Lebensdaten
1870 bis 1930
Geburtsort
Gnadenfrei (Schlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
evangelischer Missionar ; Sprachforscher ; Tibetologe
Konfession
evangelische Brüdergemeine
Normdaten
GND: 118952544 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Francke, August Hermann
  • Francke, Hermann
  • Francke, August Hermann

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Zitierweise

Francke, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118952544.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Aug. Herm. (1838–98), Kaufm., Inh. d. Färberei J. Haag in G., S d. Chrstn. Frdr. (1799–1871), Missionar in Südafrika;
    M Charl. Susanne (1842–90), T d. Schneidermeisters Karl Heinr. Beyer;
    1897 Anna Theodora ( 1945), T d. Ernst Theodor Weiz (1827–1904), Theologe, Sup. d. Kaffernmission, u. d. Marie Franziska Schammer;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Lateinschule wurde F. im Lehrerseminar der Brüdergemeine zu Niesky (Oberlausitz) zum Dienst als Lehrer und Missionar ausgebildet. Seine ungewöhnliche linguistische Begabung zeigte sich schon während seiner Lehrerjahre in Kleinwelka (Sachsen), indem er die dort noch lebendige wendische Sprache erlernte und Sanskrit nebst Altnordisch betrieb. Nach ergänzendem Studium in Fairfield/Manchester wurde er zum Missionsdienst im westlichen Himalaya berufen. 1896-1910 war er dort auf den Stationen Leh, Khalatse und Kyelang tätig. Seine sprachlichen Arbeiten galten vor allem der Bibelübersetzung, zunächst ins klassische Tibetisch. Seine eminente Kenntnis der dortigen Dialekte befähigte ihn, das Markus-Evangelium in die Bunan-, Manschad-, Tinan-, Dardi- und Ladakh-Sprachen zu übertragen. Diese Arbeiten beschäftigten ihn neben späteren bis an sein Ende, und sie trugen ihm schon 1906 die Ehrenbürgerschaft der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft ein. Von 1904 an gab F. die erste Zeitung in tibetischer Sprache heraus, die bis Lhassah Eingang fand. 1909/10 bereiste er im Auftrag der Britisch-Indischen Regierung die Grenzen Tibets zu archäologischen Zwecken, nachdem er bereits 1900 auf lebendige Spuren der Kesar-Sage und damit auf eine Hauptquelle der vorbuddhistischen Religion gestoßen war. Seine Sammlung tibetischer Fels-Inschriften veröffentlichte er 1914 in „Antiquities of Indian Tibet“. 1914 unternahm er im Auftrag des Münchener Museums eine Reise in sein altes Forschungsgebiet. Auch übersetzte er für die Göttinger Wissenschaftliche Gesellschaft (R. Otto) die Bonpo-Schriften. Der Kriegsausbruch riß ihn aus der Arbeit. 1916 kehrte er aus der indischen Gefangenschaft zurück. Als Dolmetscher auf dem europäischen Kriegsschauplatz geriet er erneut in Gefangenschaft bis 1919. In Gnadenberg (Schlesien) ließ er sich nieder und bearbeitete zunächst die gZermyig-Handschriften der Berliner Staatsbibliothek nebst|entsprechenden Aufträgen des British Museums und der Münchener und Hamburger Institute. 1922 habilitierte er sich an der Berliner Universität für Tibetisch. 1925 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor. Die Unbilden der Gefangenschaft im heißen Indien und kalten serbischen Winter hatten seine Gesundheit untergraben.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Breslau 1911).

  • Werke

    Die vorbuddhist. Rel. Tibets, in: Allg. Missions-Zs. 28, 1901, S. 579-84;
    Antiquities of Indian Tibet I, Personal Narrativ, in: Archiological Survey of India, New Imperial Service 38, Kalkutta 1914;
    Durch Zentralasien in d. ind. Kriegsgefangenschaft, 1921 (P);
    Geistesleben in Tibet, 1925;
    Felseninschrr. in Ladakh, 1925;
    Verz. in Herrnhut (Unitäts-Archiv).

  • Literatur

    Th. Bechler, A. H. F., in: Missionsbl. d. Brüdergemeine 94, 1930, S. 94 ff. (Bildbeil. S. 177);
    H. W. Jannasch, Bildnis e. Erziehers, in: Die Slg., Zs. f. Kultur u. Erziehung 11, 1956, S. 150 ff.;
    Dt.GB 25

  • Autor/in

    Hans-W. Jannasch
  • Empfohlene Zitierweise

    Jannasch, Hans-W., "Francke, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 345-346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118952544.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA