Züblin, Eduard

Lebensdaten
1850 – 1916
Geburtsort
Castellammare di Stabia (Italien)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Bauunternehmer
Konfession
reformiert
Namensvarianten

  • Züblin, Eduard

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Zitierweise

Züblin, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143061.html [30.01.2026].

CC0

  • Züblin, Eduard

    | Ingenieur, Bauunternehmer, * 11.3.1850 Castellammare di Stabia (Italien), † 25.11.1916 Zürich, ⚰Straßburg. (reformiert)

  • Genealogie

    Aus seit 1545 in St. Gallen eingebürgerter Fam.;
    V Caspar (Gaspare) (1805–65), aus St. Gallen, Textilkaufm. in C., Dir. d. um 1840 v. David Vonwiller gegründeten Garancine-Fabrik in C., S d. Christian (1775–1836), aus St. Gallen, u. d. Sabine Elisabeth Zollikofer (1781–1859);
    M Ursula (1814–82), T d. Christoph Züblin (1771–1849), aus St. Gallen, u. d. Barbara Julia Gonzenbach (1786–1831);
    Ov Friedrich (1803–83, Martha Züblin,* 1810, Schw d. Ursula, s. o.), Spinnereidir. u. -bes. in Fratte di Salerno, St. Gallen, Pottendorf u. Burgdorf (s. HLS), Julius (1814–1878, Julia Wilhelmine Züblin,* 1817), Textilfabr. in Angri (Kampanien), Kaufm. in Bari, Tante-v Louise (* 1819, Julius Bernhard Vonwiller,* 1818, Handelsmann in St. Gallen), Rosina (1821–1884, Hans Kaspar Escher vom Glas, 1807–91, Mechaniker in Zürich), Sabine (1825–1893, Johann Jakob [Giacomo] Schlaepfer, 1804–89, Handelsmann 1821 in Kiew u. Odessa, 1824 in Neapel, 1852 in Salerno);
    B Wilhelm (1846–1931, Josephine Jahn), Maschinening. in e. Schiffswerft in C., Warschau u. Winterthur, Obering. b. Sulzer, Dr. Ing. E. h. (ETH 1916) (s. Schweizer. Bauztg. v. 5.3.1932, S. 127), Caspar jun. (1855–1912, Susanna Catharina Dieterlen, 1863–1933), Maschinening. b. Sulzer, b. d. Spinnerei Vonwiller in Nocera als Leiter d. Zwirnerei u. in Z.s Bauuntern. in Neapel, n. 1893 Mitinh. e. techn. Büros in Buenos Aires, Schw L(o)uise (1848–72, Alfons Escher, 1845–1924, Dir. d. Spinnerei Vonwiller in Nocera);
    1880 Carolina (Lina) (1855–1919), aus Osnabrück, T d. Wilhelm Bolte, Stationseinnehmer;
    2 S Fritz (Friedrich) (1882–1930), Ing. in Z.s Bauuntern., Robert (1888–1928), übte ltd. administrative Funktionen in Z.s Bauuntern. aus, 1 T Margarethe (1884–1956, Hermann Schürch, 1881–1957, Dipl.-Ing., Dr.-Ing., ltd. Mitarb. in Z.s Bauuntern., 1934 Leiter d. Société Alsacienne de Travaux Publics [SATP], Ehrenmitgl. d. Soc. Suisse, Präs. d. Union de l’Industrie Routière du Bas-Rhin, Ehrenmitgl. d. Fédération des Entrepreneurs du Bâtiment du Bas-Rhin, Ehrenpräs. d. Züblin AG Stuttgart, s. Schweizer. Bauztg. 75, 1957).

  • Biographie

    Geboren am Golf von Neapel, wurde Z. 1859 zur weiteren Ausbildung in das Institut Ryffel in Stäfa (Kt. Zürich) geschickt. Nach einer Maschinentechnikerlehre 1867–71 bei der Gebr. Sulzer OHG in Winterthur, wo sein älterer Bruder Wilhelm als Oberingenieur arbeitete, bildete sich Z. in der Schweiz, in Lyon (Frankr.), Manchester (England) und Italien weiter. 1879–82 war er Betriebsingenieur bei der Spinnerei „Vonwiller & C.“ in Nocera (Kampanien, Italien), ebenfalls eine St. Galler Gründung. 1883 wurde Z. Mitarbeiter im technischen Büro des dt. Architekten Adolf Mauke (1836–1899) in Neapel, das er 1885 übernahm. Z. erstellte in Kampanien zahlreiche Industriebauten, insbesondere für dort niedergelassene Schweizer Textilindustriefirmen, sowie Objekte in Eisenbetonbauweise (als erstes die Terrasse seines Wohnhauses in Neapel). 1898 übersiedelte Z. nach Straßburg, wo er mit seinem Schwager Alfons Escher die Firma „Ingenieurbureau und Beton-Baugeschäft Eduard Züblin“ gründete und die Generalvertretung des patentierten Systems des Franzosen François Hennebique für Süddeutschland übernahm. Er entwickelte dessen Eisenbetonbauweise unter Mitwirkung wissenschaftlich ausgebildeter Statiker weiter, verhalf ihr zum Durchbruch und führte als erster in Deutschland Spundwand- und Pfahlgründungen sowie Silobauten, ein Spezialgebiet Z.s, ferner Schwimmbassins in Eisenbeton aus. 1903 baute er für die „Illkircher Mühlenwerke AG“ in Straßburg den ersten großen Getreidesilo mit Hohlwänden zur Abkühlung des Getreides. Um bei den Rammarbeiten eine Zertrümmerung der Eisenbetonpfahlköpfe zu verhindern, entwickelte Z. eine Schlaghaube. Bekannte größere Bogenbrücken Z.s. sind die Moselbrücke bei Novéant-Metz (1904) und der Langwies-Viadukt (1912–14) der Chur-Arosa-Bahn in der Schweiz mit einem Bogen von 100 m Stützweite und einer eingespannten, aufgelösten Bogenkonstruktion, mit der die Fahrbahn monolithisch verbunden war.

    Im Laufe der Jahre entstanden mehrere hundert größere Bauwerke, wobei der Industriebau Z. am meisten faszinierte. Die Fertigstellung der spektakulären Turmunterfangung des Straßburger Münsters (ab 1914) erlebte Z. nicht mehr.

    Seit 1910 stellte er in einem eigenen Rohrwerk in Kehl vorgespannte Betonrohre nach dem Siegwart-Verfahren her. Eine wichtige Erfindung Z.s waren auch seine im Bergbau eingesetzten Bunkerverschlüsse und Erztaschen (Klappen- und Vorhangverschlußsystem Z.). Insgesamt besaß Z. am Ende seines Lebens fast 130 Patente.

    Bei Beginn des 1. Weltkriegs verfügte die 1912 in die Kommanditgesellschaft „Ed. Züblin & Cie.“ umgewandelte Firma über Niederlassungen in Basel, Zürich, Mailand, Duisburg, Stuttgart (seit 1911), Riga, Paris, Kehl, Brüssel und Wien. Dieses internationale Gefüge brach durch den Krieg und dessen politische Folgen auseinander. Die Zürcher Firma, an die 1914 die Filiale Basel übergegangen war, wurde 1916 kurz vor Z.s Tod von der Straßburger Mutter getrennt und verselbständigt; sie war spezialisiert auf Beton- und Eisenbetonarbeiten. Die dt. Firma Züblin, 1919 in Stuttgart als AG neu gegründet, wurde operativ stark von Ludwig Lenz (1888–1969), der noch unter Z. in die Firma eingetreten war, und dessen Nachkommen geprägt. In der Leitung des ehemaligen Stammhauses in Straßburg verblieben Z.s Sohn Fritz und sein Schwiegersohn Hermann Schürch. 1919 wurde mit der „Aktiengesellschaft für Bauunternehmungen“ (AGB) eine Familienholding gegründet, die noch während Jahrzehnten an der Schweizer und der dt. Züblin AG beteiligt war.

    Die Schweizer „Ed. Züblin & Cie. AG“, die im 20. Jh. zu den bedeutendsten Baufirmen des Landes gehörte, wurde im Frühjahr 1985 an deren Management verkauft. Nach dem Einstieg neuer Investoren setzte der Wandel zur Immobiliengesellschaft ein; 2004 wurde der Baubereich an den österr. Strabag SE-Konzern abgestoßen. Die Firma wird seit 2020 von dem russ. Oligarchen Viktor Vekselberg kontrolliert. Die dt. Ed. Züblin AG in Stuttgart gehört seit 2005 zum österr. Strabag-Konzern.

  • Werke

    W Bauten: Bleicherei n. d. „System Hennebique“, Salerno (Italien) 1895;
    Wasserturm f. e. Weberei, Scafati (Italien) 1897;
    Erster Zellensilo f. Getreide in Dtld., Straßburg, Rheinhafen 1899;
    Erstes in Eisenbeton hergestelltes Schwimmbassin f. d. Hallenbad d. Stadt Gebweiler (Elsaß) 1900;
    Erste Rammausführung z. Fundierung d. Flutbrücke b. Brumath (Elsaß) 1900;
    Eisenbetonfachwerkbrücke über d. Larg b. Brünighofen (Elsaß) mit untenliegender Fahrbahn u. erstmals Widerlagern aus Eisenbetonspundbohlen (1901);
    Gründungsarb. f. d. Empfangsgebäude d. neuen Hauptbahnhofs am Klostertor, Hamburg 1902;
    Brücke über d. Seille b. Pettoncourt (Frankr.) als Bogenträger, b. welcher d. Fahrbahn erstmals als Zugband ausgebildet wurde, 1904;
    – maßgebl. Mitarb. an d. Leitsätzen f. d. Vorbereitung, Ausführung u. Prüfung v. Eisenbetonbauten d. Dt. Beton-Ver. 1904 f. d. Preuß. Min. f. öff. Arbb., 1904;
    Gutachten über d. Erweiterung u. d. späteren Ausbau d. thurgau. Eisenbahnetzes, zu Handen d. tit. Reg.rates d. Kt. Thurgau, 1899.

  • Quellen

    Qu StA St. Gallen, Fam.archiv Z. u. Fam.- u. Firmenarchiv Wenner.

  • Literatur

    |Schweizer. Bauztg. 68, 1916, Nr. 25, S. 291 f. (P);
    W. v. Niebelschütz, Züblin-Bau 1898–1958, 1958;
    R. Schweizer, Aus d. Frühgesch. d. Eisenbetons, in: Schweizer. Techn. Zs. 46/47 v. 23.11.1961;
    75 J. Züblin-Bau, 1898–1973, 1973 (P);
    V. Hahn, E. Z., Leben u. Wirken e. Ing. in d. Entwicklungszeit d. Stahlbetons, in: Wegbereiter d. Bautechnik, hg. v. d. VDI Ges. f. Bautechnik, 1990, S. 25–45;
    S. Everts-Grigat u. K. Fuchs, Züblin, 100 J. Bautechnik, 1898–1998, 1998;
    HLS.

  • Porträts

    |Photogr. (StA St. Gallen).

  • Autor/in

    Adrian Knoepfli
  • Zitierweise

    Knoepfli, Adrian, "Züblin, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 768-769 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143061.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA