Lebensdaten
1822 bis 1907
Geburtsort
Leschnitz (Oberschlesien)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Indologe ; Sprachwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116380349 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aufrecht, Theodor

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Aufrecht, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116380349.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaufmann;
    Helen Mary Harrington; kinderlos.

  • Leben

    A. studierte in Berlin klassische Philologie und orientalische Sprachen u. a. bei F. Bopp, A. Böckh und K. Lachmann. 1847 promovierte er mit der Dissertation „De accentu sanscritico“ Teil 1 in Halle und habilitierte sich 1850 für vergleichende Sprachwissenschaft in Berlin. Nachdem er mit Kirchhoff das grundlegende Werk „Über die umbrischen Sprachdenkmäler“ (2 Bände, 1849–51) herausgegeben hatte, begründete er 1852 mit A. Kuhn die „Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung“, von deren Redaktion er schon nach dem 2. Jahrgang zurücktrat. 1852 ging er nach Oxford als Gehilfe Max Müllers bei der Vorbereitung seiner großen Rigveda-Ausgabe mit Sāyanas Kommentar. Aber noch bevor diese vollendet war, gab er 1861-63 den ganzen Rigveda in lateinischer Umschrift als Band 6 und 7 von A. Webers „Indische Studien“ heraus und übte dadurch auf mehr als ein Jahrzehnt einen bedeutsamen Einfluß auf die Entwicklung der Sanskritstudien in Deutschland aus. Eine 2. Ausgabe erschien 1877. In Oxford erhielt A. innerhalb Jahresfrist nach seiner Übersiedelung eine Anstellung an der Bodleiana zur Katalogisierung der dortigen Sanskrithandschriften. Diese Tätigkeit sollte für seine weitere Lebensarbeit bestimmend werden, konzentrierte sie sich doch mehr und mehr auf die Durchmusterung indischer Texte, insbesondere nicht edierter Handschriften nach bedeutsamen Stellen und Autorennamen, um so die universellen Grundlagen für eine indische Literaturgeschichte zu schaffen. Als deren erstes Ergebnis erschien 1859-64 „Catalogi codicum manuscriptorum bibl. Bodleianae P. VIII. codices Sanscriticos complectens“, ein Werk, das neben A. Webers Katalog der Berliner Sanskrithandschriften ein Musterbeispiel für ähnliche Unternehmungen wurde. Außer den Editionen weiterer Sanskrittexte folgten im Laufe der Zeit die Kataloge der Sanskrithandschriften des Trinity College in Cambridge 1869 sowie der der Bibliotheken in Florenz 1892, Leipzig 1901 und München 1909 als selbständige Werke. Die Krone bildete aber sein monumentaler „Catalogus catalogorum“, der in einem Haupt- und zwei Nachtragsbänden (1891–1903) auf Grund eines weit zerstreuten und schwer zugänglichen Katalog- und Listenmaterials alle bis dahin in Europa und Indien bekannt gewordenen Sanskrithandschriften nach Autoren und Sachtiteln in alphabetischer Ordnung übersichtlich zusammenfaßt und für die indologische|Forschung ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden ist. Seit 1935 wird diese Arbeit von dem neu begründeten „Catalogus Catalogorum Institute“ in Madras (Südindien) fortgesetzt (Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, 1935, S. 429). 1862-75 war A. Professor für Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft in Edinburgh und 1875-89 in Bonn; nach 1889 lebte er mehrere Jahre vorübergehend in Heidelberg. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er Mitglied verschiedener Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften und erhielt ehrenhalber die Würde eines M. A. (Oxford), Dr. of Letters (Cambridge) und Dr. of Laws (Edinburgh).

  • Werke

    Weitere W Ujjvaladatta: Commentary on the Uṇādisūtras, 1859;
    Halāyudha: Abhidhānaratnamālā, London 1861;

    Blüthen aus Hindustan (Gedichtslg.), 1873;

    Aitareyabrāhmaṇa, 1879;

    zahlreiche Abhh. in: Ztschr. f. vergleichende Sprach-F, Transactions of the Philological Society, Ztschr. d. Dt. Morgenländ. Ges. u. Festschrr.;
    eine große Slg. (87 Nummern) seiner unveröffentl. Mss. neben Kopien v. Hss., Indices u. lexikal. Arbb. z. ind. Texten befindet sich seit 1904 in d. India Office Library in London als „A.-Collection“ (s. a. F. W. Thomas, The A. Collection, in: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, London 1909).

  • Literatur

    A. Ballini, in: Rivista di studi Orientali, 1907;
    H. Jacobi, Th. A., in: Chronik d. Univ. Bonn, 1907;
    F. W. Thomas, Th. A., in: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, London 1907;
    E. Windisch, Gesch. d. Sanskrit-Philol. u. ind. Altertumskde. II, 1920;
    W. Kirfel, in: Gesch. d. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. II, 1933;
    Wi., 1905;
    H. Jacobi, in: BJ XIII (u. Totenliste 1907);
    Wininger I, Cernauti 1925;
    Enc. Jud. III, 1929;
    Enc. Americana II, 1947;
    Winkler-Prins, Enc., Amsterdam 1948.

  • Portraits

    Phot., 1901 (im Besitz v. W. Kirfel).

  • Autor/in

    Willibald Kirfel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirfel, Willibald, "Aufrecht, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 442 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116380349.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA