Woyzeck, Johann Christian

Lebensdaten
1780 – 1824
Geburtsort
Leipzig
Beruf/Funktion
Perückenmacher ; Soldat
Konfession
-
Namensvarianten

  • Woyzeck, Johann Christian

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Zitierweise

Woyzeck, Johann Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142974.html [06.02.2026].

CC0

  • Woyzeck, Johann Christian

    | Perückenmacher, Soldat, Gelegenheitsarbeiter, * 3.1.1780 Leipzig, † (hingerichtet) 27.8.1824 Leipzig, ⚰ Leipzig.

  • Genealogie

    V Stephan Majorewsky ( 1811/12), aus Polen, Perückenmacher in L.;
    M N. N. ( um 1787);
    1) N. N. Wienberger(in), 2) Johanna Woost(in) (um 1775–1821 ermordet), Wwe d. Johann Peter Woost (1762–1813), Chirurg;
    1 K aus 1);
    ledig.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Winkel- und der Raths-Freischule in Leipzig sowie einer Ausbildung bei dem Perückenmacher Knobloch war W. als Gelegenheitsarbeiter tätig. Seit 1806 verdingte er sich als Söldner in niederl., schwed., meckl. und preuß. Kriegsdiensten. 1818 auf eigenes Ersuchen aus dem preuß. Militär entlassen, kehrte er nach Leipzig zurück und verdiente seinen Lebensunterhalt wieder mit Gelegenheitsarbeiten. Bis 1820 wohnte er bei der Stiefmutter von Johanna Woost, mit der er liiert war, die allerdings noch mit anderen Männern Kontakt pflegte. Am Abend des 2.6.1821 traf W. Johanna, begleitete sie zu ihrer Wohnung und erstach sie im Hausgang. W. entfernte sich vom Tatort, wurde jedoch von Zeugen gesehen und festgenommen. Nachdem ein ehemaliger Hauswirt W.s behauptet hatte, daß dieser unter Wahnvorstellungen leide, wurde W. einer gerichtsärztlichen Untersuchung durch den Leipziger Medizinprofessor Johann Christian August Clarus (1774–1854) unterzogen, der ihm volle Zurechnungsfähigkeit bescheinigte. Am 11.10.1821 wurde W. vom Leipziger Schöppenstuhl zum Tode verurteilt, die Vollstreckung des Urteils aber ausgesetzt, um ein weiteres Gutachten von Clarus einzuholen. Dieses wie auch ein späteres Gutachten der Leipziger medizinischen Fakultät attestierten keine Geisteskrankheit bei W., so daß dieser auf dem Marktplatz zu Leipzig durch das Schwert hingerichtet wurde.

    Durch die Veröffentlichung des zweiten Clarus-Gutachtens in der „Zeitschrift für Staatsarzneikunde“ (4. Erg.h., 1825, S. 1 ff.) wurde dieses einer größeren Fachöffentlichkeit bekannt, nachdem es zuvor bereits von Carl Moritz Marc (1784–1855) kritisiert worden war.

    Es entbrannte eine hitzige Debatte über W.s Zurechnungsfähigkeit zwischen Somatikern und Psychikern, wobei sich eine Mehrheit zunächst Clarus anschloß. Dem Dichter Georg Büchner (1813–1837), dem zumindest das zweite Clarus-Gutachten bekannt war, diente der Fall als Vorlage für sein unvollendetes Drama „Woyzeck“ (1879 hg. v. K. E. Franzos, UA München 1913), das der Komponist Alban Berg (1885–1935) zum Libretto für seine Oper „Wozzeck“ (UA 1925) umgestaltete. Eine weitere Oper mit selbem Titel von Manfred Gurlitt (1890–1972) wurde 1926 uraufgeführt. Werner Herzog (* 1942) (1979, mit Klaus Kinski, 1926–91, als W.), Nuran David Calis (* 1976) (2013, mit Tom Schilling, * 1982, als W.) und Alexander Tuschinski (* 1988) (2017, mit Thomas Goersch, * 1966, als W.) nutzten Büchners Drama als Inspiration für Spielfilme.

  • Quellen

    Qu Aktenstück d. Landesreg., III. Dep., Kriminalsachen, J. C. W., 1822–1824, Sächs. HStA Dresden 10079, Landesreg. Loc. 31130; Akten d. Justiz-Min. Nr. 739/13 (Aug. 1821–Aug. 1822), Dresden.

  • Literatur

    |J. Ch. A. Clarus, Die Zurechnungsfähigkeit d. Mörders J. W. n. Grundsätzen d. Staatsarzneikde. aktenmäßig erwiesen, 1824;
    ders., Früheres Gutachten d. Herrn Hofrath Dr. Clarus über d. Gemüthszustand d. Mörders J. C. W., in: Zs. f. d. Staatsarzneikde., 1826, 5. Erg.h., S. 129–49;
    ders., Die Zurechnungsfähigkeit d. Mörders W., n. Grundsätzen d. Staatsarzneikde. aktenmäßig erwiesen, ebd., 1828, 4. Erg.h., S. 1–97;
    C. M. Marc, War d. am 27ten Aug. 1824 zu Leipzig hingerichtete Mörder J. C. W. zurechnungsfähig?, 1825;
    ders., Die Zurechnungsfähigkeit d. Mörders J. C. W. betr., 1826;
    G. Kelling, Die Zurechnungsfähigkeit d. Mörders J. C. W., 1974;
    G. Reuchlein, Das Problem d. Zurechnungsfähigkeit b. E. T. A. Hoffmann u. Georg Büchner, 1985;
    A. Glück, Der hist. W., in: Georg-Büchner-Ausst. ges. (Hg.), Georg Büchner, Revolutionär, Dichter, Wiss., 1987, S. 314–24;
    G. Büchner, Sämtl. Werke u. Schrr., Bd. 7,2, hg. v. B. Dedner, 2005;
    H. Steinberg u. S. Schmideler, Das Gutachten d. med. Fak. d. Univ. Leipzig z. Fall W., Nach 180 J. wieder entdeckt, in: Der Nervenarzt 76, 2005, H. 5, S. 626–32;
    dies., Eine wiederentdeckte Qu. zu Büchners Vorlage z. „W.“, Das Gutachten d. Med. Fak. d. Univ. Leipzig, in: Zs. f. Germanistik 16, 2006, H. 2, S. 340–66;
    dies., Die Todesurteile d. Leipziger Schöppenstuhls im Fall W., in: Fortschritte d. Neurol. u. Psychiatrie 74, 2006, H. 10, S. 575–81;
    R. Pape, in: Biogr. Archiv d. Psychiatrie [2015] (Internet, P);
    A. Schiemann, Der Kriminalfall W., Der hist. Fall u. Büchners Drama, 2017;
    Stadtlex. Leipzig.

  • Porträts

    |Kreidelith., um 1822 (Stadtgeschichtl. Mus. Leipzig), Abb. in: Biogr. Archiv d. Psychiatrie (Internet).

  • Autor/in

    Anja Schiemann
  • Zitierweise

    Schiemann, Anja, "Woyzeck, Johann Christian" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 512 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142974.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA