Lebensdaten
1755 bis 1843
Geburtsort
Harting bei Regensburg
Sterbeort
Luzern
Beruf/Funktion
katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13365530X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geiger, Johann Nepomuk (Taufname)
  • Geiger, Franz
  • Geiger, Johann Nepomuk (Taufname)
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Zitierweise

Geiger, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13365530X.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Emmeram ( 1805), Lektor d. Philos. in L.

  • Leben

    1772 Novize der Franziskaner in Luzern, wird G. 1779, nach der feierlichen Profeß 1773, Priester. Nach dem Studium der Mathematik und Philosophie in Regensburg und der Theologie in Würzburg wird er Professor der hebräischen Sprache in Regensburg, der Poesie und Rhetorik in Offenburg, der Philosophie in Freiburg (Schweiz) und Professor der Theologie und Stiftsprediger in Solothurn, wo er Beziehungen zu dem französischen Gesandten Marquis de Verrac anknüpft und zusammen mit ihm ein Komplott mit den Royalisten schmiedet, die mit Schweizer Regimentern und 20 000 Scharfschützen den Königsthron in Frankreich wieder aufrichten wollten. 1792 wird er als Professor der Theologie und Kirchengeschichte nach Luzern gerufen, dem Sitz des päpstlichen Nuntius, der ihn zum Theologus Nuntiaturae macht. Bei den Nuntien geht er ein und aus, genießt das volle Vertrauen von Pius VI. und Pius VII., der ihn mit wichtigen Aufgaben betraut. Er lehnt alle Auszeichnungen, selbst den Kardinalshut ab, erhält jedoch 1805 die Genehmigung, aus dem Orden auszutreten und Weltgeistlicher zu werden. Bei den Luzerner religiösen Wirren muß er seine Professur mit der Stelle als Chorherr am dortigen Kollegiatstift Sankt Leodegar vertauschen und wendet sich von da ab der Publizistik zu, als Mitbegründer der Schweizerischen Kirchenzeitung. Als Theologe bricht G. „mit dem alten Schulwust“ und wird unter dem Einfluß von K. L. von Haller Anhänger des französischen Traditionalismus, mit dem er Ideen der Hegelschen Philosophie verbindet. Mit der Übersetzung der Evangelischen Moral L. Bautains verbindet er diese Ideen mit der deutschen Romantik. Der aufklärerischen autonomen Einzelvernunft setzt|er die über allen stehende allgemeine, absolute Vernunft entgegen, der gegenüber die Einzelvernunft nicht schöpferisches, sondern nur passiv aufnehmendes Organ der absoluten Vernunft ist. Daß dem Menschen etwas beigebracht werden kann, hat er der Offenbarung zu verdanken, die ihm durch die von der Autorität der Kirche getragene Überlieferung vermittelt wird.

  • Werke

    Ges. Werke, 8 Bde., hrsg. v. J. Widmer, 1824/39.

  • Literatur

    ADB VIII;
    J. Widmer, Chorherr F. G., 1843;
    H. Domann, Kirchenpol. im 1. Jahrzehnt d. neuen Bistums Basel, 1920;
    E. Reinhard, Karl Ludw. v. Haller u. F. G., in: Schweizer Rdsch. 25, 1925/26, S. 557-67, 669-77, 768-77;
    A. Renner, Görres u. d. Schweiz, Diss. Freiburg i. Br. 1930;
    J. R. Geiselmann, Joh. Adam Möhler u. d. Entwicklung s. Kirchenbegriffs, in: Theol. Qu.schr. 112, 1931, S. 54-61;
    ders., Geist d. Christentums u. d. Katholizismus, 1940, S. XI f., 47-52;
    J. Schmiedlin, Papstgesch. d. neuesten Zeit I, 1933, S. 256, 287, 592;
    E. Hocedez, Hist. de la théologie au XIXe siècle I, Brüssel u. Paris 1948, S. 226;
    Wetzer-Welte;
    LThK.

  • Autor/in

    Joseph Rupert Geiselmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiselmann, Joseph Rupert, "Geiger, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 145 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13365530X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geiger: Franz G., katholischer Theologe, geb. am 16. Mai 1755 zu Harting bei Regensburg, gest. am 8. Mai 1843 zu Luzern. Sein Taufname war Johann Nepomuk, sein Ordensname Franz Tiburtius; in seinen Schriften nennt er sich Franz. G. machte seine Studien zuerst bei den Jesuiten, dann im Seminar der Benedictiner zu Regensburg, 1772 wurde er zu Luzern Franciscaner (1805 trat er mit päpstlicher Erlaubniß aus dem Orden aus). Nachdem er 1773 die Gelübde abgelegt hatte, setzte er zu Regensburg und Würzburg seine Studien fort. 1779 zum Priester geweiht, war er einige Zeit Lehrer der hebräischen Sprache zu Regensburg, dann vier Jahre Professorder Poetik und Rhetorik an dem Gymnasium seines Ordens in Offenburg (wo er einige Schau- und Singspiele dichtete und letztere auch in Musik setzte), dann Lector der Philosophie in Freiburg in der Schweiz. 1788 wurde er Lector der Theologie im Kloster und Stiftsprediger zu Solothurn, wo er sich nach dem Ausbruche der französischen Revolution in ein Complott zur Wiederherstellung des Königthums durch die Schweizer-Regimenter einließ. 1792 wurde G. als Professor der Dogmatik und Kirchengeschichte nach Luzern berufen, 1808 auch zum Chorherrn an dem St. Leodegar-Stift im Hof ernannt. (Sein Bruder Emmeram war Professor der Philosophie in Luzern, gest. am 2. Jan. 1805.) 1819 wurde G. seiner Professur enthoben. In Luzern war G. Theologe der Nunciatur und ein einflußreicher Rathgeber der Nuncien. Er vermittelte auch vielfach den Verkehr deutscher Bischöfe und Geistlichen mit Rom und erhielt wiederholt wichtige Aufträge von der päpstlichen Curie. Die dem „Schweizer Theologen“ von Rom aus angebotenen kirchlichen Auszeichnungen (Leo XII. soll ihm sogar den Cardinalshut angeboten haben) lehnte er ab. Auch als Schriftsteller war G. unermüdet für die katholische Sache in streng kirchlichem Sinne thätig. Er hat kein größeres theologisches Werk veröffentlicht, aber eine große Anzahl von kleineren, meist apologetischen oder polemischen Schriften über dogmatische, kirchengeschichtliche, kirchenrechtliche und politische Gegenstände.

    • Literatur

      Fr. Geiger's sämmtliche Schriften (herausgegeben von Joseph Widmer), 8 Bände, 1823—39 (der 4. Band enthält Uebersetzungen, meist aus dem Französischen). — J. Widmer, Der sel. Chorherr Fr. Geiger, Laute aus|dessen Leben, 1843. —
      N. Nekrolog XXI (1843), 1, S. 381—390. —Wetzer und Welte, Kirchenlexikon IV, 354. — Werner, Geschichte der kathol. Theologie S. 360.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Geiger, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 506-507 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13365530X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA