Lebensdaten
1784 bis 1847
Geburtsort
Potsdam
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Klarinettist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120367246 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baermann, Heinrich Josef
  • Bärmann, Heinrich Josef
  • Baermann, Heinrich
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Zitierweise

Baermann, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd120367246.html [26.03.2017].

CC0

Baermann, Heinrich Josef

Klarinettist, * 14.2.1784 (nach C. M. von Weber 13.4.1784) Potsdam oder Stettin, 11.6.1847 München. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Soldat (ca. 1746-nach 1818), aus Hamburg; M Braun; B Karl Baermann (1782–1842), Fagottist; 1) Helene Harlass (1785–1818) (katholisch), Opernsängerin, München, 2) Franziska Zimmermann (* 1788), seit 1824 getrennt lebend, 3) München 19.9.1825 Marie Calatin (1785–1851, evangelisch); wenigstens 3 S, 1 T, u. a. aus 1) Karl Baermann (s. 2), aus 2) Josef Heinrich Baermann (1813–66), Kunstmaler.

  • Leben

    B. erhielt seine Ausbildung in der Militärmusikerschule zu Potsdam und wurde mit 14 Jahren Klarinettist bei der Königlich Preußischen Leibgarde. Seit 1804 war er Mitwirkender bei den Hausmusiken des Prinzen Louis Ferdinand. 1806 geriet er in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr erhielt er die Anstellung als 1. Klarinettist an der Münchener Hofkapelle. Von hier verbreitete sich sein Ruf über ganz Europa. C. M. von Weber, der ihn 1811 kennen lernte, unternahm mit ihm eine ausgedehnte Konzertreise (1811/12). Mehrere Konzertreisen führten B. u. a. nach|Wien, Venedig, Paris, Prag, London, Petersburg, Moskau und brachten ihm überall triumphale Erfolge. B. war es, der Weber nach einer mißglückten Aufführung von dessen Oper „Silvana“ in Berlin durch meisterhafte Interpretation der Weberschen Klarinettenkonzerte zur gebührenden Anerkennung verhalf. B. war es auch, der mit J. K. Aiblinger als Dirigent 1815 in Venedig zum ersten Male die Aufführung einer Beethovenschen Sinfonie ermöglichte. - B.s Bedeutung liegt darin, daß er dem kantablen Klarinettenstil im Gegensatz zum französischen Clarinostil Geltung verschaffte und damit die Voraussetzung schuf für die Klarinettenbehandlung bei den Romantikern (Weber, L. Spohr). Der eindeutige Vorrang der deutschen Klarinettisten im 19. Jahrhundert, den auch F. G. Fétis anerkennt, geht auf das Vorbild B.s zurück.

  • Werke

    u. a. 3 Duos für 2 Klarinetten, op. 10; Andante mit Variationen u. Polonaise f. Klarinette u. Orchester, op. 20; Concertino in F mit Orchester, op. 24; Phantasie in Es mit Orchester, op. 27; Concert in d mit Orchester, op. 28; Andante mit Variationen in F mit Orchester, op. 29; Exercises amusants, Klarinette solo, op. 30; Sonate in f mit Orchester od. Streichquartett, op. 31; Divertissement in As u. in C mit Orchester, op. 34 u. 35; Divertissement in Es mit Orchester, op. 38; Arrangements verschiedener Opern (u. a. Euryanthe, Fidelio, Vestalin, Zauberflöte) für Klarinette, Bassethorn u. Fagott als Quintett u. Quartett.

  • Literatur

    ADB II; Der Freymüthige (Berliner Ztschr.), 1834, Nr. 162-65 (etwas veränderter Abdr. v. Lewald); A. Lewald, Panorama v. München, 1835, Bd. 2, S. 134; Der Bayer. Volksfreund, 1847, Nr. 91 (Leichenbegängnis v. H. B.); M. M. v. Weber, K. M. v. Weber, ein Lebensbild, 1864–66; F. W. Jähns, K. M. v. Weber in seinen Werken, 1871; Vossische Ztg. 1884, Nr. 81, Sonntagsbeil. Nr. 7; O. Kroll, H. J. B., in: Musik im Zeitbewußtsein, 1934, VII (P); ders., Weber u. B., in: Ztschr. f. Musik 103, 1936, S. 1439-43 (P); s. a. Kritiken in d. Leipziger Allg. Mus. Ztg. ab Jg. 1802; Briefe bewahrt d. Öffentl. Wiss. Bibl. Berlin; vgl. ferner L. Nohl, Musikerbriefe, 1867; F. J. Lipowsky, Bayer. Musik-Lex., 1811; G. Schilling, Universal-Lex. d. Tonkunst, Bd. 1, 1835.

  • Portraits

    Ölgem. im Privatbesitz in Indersdorf (Dachau); mehrere Reproduktionen (Phot.), Öffentl. Wiss. Bibl. Berlin.

  • Autor

    Heinz Becker
  • Empfohlene Zitierweise

    Becker, Heinz, "Baermann, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 526 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd120367246.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Bärmann, Heinrich

  • Leben

    Bärmann: Heinrich Jos. B., Clarinettist, geb. zu Potsdam 14. Febr. 1784, 11. Juni 1847. Nachdem er seinen ersten Unterricht auf der Potsdamer Militär-Musikschule erhalten hatte, ward er 1798 dem neu errichteten 2. Hautboistencorps der Leibgarde als Clarinettist zugetheilt. Seit 1804 zog Prinz Louis Ferdinand, der auf den schon damals hervorragenden jungen Künstler aufmerksam geworden war, ihn zu seinen musikalischen Unterhaltungen. Nach der Schlacht bei Jena, 1806, die er mit seinem Regiment mitgemacht hatte, gerieth er in französische Gefangenschaft; es gelang ihm aber in Berlin, zu entkommen. Hier gab ihm der eben anwesende Kronprinz Ludwig von Baiern eine Empfehlung an seinen königlichen Vater und B. ward in München gleich nach dem ersten Hofconcert als erster Clarinettist der Hofcapelle angestellt. Eine Reihe von Kunstreisen verbreiteten bald seinen Ruhm weit über Deutschland hinaus. Mit dem Violoncellisten Legrand hatte er schon 1808 die Schweiz und das südliche Frankreich bereist, als 1811 der junge Karl Maria v. Weber nach München kam und für B., um seine Mitwirkung in einem Concerte zu gewinnen, das Concertino C-moll für Clarinette schrieb. Der große Beifall, den dasselbe fand und die seit dieser Zeit entstandene innige Freundschaft zwischen den beiden Künstlern gab Weber den Anlaß, 1811 auch die berühmten Clarinett-Concerte F-moll und Es-dur für B. zu schreiben. Beide machten darauf noch im Herbst 1811 eine Kunstreise über Gotha, Weimar, Dresden, Prag und Berlin, wo Bärmann's Vortrag der Weber'schen Compositionen wesentlich dazu beitrug, das Vorurtheil, dem Weber's erstes Auftreten dort begegnete, zu überwinden. 1813 spielte B. in Wien, wo ihn Weber und Meyerbeer zu seinem Geburtstag jeder mit einem Soloquintett für Clarinette (B-dur und Es-dur) überraschten; 1815 concertirte er unter außerordentlichem Beifall in Venedig; im Winter 1817—18 mit der Catalani in Paris, 1820, von der Philharmonischen Gesellschaft berufen, in London. Den Antrag, den ihm hier der Prinz-Regent machte, mit Cramer die Leitung seiner Hofcapelle zu übernehmen, lehnte er ab. 1821 war er wieder in Wien, 1822 in Straßburg, Frankfurt, Cassel, Hamburg, Riga und Petersburg, von wo er 1823 über Moskau, Warschau u. s. w. zurückkehrte. Eine neue Concertreise führte ihn 1827 bis Kopenhagen. 1832 ging er in Begleitung seines Sohnes Karl, dem echten Erben seiner Kunst, nochmals nach Petersburg. Während ihres damaligen Aufenthaltes in Berlin schrieb der junge Mendelssohn für sie die Trio's F-moll und D-moll, ursprünglich für Clavier, Clarinette und Bassethorn. Auch mit Mendelssohn knüpfte sich ein dauerndes Freundschaftsverhältniß. 1839 machten Vater und Sohn eine neue Reise durch Frankreich nach Paris, und 1843 machte der Vater seine letzte Reise nach Holland. — Bärmann's Spiel überragte an neu entwickelter Technik und an Größe des Tones alles bis dahin Gehörte. Unter seiner Hand und durch die Verbesserungen, welche der Bau der Clarinette seinem Sohne Karl verdankt, ist das Instrument wesentlich entwickelt. Die Ergebnisse dieser doppelten künstlerischen Lebensarbeit hat der Sohn in seiner "Clarinettschule" op. 63, 2 Theile und Anhang, 1861 ff. zusammengefaßt. Heinrich Bärmann's Compositionen (vgl. Ledebur, Tonkünstlerlex.) reichen bis opus 38, von denen namentlich die Concertstücke mit Orchester (die Fantasie Es, op. 26; die Concertinos Es, F, Es, op. 27, 28, 32; die Sonate F, op. 31; die Divertissements As, C, Es, op. 34, 35, 38, die Variationen F, As, op. 29, 37) noch jetzt gerne gehört werden.

    Karl Bärmann, der Sohn, ist am 24. Oct. 1811 geboren und seit 1827 Mitglied der Münchener Hofcapelle, auch Lehrer an der königl. Musikschule. Seine Compositionen haben die Opus-Zahl 87 erreicht. An der Musikschule ist auch sein Sohn Karl, geb. 9. Juli 1839, als Clavierlehrer angestellt.

    Ein Bruder Heinrichs, gleichfalls mit Namen Karl, geb. in Potsdam um 1782, 30. März 1842 als pensionirter 1. Fagottist der Berliner Operncapelle, war als Fagottist rühmlich bekannt. (Vgl. Ledebur.)

    • Literatur

      Der bis 1832 reichende Artikel über Bärmann in G. Schilling's Universallex. der Tonkunst beruht auf seinen eigenen Mittheilungen.

  • Autor

    v. Liliencron.
  • Empfohlene Zitierweise

    Liliencron, Rochus Freiherr von, "Baermann, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 69-70 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd120367246.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA