Lebensdaten
1578 bis 1622
Geburtsort
Sigmaringen
Sterbeort
Seewis (Graubünden), Gebeine in Chur (Dom), Haupt in Feldkirch (Kapuzinerkirche)
Beruf/Funktion
Heiliger ; OFM Cap ; Gegenreformator ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118532901 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roy, Markus (eigentlich)
  • Roy, Marcus (eigentlich)
  • Rey, Marcus (eigentlich)
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Fidelis von Sigmaringen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532901.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Roy ( 1596), Ratsherr u. Bgm. in Sigmaringen;
    Gvv aus Antwerpen;
    M Genofeva Rosenberger aus Tübingen;
    B Georg (um 1582-1629), Mag. art., 1604 Kapuziner (Apollinaris v. Sigmaringen) (s. LThK unter Roy).

  • Leben

    Vor seinem Eintritt in den Kapuzinerorden studierte F. seit Dezember 1598 an der Universität Freiburg im Breisgau Philosophie (1603 Dr. phil.) und Rechtswissenschaft (1611 Dr. iur. utr. ). 1604-10 begleitete er als Hofmeister einige junge Adlige auf ihren Studienreisen durch Frankreich, Spanien und Italien. Nach kaum 1 jähriger Tätigkeit als Gerichtsrat bei der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim (1611) begann er das theologische Studium, wurde September 1612 Priester, gleich darauf Kapuziner (4.10.1612) und nach Abschluß der theologischen Studien Prediger in Altdorf (1617) und Guardian in Rheinfelden (1618–19), Freiburg im Uechtland (1620-|21) und Feldkirch (1619-20, 1621-22). Von hier aus wirkte er seit Ende 1621 besonders in Maienfeld und Umgebung unter den österreichischen Truppen und unter der reformierten Bevölkerung des Prätigaus durch Predigt, Religionsgespräch und Lebenswandel mit wachsendem Erfolg, wurde aber, noch bevor die Ernennung zum Obern der neuen rätischen Kapuzinermission (Dekret vom 19.4.1622) ihn erreichte, von calvinistischen Bauern, die auf das von ihm verfaßte und von den neuen österreichischen Landesherren verkündete Religionsstrafmandat von 1622 hin sich noch leichter zum Aufstand hinreißen ließen, bei der Predigt in der Kirche zu Seewis angegriffen und draußen erschlagen. Am 24.3.1729 wurde er als Märtyrer selig- und am 29.6.1746 heiliggesprochen. Er gilt als Erstlingsmärtyrer der in seinem Todesjahr gegründeten römischen Kardinalskongregation für das katholische Missionswesen (Congregatio de Propaganda Fide) und ist der erste kanonisierte nachreformatorische deutsche Heilige.

  • Werke

    W Die v. F. anonym veröff. kontroverstheol. Schrr. sind verschollen ;
    Exercitia spiritualia, Freiburg i. Br. 1746, mehrere Ausgg. u. Überss. größtenteils kompiliert; Verz. d. gedr. u. hs. W
    s. A. v. Stans, Das Schrifttum d. hl. F. u. sein Schicksal, in: Festschr. … 200j. Jubiläum d. Heiligsprechung (s. L), S. 269-98.

  • Literatur

    ADB VII;
    F. della Scala, Der hl. F. v. S., 1896 (L, P);
    B. Gossens, Der hl. F. v. S., 1933 (P);
    Festschr. anläßlich d. 200j. Jubiläums d. Heiligsprechung unseres P. F. v. S., = Sondernr. v. St. Fidelis, Stimmen a. d. Schweiz. Kapuziner-Pro v. 33, 1946, S. 167-318 (P);
    S. v. Kaiserstuhl, Zur Chronol. d. Lebens d. hl. F. v. S., in: Collectanea Franciscana 18, Rom 1948, S. 273-85;
    F. de Ros, Les „Exercitia“ de saint F. de S., ebd. 22, 1952, S. 319-38;
    Lex. Capuccinum, Rom 1951, Sp. 585-87.

  • Quellen

    Qu.: Informationsprozesse z. Seligsprechung, daraus gedr. Positio super dubio, Rom 1725.

  • Portraits

    Ölgem. a. d. Z. vor 1612, 1624 übermalt (im Besitz d. Frhr. v. Stotzingen, Steißlingen b. Radolfzell), Abb. b. F. della Scala u. B. Gossens (s. L).

  • Autor/in

    Bonaventura von Mehr OFMCap
  • Empfohlene Zitierweise

    Mehr OFM Cap, Bonaventura von, "Fidelis von Sigmaringen" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 137 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532901.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fidelis von Sigmaringen, eigentlich Marcus Rey oder Roy, war der Sohn des Johannes Rey und der Genoveva Rosenberger, sein Großvater war aus Antwerpen eingewandert. Geboren zu Sigmaringen 1577, verlor er seinen Vater frühzeitig, besuchte die Schulen seiner Vaterstadt, dann die Universität Freiburg i. Br., wo er Philosophie und Jurisprudenz studirte und sich schon als Student durch Frömmigkeit, Mäßigkeit und Kenntnisse, besonders auch in den neueren Sprachen, auszeichnete. Im J. 1603 kehrte er nach Sigmaringen zurück, wo er aber nicht lange blieb; denn im J. 1604 trat er mit mehreren adlichen Jünglingen aus Schwaben, als deren Lehrer und Mentor, und zu seiner eigenen weiteren Ausbildung eine Reise durch die Hauptstädte Europa's an, die sechs Jahre dauerte. Nach seiner Rückkehr erlangte er zu Villingen, wohin zeitweilig wegen ansteckender Krankheiten die Universität von Freiburg war verlegt worden, die juristische Doctorwürde und wirkte darauf kurze Zeit zu Ensisheim in Vorderösterreich als Advocat. Da er aber die Erfahrung machte, daß es bei den Processen oft ungerecht und betrügerisch zugehe, so erfüllte ihn dieses mit Ekel gegen den Advocatenstand, er beschloß in einen Orden zu treten und entschied sich in Folge der Lectüre eines Buches von Hieronymus Platus De bono statu religiosi, nachdem er einige Zeit zwischen dem Jesuiten-, Karthäuser- und Kapuzinerorden geschwankt hatte, für den letzteren. Noch im J. 1611 ließ er sich zu Altdorf aufnehmen, begann das Studium der Theologie mit Eifer, wurde Priester und feierte den 4. October 1612 im Kloster seines Ordens zu Freiburg seine erste heilige Messe, nahm das Ordenskleid und erhielt den Klosternamen F. Während seines Noviciates studirte er noch Theologie in den Klöstern zu Konstanz und Frauenfeld, dann legte er Profeß ab und wurde zum Prediger und Beichtvater bestimmt zuerst in Rheinfelden, dann als Guardian zu Freiburg in|der Schweiz und endlich zu Feldkirch im Vorarlbergischen, wirkte überall durch seine Predigten und seinen Eifer Wunder der Bekehrungen und führte viele Calvinisten zur katholischen Kirche zurück. In Graubünden und Veltlin tobte der Bürgerkrieg, die Katholischen waren anfangs unterlegen, erlangten aber nachher die Unterstützung des spanischen Statthalters von Mailand und der Oesterreicher unter Herzog Leopold und erhoben sich im J. 1620 gegen die Calvinisten, trieben diese zurück und erlangten Religionsfreiheit und freie Wahl der Obrigkeiten. Nach dem Sieg der katholischen Waffen ersah man den Pater F. zum Vorstande für die katholische Mission in Rhätien im J. 1622. Kurze Zeit nur übte er dieses gefahr- und mühevolle Amt aus. Während er nun im J. 1624 die Osterzeit in seinem Kloster Feldkirch zubrachte, wurde im Prättigau ein Aufruhr geplant und ein Anschlag gegen ihn von den calvinisch gesinnten Bauern gemacht und nach seiner Rückkehr zur Ausführung gebracht. Trotzdem er seinen Tod vor Augen sah, begab er sich den 24. April 1624 auf die an ihn heuchlerisch gerichtete Einladung nach Sewis, um den Gottesdienst zu halten und zu predigen. Schon unter der Predigt wurde ein Schuß auf ihn abgefeuert, nach derselben schlug F. den Weg nach Grüsch ein, wurde aber unterwegs von einem Haufen bewaffneter Bauern überfallen und erschlagen. Dasselbe widerfuhr einer Anzahl österreichischer Soldaten, die zu seinem Schutze bestimmt waren, auch sein Missionsgefährte Pater Johannes wurde mißhandelt und schwer verwundet. Man hat von ihm Briefe aus der Zeit seiner Reisen von 1604—10 in lateinischer Sprache und sein Testament.

    • Literatur

      Acta canonizationis Romae 1690. Biographien bei Butler, 24. April. Schrödl im Freib. Kirchenlex.

  • Autor/in

    H. Kellner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kellner, Heinrich, "Fidelis von Sigmaringen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 4-5 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532901.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA