Lebensdaten
1457 bis 1522
Geburtsort
Frankenberg/Eder (Hessen)
Beruf/Funktion
Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11871709X | OGND | VIAF: 44710510
Namensvarianten
  • Bodenbender, Wigand
  • Gerstenberg genannt Bodenbender, Wigand
  • Gerstenberger, Wigand
  • mehr

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Zitierweise

Gerstenberg, Wigand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871709X.html [23.01.2021].

CC0

  • Leben

    G. studierte in Erfurt und wurde nach 1478 Altarist an der Pfarre seiner Heimatstadt. Um 1493 wurde er Kaplan des Landgrafen Wilhelm III. von Hessen, der ihm 1494 den Altar auf Schloß Dornberg und 1497 einen Altar in der Marburger Schloßkirche verlieh. 1493 begann er sein Hauptwerk, die thüringisch-hessische Landeschronik. Die umfangreiche Arbeit ist eine Kompilation zahlreicher Quellen, die der Verfasser in den meisten Fällen gewissenhaft anführt. Wenn er in ihrer Benutzung auch unkritisch verfährt, in der Chronologie oft ungenau ist und, der Mode seiner Zeit folgend, etymologische und historische Spielereien liebt, enthält die Landeschronik doch neben einigen verlorenen Quellen (Chronik des Johann Riedesel, Hessenchronik) eine Fülle wertvoller Nachrichten. Den Geist des Humanismus und den der Reformation hat G. nicht mehr erfaßt. Das Werk, wahrscheinlich für Landgraf Wilhelm den Jüngeren bestimmt, verfolgt unverkennbar erzieherische Absichten. Nach einer Vorrede ist es in 2 Abschnitte geteilt: Der erste enthält eine Landesgeschichte, die der Verfasser, ganz seiner Zeit verhaftet, mit Alexander dem Großen beginnt und bis 1247 durchführt. Im zweiten beschreibt er die Geschichte Hessens unter dem Hause Brabant. Er ist vornehmlich Regentengeschichte. Angehängt sind 3 Exkurse: Die Wunder der heiligen Elisabeth, die Tugenden des Bruders Kurt, die Wunder des seligen Ludwig.

    Nach dem Tode seines Gönners 1500 lebte G. zunächst vorwiegend in Frankenberg, wo er seine Stadtchronik (vollendet 1506) verfaßte. In dieser hat er sich zum größeren Ruhme seiner Vaterstadt oft zu Übertreibungen und Fälschungen hinreißen lassen. Andererseits teilt er aber auch viele zuverlässig und lebendig geschilderte Ereignisse aus eigener Anschauung mit. Wahrscheinlich im Anschluß daran überarbeitete und erweiterte er das Frankenberger Stadtrecht des Johannes Emerich, dem er Notizen über den „Orden des Neuen Testaments“ voranstellte. Sein Anteil an dem Werk ist aber gering. – 1503-06 stand G. im Dienste der Landgräfin Anna. In diesen und den folgenden Jahren schrieb er seine Regententafel von Thüringen und Hessen, einen genealogisch-historischen Auszug aus der Landeschronik. – Bis zu seinem Tode arbeitete er mit abnehmenden Kräften an seiner Landeschronik, die er noch bis zum Jahre 1515 fortführen konnte.

  • Werke

    Ausg. H. Diemar, Die Chron. d. W. G. v. Frankenberg. 1909.

  • Literatur

    ADB IX;
    J. Pistor, Der Chronist W. G., in: Zs. d. Ver. f. Hess. Gesch. 27, 1892, S. 1 ff.;
    F. Uhlhorn, in: Vf.-Lex. d. MA II, Sp. 35-39 (W, L).

  • Autor/in

    Friedrich Uhlhorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhlhorn, Friedrich, "Gerstenberg, Wigand" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 327-328 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871709X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gerstenberger: Wigand G. genannt Bodenbender (Vietor), hessischer Chronist, geboren zu Frankenberg in Hessen am 1. Mai 1457, daselbst am 27. August 1522. Aus seinem Leben ist nur wenig bekannt. Er war Altarist zu Frankenberg und erscheint als solcher zuerst 1486. 1495 begleitete er als Caplan den Landgrafen Wilhelm den Jüngern von Hessen auf den Reichstag zu Worms. In einem eigenhändigen, im Marburger Staatsarchiv aufbewahrten Briefe vom J. 1517 unterschreibt er sich „Guigandus Gerstenberg (!) genant Bodinbender priester“. 1493 begann er die Abfassung einer thüringischhessischen Chronik, die er dann bis zum J. 1515 fortführte. Vieles darin Erzählte wiederholte er in einer Chronik seiner Vaterstadt Frankenberg, die er um dieselbe Zeit (1493) zu schreiben unternahm. G. verfuhr bei seinen Aufzeichnungen sehr gewissenhaft. Er wollte, wie er sagt, nichts nach Hörensagen mittheilen, sondern aus schriftlichen Ueberlieferungen das Beste auswählen. Bei jeder Nachricht nennt er die Vorlage, welcher er sie, oft ihrem Wortlaut nach, entnommen hat. Auswahl und Verwendung der Quellen ist natürlich keine kritische. Eine Zusammenstellung derselben giebt er im Eingang seiner thüringischhessischen Chronik. Am meisten hat er die thüringische Chronik des Johann Rothe benutzt. Der Werth seiner Arbeiten besteht hauptsächlich darin, daß er Quellen besaß, die uns theils gar nicht, theils nur in mangelhafter Gestalt erhalten sind. Von ersteren ist namentlich die Chronik des Johann Riedesel (1232—1327) und die zeitlich daran sich anschließende Hessenchronik zu nennen. Auch Urkunden hat er öfter benützt, namentlich in der Frankenberger Chronik. Selbständige Nachrichten gibt er vom Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts an, erst spärlich, dann zahlreicher.

    • Literatur

      Ueber G.: Wenck, Hessische Landesgesch. I. S. XV—XVII. Ersch u. Gruber, Allgem. Encyklop. Sect. I. Th. 62 S. 90—93. Geburts- und Todestag bei Saur, Calendar. hist., vermehrte Aufl. (Frankf. 1594) S. 257 u. 476. Die thüringisch-hessische Chronik nach einer unvollständigen Handschrift bei Ayrmann, Sylloge Anecdotorum I. S. 1—168, ergänzt und vom J. 813 ab vollständig bei Schmincke, Monimenta Hassiaca I. u. II. Die|Frankenberger Chronik edirten Joh. Friedr. Faust von Aschaffenburg (Franckenbergisch Chronik und Zeit-Buch. Zusammen getragen durch Wehgand Gerstenbergern..... an tag gegeben e Mss. J. F. F. V. A. verlegt durch Gotth. Vögelin) 1619. Fol., und Kuchenbecker, Analecta Hassiaca V. S. 145—240, beide nach mangelhaften Handschriften. Zusätze dazu, die aber nicht alle dem G. angehören, bei Ayrmann a. a. O. S. 621—72. Die muthmaßlichen Originalmanuscripte beider Chroniken besitzt die Landesbibliothek zu Cassel.

  • Autor/in

    Arthur , Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Arthur, "Gerstenberg, Wigand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 66-67 unter Gerstenberger [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871709X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA