Lebensdaten
1861 bis 1948
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Coburg
Beruf/Funktion
König der Bulgaren ; Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118686720 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ferdinand

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Zitierweise

Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118686720.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Prinz August v. S.-C. u. G. (1818–81), k. u. k. Gen.-Major, S d. Prinzen Ferdinand v. S.-C.-Saalfeld ( 1851), k.k. Gen. d. Kav. (s. ADB VI), u. d. Antonie v. Kohary;
    M Clementine (1817–1907), T d. Kg. Louis-Philippe v. Frankreich (1773–1850) u. d. Prn. Marie Amalie v. Sizilien;
    Groß-Ov Hzg. Ernst I. v. S.-C. u. G. ( 1840, s. NDB IV);
    Ov Kg. Ferdinand v. Portugal ( 1885, s. NDB V);
    Vt Kaiser Wilhelm II. ( 1941), Kg. Leopold III. v. Belgien (* 1901), Kg. Luis I. V. Portugal ( 1889);
    1) Villa Pianore/Prov. Lucca 1893 Marie Louise (1870–99), T d. Hzg. Robert v. Parma u. d. Prn. Maria Pia v. Bourbon-Sizilien, 2) Coburg (kath.) u. Gera (ev.) 1908 Eleonore (1860–1917), T d. Fürsten Heinrich IV. Reuß-Köstritz u. d. Prn. Luise Reuß Ä.L.;
    2 S, 2 T aus 1), u. a. Boris III. (1894–1943), Kg. d. Bulgaren, Nadeschda (* 1899, Hzg. Albrecht Eugen v. Württemberg, 1895–1954);
    E Simeon II. (* 1937), Kg. d. Bulgaren, folgte unter Vormundschaft e. Regentschaftsrats 1943, verlor Thron infolge Volksabstimmung 1946.

  • Leben

    Schon als Schüler zeigte F. auffälliges Interesse für Botanik, Zoologie und Ornithologie. Er machte ausgedehnte Reisen und erlernte zahlreiche Sprachen. 1881 trat er in die österreichisch-ungarische Armee ein. Als Alexander von Battenberg, der erste Fürst des 1878 wieder begründeten Fürstentums Bulgarien, unter russisch Druck Bulgarien verlassen mußte (1886), einigten sich die Bulgaren schließlich auf F. Da Bismarck seine Zustimmung unter Hinweis auf die ablehnende Haltung Wiens und Sankt Petersburgs verweigerte, war auch die Familie Coburg gegen die Annahme. F. forderte nun die einstimmige Wahl durch das bulgarisch Parlament (Sobranje), was am 7.7.1887 geschah. Am 10.7.1887 reiste er im geheimen aus Wien ab, am 14.7. leistete er in Tirnowo den Eid auf die Verfassung, am 22.7. hielt er seinen feierlichen Einzug in Sofia. F. fand eine schwere Aufgabe vor. Die Großmächte erkannten ihn nicht an. Die Feindschaft Rußlands war ihm sicher. Alexander III. sagte damals (1887) zu dem deutschen Geschäftsträger, dem späteren Reichskanzler von Bülow: „La candidature est aussi ridicule que le personnage“. Mit Beharrlichkeit, Klugheit und Geduld ging der junge Fürst ans Werk. Seine willensstarke Mutter, die ihn nach Sofia begleitet hatte, war ihm eine große Hilfe. Der Lebensstil war bescheiden. Sofia zählte damals knapp 30 000 Einwohner. In dem autonomen Ostrumelien regierte er nur als vom Sultan abhängiger „Wali“. Während er unauffällig und geduldig um die diplomatische Anerkennung durch die Großmächte warb, widmete er sich gleichzeitig dem Aufbau der jungen Armee (obwohl er persönlich weniger Soldat war als sein Vorgänger). Im Innern gelang ihm ein schrittweises Aufbauwerk (Schulwesen, Verwaltung, Verkehr, moderner Ausbau Sofias). 1894 konnte er sich des bisher allmächtigen Ministerpräsidenten Stambulow durch Entlassung entledigen. Nach außen führte der unerwartete Tod Alexanders III. (1894) die Wende herbei. Der Übertritt des Kronprinzen Boris zum orthodoxen Glauben (1896) besserte das Verhältnis zu Rußland wesentlich. Unter Ausnützung der türkisch Schwierigkeiten („jungtürk.“ Revolution) ließ sich F. am 8.10.1908 zum „König (Car) der Bulgaren“ ausrufen, was auch die endgültige Einverleibung Ostrumeliens bedeutete. Von da an spielte F. bereits eine aktive Rolle in der europäischen Politik. Zur Aufteilung der restlichen europäischen Türkei verbündete er sich mit Serbien (1912). Im 1. Balkan-Kriege (1912/13) errangen die Verbündeten, denen sich Griechenland und Montenegro anschlossen, große Siege: Eroberung Mazedoniens und Thraziens, Vordringen an die Ägäis und bis vor Konstantinopel (Tschataldscha-Linie), Friede von London (30.5.1913). An dem Streit über die Zugehörigkeit Mazedoniens brach der 2. Balkan-Krieg aus (Juni 1913). Da auch die Türkei wieder den Kampf aufnahm und Rumänien Bulgarien angriff, mußte dieses, da es allein stand, im Frieden von Bukarest (10.8.1913) auf Mazedonien und Ostthrazien verzichten und die südliche Dobrudscha an Rumänien abtreten. In der Hoffnung, Mazedonien gewinnen zu können, trat F., nachdem infolge der Siege der Mittelmächte an der Ostfront (1915) die baldige Kriegsentscheidung wahrscheinlich geworden schien, als Verbündeter der Mittelmächte in den Krieg ein (6.9.1915). Bulgar. Truppen wirkten bei der Niederwerfung Serbiens (1915) und Rumäniens (1916) mit. Durch die politischen Meinungsverschiedenheiten mit den Mittelmächten über das Schicksal der Dobrudscha und des ägäischen Küstengebietes mit Saloniki und durch die lange Kriegsdauer wurde die militärische Widerstandskraft der Bulgaren ausgehöhlt. Als am Tscherna-Bogen die bulgarisch Mazedonienfront durch einen Angriff der alliierten Saloniki-Armee durchstoßen wurde (September 1918), dankte F. zugunsten des Kronprinzen ab (3.10.1918) und verließ das Land. Österreich verweigerte ihm den Aufenthalt. Er ging nach Coburg, wo er, von der deutschen Reichsregierung mit den ausbedungenen Zahlungen unterstützt, seinen Lebensabend verbrachte. Von Politik hielt er sich völlig fern, Bulgarien hat er nie wieder betreten.

    Seinen politischen und geistigen Fähigkeiten nach überragte F. die meisten Herrscher seiner Zeit, an wissenschaftlicher Bildung war er im Kreise der europäischen Herrscher einzigartig. In ihm einte sich der französische Königsenkel und Grandseigneur mit dem ungarischen Magnaten und deutschen Gelehrten. Sein Leben lang war er ein leidenschaftlicher Theaterbesucher. In Bulgarien förderte er die Übersetzung deutscher Dichtwerke (Goethes „Faust“). Auch der modernen Technik galt sein besonderes Interesse, insbesondere war er um die Verbesserung des Verkehrswesens bemüht. Er war geprüfter Lokomotivführer. F. befaßte sich mit zoologischen und botanischen Studien, besonders Orchideen- und Schmetterlingskunde und Ornithologie. Er galt als einer der besten Kenner der exotischen Kleinvögel. Von Coburg aus unternahm er bis ins hohe Alter einige wissenschaftliche Forschungsexpeditionen nach Afrika und Südamerika. Durch seine großen Sammlungen bereicherte er das Naturwissenschaftliche Museum im Coburger Hofgarten. Eine größere Anzahl von wissenschaftlichen Pflanzennamen sind nach ihm als Entdecker genannt.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Budapest), Dr. rer. nat. h. c. (Erlangen 1942).

  • Werke

    Eine Osterreise an d. Victoria-Nyanza u. z. d. Bergriesen Äquatorial-Afrikas (mit H. v. Bötticher), in: Journ. f, Ornithol. 78, 1930, Sonder-H.

  • Literatur

    R. v. Mach, Briefe aus d. Balkankriege 1912–13, Kriegsberr, d. Köln. Ztg., 1913;
    ders., Aus bewegter Balkanzeit 1879–1918, 1928;
    P. Lindenberg, Kg. F. v. B., 1917;
    V. Radoslawoff, Bulgarien u. d. Weltkrise, 1923;
    D. Jocov, Tsar F. de Bulgarie, Paris 1927 (P);
    E. Roselius, Der König reist, 1929;
    H. R. Madol [= G. Salomon], F. v. B., Der Traum v. Byzanz, Unter Benutzung ungedr. Akten d. Auswärtigen Amtes u. d. Geh. Staats-Archivs [1931];
    Kg. F. v. Bulgarien, Zum 75. Geb.tag, 1936 (u. a. mit Btrr. v. H. v. Bötticher, L. Heck, N. Stojanoff u. I. Buresch üb. F.s naturwiss. Stud.);
    Mackensen, Briefe u. Aufzeichnungen d. GFM aus Krieg u. Frieden, bearb. u. mit geschichtl. Begleittext versehen v. W. Foerster, 1938;
    A. Mehlan, Die dt. Fürsten auf Bulgariens Thron, in: Vergangenheit u. Gegenwart 29, 1939, S. 30-45;
    W. Neresoff, Mit Kg. F. v. Bulgarien nach Afrika, 1940 (P);
    J. Knodt, F. der Bulgare, Die Balkanmission e. Prinzen aus d. Hause Sachsen-Koburg u. Gotha-Kohary 1887–1918, 1947 (P);
    E. v. Massow, Denkwürdigkeiten (unveröff.).

  • Autor/in

    Georg Stadtmüller
  • Empfohlene Zitierweise

    Stadtmüller, Georg, "Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 88-90 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118686720.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA