wanderschaft und besuchte eine Anzahl bedeutender Druckorte, ferner Holland, England, Dänemark. Dann begab er sich 1797 nach Breslau, wo er in Kürze zur Selbständigkeit gelangte. Als Verleger führte ihn sein Unternehmungsgeist sehr bald auf eine sehr fruchtbare, damals viele Jahrzehnte lang unbearbeitete Richtung: er gründete eine vaterländische Wochenschrift, den „Breslauer Erzähler“, der sich vor allem mit der Verwerthung des eigenen Volksthums in Vergangenheit und Gegenwart befaßte. Nächstdem gründete B. die „Schlesische Gewerbs- und Handelszeitung“, mit der er indeß weniger Erfolg hatte, und eine „Alterthumszeitung“. Sein Verlag bestand hauptsächlich in einer reichen Auswahl von Schulbüchern sowie localgeschichtlichen Werken, darunter eine Geschichte Schlesiens, eine topographische Chronik von Breslau. Das Hauptwerk Joh. Aug. Barth's aber, das seinem Namen auch heute noch in Fachkreisen eine wohlverdiente Berühmtheit verleiht, ist das „Pacis annis 1814 et 1815 foederatis armis restitutae monumentum“, ein polyglottes Prachtwerk in Großfolio mit feinstem Geschmack und vollendeter typographischer Kunst ausgeführt, das den jungen Frieden in 42 Gedichten, jedes in einer andern Sprache, feiert. Das Werk ist übrigens nicht in den Buchhandel gekommen, sondern nur an gekrönte Häupter, öffentliche Institute, einflußreiche Personen und Freunde Barth's vertheilt worden. B. gehörte seiner Zeit zu den Berühmtheiten unter seinen Fachgenossen. Nicht wenig trug dazu seine Popularität bei, seine Biederkeit und Menschenfreundlichkeit. Eifrig thätig für das Gemeinwohl, rücksichtslos ehrlich und freimüthig in jener Zeit der Menschenfurcht, dabei überaus wohlthätig und uneigennützig, fand er allgemeine Liebe und Achtung. Nach der Leipziger Schlacht überwies er den Gesammtertrag der bei ihm gedruckten Proclamationen und Extrablätter den Verwundeten; zwei seiner Zöglinge rüstete er vollständig für den Krieg als Freiwillige aus, und das Dienstreglement für die Landwehr — 20 000 Exemplare à 10 Bogen — erbot er sich unentgeltlich zu drucken. Er starb allgemein betrauert und hinterließ neben seiner Adoptivtochter Johanna Christiane, als einzigen männlichen Erben seinen minderjährigen Sohn Stanislaus Hermann B. (geb. 1812, 1862). Das umfangreiche Geschäft wurde einstweilen von Karl Sigismund Zäschmar (geb. 1776, 1842) allein fortgeführt, dem Schwiegersohne des Verstorbenen und Schwager des Minderjährigen, der sich im J. 1817 mit der Adoptivtochter Johanna Christiane vermählt hatte und seit 1812 als Compagnon in die Firma eingetreten war. Zäschmar erweiterte das Geschäft durch Gründung der „Breslauer Zeitung“, die gegenwärtig zu den tonangebenden Organen des entschiedenen Liberalismus gehört; er führte ferner (1831) als Erster in Schlesien die neuen Schnellpressen von König & Bauer in der Officin ein. Unterdessen war B. mündig geworden und hatte seine Ausbildung sowie seine Reisen im Ausland beendet. Ehrgeizig, rastlos thätig und von einem wirklich idealen Schaffensdrang erfüllt, vergrößerte er in kurzer Zeit das Geschäft bedeutend. Der Verlagsbestand erhielt in Berghaus' großer Geographie mit Holzschnitten eine ansehnliche Erweiterung, außerdem vergrößerte er die Schriftgießerei und fügte derselben eine Abtheilung für Stereotypie hinzu und endlich errichtete er auch noch eine Sortimentsbuchhandlung. Leider hatten die großen etwas übereilten Umgestaltungen der Firma geschäftliche Krisen im Gefolge, und wenige Jahre nach dem Tode Zäschmar's sah sich B. genöthigt, die Verlagsbuchhandlung an seinen Neffen Karl Zäschmar, das Sortiment an J. F. Ziegler zu verkaufen. 1855 übernahm der erstere auch noch den Verlag der „Breslauer Zeitung“. In der Folge ging dann der übrige, lediglich die Buch- und Steindruckerei umfassende Theil der Firma an W. Friedrich (geb. 1798) über, den Schwager Karl Zäschmar's und einstigen Werkführer, späteren Pächter der Officin, der sie an seine Söhne vererbte. Die „Breslauer Zeitung“ dagegen wurde später Eigenthum der Firma E. Trewendt.

  • Autor/in

    Karl Fr. Pfau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfau, Karl Friedrich, "Barth, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 46 (1902), S. 219-220 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117750786.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA