Zahn, Helmut

Lebensdaten
1916 – 2004
Geburtsort
Erlangen
Sterbeort
Aachen
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Zahn, Helmut Gustav
  • Zahn, Helmut
  • Zahn, Helmut Gustav

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Zitierweise

Zahn, Helmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143000.html [19.02.2026].

CC0

  • Zahn, Helmut Gustav

    | Chemiker, * 13.6.1916 Erlangen, † 14.11.2004 Aachen, ⚰ Aachen, Waldfriedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Herrmann Wolfgang (1879–1965), aus Bad Dürkheim, Dr. med., Nervenarzt in Baden-Baden, S d. August (1850–1925), aus Edenkoben (Pfalz), u. d. Julie Leonie Flora Riand (1854–1879), aus Lahr;
    M Irma (1892–1979), aus Berlin, T d. Philipp Brand u. d. Jetty Wolly;
    1) Dottingen b. Sulzburg 1945 Roswitha Schmidt-Lorenzen (1923–1984), aus Berlin, 2) Baden-Baden 1961 Ingrid Hildegard Anna Marta Fricke (* 1932), aus Swakopmund (Namibia);
    3 S aus 1) Thomas (* 1948), Manuel (* 1950), Leopold (* 1952), 1 S aus 2) Roland (* 1970), 1 T aus 2) Alexandra (1963).

  • Biographie

    Z. wuchs in Baden-Baden auf, wo er das Gymnasium Hohenbaden besuchte. Nach dem Abitur begann er 1935 das Chemiestudium an der TH Karlsruhe, das er 1939 mit einer Diplomarbeit über Cholesterinchemie bei Rudolf Criegee (1902–1975) abschloß. Anschließend trat er in den Arbeitskreis des Textil- und Kolloidchemikers Egon Elöd (1891–1960) an der TH Karlsruhe ein und wurde 1940 mit „Beiträgen zur Reaktionsfähigkeit und Struktur des Wollkeratins“ zum Dr.-Ing. promoviert.

    Die Arbeit wurde im Chemischen Institut der Univ. Heidelberg bei Hans Nowotny (1911–1996) durchgeführt und von Karl Freudenberg (1886–1983) mitbetreut. Nach der Promotion war Z. Assistent bei Freudenberg. Hier entstanden in den folgenden zehn Jahren ca. 40 Publikationen zur Chemie von Textilstoffen, vorwiegend über die Chemie und Struktur von Wolle und Seide; gegen Ende des 2. Weltkriegs arbeitete Z. zeitweise auch am Staatlichen Institut für Textilchemie in Badenweiler. Seine Forschungsarbeiten wurden zunehmend organisch-chemisch, obwohl Proteinfasern und Kollagen nach wie vor im Mittelpunkt standen. 1948 habilitierte sich Z. an der Univ. Heidelberg über „Physikalische und chemische Probleme der Keratinforschung“ für Chemie und wurde 1953 apl. Professor. Er befaßte sich mit der funktionalen Verbesserung von Wollfasern, z. B. mittels innovativer Crosslinking-Reagentien wie Difluordinitrobenzol und anderen Fragen der Textilchemie, wie der Strukturaufklärung von Wolle und Seide, sowie der Synthese von polymeren Kunststoffen und Oligopeptiden. Auch die Verbesserung chemisch-analytischer Methoden spielte eine bedeutsame Rolle. So wurden neue Methoden der chemischen Wollprüfung erarbeitet und der Nachweis von Peptiden und Carbonamiden durch Chlor erforscht. 1952 zum 1. Direktor des von der Textilindustrie gegründeten Dt. Wollforschungsinstituts an der RWTH Aachen berufen, behielt Z. seine Anstellung in Heidelberg und wechselte erst 1957 auf den neugegründeten Lehrstuhl für Textilchemie an die RWTH Aachen. Aufbauend auf seinen Heidelberger Forschungen, gelang Z. mit seiner neunköpfigen Arbeitsgruppe erstmals die Totalsynthese eines Proteins mit biologischer Insulin-Aktivität, auch wenn das Verfahren keine wirtschaftliche Bedeutung erlangte. Die Synthese von Insulin hatte Z. neben der Beschäftigung mit der Chemie von Textilfasern längere Zeit intensiv verfolgt: Z.s Arbeitsgruppe gelang es, das aus zwei Ketten bestehende Insulin in 89 bzw. 132 Synthesestufen aufzubauen. Die Publikation 1963 erfolgte kurz bevor konkurrierende Arbeitsgruppen in Nordamerika und China ans Ziel gelangten. In den Folgejahren arbeitete Z. weiter an Fragen der Peptidsynthese, der Faserforschung sowie der Chemie der Hormone und entwickelte Verfahren zur Kontrolle der Qualität von Wolle, die auch in die internationale Normung Eingang fanden, wie der „Aachener Filztest“. Er arbeitete, der Ausrichtung des Dt. Wollforschungsinstituts folgend, eng mit der Textilindustrie zusammen, u. a. an der Verbesserung der Filzfreiausrüstung mit Polymeren.

    Nach der Emeritierung 1981 führte Z. das Wollforschungsinstitut bis zur Übernahme der Geschäfte 1985 durch seinen Nachfolger Hartwig Höcker (* 1937) weiter. Auch danach blieb er dem Institut verbunden, unterstützte als freier Mitarbeiter seine Nachfolger Höcker und Martin Möller (* 1951) bis zu seinem Tod und hielt bis ins hohe Alter Vorlesungen. In seinem Institut wurden über 100 Promotionen angefertigt; er betreute 248 Doktoranden. Zu Z.s Schülern zählen Henning Klostermeyer (* 1933) und Waleed Danho (* 1941).

  • Auszeichnungen

    |Warner Memorial Medal d. Textile Inst. Manchester (1965);
    Orden Alfonso X el sabio (1968);
    BVK 1. Kl. (1971);
    Chevalier dans l’Ordre des Palmes Académiques (1971);
    Otto N. Witt-Medaille (1971);
    Dr. h. c. (Düsseldorf 1972, Leeds 1972, Belfast 1975, Bradford, Barcelona u. Liege);
    Wilhelm-Exner-Medaille d. Österr. Gewerbever. (1988).

  • Werke

    Weitere W ca. 500 Publl. z. Textil- u. Proteinchemie;
    Synthese d. Insulinketten u. ihre Kombination z. insulinaktiven Präparaten, in: Zs. f. Naturforsch. 18b, 1963, H. 12, S. 1120 f. (mit J. Meienhofer u. a.);
    My Journey from Wool Research to Insulin, in: Journ. of Peptide Science 6, 2000, H. 1, S. 1–10.

  • Literatur

    |Wer ist’s? H. Z., in: Nachrr. aus Chemie, Technik u. Laboratorium 24, 1976, H. 12, S. 261–63;
    Prof. Z. Still Teaching at 80, in: Wool Record, 1996, H. July, S. 4;
    M. Federwisch, M. L. Dieken u. P. De Meyts (Hg.), Insulin and Related Proteins, 2002;
    FAZ v. 19.11.2004;
    U. Schubert, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 115, 2004, S. 477–82 (P);
    H. Höcker, in: Nachrr. aus d. Chemie 53, 2005, H. 1, S. 49 (P);
    A. Wittinghofer, in: Jb. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss., 2006, S. 165–70.

  • Porträts

    |Photogr., Abb. in: H. Z. u. H.-J. Henning (Hg.), Dt. Wollforsch.inst. an d. TH Aachen e. V., FS z. 25j. Jub. am 1. April 1977, 1977, S. 74.

  • Autor/in

    Michael Mönnich
  • Zitierweise

    Mönnich, Michael, "Zahn, Helmut Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 587-588 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143000.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA