Zangger, Heinrich
- Lebensdaten
- 1874 – 1957
- Geburtsort
- Bubikon (Kanton Zürich)
- Sterbeort
- Zürich
- Beruf/Funktion
- Toxikologe ; Rechts- und Arbeitsmediziner
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Zangger, Heinrich
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Zangger, Heinrich
| Toxikologe, Rechts- und Arbeitsmediziner, * 6.12.1874 Bubikon (Kanton Zürich), † 15.3.1957 Zürich, ⚰ Zürich, Friedhof Sihlfeld (aufgehoben).
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Genealogie
V Heinrich, Landwirt;
M →Rosine Müller (* 1849);
⚭ 1906 →Mathilde (1883–1981), T d. →Robert Mayenfisch (1856–1900), Arzt in Z., Schriftst., u. d. →Mathilde Honegger (1858–1946);
Schwager →Hans E. Mayenfisch (1882–1957, ⚭ Olga Kopp), aus Z., Dr. iur., Bankier, Partner d. Bank Julius Bär in Z., 1937 Verw.rat d. Masch.fabr. Rüti AG, Kunstsammler, 1932–53 Vorstand d. Zürcher Kunstges., Mäzen d. Zürcher Kunsthauses, Dr. h. c. Univ. Zürich 1953 (s. HLS), Schwägerin →Jenny Agnes Mayenfisch (* 1887, ⚭ →Gustav Wilhelm Wegmann, 1882–1937, Ing.). -
Biographie
Nach dem Besuch des Kantonalen Gymnasiums in Zürich studierte Z. hier, in Paris und Neapel Medizin. Im Anschluß an das Staatsexamen 1900 an der Univ. Zürich wurde er hier im Febr. 1902 mit „Histologisch-färbetechnische Erfahrungen im Allgemeinen und speziell über die Möglichkeit einer morphologischen Darstellung der Zell-Narkose“ zum Dr. med. promoviert. Bereits im April 1902 zum ao. Professor für Anatomie und spezielle Physiologie an die Veterinärmedizinische Fakultät der Univ. Zürich berufen, übernahm er im April 1906 das Extraordinariat für gerichtliche Medizin an der Univ. Zürich und leitete seit 1912 als Ordinarius das neugegründete Institut für Gerichtliche Medizin (em. 1941), dessen Aufbau und Struktur, z. B. die Verankerung der Rechtsmedizin in den medizinischen Lehrplan, er mitgestaltete. Einen Ruf an die Univ. Berlin 1926 lehnte er ab.
Als Rechtsmediziner erforschte Z. seit etwa 1920 die Gefahren für die menschliche Gesundheit v. a. in der technisierten Arbeitswelt, z. B. die chronischen Schädigungen durch Atemgifte bei Industriearbeitern in der gewerblichen Toxikologie. Daneben warnte er vor einer chronischen Bleivergiftung, hervorgerufen durch verbleites Benzin. In seinem Standardwerk „Medizin und Recht“ (1920) informierte Z. fundiert über diese Gefahren und deren Abwehr, aber auch über die Beziehungen zwischen beiden Disziplinen sowie über die Aufgaben der Rechtsmedizin und legte seine wegweisenden Vorstellungen zu einem zielführenden gerichtsmedizinischen Unterricht dar. Zielgruppe des Buchs waren Ärzte, Medizinstudenten, Techniker, Juristen und Behörden. Mit seinem Werk „Vergiftungen“ (1924) wurde die Prophylaxe in der industriellen Arbeitswelt zu einem bedeutenden Forschungsgebiet Z.s, womit die Brücke von der Rechts- zur Arbeitsmedizin, seinem zweiten Tätigkeitsfeld, geschlagen wurde. In diesem Werk entwickelte er eine umfassende und wegweisende Synthese der modernen Toxikologie, die medizinische, chemische, physiologische, rechtliche und technische Aspekte berücksichtigte. Z. war an der Ausarbeitung des Zürcher Strafgesetzbuchs, des Schweizer. Zivilgesetzbuchs (ZGB) und des Haftpflichtgesetzes beteiligt und engagierte sich im Umweltschutz und der Katastrophenmedizin, z. B. mit seiner Stellungnahme zum Grubenunglück von Courrières 1906, seinem Einsatz für eine bessere Behandlung von Kriegsgefangenen und für einen Schutz der Zivilbevölkerung vor dem Einsatz von Giftgasen während des 1. Weltkriegs. Sein wichtigster Schüler →Fritz Schwarz (1898–1971) folgte ihm 1941 als Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts Zürich nach.
Z., der auch als Bildhauer und Maler tätig war und viele Freunde aus dem Kreis der bildenden Kunst hatte, war 1912 maßgeblich an der Berufung →Albert Einsteins (1879–1955) als Professor für Theoretische Physik an die ETH Zürich beteiligt, indem er den Bundesrat →Ludwig Forrer (1845–1921) veranlaßte, sich für Einstein zu verwenden. Es existiert ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Z. und Einstein aus den Jahren 1910–47.
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Auszeichnungen
|Marcel-Benoist-Preis (1924);
Mitgl. d. Leopoldina (1925) u. d. Internat. Komitees d. Roten Kreuzes (1932, Ehrenmitgl.);
Dr. sc. techn. h. c. (ETH Zürich 1933);
Dr. med. h. c. (Univ. Lausanne 1940);
Dr. phil. h. c. (Univ. Zürich 1944);
Dr. med. h. c. (Univ. Frankfurt/M.);
Dr. iur. h. c. (Univ. Hamburg). -
Werke
|Über allg. notwendige Kenntnisse u. z. wenig bekannte Ursachen d. Kohlenoxydvergiftung, 1914;
Lehrb. d. Toxikol. f. Studium u. Praxis, 1928 (mit F. Flury, M. Cloetta, E. Faust u. E. Hübener);
Die Gasschutzfrage, 1933;
Aufgaben d. kausalen Forsch. in Med., Technik u. Recht, Med., Ind.-Gefahren, Prophylaxe, Verss., 1936;
Ger.med., gewerbemed. u. vers.med. Erfahrungen mit neuen techn. flüssigen u. flüchtigen Stoffen, 1937;
– Mitbegr. u. Hg.: Archiv f. Gewerbepathol. u. Gewerbehygiene (1930–44). -
Literatur
|J. Dettling (Hg.), FS f. H. Z. z. 60. Geb.tag, 2 T., 1935 (W-Verz., P);
F. Schwarz, H. Z.s Weg z. Arb.med., in: Archiv f. Gewerbepathol. u. Gewerbehygiene 13, 1955, S. 392–96 (P);
ders., ebd. 15, 1957, S. I-IV;
ders., in: Dt. Zs. f. gerichtl. Med. 46, 1957, S. 353–56 (P);
H. A. Medicus, H. Z. u. d. Berufung Einsteins an d. ETH, in: Gesnerus 53, 1996, S. 217–35;
G. Jeske, Die gerichtl. u. soz. Med. in Berlin v. 1930 bis 1954 unter Victor Müller-Heß, 2008, Diss. med. Charité-Univ. Berlin, S. 46–75;
R. Schulmann (Hg.), Seelenverwandte, Der Briefwechsel zw. Albert Einstein u. H. Z. 1910–1947, 2012 (P);
Biogr. Lex. verstorbener Schweizer, Bd. 5, 1961;
F. Hofer u. S. Hägeli (Hg.), Zürcher Personen-Lex., 1986;
Schweizer Lex.;
HLS;
Pogg. VII a;
– Qu Hss.abt. d. Zentralbibl. Zürich. -
Autor/in
Werner E. Gerabek -
Zitierweise
Gerabek, Werner E., "Zangger, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 600-601 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143005.html#ndbcontent