Zorn, Fritz( Pseudonym)

Lebensdaten
1944 – 1976
Geburtsort
Meilen (Kanton Zürich)
Sterbeort
Zollikon (Kanton Zürich)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
reformiert
Namensvarianten

  • Angst, Fritz( eigentlich)
  • Angst, Rudolf Heinrich Fritz
  • Zorn, Fritz( Pseudonym)
  • zorn, fritz
  • Angst, Fritz( eigentlich)
  • angst, fritz
  • Angst, Rudolf Heinrich Fritz

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Zitierweise

Zorn, Fritz( Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143053.html [02.04.2026].

CC0

  • Zorn (eigentlich Angst), Rudolf Heinrich Fritz

    | Schriftsteller, * 10.4.1944 Meilen (Kanton Zürich), † 2.11.1976 Zollikon (Kanton Zürich), ⚰ Zürich, Friedhof Manegg. (reformiert)

  • Genealogie

    V Ernst Angst (1907–1971), studierte Architektur u. Kunstgesch., Fabr., Mitinh. d. Gummi- u. Lederfabr. Holzscheiter &
    Co.;
    M Ruth (1914–91), T d. Ernst Holzscheiter (1879–1962), Fabr., Gründer d. Gummi- u. Lederfabr. Holzscheiter &
    Co., 1912–84 in M., Kunstsammler;
    1 jüngerer B;
    – ledig.

  • Biographie

    Z. wuchs in einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in Meilen am rechten Zürichseeufer auf und besuchte seit etwa 1950 Schulen im nahen Küsnacht. Nach der Matura an einem Gymnasium in Zürich begann er an der dortigen Universität ein Studium der Germanistik und Romanistik, das er 1971 – nach Studienaufenthalten in Lissabon und Madrid – mit der Promotion zum Dr. phil. bei Georges Güntert (* 1938) auf der Grundlage einer Arbeit über den portugies. Schriftsteller Luís de Sttau Monteiro abschloß. Danach war|er als Gymnasiallehrer für Spanisch und Portugiesisch in Baden (Kt. Aargau), Zürich und Aarau (Kt. Aargau) tätig.

    Für seinen einzigen veröffentlichten literarischen Text, den im Sommer 1976 abgeschlossenen autobiographischen Lebensbericht „Mars“ (1977), wählte Z. sein Pseudonym. Das Buch, das den programmatischen Untertitel „Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein …“ trägt, erschien postum auf Vermittlung des Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Adolf Muschg (* 1934). Z. unternahm darin den Versuch, seine tödliche Krebserkrankung als somatische Folge von Neurosen und Depressionen zu begreifen.

    Ausgehend von Thesen Wilhelm Reichs (1897–1957) sah er in seiner Kindheit und Jugend in großbürgerlichem Umfeld, in dem er gelernt habe, Gefühle zu unterdrücken, die Ursache für sein seelisches Leiden; er sei „zu Krebse erzogen worden“.

    Als postumes Zeugnis eines „nicht gelebten Lebens“ und Dokument des Leidens an bürgerlicher Erziehung und Gesellschaft erfuhr „Mars“ in den frühen 1980er Jahren in der „No future“ -Jugendbewegung – in der Schweiz speziell in der „Achtziger-Bewegung“ – große Resonanz, zu der Muschgs engagiertes Vorwort beitrug. In zahlreichen Neuauflagen und in viele Sprachen übersetzt, fand „Mars“ auch international Aufmerksamkeit, wurde Vorlage für eine Graphic Novel (A. u. D. Varenne, Angoisse et colère, 1988) und erfuhr zwei Dramatisierungen (Mars, Ein choreograph. Theater, Libretto: J. Kresnik u. W. Wiegand, Musik: W. Haupt, UA Heidelberg 1983; Mars, adaptiert v. D. Peyamiras, UA Centre Dramatique de Lausanne 1986, franz.). Das Werk beeinflußte die spätere Darstellung von Krebserkrankungen in der Literatur, etwa bei Maja Beutler (1936–2021), Anne Cuneo (1936–2015), Peter Noll (1926–1982) und Erica Pedretti (1930–2022).

  • Werke

    |Charme u. Moral, Die Darst. d. Wirklichkeit b. Luis de Sttau Monteiro, 1972 (Diss. unter d. Namen Fritz Angst);
    Mars, 1977, Tb. 1979, zahlr. Neuausgg., schwed. 1978, ital. 1978, ²1986, Neuausg. 2006, franz. 1979, ³1991, Neuausg. 1980, bulgar. 1980, engl. 1982, niederl. u. ungar. 1984, serbokroat. 1985, portugies. 1986, hebr. 1988, griech. 1990, poln. 1992, span. 1992, Neuausg. 2009, slowen. 2009, tschech. 2016;
    Nachlaß: Privatarchiv, Zürich (Prosa, Dramen, autobiogr. Material;
    Aufarbeitung d. Nachlasses seit 2017 durch D. León-Villagrá, Berlin).

  • Literatur

    |A. Muschg, Lit. als Therapie? Ein Exkurs über d. Heilsame u. d. Unheilbare, Frankfurter Vorll., 1981, ¹⁰2009, S. 67–75;
    H. Karasek, Ein dreißigj. Krieg in Frieden, in: Der Spiegel, 1977, H. 15, S. 219;
    M. Rutschky, Erfahrungshunger, Ein Essay über d. siebziger J., 1980, Tb. 1982, Neuausg. 2017;
    C. Lenker, Krebs kann auch e. Chance sein, Zw.bilanz oder Antwort an F. Z., 1984, ⁶1993;
    D. Basler u. W. Baumgärtner (Hg.), Angst u. Z., „Mars“, zehn J. danach, 1986;
    „Mars“ en images, Z. + Varenne, Exposition 4e Festival internat. de la bande dessinée, 1987 (Ausst.kat.);
    A. Haverkamp, Die neueste Krankheit z. Tode, Das Werthersyndrom in d. Verständigungslit. d. siebziger J., in: DVjs. 60, 1986, S. 667–96;
    C. Boldt, Die ihren Mörder kennen, Zur dt.sprachigen lit. Krebsdarst. d. Gegenwart, Diss. Freiburg (Br.) 1989;
    M. Moamai, Krebs schreiben, Dt.sprachige Lit. d. siebziger u. achtziger J., 1997;
    D. de Roulet, Double 1998, dt. 1998;
    J. A. Kleber, Schuld u. Krebs, Gesch. u. Ende d. Unheilbarkeit in d. Moderne, in: Konkursbuch 37, 1999, S. 121–37;
    A. Fattori, In e. „prohibitiv harmon. Milieu“ aufwachsen, F. Z.s „Mars“, in: B. Sandberg (Hg.), Fam.bilder als Zeitbilder, Erzählte Zeitgeschichte(n) b. Schweizer Autoren v. 18. Jh. bis z. Gegenwart, 2010, S. 213–28;
    R. Neubauer-Petzoldt, „Alles Politische ist privat“, pol. Mythen, Ikonen u. d. Dekonstruktion d. Erinnerungsortes 1968 im Spiegel biogr. Lit., in: Psychol. u. Ges.kritik 35, 2011, S. 35–67;
    H. Erdmann, Ekstasen d. Körperlichkeit, F. Z.s Autobiogr. „Mars“ u. Thomas Brussigs Roman „Helden wie wir“, 2011;
    J. Flinik, „Harmonie oder Nichtsein“, F. Z.s Selbstdarst. im autobiogr. Text „Mars“ (1977), in: dies. (Hg.), Faktizität u. Fiktionalität (…), 2012, S. 157–69;
    M. Dierks, Adolf Muschg, Lebensrettende Phantasie, Ein biogr. Porträt, 2014, S. 171–78;
    G. Kalberer, Die Rückseite d. „Mars“, Der Nachlass v. F. Z. wird an d. HU aufgearb., in: Tages-Anz. v. 1.11.2016;
    H.-C. Müller-Busch, Lit. im Angesicht d. Todes, F. Z. u. Wolfgang Herrndorf, in: ders. u. a. (Hg.), Krankheit, Sterben u. Tod im Leben u. Schreiben europ. Schriftst., Bd. 2, 2017, S. 235–58;
    M. Pender, Drei autobiogr. Darst. e. Krebsleidens, Zu F. Z.s „Mars“, W. M. Diggelmanns „Schatten (…)“ u. P. Nolls „Diktate (…)“, in: I. Hernández u. D. Sośnicka (Hg.), Fabulierwelten [ … ], FS f. Beatrice Sandberg (…), 2017, S. 143–55;
    Ch. Sieg, Die ‚engagierte Lit.‘ u. d. Rel., Pol. Autorschaft im lit. Feld zw. 1945 u. 1990, 2017, S. 419–35;
    M. Papst, Kultautor F. Z., Zum Schreien komisch, in: NZZ am Sonntag v. 12.10.2018 (P);
    B. Hitzer, Krebs fühlen, Eine Emotionsgesch. d. 20. Jh., 2020;
    Killy;
    KLL;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    HLS;
    Mitt. v. D. León-Villagra, Berlin.

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Zorn (eigentlich Angst), Rudolf Heinrich Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 744-745 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143053.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA