Wyss, Laure

Lebensdaten
1913 – 2002
Geburtsort
Biel
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Journalistin ; Publizistin ; Schriftstellerin
Konfession
reformiert
Namensvarianten

  • Wyss, Lor
  • Wyss, Lorli
  • Wyss, Laure Elisabeth( geborene)
  • Zietzschmann, Laure( 1937-1945)
  • Lew( Pseudonym)
  • Wyss, Laure
  • Wyss, Lor
  • Wyss, Lorli
  • Wyss, Laure Elisabeth( geborene)
  • wyss, laure elisabeth
  • Zietzschmann, Laure( 1937-1945)
  • zietzschmann, laure
  • Lew( Pseudonym)
  • lew

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Zitierweise

Wyss, Laure, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142992.html [05.02.2026].

CC0

  • Wyss, Laure (bis um 1945 Lor, Rufname Lorli) Elisabeth, verheiratete Zietzschmann (1937–45) (Pseudonym Lew)

    | Journalistin, Publizistin, Schriftstellerin, * 20.6.1913 Biel, † 21.8.2002 Zürich, Zürich, Friedhof Rehalp. (reformiert)

  • Genealogie

    Aus dt.schweizer. Notars- u. Lehrerfam.;
    V Werner (1883–1952), Notar, Präs. u. Vorstandsmitgl. d. Freisinnigen Partei in B., Stadtrat ebd., Grossrat d. Kt. Bern, S d. Jakob (1856–1931, Suizid), Neugründer u. Rektor d. Gymn. in B., u. d. Hedwig Maria Laura Krebs (1863–1885);
    M Anna Berta (1884–1978),|T d. Carl Uhlmann (1848–1924), Vers.vertr., u. d. Verena Burkhard (1850–1926), Inh. d. Epicerie, Mercerie et Bonneterie Uhlmann in B.;
    Schw Hilde Kaestli-Wyss, verw. Ritter (1911–2006), Journ.;
    Leubringen 1937 1945 Ernst (1907–91), Architekt, Publ., Dir. d. Werkkunstschule Hannover (s. Hann. Professoren), S d. Otto Zietzschmann (1879–1957), aus Beiersdorf (Sachsen), Dr. phil., o. Prof. f. Anatomie an d. Univ. Z. u. 1924–47 an d. Tierärztl. Hochschule Hannover, Dir. d. Anatom. Inst., 1932–34 Rektor, 1928 Mitgl. d. Leopoldina, Dr. med. vet. h. c. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931 u. 1950; Rhdb.; HBLS; Wi. 1955; Biogr. Enz. Med.), u. d. Elisabeth Herrmann (1878–1948);
    aus Verbindung mit Emil Bösch (Ps. Nikolaus Boesch, 1909–92), Anwalt, 1936–48 Bez.ammann in Untertoggenburg, 1941–45 freisinniger Grossrat d. Kt. St. Gallen, 1945–46 Delegierter d. IKRK in Berlin, Kopenhagen u. Warschau, 1951–63 Nat.rat, Übers., Lyriker (s. Kosch, Lit.-Lex³; HLS; L) 1 S Nikolaus (* 1949), Journ., Publ., 1998–2009 Rektor d. Hochschule Luzern f. Design & Kunst.

  • Biographie

    W. wuchs in Biel und Leubringen auf. Sie besuchte in Biel die städtischen Schulen und das von ihrem Großvater gegründete Gymnasium. Nach dem Abitur 1932 studierte sie in Zürich, Paris und Berlin Philologie, Pädagogik und Philosophie und erhielt 1936 in Zürich ihr Patent als Fachlehrerin auf der Sekundarstufe in den Fächern Französisch und Deutsch. Nach ihrer Heirat 1937 lebte W. in Stockholm, Basel und Davos und übersetzte Predigten und Widerstandsschriften der Bekennenden Kirche aus dem Schwedischen, Norwegischen und Dänischen für den „Evangelischen Verlag Zollikon-Zürich“. Mit ihrem Ehemann pflegte sie freundschaftlichen Kontakt zu dem Zürcher Theologen Emil Brunner (1889–1966).

    In Davos erhielt W. bei Jules Ferdmann (1889–1962), dem Gründer, Redaktor und Herausgeber der „Davoser Revue“, Einblick in die journalistische und redaktionelle Arbeit. Nach ihrer Scheidung 1945 lebte sie in Zürich und reiste 1946/47 für den „Schweizerischen Evangelischen Pressedienst“ durch das kriegszerstörte Polen. Im Selbstverlag „L. E. W. Zürich“ gab sie 1948 die Gedichtsammlung „Warszawa“ heraus, aus dem Polnischen übersetzt von Nikolaus Boesch. Als alleinerziehende Mutter übernahm W. 1950 die Redaktion der wöchentlichen „Frauenbeilage“ der „Unterhaltungsblätter bürgerlicher Zeitungsverleger“ unter der Leitung des „Luzerner Tagblatts“. Seit 1962 arbeitete sie als Redaktorin beim Zürcher „Tages-Anzeiger“. 1958–68 entwickelte, gestaltete und moderierte sie für das Schweizer Fernsehen das „Magazin für die Frau“ sowie die Diskussionssendung „Unter uns“. Außerdem realisierte sie diverse Sozialreportagen. W. war 1970 Mitgründerin und Redaktorin des legendären „Tages-Anzeiger Magazins“, im dt.sprachigen Raum das erste vierfarbig gedruckte Supplement-Wochenendmagazin einer Tageszeitung.

    Das Magazin wirkte journalistisch stilbildend und wandte sich an eine junge, kritische Leserschaft. W. verantwortete die Rubriken. In ihren Artikeln setzte sie sich engagiert mit dem gesellschaftlichen Wandel und der Frauenemanzipation in der Schweiz auseinander.

    Am Ende ihrer Berufskarriere begann W. ihr literarisches Werk und orientierte sich in ihrem Debüt „Frauen erzählen ihr Leben“ (1976) an der zeitgenössischen Protokolliteratur. Im autobiographisch gefärbten, vielfach aufgelegten Roman „Mutters Geburtstag“ (1979, franz. 1982) beschrieb W. das schwierige Leben einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter, in der schweizer. Literatur ein bis dahin unbehandeltes Thema. Ihre Prosa bewegte sich zwischen den Genres, zwischen dokumentarischem und fiktivem Erzählen und kreiste um die Themen Selbstbehauptung, Anpassung und gesellschaftliche Benachteiligung. W.s Schreiben war getragen von einer selbstkritischen Haltung und kämpferischem Engagement. Gegen Lebensende wandte sich W. der Lyrik zu. Zu ihrem Freundeskreis gehörten Gertrud Heinzelmann (1914–1999), Hugo Loetscher (1929–2009), Niklaus Meienberg (1940–1993), Adolf Muschg (* 1934) und Atsuko Muschg-Kanto (* 1954), Paul (1916–2009) und Goldy Parin (1911–1997), Elsbeth Pulver (1928–2017), Karl Schmid (1907–1974) und Alice Vollenweider (1927–2011).

  • Auszeichnungen

    |Förderungspreis d. Stadt Zürich (1973);
    Ehrengabe d. Kt. Zürich (1974, 1997) u. d. Stadt Zürich (1978, 1994);
    Lit.preis d. Schweizer. Schillerstiftung (1982);
    Werkj. d. Stadt Zürich (1987), d. Max-Frisch-Stiftung (1993) u. v. Pro Helvetia (1996);
    Dr. A.-Binet-Fendt-Preis, EDI (1991);
    Premio Mediterraneo (1992);
    Preis d. Schweizer. Schillerstiftung f. d. Gesamtwerk (1998);
    Gr. Lit.preis d. Kt. Bern (1998);
    Goldene Ehrenmedaille d. Reg.rats d. Kt. Zürich (2000);
    Werkbtr. d. Kt. Zürich (2001);
    Mitgl. d. Schweizer. Schriftstellerinnen- u. Schriftst.verbands, d. Dt.schweizer PEN-Zentrums, v. Pro Litteris, d. Schweizer Verbands d. Journalistinnen u. Journalisten u. d. Schweizer Journalisten Union.

  • Werke

    Weitere W Ein schwebendes Verfahren, Mutmaßungen über d. Hintergründe e. Fam.tragödie, 1981, Tb. 1983;
    Das rote Haus, Roman, 1982, Neuausgg. 1984, 1992;
    Tag d. Verlorenheit, Erzz., 1984;
    Liebe Livia, Veras Tageb. v. Jan. bis Dez., 1985;
    Was wir nicht sehen wollen, sehen wir nicht, Journ. Texte, hg. v. E. Fröhlich, 1987;
    Das blaue Kleid u. andere Geschichten, 1989;
    Weggehen ehe d. Meer zufriert, Fragmente zu Kgn. Christina v. Schweden, 1994, franz. 2001;
    Lascar, 1994 (Gedichte);
    Briefe n. Feu|erland, Wahrnehmungen z. Schweiz in Europa, 1997;
    Rascal, 1999 (Gedichte);
    Schuhwerk im Kopf, 2000;
    Wahrnehmungen, hg. v. T. Kaestli u. H. Baumann, 2003;
    Lesebuch, hg. v. H. Baumann u. E. Kaestli, 2013 (Anthol.);
    Hg.: C. B. Hundeshagen, Calvinismus u. staatsbürgerl. Freiheit/H. Languet, Wider die Tyrannen, 1946;
    Nachlaß: Schweizer. Lit.archiv, Bern (P).

  • Literatur

    |B. Cantieni, Schweizer Schriftst. persönl., Interviews, 1983, Neuausg. 1985, S. 11–28 (P);
    Nikolaus Wyss (Hg.), 21 J. TAM, Vom Nährwert e. Beil., 1991;
    C. Caduff (Hg.), L. W., Schriftst. u. Journ., 1996 (W, L, P);
    Th. Feitknecht, L. W., Mutters Geb.tag, in: M. Ebel, Nackt gebadet, gejauchzt bis zwölf, Weltlit. in Zürich, 50 Porträts, 2007;
    S. 168–71;
    B. v. Matt, Frauen schreiben die Schweiz, Aus d. Lit.gesch. d. Gegenwart, 1998;
    dies., in: NZZ v. 23.8.2002, S. 54;
    N. N., in: Quarto, Zs. d. Schweizer. Lit.archivs 12, Nov. 1999, S. 3–62;
    Ch. Kuhn, in: Tages-Anz. v. 23.8.2002, S. 2;
    I. Schaad, ebd. v. 23.8.2002, S. 2;
    Protokoll e. Stunde über d. Alter, Moritz Leuenberger im Gespräch mit L. W., Schweizer Radio DRS v. 25.10.2001, 2002 (P);
    L. Suter, in: WOZ, Die Wochenztg. v. 21.8.2003, S. 20;
    ders., Die närr. Stellung, e. Frau zu sein, Hommage an L. W., ebd. v. 13.6.2013, A. Muschg, ebd. v. 29.8.2002, S. 2;
    S. 17;
    E. Pulver, in: dies., Tageb. mit Büchern, Essays z. Gegenwartslit., 2005;
    K. Obermüller, Der eigenen Wahrheit auf d. Spur (1978), in: dies., schwarz auf weiss, reportagen &
    berr., 2009, S. 37–44;
    B. Kopp, L. W., Leidenschaften einer Unangepassten, ²2013 (P, Qu);
    B. Eichmann-Leutenegger, Faszination d. Lebensarten, Zum 100. Geb.tag d. Schriftst. L. W., in: Stimmen d. Zeit 231, Juni 2013, H. 6, S. 393–404;
    F. Kolp, Eingeschlossen, L. W.’ Beobachtungen zu Ger.verfahren u. Gefangenschaft, in: Schreiben im Gefängnis, Quarto, Zs. d. Schweizer. Lit.archivs 39, 2014, S. 75–80;
    Lex. d. Schweizer Literaturen;
    Lex. Schweizer Schriftstellerinnen u. Schriftst. d. Gegenwart;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    HLS;
    – E. Buchmüller, L. W., Ein Schreibleben, Dok.film., SRF/3sat, 1999.

  • Porträts

    |Jugendbildnis v. A. Bütschi, 1923, u. Bronzebüste v. V. Imfeld-Meyer, um 1940/49 (beides Schweizer. Lit.archiv, Bern);
    Ölgem. v. R. Kuhn, 1995 (Privatbes. R. Kuhn, Zürich).

  • Autor/in

    Barbara Kopp
  • Zitierweise

    Kopp, Barbara, "Wyss, Laure (bis um 1945 Lor, Rufname Lorli) Elisabeth, verheiratete Zietzschmann (1937–45) (Pseudonym Lew)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 564-566 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142992.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA