Lebensdaten
1741 bis 1825
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Putney Hill bei London
Beruf/Funktion
Maler ; Schriftsteller
Konfession
zwinglianische Familie
Normdaten
GND: 118536745 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fuseli, Henry (in England)
  • Füeßlin, Heinrich
  • Füeßli, Heinrich
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Zitierweise

Füßli, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536745.html [21.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Caspar d. Ä. (1706-82), Maler, Freund d. Bodmer-Kreises, veröff. e. „Raisonnierendes Verz. d. besten Kupferstecher u. ihrer Werke“ (Zürich 1771) u. d. „Gesch. d. besten Mahler in d. Schweitz“ (2 Bde., ebd. 1756, 25 Bde., 1709-79), schrieb d. Biogrr. s. Freunde G. Ph. Rugendas u. J. Kupetzky (ebd. 1758), förderte Winckelmann u. korrespondierte mit ihm u. gab „Die Gedanken üb. d. Schönheit“ v. A. R. Mengs dt. heraus (ebd. 1765), S d. Malers Hans Rudolf d. Ä. (1680-1761);
    M Elisabeth Waser;
    Ov Heinr. d. Ä. (1720-1802), Landschafts-, Vögel- u. Insektenmaler;
    B Joh. Rud. d. Jüngste (1737–1806), Maler u. Kunstschriftst., Archivar d. Ak. Wien, schrieb e. „Krit. Verz. d. besten… Kupf.“ (4 Bde., Zürich 1798–1806, unvollendet), Joh. Kaspar d. J. (1743-86), Pflanzen- u. Insektenmaler u. Entomologe;
    Schw Elisabeth u. Anna, Blumen- u. Insektenmalerinnen;
    Vt Heinr. d. Jüngste (1755–1829), Landschaftsmaler, Kupferstecher u. Kunsthändler;
    1788 Sophia Rawlins; kinderlos; entfernt verwandt mit 2).

  • Leben

    F. empfing schon in seiner Kindheit vielfältige Kunsteindrücke; er war Zeuge, vielleicht auch Gehilfe bei der Entstehung der Künstlerbiographien und archivalischen Werke seines Vaters und sah sich umgeben von Graphik des 16. Jahrhunderts sowie Abgüssen antiker Statuen. Des Vaters Freundschaft und literarisches Eintreten für Mengs und Winckelmann machten den Sohn früh mit den Ideen des Klassizismus vertraut; seine eigene frühreife Kunstübung blieb hiervon jedoch unberührt. Die lückenlos erhaltene zeichnerische Produktion des 10-20jährigen (Album im Kunsthaus Zürich) umfaßt Kopien nach Stimmer, Amman, Murer, Ringgli, flackernde Nachtstücke, Schlachten, Überfälle, Jagd- und Bankettszenen, Phantasieporträts von Schweizer Humanisten und Malern, archaisierende, aber deutlich rokokogeprägte Burlesken, die er als Kopien nach einem fiktiven „Narrenbuch“ der Zürcher Barockkünstler R. und C. Meyer und G. Stadler ausgab, sodann Eulenspiegel-Illustrationen von bemerkenswertem Zynismus, schließlich eine Hogarth's Marriage à la mode nachempfundene, aber harmlosere Folge von Sittenbildern. J. J. Bodmer vermittelte F. seine künftigen Bildstoffe: Homer und die griechischen Tragiker, das Nibelungenlied, Dante, Shakespeare und Milton. Sein Vater hatte ihn jedoch zum Geistlichen bestimmt. Die Ausbildung am Carolinum unter J. J. Breitinger machte ihn zum hervorragenden Gräzisten. 1761 wurde er als Priester ordiniert. Seine theologische Schulung wurde mitbestimmend für seine geistig-künstlerische Haltung. Hatte Rousseaus Lehre von der unvermeidlichen Verderbtheit der Zivilisation seinen angeborenen Pessimismus gefördert, so war es andererseits ein geheimer Puritanismus, der als Erbe seines Priestertums zeitlebens in ihm nachwirkte und der im Grunde amoralischen Vision seiner reifen Kunst ihr Pathos oder ihre satirische Schärfe verlieh. Die von F., Lavater und Felix Hess bewirkte öffentliche Bloßstellung eines erpresserischen Landvogts hatte zur Folge, daß er und seine Gefährten im Februar 1763 die Schweiz vorübergehend verlassen mußten; ein Jahr des Übergangs in Berlin und Pommern war ausgefüllt durch Kontakte mit dem Ästhetiker Sulzer und dem liberalen Theologen Spalding; das Beispiel Klopstocks bestimmte F.s eigene Poesien bis in die schwungvollen Oden der folgenden Jahre; die „Klagen“, ein Abschiedsgesang an Lavater in hymnischer Prosa, sind ein Zeugnis des Gefühlskultes der Zeit. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Absolutismus Friedrichs des Großen verstärkte die in Zürich begonnene politische Desillusionierung. Statt zurückzukehren, ging F. 1764 auf Empfehlung des britischen Gesandten in Berlin nach London. Von Bodmer zum Vermittler zwischen englischem und deutschem Geistesleben bestimmt, übersetzte er 1765 Winckelmanns „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ ins Englische und führte damit die Kunstlehre des Klassizismus in England ein; denn diese Schrift bestimmte Künstler wie B. West, A. Kauffmann, Th. Banks, später Flaxman zur Anlehnung an antike Vorbilder. Die 1767 anonym veröffentlichten „Remarks on the Writings and Conduct of J. J. Rousseau“ bezeugen den Kulturpessimismus des jungen F.; im Gegensatz zur klassizistischen Doktrin leugnet er hier den moralischen Zweck der Kunst. Er illustrierte Smolletts „Peregrine Pickle“ in einem von Hogarth bestimmten Stil (1769), eine großangelegte Familienbibel in bizarrer Übersteigerung barocker Vorbilder (Poussin, Le Sueur). Er zeichnete Garrick als Macbeth und Richard III., und seine Begeisterung für Shakespeare verschmolz mit einer nie mehr nachlassenden Passion für das Theater.

    Bestärkt durch Reynolds beschloß F., sich ganz der Malerei zu widmen, und ging 1770-78 nach Rom. Dort zeichnete er nach neuattischen Reliefs, benutzte als erster Vasenbilder als Kompositionsvorlagen und fand in den Rossebändigern vom Montecavallo seinen Heldentypus; er durchbrach dieses klassizistische Konzept jedoch durch die noch entschiedenere Hinwendung zu Michelangelo, dessen Haltungs- und Bewegungsmotive nun für immer zur Grundlage des F.schen Figurenkanons wurden. Für eine vergleichende Kunstbetrachtung bringt diese Michelangelo-Rezeption ihn manchmal in eine gewisse Nähe zu Manieristen wie Rosso, Bandinelli, Parmigianino und anderen; das besagt jedoch nicht, daß er seinen Stil am Beispiel dieser Künstler gebildet hätte. Er nutzte seine neugewonnenen Mittel zur Illustration dramatischer und oft grausiger oder spukhafter Szenen aus der antiken und nordischen Mythologie, Plutarch, Dante und vor allem Shakespeare; dem klassizistischen Idealtypus hielt er ein umfassenderes, auch die negativen Kräfte bewußt ergreifendes Menschenbild entgegen. Sein Stil und seine Themenwahl wurden richtungweisend für eine ganze Gruppe von in Rom arbeitenden englischen und skandinavischen Künstlern – Banks, Brown, Runciman, Northcote, Romney, Sergel, Abildgaard. Einzig der persönlich herzliche, 1802 bei einem Studienaufenthalt in Paris erneuerte Kontakt mit J. L. David hatte für keinen der Beteiligten nennenswerte künstlerische Folgen. F. verließ Rom im Februar 1778 als schon bekannter Maler. Während eines 6monatigen Aufenthaltes in Zürich malte er sich selbst im Gespräch mit Bodmer unter der Büste Homers und begann den „Schwur der drei Eidgenossen auf dem Rütli“ (Zürich, Rathaus), ein etwas steifes patriotisches Gemälde.

    Nach London zurückgekehrt, hatte er seinen ersten großen Erfolg mit dem Gemälde „Die Nachtmahr“ (1782, Frankfurt, Goethemuseum), das als durchaus neuartige Gestaltung eines Angsttraums der allgemeinen Unruhe am Vorabend der Französischen Revolution entsprach. 1786 begann er die philologische Überwachung der Homerübersetzung des Dichters W. Cowper und die Mitarbeit an der alle Kräfte der englischen Malerei erfassenden Shakespeare-Galerie des Verlegers Boydell. F.s Beiträge, vor allem die in ihrer Phantastik weitgehend textunabhängigen Gemälde zum Sommernachtstraum (London, Tate-Gallery; Winterthur, Kunstmuseum) waren die originellsten Leistungen, erschienen aber einem Teil der Kritik als „teutonische“ Verirrungen. Vieles in seiner folgenden Entwicklung erklärt sich aus dem Ringen um kulturelle Assimilation. Um 1787 befreundete er sich mit dem in seinem malerischen Schaffen F. formverwandten William Blake, dessen extrem-mystische Geistesart ihm jedoch fremd blieb. 1788 heiratete er Sophia Rawlins, ein Malermodell, deren Züge den Frauentypus in vielen seiner folgenden Werke bestimmen. Vorübergehend stand er den politisch radikalen Intellektuellen des Kreises um Joseph Johnson nah, der viele von F. illustrierte Bücher und in seiner Analytical Review einen großen Teil von dessen Essays und Rezensionen veröffentlichte. F. teilte nur bedingt die Sympathien der Thomas Paine, Mary Wollstonecraft, Godwin und anderer für die Französische Revolution. 1790 wurde er Mitglied der Royal Academy. Von 1790-1800 arbeitete er, gestützt durch Mäzene, vor allem den Renaissance-Forscher W. Roscoe, an seiner „Milton-Galerie“, einer Folge von 47 teils sehr großformatigen Gemälden, als ehrgeiziger Gegenwurf zu der Kollektivarbeit der Shakespeare-Galerie gedacht. Unter den meist nur in Entwürfen und Stichen erhaltenen Gemälden finden sich packende Höllenvisionen und intime Beschwörungen der Naturdämonen und Feen Miltons, aber auch Leer-Übersteigertes und in den Paradiesszenen oft unzulängliche Idyllik. Der Publikumserfolg blieb aus, aber die Royal Academy berief F. in Anerkennung seiner Leistung zum Professor of Painting (1799, Wiederwahl auf Lebenszeit 1810). Seine an kunstgeschichtlichem Wissen reichen Vorlesungen wurden berühmt. Sein Einfluß auf Malerei, Buchkunst, ja sogar politische Karikatur Englands wuchs ständig. Insbesondere seine Illustrationen zu Buchausgaben von Shakespeare (1805), Milton (1806) und Homer (1805–06) machten Schule, blieben jedoch in ihrer einzigartigen Verschmelzung klassisch-heroischer und romantisch-erotischer Züge unerreicht.

    Seine publizistische Nebentätigkeit zeigt F. bis ins Alter als wachen und kritischen Beobachter alles Neuen auf den Gebieten der klassischen Philologie, Archäologie, Kunstgeschichte und Literatur, wenn auch sein Interesse an der neueren deutschen Literatur nachließ (als junger Mann hatte er eine „Geschichte der Poesie der Deutschen“ geschrieben, deren Manuskript 1770 zusammen mit anderen Entwürfen beim Brand seiner Wohnung verlorenging; über seine deutsche Lyrik s. besonders Mason, s. Werkverzeichnis). Seine wissenschaftliche Liebhaberei war Insektenkunde. Wenn er die Stoffe seiner Gemälde und Zeichnungen nach 1800 vielfach dem Nibelungenlied entnahm, so behandelte er die Themen mit einem charakteristischen Hang zur Entmythologisierung, der sich vor allem in der Einführung zeitgenössisch-modischer Frauentypen äußerte. Eine gesellschaftssatirische Komponente gewann Bedeutung in seinem Spätschaffen, zum Beispiel in den Cowper-Illustrationen (1806). F. war empfänglich für die aufkommende romantische Strömung; schon bald nach 1800 malte er ein Bild zu einem Frühwerk von Walter Scott, „The Fire King“ (London, Victoria and Albert Museum); er bewunderte Byron und malte auf dessen Wunsch zwei Ölskizzen zu seinem „Corsair“ (1814 f., Oberhofen/Schweiz, Privatbesitz). In seinen letzten Jahren arbeitete er an Entwürfen zur „Undine“ von Fouqué (Basel, Öffentliche Kunstsammlung, Zürich, Kunsthaus). In seinen letzten Gemälden, zum Beispiel „Britomart befreit Amoretta“ (1824, Frankfurt, Goethemuseum), ist die Malweise aufgelockert, die Komposition dramatisiert in auf Delacroix vorausdeutender Weise. – F. fand als schöpferischer Mitgestalter der künstlerischen Kultur Englands ehrenvolle Anerkennung. Auf dem Kontinent war sein Werk vor allem in Stichen verbreitet (von Moses Haughton, J. R. Smith, R. Earlom, R. Rhodes und anderen). Nachdem seine Schätzung im fortschreitenden 19. Jahrhundert stark nachgelassen hatte und viele Bilder verloren gegangen waren, ist seine Bedeutung in den letzten Jahrzehnten zunehmend neu erkannt worden. Er beansprucht trotz seiner literarischen Kunstgesinnung auch innerhalb eines|rein formal orientierten Kunstgeschichtsbildes einen wichtigen Platz. Es läßt sich nachweisen, daß er das Sichtbare konsequent einer vorgegebenen, nur ihm eigenen Formvorstellung unterordnet. Darin nimmt er einen bedeutenden Wesenszug der Kunst des 20. Jahrhunderts vorweg.

  • Auszeichnungen

    Keeper of the Royal Ac. 1804; Mitgl. d. 1. Kl. d. Acc. di S. Luca, Rom, 1816 (auf Veranlassung Canovas).

  • Werke

    Weitere W u. a. Sämtl. Werke in Stichen, 1807/09 (unvollst., nur 2 Hh. erschienen, mit T. e. Jugendbiogr. nach Ms. v. F. Nüscheler);
    Lectures on Art I-XII, London 1802-31 (Abdr. b. J. Knowles, s. L);
    Neuausg. v. Pilkington's Dictionary of Painters, London 1805-10 (hrsg., mit zahlr. u. umfangr. eig. Btrr.);
    Das röm. Skizzenbuch, hrsg. v. Marcel Fischer, = Neuj.bl. d. Zürcher Kunstges. 1942;
    [17] Unveröff. Gedichte v. J. H. F., hrsg. v. E. C. Mason, = dass. 1951 (Vorwort wichtig f. Einordnung u. Wertung v. F.s Lyrik);
    The Mind of H. F., hrsg. v. dems., London 1951 (Ausw. aus Schrr. u. Aufsätzen mit ausführl. Einl., zeitgenöss. Urteilen, W mit Verz. d. Btrr. in Zss., P);
    Aphorismen üb. d. Kunst, übers. u. hrsg. v. dems., 1944 (mit Vorwort, P);
    „Klagen“, Gedichte u. Briefe abgedr. b. Federmann, s. L;
    Briefe, hrsg. v. W. Muschg, 1942 (mit Einl., L, P);
    Remarks on … Rousseau, Kap. 1-3 neuhrsg. v. K. S. Guthke, Los Angeles 1960, dt. Übers. v. E. C. Mason in Vorbereitung (Zürich).

  • Literatur

    ADB VIII;
    [Heinr. Meyer], Besprechung v. F.s „Lectures“, in: Jenaische Allgemeine Literaturzeitung, Febr. 1804 (Goethes Stellungnahme);
    J. T. Smith, Nollekens and his Times, London 1828;
    A. Cunningham, The Lives of the Most Eminent Brit. Painters …, 2II, ebd. 1830 f.;
    J. Knowles, The Life and Writings of H. F., 3 Bde., ebd. 1831 (mit Schrr. F.s);
    R. u. S. Redgrave, A Century of British Painting, ebd. 1866 (H. F. and Historic Art);
    H. Schnorf, Sturm u. Drang in d. Schweiz, Diss. Zürich 1914;
    W. Waetzoldt, Dt. Kunsthistoriker … I, 1921;
    A. Federmann, J. H. F., 1927 (W, L, P, Erstdruck vieler Gedichte u. Briefe, zahlr. Abb.);
    P. Ganz, H. F., in: Pages d'art, Revue Suisse. Genf, Aug. 1926 (P);
    ders., J. H. F., in: Gr. Schweizer, 1938, S. 340-48 (L, P);
    ders., Die Zeichnungen H. H. F.s, 1947, engl. London 1949;
    E. Beutler, J. H. F., in: Goethe, NF d. Jb. d. Goethe-Ges. 4, 1939, S. 4-23, auch als Vorträge u. Schrr. d. Freien Dt. Hochstifts 2, 1939;
    E. Jaloux, J. H. F., Montreux 1942 (P);
    R. Todd, Tracks in the Snow, London 1946 (The Reputation and Prejudices of H. F.);
    N. Powell, The Drawings of H. F., ebd. 1950;
    F. Antal, F.-Studies, ebd. 1956, dazu Rez. v. G. Schiff, in: Zs. f. Kunstgesch. 23, 1960, S. 71 ff.;
    K. S. Guthke, Zur Frühgesch. d. Rousseauismus in Dtld., in: Zs. f. dt. Philol. 77, 1958, S. 384-96;
    H. A. Hammelmann, 18th-Century Illustrators, H. F., in: The Book Collector 6, Nr. 4, London 1957, S. 350 ff., dazu: G. Schiff, Addenda and Corrigenda, ebd. 7, Nr. 3, 1958, S. 299 ff.;
    G. Schiff, Zeichnungen v. J. H. F., 1959;
    ders., F., puritain et satanique, in: L'Oeil, Paris Febr. 1960;
    H. Macandrew, H. F. and W. Roscoe, in: The Liverpool Libraries, Mus. and Arts Committee Bull. 8, Liverpool 1959/60, S. 5 ff.;
    E. C. Mason, F. u. Winckelmann, in: Kunisch-Festschr. (in Vorbereitung). – Ausstellungskat.: Zürich 1926 u. 1941 (v. W. Wartmann), London 1950 (v. P. James u. N. Powell), Düsseldorf u. Bremen 1957 (v. P. L. Ganz). – Goedeke XII, S. 48;
    ThB;
    Internet – Gesamtkat. (mit Anm.) v. G. Schiff, in Vorbereitung, Schweizer Inst. f. Kunstwiss.) Zürich.

  • Portraits

    Selbst-P: Gem. (im Gespräch mit Bodmer vor d. Büste Homers), 1779/80 (Zürich, Kunsthaus), Abb. b. Federmann (s. L);
    2 Zeichnungen, um 1780-85 (London, Victoria u. Albert-Mus.), Abb. b. Powell, 42 u. 43. – Büste v. J. T. Sergel, um 1778 (Stockholm, Nat.-Mus.), Abb. in d. Briefausg. v. Muschg (s. W);
    Gem. v. J. Northcote, um 1778, Abb. b. Ganz, Pages d'art u. in: Gr. Schweizer;
    Gem. v. Th. Lawrence, Abb. (Stich) b. Cunningham;
    Stich v. J. H. Lips, Abb. f. beide in d. engl. Ausg. v. Lavaters Physiognomik;
    Gem. v. M. Haughton, Abb. b. P. Ganz.

  • Autor/in

    Gert Schiff
  • Empfohlene Zitierweise

    Schiff, Gert, "Füßli, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 702-705 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536745.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Füßli: Heinrich F., Maler, geb. am 7. Febr. 1741 in Zürich, gest. 16. April 1825 in London. Heinrich F., oder wie er sich später in England nannte, Fuseli, der zweite Sohn des Hans Caspar F. (s. d. Art.), ist unter allen Malern seines Hauses derjenige, dessen Namen den weitesten Klang gewann. Durch die eigenthümliche Gestaltung des Hauswesens des hochbegabten|Vaters verlebte F. eine sehr vereinsamte Jugendzeit, legte aber immerhin schon, angeregt durch den dem älteren Bruder Rudolf vom Vater gegebenen Unterricht, Proben seiner Kunstfertigkeit als Knabe ab. Der Aufenthalt auf dem Lande führte ihn auf Naturstudien; seine litterarische Befähigung that er durch selbständige Theilnahme an den schriftstellerischen Arbeiten des Vaters kund, von denen ganze Abschnitte durch den Sohn abgefaßt waren. Für das Studium der Theologie bestimmt, trat F. in die höheren öffentlichen Schulen seiner Vaterstadt, wobei er nunmehr durch den Umgang mit Bodmer und Breitinger bleibenden Eindruck für sein Leben erhielt und insbesondere für poetische Anregungen empfänglich wurde. F. hat sich selbst 1781 in einem großen Gemälde als lernbegierigen Schüler Bodmer's dargestellt, mit demselben vor der Büste eines alten Philosophen sitzend und den lebhaften Worten des greisen Lehrers lauschend. Ein scharfer Beobachtungsgeist, eine gefürchtete satyrische Anlage ließ ihn bald unter den Mitschülern eine hervorragende Rolle einnehmen; daneben wandte er außer den eigentlichen Vorbereitungsstudien seinen Fleiß noch einer Reihe anderer geistiger Ziele in unermüdlicher Spannkraft zu, vorzüglich der Vertiefung in die englische Litteratur. Allein auch die Sehnsucht der aufstrebenden Jugend nach einer freieren Entfaltung der heimischen Staatszustände fand in F. ihren Ausdruck, und in kühner Weise richtete er gemeinsam mit seinem Freunde Lavater (s. d. Art.), mittelbar wenigstens jedenfalls dabei Anregungen Bodmer's folgend, welcher seine jungen Genossen an eine rückhaltlose Besprechung der öffentlichen Zustände gewöhnt hatte, gegen einen gewissenlosen Beamten, den Landvogt Grebel von Grüningen, 1762 eine vernichtende Anklage vor der öffentlichen Meinung. Vom Rathe aufgefordert, sich als Verfasser der anonymen Druckschrift: "Der ungerechte Landvogt oder Klagen eines Patrioten" zu nennen, traten Lavater und F., während der Schritt ursprünglich von einer etwas größeren Zahl von Freunden ausgegangen war, hervor, und sie gewannen insofern den Sieg, als Grebel vor der Anklage der Jünglinge floh und bestraft wurde. Immerhin wurden auch die Ankläger — denn Grebel war der Schwiegersohn des damaligen, an sich zwar ganz unbescholtenen, ja vortrefflichen Bürgermeisters Leu (s. d. Art.) — wegen ihres höchst sträflichen Verfahrens hart getadelt, und eine Reise, welche die vier Hauptanstifter alsbald mit Sulzer (s. d. Art.) nach Norddeutschland antraten, wurde ihnen ein Mittel, sich der ihnen zu Hause drohenden Ungnade für einige Zeit zu entziehen. Für F. wurde übrigens diese Entfernung von Zürich für sein ganzes Leben entscheidend. Denn hatte er schon als Studirender der Theologie seine Kunstbethätigung fortgesetzt — dabei mit Vorliebe sich auch hier dem Leidenschaftlichen, Seltsamen, Ungewöhnlichen zuwendend —, so wandte er sich nun ganz der Malerei zu. Spalding, der auf dieser Reise 1763 von den jungen Schweizern auf längere Zeit besucht wurde, gab über F. das Urtheil ab, daß derselbe "voll gelehrter Kenntnisse, aber auch eben so voll starken und fast ungestümen Feuers der Einbildungskraft und der Entschlossenheit, das ihn in Denkungsart und Betragen oft genug über das Conventionelle zu einer befremdlichen Originalität hinaustreibt", gewesen sei. In engem Verkehr mit Sulzer blieb F. noch einige Zeit in Berlin, bis er Ende 1763 nach England ging. Er war durch seinen Gönner insbesondere mit dem Gesandten in Berlin, Mitchell, bekannt geworden, welcher sich nun des jungen Künstlers eifrig annahm und ihn weiter empfahl. Durch Uebersetzung Winkelmann'scher Schriften in das Englische, sowie durch Uebernahme einer Erzieherstelle in einem vornehmen Hause — 1766 begleitete er einen seiner Zöglinge nach Frankreich — vermochte sich F. selbständig zu stellen, und auch gegenüber Bodmer brach jetzt in seinen Briefen die selbstbewußt unabhängige Haltung im Verhältniß zu den ihm bisher als gültig erschienenen ästhetischen Auffassungen der Zürcher und|Sulzer's mehr hervor. Nach seiner Rückkehr nach England 1767 wurde er mit Reynolds bekannt, welcher ihn erst völlig ermunterte, die Malerei zu seinem Lebensberufe zu machen. Von 1770 an hielt sich F. in Italien, vorzüglich in Rom auf, wo er Michel Angelo zum Vorbilde seiner Studien machte. Zwar nennt Goethe F. einen "würdigen Bewunderer des großen Michel Angelo"; allein für einen ohnehin so sehr auf die Wahl des Maßlosen angelegten künstlerischen Charakter, wie F. war, konnte ein derartiges Streben nicht vortheilhaft wirken, so daß bei ihm mehr die Schwächen, als die großen Seiten des gewaltigen Meisters künftig hervortraten. Immerhin fand seine Weise Anklang, so daß er nicht nur Gemälde für die Ausstellungen der Akademie nach London schickte, sondern auch vielfach durch Reisende in Rom Beschäftigung gewann. Nach einem Besuch anderer italienischer Kunststätten kam er 1778, nach 16jähriger Abwesenheit, zum letzten Male auf der Rückreise nach London über Zürich, wo er während seines Besuches das einzige größere daselbst vorhandene Gemälde, die "Beschwörung des Schweizerbundes durch die drei Eidgenossen" (im Sitzungssaale des großen Rathes), schuf. Von 1779 an war er bleibend in England, mit einziger Ausnahme einer 1802 nach Paris unternommenen Reise. Neben Reynolds und West errang F. allmälig die Geltung höchster Leistung in der Malerei in England. Seit 1790 Mitglied der Akademie, 1799 als Professor der Malerei erwählt, trat F. somit in seinen Vorlesungen in die Nachfolge des 1792 verstorbenen Reynolds ein. Diese mit großem Beifall aufgenommenen Vorträge wurden nach ihrem Gehalte und der Schönheit der Form denjenigen Reynolds' vorgezogen; dagegen traten eine stark subjective Färbung, sowie das F. überhaupt eigenthümliche absprechende Wesen vielfach zu sehr hervor. Sie erschienen 1801 im Drucke (1820 eine neue Ausgabe Lectures of painting, delivered at the royal Academy, with additional observations and notes) und 1803 in deutscher, aber nicht sehr glücklicher Uebersetzung, von J. J. Eschenburg (Braunschweig). Aber auch sonst blieb F. neben seinen zahlreichen künstlerischen Arbeiten litterarisch bethätigt, und für seine fortgesetzte Verbindung mit den Jugendgenossen ist unter andern bezeichnend, daß er 1789 eine ihm 1787 gewidmete Schrift Lavater's, als "Aphorisms on Man", übersetzte und herausgab. 1805 und 1810 übernahm er neue Ausgaben von "Pilkington's Dictionary of Painters". 1804 Aufseher der Akademie, 1810 als Professor von neuem erwählt, nachdem ihn schon 1807 die Studirenden durch eine glänzende Ovation geehrt hatten, blieb F. hoch angesehen, bis kurz vor seinem Tode körperlich kräftig, noch in seinem 84. Lebensjahre als Künstler und Lehrer thätig. Zwar seit 1788 — mit einer Engländerin — verheirathet, starb er kinderlos. Er wurde neben Reynolds in der St. Paulskirche beigesetzt. — Füßli's Kunstmanier litt an einer Ueberfülle der über die Grenzen des Schönen, mitunter auch des Wahren hinausgehenden Kraft; an Geduld in der Ausführung, welche oft wenig genau war, gebrach es ihm, und so stehen auch seine Leistungen als Maler erheblich unter denjenigen in der Zeichnung. Aber in der Kühnheit der Erfindung leistete er Großes, und in so weit rechneten die Engländer ihn neben dem 1820 verstorbenen West mit Recht unter ihre ersten Repräsentanten der Malerei. Dazu kam, daß F., stets gewillt, das Schauerliche und Abenteuerliche in erster Linie als Gegenstand für seinen Pinsel zu nehmen, vorzugsweise in englischen Dichtern Anregungen für seine Schöpfungen fand. Zu der 1786 durch Boydell angefangenen Shakespeare-Gallerie lieferte F. eine Reihe von Gemälden, besonders aus Hamlet, Macbeth, König Lear; er selbst konnte 1799 eine lange vollendete Serie als Milton-Gallerie, zur Illustration des verlorenen Paradieses, zur Ausstellung bringen; Dante's Hölle und die Nibelungen zogen ihn an; Oedipus, Ugolino im Hungerthurm, Ezzelino waren weitere von ihm gewählte Gegenstände. Nur ausnahmsweise nahm er einfachere,|anmuthig schöne Vorwürfe, welche zugleich auch ein harmonischeres Colorit gestatteten, heraus. Aber gerade die Schrecken hervorrufenden Scenen, Gespenster und Schauergestalten, mußten sich durch die Uebertragung in den Kupferstich in ihrem künstlerischen Eindruck verbessern, und so ist dieser geistreiche Manierist, welcher sein Publicum so gut zu fassen wußte, von vielen englischen Stechern reproducirt worden. Eine in Zürich 1807 von Heinrich Füßli u. C. begonnene Unternehmung, seine sämmtlichen Werke in Kupfern nach Umrissen, sammt Text, herauszugeben, stockte nach zwei ersten Heften (eine darin begonnene Lebensbeschreibung, zumeist nach des Geschilderten Jugendgenossen, Canonicus Felix Nüscheler, gest. 1816, Erzählung, verbreitet sich nur über die Jugendzeit).

    • Literatur

      Vgl. des 1805 mit F. bekannt gewordenen John Knowles' The Life and Writings of Henry Fuseli (3 Bde., London 1831).

  • Autor/in

    Meyer von Knonau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer von Knonau, "Füßli, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 260-263 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536745.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA