Lebensdaten
erwähnt 1180
Beruf/Funktion
Sammelbezeichnung Kölner Emailwerkstatt um 1180
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 140990127 | OGND | VIAF: 120249150
Namensvarianten
  • Fridericus

Zitierweise

Fridericus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140990127.html [18.04.2021].

CC0

  • Leben

    An dem durch spätere Ergänzungen entstellten, mit Grubenschmelzplatten geschmückten Schrein des heiligen Maurinus in der ehemaligen Benediktinerabtei Sankt Pantaleon, dessen künstlerische Konzeption und älteste Teile in die Zeit um 1170/80 datiert werden müssen, begegnen 2 Figuren in geistlicher Tracht mit betend erhobenen Händen: der durch Beischrift als HERLINVS PRIOR benamte Dargestellte könnte mit dem zwischen 1176 und 1181 bezeugten Frater Herlinus identisch sein. In der zweiten, als FRIDERICVS bezeichnetan Halbfigur sah O. von Falke den verantwortlichen Künstler des Schreins und gruppierte um sein vermutliches Werk zahlreiche weitere Arbeiten als Produkte einer angenommenen Klosterwerkstatt in Sankt Pantaleon. Später – nachdem man die Beteiligung des Nikolaus von Verdun am Albinusschrein, dem Gegenstück zum Maurinusschrein, erkannt hatte – revidierte Falke seine Meinung, ließ die Annahme einer Pantaleonswerkstatt fallen und erklärte mit Recht, daß es sich bei dem genannten Fridericus (ebenso wie bei dem Prior Herlinus) nur um die Person eines Donators handeln könne. – Wenn wir heute dennoch die einmal eingeführte Bezeichnung „Fridericusgruppe“ als Ordnungsbegriff weiterverwenden, so ist darunter eine bestimmte „malerische“ Richtung innerhalb der Kölner Schmelzkunst zu verstehen, die von dem um 1170 entstandenen, stark von der Goldschmiedekunst des Maasgebietes her bestimmten Heribertschrein in Köln-Deutz ihren Ausgang nahm. Zu den Hauptwerken dieser etwa zwischen 1170 und 1190 wirksamen Emailgruppe, für die der farbig-ornamentale Reichtum charakteristisch ist, zählen neben dem Maurinusschrein unter anderem: das Albertuskreuz aus Sankt Pantaleon, der Ursulaschrein, die Schreine des heiligen Benignus sowie der heiligen Innozentius und Mauritius in Siegburg und die Kuppelreliquiare aus Stift Hochelten (jetzt London, Victoria and Albert Museum) und aus dem Welfenschatz. Dagegen setzen einige ältere, im 3. Jahrhundertviertel entstandene Emailarbeiten, die Falke als „ältere Fridericusgruppe“ bezeichnete, noch die „graphische“ Richtung des an einem Tragaltar im Welfenschatz genannten Eilbertus fort, wenngleich einzelne Motive, wie etwa die gezahnten Blattranken, bereits charakteristische Ornamente der „jüngeren Fridericusgruppe“ vorwegnehmen (unter anderem Turmreliquiar im Landesmuseum Darmstadt, Gregoriustragaltar in Siegburg und weitere Tragaltäre in Sankt Maria im Kapitol zu Köln, ehemals Berliner Schloßmuseum und Bamberger Domschatz).

  • Literatur

    O. v. Falke u. H. Frauberger, Dt. Schmelzarbb. d. MA, 1904 (mit Abb. aller gen. Arbb.);
    O. v. Falke, Ein Nachwort z. Kölner Jahrtausend-Ausstellung, in: Zs. f. bildende Kunst 59, 1925/26,|S. 241 ff.;
    E. Steingräber, Art. Email, in: Reallex. z. dt. Kunstgesch. V, 1959, Sp. 31 ff. (weitere L);
    H. Schnitzler, Rhein. Schatzkammer, Die Romanik, Tafelbd., 1959, Nr. 27 (weitere L).

  • Autor/in

    Erich Steingräber
  • Empfohlene Zitierweise

    Steingräber, Erich, "Fridericus" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 438-439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140990127.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA