Lebensdaten
1832 bis 1899
Geburtsort
Ludwigsburg (Württemberg)
Sterbeort
Ludwigsburg (Württemberg)
Beruf/Funktion
Prediger der Bischöflichen Methodistenkirche ; Übersetzer ; Dichter ; Sänger des deutschen Erweckungs- und Heiligungsliedes
Konfession
methodistisch
Normdaten
GND: 118689886 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gebhardt, Ernst Heinrich
  • Gebhardt, Ernst
  • Gebhardt, Ernst Heinrich

Orte

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Zitierweise

Gebhardt, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118689886.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gotthilt Ernst (1788–1851), Lehrer u. Speisemeister, S d. Schullehrers Joh. Ernst in Kochendorf u. d. Christiane Maier;
    M Christiane Kath. (1801–60), T d. Kaufm. Joh. Buhl in Beutelsbach u. d. Christiane Gscheidle;
    Kornwestheim 1860 Christiane Beate (* 1840), T d. Dr. med. Karl Frdr. Paulus u. d. Christiane Bender;
    3 S, 6 T.

  • Leben

    Nach Besuch der Lateinschule und des pietistischen pädagogischen Institutes „Salon“ vertauschte G. den anfänglich eingeschlagenen Apothekerberuf mit dem eines Farmers bei Valdivia in Chile. Nach 5jähriger Kolonistentätigkeit daselbst wurde er auf einer Besuchsreise nach der Heimat am Kap Horn aus Anlaß eines drohenden Schiffbruches innerlich erweckt und erlebte im Wachnachtgottesdienst der Methodistengemeinde in Ludwigsburg, wohin er seine Mutter begleitete, 1858/59 die große Wende seines inneren Lebens. Mit der Absicht, als Missionar unter den deutschen Ansiedlern nach Chile zurückzukehren, besuchte er das Predigerinstitut der Methodistenkirche in Bremen, wirkte dann aber in der Heimat als Methodistenprediger in Ludwigsburg, Heilbronn, Pforzheim, Bremen, Zürich, Straßburg im Elsaß, Biel (Kanton Bern), Zwickau und Karlsruhe. Er war langjähriger Schriftleiter der methodistischen Wochenschriften, des „Evangelisten“ und des „Kinderfreundes“, Mitarbeiter der „Wächterstimmen“ wie Begründer des „Mäßigkeitsfreundes“, der ersten deutsch-europäischen Zeitschrift mit dem Grundsatz der Enthaltsamkeit von allen berauschenden Getränken, und diente 12 Jahre als Redakteur der Zeitschrift „Sängergruß“. 1892 wurde er Präsident und 1896 Ehrenpräsident des Bundes. Unter dem vom angelsächsischen Methodismus beeinflußten Liedgut hat er die größte Produktivität aufzuweisen. Er wurde der erste dichterische und musikalische Dolmetscher und Förderer der angelsächsischen Evangelisations- und Heiligungsbewegung, die seit 1875 durch Deutschland ging. Seiner ersten Publikation „Frohe Botschaft“ (1875, 851921) folgten 33 musikalische Werke, mit denen er nicht der Kunst, sondern dem Reiche Gottes dienen wollte. Er gilt als der Vater des deutschen Erweckungs- und Heiligungsliedes, der mit der Lehre der methodistischen Heiligungsbewegung den amerikanischen Typ des Gospel Song nach Deutschland verpflanzte. Ursache für die weite Verbreitung dieses Liedgutes sind zentrale Orientierung an der Bibel, Ergänzung des deutschen Liederschatzes durch Einführung der Narrative Hymns (Zeugnislieder) und Work-Hymns, die zur Arbeit für den Herrn auffordern, und Volkstümlichkeit nach poetischer und melodischer Gestaltung. Sein Bestreben war es, den ehrwürdigen deutschen Choral aus den Fesseln des traditionellen langatmigen Grabliedertempos durch eine lebhafte Rhythmisierung zu befreien. Nach Art der Refrainpsalmen wird der Hauptgedanke des Liedes durch eine stete Wiederholung gleichsam in die Herzen hineingenietet. So hat er neue Wege musikalischer und gesanglicher Volksmission eröffnet. Mit seiner gutgeschulten Stimme, die zwischen hohem Bariton und Heldentenor lag, wurde ihm als „singendem Evangelisten“ eine besondere Macht über die Gemüter gegeben.

  • Literatur

    I. A. Bucher, Ein Sänger d. Kreuzes, 1912 (W-Verz., P);
    Walter Schulz, Die Bedeutung d. v. angelsächs. Methodismus beeinflußten Liedgutes f. unsere dt. Kirchengesänge, ill. an d. Liedern v. E. G., Diss. Greifswald 1934;
    Brümmer;
    RGG2.

  • Portraits

    Walter Schulz, Reichssänger, 1930, Abb. 44 u. S. 44 f.

  • Autor/in

    Walter Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Walter, "Gebhardt, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 121 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118689886.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA