Zimmermann, Hermann

Lebensdaten
1845 – 1935
Geburtsort
Langensalza
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ingenieur
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Zimmermann, August Ernst Hermann
  • Zimmermann, Hermann
  • Zimmermann, August Ernst Hermann

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Zitierweise

Zimmermann, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143044.html [04.03.2026].

CC0

  • Zimmermann, August Ernst Hermann

    | Ingenieur, * 17.12.1845 Langensalza, † 3.4.1935 Berlin, ⚰ Berlin. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Heinrich Friedrich (1817–1899), Dr. med., Arzt in L., unehel. S d. Christian Ernst Schmalkalden (1768–1831), Dr. med., Arzt in L., u. d. Christine Zimmermann (1795–1831), aus L., Dienstmagd;
    M Bert(h)a (1822–98), T d. Karl Heinrich Philipp Meyer (1794–1856) u. d. Louise Abesser (1800–1874);
    Karlsruhe 1875 Clara (1848–1923), T d. Stefan Lambert, Kaufm. in Mainz, u. d. Ottilie Nell ( 1852);
    3 S Hermann (1878–1972), zuletzt in Wien, Max (1880–1922), Architekt in Düsseldorf, Hans (* 1882), Dentist in Halle/Saale, 3 T Bertha (* 1876, kath., Ernst Ignaz Karlewski, 1869–1948, aus Schlochau, Dr. med., prakt. Arzt in Mühlhausen, Thür.), Margarethe, Lehrerin in Halle/Saale, Martha (1882–1920), in Straßburg.

  • Biographie

    Z. verbrachte seine Schulzeit in Mühlhausen (Thür.) und verließ Anfang 1862 das Gymnasium wegen der alten Sprachen ohne Abitur.

    Danach fuhr er als Schiffsjunge und Matrose zur See, besuchte die Navigationsschule in Hamburg und legte Ende Okt. 1867 die Prüfung zum Steuermann und Schiffsführer mit Auszeichnung ab. 1868 diente Z. als Einjährig-Freiwilliger bei der Marine des Norddt. Bundes und nahm 1870/71 am Dt.-Franz. Krieg teil. Von Sommer 1870 bis 1875 studierte er erst Maschinenbau und dann Bauingenieurwesen am Polytechnikum in Karlsruhe, wo ihn besonders Franz Grashof (1826–1893) und Hermann Sternberg (1825–1885) be|einflußten. Mit einer von Wilhelm Scheibner (1826–1908) und Carl Gottfried Neumann (1832–1925) begutachteten Dissertation über Kontaktkinematik wurde Z. 1874 an der Univ. Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Nach Erhalt des Diploms für Ingenieurwesen trat er 1875 auf Sternbergs Empfehlung eine Stelle als entwerfender Ingenieur bei der Generaldirektion der Reichseisenbahnen in Straßburg an.

    Vor Ablegung der bad. Regierungsbaumeisterprüfung im Nov. 1878 holte Z. für eine Laufbahn im höheren Staatsbaudienst das Abitur nach. 1878–81 war er Sektionsbaumeister beim Neubau des Straßburger Zentralbahnhofs und konstruierte daneben für den Architekten der Univ. Straßburg, Hermann Eggert (1844–1920), die drei Drehkuppeln der Universitätssternwarte.

    Aufmerksam geworden auf Z.s ingeniöse Konstruktion der Drehkuppeln, holte ihn der Chef des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseisenbahnen in Berlin, Albert Kinel (1825–1911), 1881 als ständigen Hilfsarbeiter in seine Behörde, wo Z. 1883 zum Regierungsrat avancierte und bis 1891 wirkte. In dieser Zeit publizierte Z. seine wichtigsten Arbeiten, wie „Genietete Träger, Tabellen der Trägheitsmomente, Widerstandsmomente und Gewichte“ (1881, ³1893), seinen Aufsatz „Über den Sicherheitsgrad der Baukonstruktionen, insbesondere der auf Knicken beanspruchten Körper“ (Zbl. d. Bauverw. 6, 1886, Nr. 23, S. 217–19, Nr. 24, S. 225–27 u. Nr. 25, S. 243–45) und „Die Berechnung des Eisenbahn-Oberbaus“ (1888, ³1941), bis in die 1960er Jahre Grundlage zur Berechnung der Spannungen in Schienen und Schwellen sowie der Schotterpressungen. 1890 fertigte Z. den konstruktiven Entwurf der Kuppel über dem Plenarsaal des neuen Reichstagsgebäudes, nachdem der Architekt Paul Wallot (1841–1912) an der Lösung dieser Aufgabe zu scheitern drohte. Mit dem Tragwerk dieser Kuppel schuf er mit der Z.-Kuppel einen neuen Typ des Raumfachwerks.

    Im Febr. 1891 zum Geheimen Baurat und Vortragenden Rat ernannt, stieg Z. als Nachfolger Johann Wilhelm Schwedlers (1823–1894) zum höchsten technischen Beamten der preuß. Staatsbahnen auf (Geh. Oberbaurat 1895; Wirkl. Geh. Oberbaurat 1905). Als solcher verantwortete er u. a. Brücken und Bahnhofshallen im preuß. Staatsbahnnetz, betrieb den Erlaß der Berechnungsvorschriften für eiserne Brücken im Sept. 1895, führte Brückenbücher ein, welche die statischen Berechnungen und die Zeichnungen der Brücke sowie – bei alten Brücken – die Nachrechnungen nach neuen Vorschriften enthalten mußten. Darüber hinaus betätigte sich Z. als Gutachter bei großen Brückenwettbewerben in den 1890er Jahren und von öffentlichen Hochbauten (Grundmauern d. Metzer Doms u. Straßburger Münsters, Turmpfeiler im Schiff d. Charlottenburger Ks.-Wilhelm-Gedächtniskirche, Kuppeln d. Reichsger. in Leipzig u. d. Rathauses Hannover). Bei den Schnellfahrversuchen der 1898 gegründeten Studiengesellschaft für Elektrische Schnellbahnen von Berlin nach Zossen legte er den Oberbau fest und leitete die Luftwiderstandsmessungen.

    Nach Heinrich Müller-Breslau (1851–1925) war Z. der zweite Ingenieur, der 1904 zum o. Mitglied der Preuß. Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. In deren Sitzungsberichten publizierte er über die Erweiterung der Theorie des Stabknickens, einer technikwissenschaftlichen Theorie, die im Stahlbau nach 1900 eine hohe Praxisrelevanz besaß.

    Schon bald nach Gründung des Vereins Dt. Brücken- und Eisenbaufabriken (VDBE) 1904 stellte Z. seine Expertise auf dem Gebiet der Versuchsforschung zur Verfügung und gehörte dem 1908 gebildeten Ausschuß für Versuche im Eisenbau an. So beeinflußte und begleitete er nach Eintritt in den Ruhestand im März 1911 das im zweiten Dezennium des 20. Jh. vom VDBE aufgestellte und im Material-Prüfungsamt Berlin-Dahlem realisierte Versuchsprogramm zum Knicken von Stahlstützen maßgeblich, in dem er insbesondere detaillierte Versuchsanordnungen vorschlug.

    Als Doyen der Stahlbauwissenschaft und leidenschaftlicher Ballonfahrer unterstützte Z. Ferdinand v. Zeppelins (1838–1917) Luftschifffahrtspläne aus statisch-konstruktiver Perspektive. Die Summe seiner Forschungen zur Theorie des Stabknickens faßte er 1930 in seiner „Lehre vom Knicken auf neuer Grundlage“ zusammen: Damit setzte Z. den Schlußstein der auf der Elastizitätstheorie fußenden Knicktheorie.

  • Auszeichnungen

    Weitere A Medaille f. Verdienste um d. Bauwesen in Silber (1899) u. Gold (1903);
    o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Bauwesens (1901, ao. 1891);
    Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1901);
    Stern z. Roten Adler-Orden II. Kl. mit Eichenlaub (1911);
    Grashof-Denkmünze d. VDI (1924);
    Medaille d. Preuß. Ak. d. Bauwesens (1930).

  • Werke

    Weitere W Relative Bewegung sich berührender Rotationsflächen, in: Zs. f. Math. u. Physik 19, 1874, H. 1, S. 242–58;
    Ueber Eisenconstructionen u. Walzprofile, in: Cbl. d. Bauverw. 1, 1881, Nr. 28, S. 239 f., Nr. 29, S. 248–50 u. Nr. 30, S. 256 f.;
    Ueber d. Erddruck auf Stützmauern, ebd. 16, 1896, Nr. 14, S. 150–53 u. Nr. 32, S. 354;
    Über Dienstunfähig|keits- u. Sterbensverhältnisse im Auftrag d. Ver. Dt. Eisenbahn-Verwaltungen z. d. Dienstunfähigkeitsu. Sterbensstatistik dess. v. J. 1884 u. Btrr. z. Theorie d. Dienstunfähigkeits- u. Sterbens-Statistik, 1886;
    Rechentafel nebst Slg. häufig gebrauchter Zahlenwerthe, 1889, ¹²1948;
    Die Schwingungen e. Trägers mit bewegter Last, 1896;
    Berechnung d. Oberbaues, in: Hdb. d. Ing.wissenschaften, Bd. 5, Abt. 2, 1897, S. 1–67;
    Über Raumfachwerke, neue Formen u. Berechnungsweisen f. Kuppeln u. sonstige Dachbauten, 1901;
    Antrittsrede d. Hrn. Z., in: SB d. Kgl. Preuß. Ak. d. Wiss., 1905, 1. Halbbd., S. 676–79;
    Über gr. Schwingungen im widerstehenden Mittel u. ihre Anwendung z. Bestimmung d. Luftwiderstandes, ebd., 1907, 2. Halbbd., S. 874–907;
    Knickfestigkeit d. Druckgurtung offener Brücken, 1910;
    Zur Relativitätslehre, 1924;
    Knickfestigkeit d. Stabverbindungen, 1925;
    Franz Grashof als Forscher u. Lehrer, in: Die Bautechnik 4, 1926, H. 6, S. 69–70.

  • Literatur

    |Saller, in: Zbl. d. Bauverw. 45, 1925, Nr. 50, S. 606 f. (P);
    F. Bohny, in: Der Bauing. 6, 1925, H. 37, S. 1011–13 (P);
    K. Beyer, ebd., S. 1013–15;
    H. Kulka, ebd. 11, 1930, H. 51, S. 881;
    G. Schaper, in: Die Bautechnik 3, 1925, H. 55, S. 775 (P);
    ders., ebd. 13, 1935, H. 18, S. 225;
    A. Hertwig, in: VDI-Zs. 79, 1935, H. 20, S. 595;
    ders., Leben u. Schaffen d. Brückenbauer d. Dt. Reichsbahn, Schwedler, Z., Labes u. Schaper, 1950 (W-Verz., P);
    K. Knothe, in: ZEVrail Glasers Ann. 127, 2003, H. 3/4, S. 188–91 (P);
    K.-E. Kurrer, The Hist. of the Theory of Structures, ²2018 (P);
    Pogg. V–VI;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931;
    Wi. 1935.

  • Porträts

    |Bronzebüste v. D. Schaper, um 1923/24 (Verbleib unbek.);
    Abb. in: G. Schaper, 1925 (s. L).

  • Autor/in

    Karl-Eugen Kurrer
  • Zitierweise

    Kurrer, Karl-Eugen, "Zimmermann, August Ernst Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 714-716 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143044.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA