• Genealogie

    V Anton (1803–73), k. k. Regierungsrat, S d. k. k. Kammerdieners Leopold u. d. Katharina Machatschek;
    M Therese (1816–82), T d. Franz Zellenka, Schildkrotkammacher in Pest u. d. Elisabeth Ziegenbauer;
    Czernowitz 1887 Maria, T d. Zoologen Vitus Graber ( 1892, s. NDB VI);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    G. war ursprünglich Naturwissenschaftler, studierte in Wien Physik und Chemie, wurde Realschulprofessor in Ungarisch-Hradisch; dort aushilfsweise zum Unterricht in Französisch herangezogen, bereitete er sich autodidaktisch auf das Lehramtsexamen auch in diesem Fach vor und lehrte anschließend Französisch am Gymnasium in Linz. Er kam 1878 nach Wien, wo er sich, 35jährig, auf Anregung von A. Mussafia ganz der romanischen Philologie zuwandte. 1885 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität Czernowitz, 1899 an die Universität Innsbruck auf den für das Gesamtfach neu errichteten Lehrstuhl berufen, der neben den seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden für italienische Sprache und Literatur trat und den er bis zu seiner „Übernahme in den Ruhestand“ 1911 inne hatte. Die auf das Italienische beschränkten, zeitweilig das Provenzalische einschließenden Innsbrucker romanistischen Studien weitete er auf das Gesamtfach aus, las seit 1901 Rumänisch, seit 1902 Neuprovenzalisch, seit 1903 Rätoromanisch. Dieses war durch G. I. Ascoli in der Dreiheit Graubünden, Südtirol, Friaul als zusammengehörige romanische Reste des einst zwischen dem Südfuß der Alpen und der Donau lebenden Volkslateins erkannt und 1873 in seinen „Saggi ladini“ als selbständige romanische Sprache dargestellt worden. Unabhängig von ihm und durch Sammlung von Wörtern und Texten unter dem Volk, sowie methodisch, besonders im Hinblick auf die soziologisch bedingte Sprachschichtung, über Ascoli hinausgehend, durchforschte G. auf mehrjährigen Wanderungen die „ladin.“ Dialekte vom Bergell über Obwalden, Mittelbünden, Engadin und Südtirol bis nach Friaul. Er wandte zum ersten Mal die von der romanistischen Forschung nördlich und westlich der Alpen sowie von der Schweiz aufgenommene Bezeichnung „Rätoromanisch“ auf die 3 räumlich durch das Vordringen des Deutschen wie des Italienischen getrennten und als selbständige romanische Sprache zur Westromania gehörenden Gruppen an, so besonders in dem noch heute grundlegenden „Handbuch der rätoromanischen Sprache und Literatur“ (1910), und wurde zum wesentlichen Mitbegründer der Philologie des Rätoromanischen.

  • Werke

    Weitere W Die Gredner Mundart, 1879 (1. Studie e. einzelnen rätoroman. Mundart, e. d. frühesten roman. Dialektmonographien überhaupt);
    Die Judicar. Mundart, 1882;
    Viaggi ladini, 1882;
    Raetoroman. Grammatik, 1883;
    Sulzberger Wörter, 1883;
    Die rätoroman. Mundarten, in: Gröbers Grundriß d. roman. Philol. I, 1888, S. 461-88;
    Die Mundart v. Erta (Friaul), in: Zs. f. roman. Philol. 16, 1892;
    Darst. d. rumän. Sprache, 1904;
    Ladin. Wörter aus d. Dolomitentälern, 1923. - Krit.-philol. Textausgg.: Die Zehn Alter, e. rätoroman. Bearb. a. d. 16. Jh. (Las deschs eteds da Gebhard Stuppan, Drama rappresentà a Pasqua 1564 ad Ardez), in: Roman. Stud. 6, H. 21, 1885, S. 239-99;
    Das NT, 1. rätoroman. Übers. v. J. Bifrun 1560, Dresden 1913.

  • Literatur

    J. Jud, in: Romania 51, 1925, S. 622 f.;
    R. v. Planta, in: Annalas della Società Retoromantscha 41, 1927, S. 261-68 (in Bündnerromanisch);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Alwin Kuhn
  • Empfohlene Zitierweise

    Kuhn, Alwin, "Gartner, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 76 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118900846.html#ndbcontent

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