Lebensdaten
1767 bis 1848
Geburtsort
Hochstein bei Winnweiler (Pfalz)
Sterbeort
Schönau Kreis Pirmasens
Beruf/Funktion
Eisenindustrieller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 11920682X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gienanth, Johann Michael Ludwig Freiherr von (seit 1835)
  • Gienanth, Ludwig Ritter von (1817-1835)
  • Gienanth, Johann Michael Ludwig Ritter von (1817-1835)
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Zitierweise

Gienanth, Ludwig Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11920682X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Angehörige d. Fam. Guinand sind seit Mitte 17. Jh. in d. Pfalz als Waffenschmiede u. als Bes. v. Eisenschmelzen u. Hammerschmieden nachweisbar (die Herkunft aus Burgund ist nicht zu belegen);
    V Joh. Jakob G. (1713-77), Hüttenbes. u. kurpfälz. Bergrat, S d. Hammerwerksbes. Joh. Nikolaus u. d. Maria Elis. Schad;
    M Maria Magd. (1733–1803), T d. Gastwirts u. Ratsherrn Gideon Rettig in Kaiserslautern u. d. Maria Magd. Krämer;
    Tante-v Barbara ( 1742 Heinr. Stumm, 1709–83, Hüttenbes., Begründer d. Fa.Gebr. Stumm“);
    Schw Henriette ( 1781 Joh. Frdr. Remy, 1749–1820, Eisenhüttenbes.);
    1800 Sophie Kath. (1783–1821), T d. Krappmühlenbes. Joh. Martin Stoeß in Mannheim u. d. Sophie Elis. Michel;
    6 S, 3 T, u. a. Friedrich (1805–42), Carl (1818–90); Nachkommen heiraten in d. Fam. Gf. v. Horn, Heyl, Clemm (s. NDB III), Giulini (s. NDB VI), Engelhorn (s. NDB IV).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Lateinschule in Grünstadt widmete sich G. seit 1783 volkswirtschaftlichen Studien an der Cameral-Hohen-Schule in Kaiserslautern und der Universität Heidelberg; im Harz erhielt er seine praktische bergmännische Ausbildung und übernahm 1791 die Leitung eines kleinen Hüttenwerks im Berner Oberland. Nach dem Tode seiner Brüder kehrte er in die Pfalz zurück und führte den Familienbesitz unter großen Schwierigkeiten glücklich über die Krisenjahre der Französischen Revolution. Durch Erwerb neuer Produktionsstätten (die Eisenwerke in Eisenberg (1800), Trippstadt (1804) und einige kleinere Hämmer) konnte er den Betrieb erweitern und durch die Einführung neuer Arbeitsmethoden modernisieren. Um mit dem englischen Blech konkurrieren zu können, erbaute er in Trippstadt und auf der Nächstmühle ein Walzwerk und errichtete in Altleiningen einen Drahtzug. Die Rohstoffe sicherte er sich durch eigene Eisen- und Kupfergruben. Straßen, die er auf eigene Kosten anlegen ließ, stellten eine bessere Verbindung zwischen den einzelnen Werken her. G.s wachsendes Ansehen fand Bestätigung durch seine Berufung in den Departementalrat des Departements Donnersberg (1800) und die Ernennung zum Spezialkommissar für den Straßenbau (1805). Die wirtschaftliche Isolierung der mit Bayern verbundenen linksrheinischen Gebiete nach 1816 führte zu erheblichen Absatzstockungen, die erst nach der Begründung des Zollvereins langsam behoben werden konnten. Dabei machte der pfälzischen Eisenindustrie neben der englischen auch die saarländische Konkurrenz zu schaffen; deren Überlegenheit beruhte auf dem Gebrauch der Steinkohle und der von der bayerischen Regierung zugestandenen zollfreien Einfuhr ihrer Waren in den Rheinkreis, während G. bei den Behörden oft wenig Verständnis fand, so daß er sich durch den Kauf großer Waldungen vom Staat unabhängig zu machen suchte. Doch gehörte er zu jenen großbürgerlichen Familien, mit denen die bayerische Regierung in der durch die Französische Revolution sozial nivellierten und politisch demokratisierten Pfalz engen Kontakt suchte: er wurde in den persönlichen Adelsstand erhoben, wurde Mitglied des Landrats, schließlich Reichsrat. Er hat freilich keine aktive Rolle bei den Kammerberatungen gespielt und empfand sie als Belastung und Ablenkung von seinen Geschäften, zumal die bayerische Wirtschaftspolitik wenig seinen Vorstellungen und Interessen entsprach; Ende 1827 ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amte entheben. In seiner persönlichen Lebenshaltung blieb er bescheiden und anspruchslos; von seinem beträchtlichen Vermögen machte er zahlreiche Stiftungen und sorgte für seine Arbeiterschaft im Geiste eines christlich-patriarchalischen Unternehmertums. Die letzten Lebensjahre verbrachte er auf dem 1835 erworbenen Werk Schönau an der elsässischen Grenze, während unter seinen Söhnen Eisenberg zum Sitz und Mittelpunkt der von ihm begründeten Firma wurde.

  • Literatur

    C. Hollensteiner, L. v. G., 1852;
    (Curt Frhr. v. Gienanth), Gesch. d. Fam. Guinand, 21952;
    B. Wedemeyer, Die Fam. Gienanth, Ein Kap. aus d. Entwicklung d. pfälz. Eisenindustrie, phil. Diss. Göttingen 1953 (ungedr.).

  • Portraits

    P Ölgem. (v. J. Stieler?) (im Bes. v. Ulrich Frhr. v. Gienanth, Eisenberg/Pfalz), Abb. in: Genealog. Hdb. d. in Bayern immatr. Adels VI, 1957.

  • Autor/in

    Kurt Baumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Baumann, Kurt, "Gienanth, Ludwig Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 372 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11920682X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA