Lebensdaten
1495 bis 1538
Geburtsort
wohl Nördlingen
Sterbeort
Ingolstadt
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130146218 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Feselen, Melchior
  • Feselein, Melchior
  • Feselen, Melchior
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Orte

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Zitierweise

Feselein, Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130146218.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Mitglieder e. gleichnamigen Fam. lassen sich in N. u. seiner Umgebung seit Ende 14. Jh. nachweisen;
    N. N. (gen. 1521);
    2 S.

  • Leben

    F. erhielt seine Ausbildung vermutlich bei Hans Schäufelein in Nördlingen. 1521 ist der Maler in Ingolstadt bereits selbständiger Meister. Auf der Wanderschaft machte ihn wahrscheinlich Wolf Huber in Passau mit der Kunst der Donauschule bekannt. Mit seiner Niederlassung in Ingolstadt wurde F. dort zum bevorzugten Maler, der nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch die Höfe in München und Neuburg/Donau beschäftigt wird. 1522 malte er einen Altar in der Jakobs- und ein verschollenes Tafelbild für die Georgskapelle U.L. Frau und mit seinen Gesellen einen neuen Prozessionsbaldachin; 1531 erhielt er Bezahlung für das neue Hungertuch der gleichen Kirche, nachdem er das ältere in den vorausgehenden Jahren ausgebessert hatte. 1533 unternahm er eine Dienstreise nach Augsburg. Zur Folge der Geschichtsbilder, die Herzog Wilhelm IV. von Bayern-München bei verschiedenen Künstlern bestellte, steuerte er 1529 die Belagerung Roms durch Porsenna und 1533 die Einnahme der Stadt Alesia durch Julius Caesar bei (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen). Nachdem er bereits 1531 einen in Fragmenten erhaltenen Marienaltar wahrscheinlich für Ott-Heinrich gemalt hatte, sollte er noch 1538 Wandgemälde in dessen neuem Schloß in Neuburg ausführen. – Das früheste datierte Werk F.s, zwei 1520 entstandene Flügel eines Altars in Schloß Haidenburg bei Passau mit der Almosenspende der heiligen Elisabeth und der Heilung des heiligen Rochus durch einen Engel, läßt in den Typen der stehenden Heiligen auf den Rückseiten wie in den gespannten Falten der Gewänder die Schulung bei Schäufelein deutlich erkennen, während eine phantastische Palastarchitektur sowie Bedeutung und Form des Landschaftlichen den Einfluß der Donauschule bereits für diese Bilder beweisen. Dabei scheint Huber, der im gleichen Jahr an den Flügeln des Annen-Altars für Feldkirch arbeitet, die Kunst A. Altdorfers an F. vermittelt zu haben. Auch in den folgenden Jahren zeigt sich der Maler von seiner besten Seite in kleineren Tafeln, auf denen sich Figur und Landschaft in volkstümlicher Erzählungsweise verbinden (Heimführung der Königstochter Cleodolinde durch den heiligen Georg, Leipzig, Museum der Bildenden Künste; Enthauptung der heiligen Barbara, Ingolstadt, U. L. Frau, Kalvarienberg, Predella; Flügel eines Marienaltars, Berlin,|ehemals Kunsthandel), während die großformatigen, vielfigurigen Historienbilder trocken und schwunglos bleiben. In dem späten Marienaltar von 1531 dominieren große, voluminöse Figuren, wobei wohl neuerdings Einflüsse von späten Werken Hubers ausgingen. Von den Wandmalereien F.s im Schloß in Neuburg hat sich, wenn sie überhaupt zur Ausführung gelangten, nichts erhalten. F. hat die vom Dürerschüler Schäufelein erlernte Gestaltung der Figur verbunden mit der neuartigen Wiedergabe der Landschaft, wie sie von Altdorfer entwickelt worden war. Gehört er auch nicht zu den Großen, so wahrt er doch durch diese Synthese seine besondere Stellung unter den gleichzeitigen Malern des altbayerischen Raumes.

  • Auszeichnungen

    Wappen: In Rot 3 silberne Schilde.

  • Werke

    Weitere W Gemälde: Berlin, ehem. Kunsthandel: Anbetung d. Hirten, Rückseite Tod Mariens, um 1531;
    Fragment e. Marienaltars; Schloß Harburg:
    Anbetung d. Kindes, Rückseite Heiliger, 1531;
    Fragment e. Marienaltars;
    Ingolstadt, Schloß: Geburt Christi, Epitaph f. Conr. Praun ( 1524), aus Katharinenberg b. Ingolstadt, signiert;
    Anbetung d. Könige, Rückseite Krönung Mariens, sign. u. dat. 1531;
    Flügel eines Marienaltars;
    Ehem. Köln, Slg. Weyer: Judith mit d. Haupt d. Holofernes, sign. u. dat. 1535;
    Schloß Lichtenstein: Hl. Fam., um 1525;
    München, Slg. Hoffmann: Christus am Ölberg, um 1522;
    Nürnberg, German. Nat.-Mus.: Anbetung d. Könige, sign. u. dat. 1522;
    Regensburg, Städt. Mus.: Heimsuchung Mariä u. Flucht nach Ägypten, um 1521/24;
    Himmelfahrt d. hl. Magdalena, sign. u. dat. 1523. – Glasfenster: Ingolstadt, U. L. Frau: Verkündigung an Maria (Zuschreibung umstritten). – Zeichnungen: Dresden, Kupferstichkab.: Christus am Ölberg, um 1522, sign.;
    Erlangen, Univ.-bibl.: Belagerung Roms durch Porsenna, um 1529.

  • Literatur

    ADB VI;
    G. M. Richter, M. F., e. Btr. z. Gesch. d. oberdt. Kunst im 16. Jh., in: Oberbayer. Archiv 54, 1908, S. 191 ff.;
    W. M. Schmid, Btrr. z. Passauer Kunstgesch., in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Kunst I, 1924, S. 106;
    E. Buchner, Bemerkungen z. „Historien- u. Schlachtenbild d. dt. Renaissance“, ebd., S. 250, Anm.;
    G. Wulz, Die Heimat d. Malers M. F., in: Jb. d. hist. Ver. f. Nördlingen u. Umgebung 19, 1936, S. 93 ff.;
    H. Kuhn, Die Alt-Ingolstädter Maler v. 15.-18. Jh., in: Sammelbl. d. hist. Ver. Ingolstadt 56, 1938, S. 3 ff.;
    E. Holm-Hammer, Die Glasgem. im Liebfrauenmünster zu Ingolstadt, ebd. 67, 1958, S. 7 ff.;
    A. Altdorfer u. s. Kreis, Ausstellung München 1938, Nr. 418-26;
    G. Mammel, A. Altdorfers „Nachfolger“ in Altbayern u. d. Landschaft als Bildgegenstand, Diss. Erlangen 1951 (ungedr.), S. 34 ff.;
    ThB.

  • Autor/in

    Peter Strieder
  • Empfohlene Zitierweise

    Strieder, Peter, "Feselein, Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 102 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130146218.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Feselen: Melchior F., Maler, geb. wahrscheinlich zu Passau. Wenigstens befindet sich auf einem Bilde von ihm, die Belagerung Roms durch Porsena, die Aufschrift: N. V. PASSAW was doch kaum eine andere Erklärung als natus von Passau zuläßt. Es ist sonst gar kein Grund vorhanden, dies Bild mit dem Namen Passau zu versehen, und daß es nicht etwa von einem gewissen „Passaw“ gemalt ist, beweist das darauf befindliche Zeichen Feselen's. Der Maler starb zu Ingolstadt, wo er seit längerer Zeit ansässig war. In der oberen Franciscanerkirche daselbst ist der Grabstein des Künstlers mit der Aufschrift: Anno dni 1538 den 10 tag Aprilis starb der Erber und kunstreich maister Melcher Feselen maler, dem got gnad; darunter sieht man das Wappen mit drei silbernen Schilden im rothen Felde. Als Künstler ist F. offenbar von dem Regensburger Maler Albrecht Altdorfer, der gleichfalls im J. 1538 starb, beeinflußt worden. Jedoch ist F. bei allem Fleiße seiner Ausführung weit plumper und geistloser. In der Pinakothek zu München befinden sich: Belagerung Roms durch Porsena (mit der Jahreszahl 1529) und Belagerung Alesia's durch Jul. Cäsar (1533). Beide wurden nebst dem Siege Alexanders von Altdorfer, der Schlacht bei Zama von Breu und der Schlacht bei Cannä von H. Burgkmair durch Wilhelm IV., Herzog von Baiern, bestellt. Im germanischen Museum zu Nürnberg sieht man eine Anbetung der Könige, von 1531, in der Sammlung des historischen Vereines zu Regensburg die heil. Maria von Aegypten von Engeln in die Höhe gehoben, von 1523. In einer Seitencapelle der Frauenkirche zu Ingolstadt befinden sich 2 Tafeln mit der Kreuzigung und Enthauptung der heil. Barbara, von 1522.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Feselein, Melchior" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 723 unter Feselen [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130146218.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA