Lebensdaten
1865 bis 1947
Geburtsort
Schloß Greifenstein bei Hammelburg
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; bayerischer Kammerherr
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119371456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gleichen genannt von Rußwurm, Heinrich Adelbert Konrad Carl Alexander Schiller Freiherr von
  • Gleichen, Alexander Freiherr von
  • Rußwurm, Heinrich Adelbert Konrad Carl Alexander Schiller Freiherr von
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Gleichen-Rußwurm, Alexander Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119371456.html [16.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1836–1901), Dr. phil. h. c., Landschaftsmaler u. Graphiker (s. L), S d. Adelbert, auf G. u. Bonnland, Oberstlt., u. d. Emilie v. Schiller (1804–72 [s. L ], T Frdr. v. Schillers, 1805);
    M Elisabeth (1837–65), T d. Konrad Frhr. v. Thienen-Adlerflycht (1804–84), dän. Legationssekr. b. d. Bundestagsgesandtschaft in Frankfurt, u. d. Luise Freiin v. Adlerflycht;
    Urur-Groß-Ov Wilh. Frdr. (s. 3); Vt 2. Grades Heinrich (s. 2);
    Salzburg 1895 Sophia (1867–1952, Cousine), T d. Carl Frhr. v. Thienen-Adlerflycht (1835–1900), braunschw. Min.-Resident, u. d. Elisabeth Ssergiewna Zybine; kinderlos.

  • Leben

    Hineingeboren in die weit über Europa verzweigte Tradition eines alten fränkischen Adelsgeschlechts, wuchs G. auf Schloß Greifenstein heran in der Obhut seiner Großmutter väterlicherseits, Schillers jüngster Tochter Emilie. Der Alltag war voller Erinnerungen an Schiller (Möbel, Bilder, Bibliothek des Dichters). So beschäftigte sich G. früh mit dem kleinen, doch gewichtigen Familienarchiv. Das Idyll der fränkischen Landschaft weckte in ihm die Freude an der Natur, an Wald und Garten, und eine tiefe Hingabe an die Heimat. Das großelterliche Familienleben bewahrte zudem noch ganz die heitere Geselligkeit des Ancien Régime. Weite Reisen erschlossen G.

    Europa, lange Zeit war er in Rom. Seit der Jahrhundertwende hatte er seinen Wintersitz in München, gern gesehener Gast der literarischen Salons und auch an der Tafel des Prinzregenten Luitpold. Sein Sommersitz Greifenstein war Mittelpunkt eines literarisch-philosophischen Kreises, dem unter anderem Heinrich Mann, Frank Thiess, Zobeltitz, Schrenck-Notzing zugehörten. Nachdem 1938 Greifenstein aus militärischen Gründen enteignet worden war, bezog G. die Villa Menschikow und lebte bis zu seinem Tod in Baden-Baden. – Aus dem gewohnten, selbstverständlichen Erlebnis einer heilen Welt voll feiner Geselligkeit, erfüllt von der Kultur höfischen Lebens und Schillerschen Geistes, fand G. 35jährig zur Produktion als Schriftsteller. Er schätzte die kleine Form – Skizzen, Erzählungen, Novellen, Essays – und liebte Plaudereien mit philosophischen und kulturhistorischen Nebentönen. Mit leichter Hand, angeregt von seiner Frau, entfaltete er ein umfangreiches Schaffen. Er war Dichter und Dramatiker, Kulturphilosoph und Kulturhistoriker, Journalist und Redner, Gutsherr und Geschäftsmann – ein vornehmer Edelmann altfränkischer Art, ein Grandseigneur, doch innig verwurzelt in Volk, Heimat, Religion. Ein liebevoller und eifriger Interpret Schillerscher Gedanken, war er bemüht, die ideal-humanitären Ideen der Klassik zu verbreiten, die Idee insbesondere vom Wert der Persönlichkeit, auch von Freiheit und Schönheit, und sie in einer nüchternen, andersgearteten Zeit als Vorbild weiterwirken zu lassen. An das Goethe-Schiller-Archiv in Weimar schenkte er Schillers Hinterlassenschaft. Seine Hauptwerke sind „Die Geschichte der europäischen Geselligkeit“ (6 Bände, 1909–21) und eine „Kultur- und Sittengeschichte aller Zeiten und Völker“, ferner zahlreiche Schriften über Schiller und seinen Kreis. G.s bekanntestes Buch war der „Sieg der Freude, Eine Ästhetik des praktischen Lebens“ (1909). Seine schriftstellerische Wirksamkeit – bezeugt auch durch eine Fülle von Essays, die Herausgabe zahlreicher Werke der europäischen Literatur und Lebenskunst sowie durch Übersetzungen – füllt die Jahrzehnte von 1900 bis etwa 1932, die Zeit also des Übergangs vom Ende des Alten Europas in die Massengesellschaft. Es ist daher kein Zufall, daß sein gedrucktes Werk mit dem Beginn des „3. Reiches“ spärlich geworden ist. Hatte er doch bereits in den Kriegs- und Nachkriegsjahren des 1. Weltkrieges Dramen und Schriften unveröffentlicht gelassen – in der Hoffnung aufnahmebereiterer Jahre; denn er hat sich und sein Werk verstanden als Brücke zwischen Alteuropa und einer Epoche neuer, europäisch-humanitärer Gesittung.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kulturhist.: Kultur- u. Sittengesch. aller Zeiten u. Völker, Aus d. Meisterwerken d. Gesch.schreibung ausgew. u. bearb., 24 Bde. in 12, 1929/31 (mit Frdr. Wencker);
    Schicksale d. Völker, Der Schauplatz u. s. Zwang, 1920;
    Weltgesch. in Anekdoten, 1929. - Biogrr.: Aus d. Wanderj. e. fränk. Edelmanns (Heinr. Karl Frhr. v. Gleichen-Rußwurm), 1907;
    Frdr. Schiller, die Gesch. s. Lebens, 1913;
    Die Markgfn. v. Bayreuth, 1925;
    Kgn. Viktoria, 1936. - Philos.: Freundschaft, eine psycholog. Forschungsreise, 1912, 21962;
    Schönheit, ein Buch d. Sehnsucht, 1916;
    Der freie Mensch, 1918;
    Das wahre Gesicht, Weltgesch. d. Sozialist. Gedankens, 1919;
    Philosoph. Profile, 1921. - Dramen: Die Komödie d. Gewissens, 1897 (Erstaufführung Weimar 1898);
    Der Andere, Lustspiel, o. J. (1900);
    Gegengift, Lustspiel, 1898;
    Die Tragödie d. Schönheit, 1912;
    Feinde ringsum, 1914 (Kassel 1915);
    Amor u. Psyche, o. J. (Essen 1916);
    Die Ewigen, Groteske, 1918. - Gedichte: Gedichte in Prosa, 3 Bde., 1915;
    Pierrot, 1922;
    Der Ring d. Jahres, 1925. - Romane: L’homme aimé, 41901;
    Vergeltung, 1902;
    Die Nachbarn, 1903;
    Auf verlorenem Posten, 1909;
    Saisonschluß, 1913;
    Die Macher u. d. Macht, 1915, neubearb. Welt u. Halbwelt, 1923;
    Der Schwur zu sterben, 1927;
    Die Stadt d. Götter, 1947. - Kleine vermischte Schrr.: Vom Einfluß d. Frauen, 1899;
    Aus Italia, Reisestimmungen u. Stud., 1903;
    Bildungsfragen d. Gegenwart, 1907;
    Die gebildete Frau, 1916;
    Kulturaberglaube, 1917;
    Das Ehebuch, 1919;
    Vom gemütvollen Leben, 1924;
    Gesellschaftskunst, 1924;
    Art u. Unart, Zeitspiegel d. guten Tons, 1924;
    Im grünen Salon, Novellen, 1928;
    Das närrische Utrecht u. a. hist. Novellen, 1948.

  • Literatur

    Ein Rückblick an s. 60. Geb.tag, 1925 (P);
    P. Wittko, in: Köln. Volksztg., 1940, Nr. 308;
    L. Birchler, in: Neue Zürcher Nachrr., 1947, Nr. 261;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Kosch, Theater-Lex. - Nachrr. üb. Nachlaß im Bes. d. Musée Carinet in Chalonssur-Marne, vgl.
    Souvenirs de Schiller-Goethe et Valmy, Ausstellungskat., Chalons-sur-Marne 1960. - Zu Gmv Emilie v. G.-R. geb. v. Schiller:
    Alex. v. G.-R., in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 119-24 (L);
    W. Baum, in: Euphorion 50, 1956, S. 217-27;
    - zu V Ludw.: Alex. v. G.-R., in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 124-26 (L)
    ;
    P. v. Bojonowski, in: BJ VI, S. 380-82 (W, L, u. Tl., 1901, L);
    ThB.

  • Autor/in

    Leonhard Lenk
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenk, Leonhard, "Gleichen-Rußwurm, Alexander Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 445 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119371456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA