Wulle, Reinhold
- Lebensdaten
- 1882 – 1950
- Geburtsort
- Falkenberg (Kreis Stargard, Pommern)
- Sterbeort
- Gronau (Westfalen)
- Beruf/Funktion
- Publizist ; Politiker
- Konfession
- lutherisch
- Namensvarianten
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- Wulle, Reinhold Carl Benjamin
- Benade, R.( Pseudonym)
- Wulle, Reinhold
- Wulle, Reinhold Carl Benjamin
- Benade, R.( Pseudonym)
- benade, r.
- Wulle, Reinhold Karl Benjamin
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Wulle, Reinhold Carl Benjamin (Pseudonym R. Benade)
| Publizist, Politiker, * 1.8.1882 Falkenberg (Kreis Stargard, Pommern), † 16.7.1950 Gronau (Westfalen), ⚰ Gronau (Westfalen). (lutherisch)
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Genealogie
V Gustav (* 1833), Rektor in Massow (Pommern), Pfarrer in F.;
M Emma Louise Wilhelmine (* 1841), T d. Christian Friedrich Ludwig Meinecke, Kreistierarzt in Greifenhagen;
⚭ Dresden 1910 Elfriede (* 1883), aus Neustrelitz (Meckl.), T d. Maximilian Puder gen. Heller († v. 1910), Hofschausp. in Dessau, u. d. Luise Höhne († n. 1910). -
Biographie
Nach dem Besuch der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale und des Francisceums in Zerbst studierte W. ab 1902 ev. Theologie in Halle, danach Geschichte und Germanistik in Jena und Berlin (ohne Abschluß). 1908 schlug er eine journalistische Laufbahn ein, die ihn über verschiedene rechtsgerichtete Blätter als Hauptschriftleiter zur „Rheinisch-Westfälischen Zeitung“ führte (1914–18). Während des 1. Weltkriegs trat W. publizistisch für umfangreiche Annexionen ein, besonders im Osten.
Von Okt. 1918 bis Dez. 1920 war W. Chefredakteur und Verlagsdirektor der „Deutschen Zeitung“, Organ des „Alldeutschen Verbandes“ (ADV), wandte sich nach der Revolution aber verstärkt der Politik zu. Er avancierte zu einem Protagonisten der völkischen Bewegung, wurde 1920 für die DNVP in den Reichstag gewählt und trat mit antisemitischer Hetze sowie als kompromißloser Gegner der Republik in Erscheinung. Zugleich trug er zur Spaltung der extremen Rechten bei: Anfang 1921 überwarf er sich mit Heinrich Claß (1868–1953), dessen ADV er fortan, u. a. als Herausgeber des „Deutschen Tageblatts“ (seit 1929 Dt. Nachrr.), bekämpfte. Mit der DNVP-Führung gerieten W. und andere Radikale in Konflikt, weil sie Fundamentalopposition und eine noch schärfere Betonung des Antisemitismus einforderten. Nach dem Mord an Walther Rathenau (1867–1922), gegen den auch W. agitiert hatte, eskalierten die Spannungen, woraufhin ein Teil der Völkischen die DNVP verließ und die „Deutschvölkische Freiheitspartei“ (DVFP, seit 1925 Dt.völk. Freiheitsbewegung, DVFB) gründete.
W. wurde ihr ideologischer Kopf und Stellvertreter des Vorsitzenden Albrecht v. Graefe (1868–1933).
Im Mai 1924 zog W. auf einer gemeinsamen Liste von DVFP und Nationalsozialisten, mit denen seine Partei anschließend zur „Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung“ (NSFB) fusionierte, erneut in den Reichstag ein. Bei der Neuwahl im Dezember verlor er sein Reichstagsmandat, kandidierte jedoch mit Erfolg für den Preuß. Landtag, dem er bis 1928 angehörte. Die fragile Kooperation mit der NSDAP endete Anfang 1925 u. a. auf Betreiben W.s, der Hitler als Marionette ultramontaner Einflüsse betrachtete. Danach versank die DVFB rasch in der Bedeutungslosigkeit.
W. übernahm 1928 die Parteiführung, konzentrierte sich in der Spätphase der Republik aber auf seine Publikationen, die zunehmend religiöse und antikath. Züge trugen. W. propagierte eine „völkische Monarchie“ der Hohenzollern unter ständestaatlichen und luth. Vorzeichen, während er eine faschistische Diktatur nach ital. Vorbild ablehnte.
Nach der NS-Machtübernahme wurde W. Gegner des Regimes. Er sammelte völkische Gesinnungsgenossen in der monarchistischen „Gesellschaft Deutsche Freiheit“, die sich zu einer reichsweit aktiven Oppositionsbewegung entwickelte. Nachdem mehrere seiner Bücher verboten worden waren, wurde W. im Juli 1938 verhaftet, verbüßte eine zweijährige Gefängnisstrafe und war anschließend bis Juli 1942 im KZ Sachsenhausen interniert. Im Herbst 1945 initiierte W. in Westfalen und Hamburg die Gründung der „Deutschen Aufbau-Partei“, bevor die brit. Militärregierung ihm im März 1946 jede weitere politische Betätigung untersagte.
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Werke
|[anonym], Weltenbrand, Von einem Deutschen, 1911;
Mehr Land! Grundlagen d. neuen Dtld.s, 1917;
R. Benade [Ps.], Preußen oder Polen, Die Grenzfrage im Osten, [1918];
Dt. Pol. 1925, 1926;
Die Sendung d. Nordens, Der Sinn d. dt. Freiheitskampfes, 1931;
Das Schuldbuch d. Rep., 13 J. dt. Pol., 1932;
Caesaren, 1934;
Gesch. e. Staatsidee, 1935;
Das neue J.tausend, Bd. I: Welt u. Völker im 20. Jh., 1936;
Götter, Gold u. Glaube, Im Kampf um Gott u. Macht, 1937;
Bismarck als Staatsmann, 1950. -
Quellen
Qu Nachlaß: BA Koblenz; – RT-Hdb. I. Wahlperiode 1920, 1920, S. 357 u. 456 (P); RT-Hdb. II. Wahlperiode 1924, 1924, S. 556 u. 588 (P); Hdb. f. d. Preuß. LT, Ausg. f. d. 2. Wahlperiode, 1925, S. 342 (P); Junius Alter (Ps. f. Franz-Josef Sontag), Nationalisten, Dtld.s nat. Führertum d. Nachkriegszeit, 1930, S. 57–67; J. Wulf, Lit. u. Dichtung im Dritten Reich, Eine Dok. 1963, S. 186–88.
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Literatur
L W. Hammer, Hohes Haus in Henkers Hand, Rückschau auf d. Hitlerzeit, auf Leidensweg u. Opfergang Dt. Parl., ²1956, S. 108 f.;
R. Wulff, Die Dt.-Völk. Freiheitspartei, 1922–1928, 1968;
J. Striesow, Die Dt.nat. Volkspartei u. d. Völk.-Radikalen 1918–1922, 2 Bde., 1981;
H. W. Schmollinger, Die Dt. Kons. Partei–Dt. Rechtspartei, in: R. Stöss (Hg.), Parteien-Hdb., Die Parteien d. Bundesrep. Dtld. 1945–1980, Bd. 1, 1983, S. 982–1024;
D. Schmiechen-Ackermann, Kooperation u. Abgrenzung, Bürgerl. Gruppen, ev. Kirchengemeinden u. kath. Soz.milieu in d. Auseinandersetzung mit d. NS in Hannover, 1999, S. 72–78;
St. Breuer, Die Völkischen in Dtld., Ks.reich u. Weimarer Rep., 2008, S. 183–89 u. 194–208;
M. Ohnezeit, Zw. „schärfster Opposition“ u. d. „Willen z. Macht“, Die Dt.nat. Volkspartei (DNVP) in d. Weimarer Rep. 1918–1928, 2011, S. 120–58;
S. Wein, Antisemitismus im RT, Judenfeindl. Sprache in Pol. u. Ges. d. Weimarer Rep., 2014;
– Rhdb. (P);
Wi. 1935;
A. Mohler, Die Kons. Rev. in Dtld. 1918–1932, ²1972, S. 362 f. (unvollst. W-Verz.);
A. Schildt, in: Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
Schumacher, M. d. R.;
W. Benz (Hg.), Hdb. d. Antisemitismus, Bd. 2/2, 2009;
Biogr. Hdb. Preuß. LT;
– Nachruf: R. W. z. Gedächtnis, Sonderausg. v.: Der Informationsbrief, hg. v. K. v. Henke, [1950] (P). -
Porträts
|Photogr. (BA, Bilddatenbank).
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Autor/in
Desiderius Meier -
Zitierweise
Meier, Desiderius, "Wulle, Reinhold Carl Benjamin (Pseudonym R. Benade)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 537-538 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142984.html#ndbcontent