Witte, Friedrich
- Lebensdaten
- 1829 – 1893
- Geburtsort
- Rostock
- Sterbeort
- Warnemünde
- Beruf/Funktion
- Apotheker ; pharmazeutischer Fabrikant ; Reichstagsabgeordneter
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Witte, Friedrich Martin Sigismund Carl
- Witte, Friedrich
- Witte, Friedrich Martin Sigismund Carl
- Witte, Friedrich Martin Sigismund Karl
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Witte, Friedrich Martin Sigismund Carl
| Apotheker, pharmazeutischer Fabrikant, Reichstagsabgeordneter, * 19.2.1829 Rostock, † 31.7.1893 Warnemünde, ⚰ Rostock, Lindenpark. (evangelisch)
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Genealogie
V Moritz (1797–1844), Dr. med., Bes. d. Hirsch-Apotheke in R.;
M Maria Margarethe Krauel (1801–1861);
⚭ Anna (1834–1910), T d. Julius Eduard Schacht (1804–1871), aus Magdeburg, Bes. d. Poln. (Dorotheenstädt.) Apotheke in Berlin, Geh. Med.rat, Dr. phil. h. c. (s. NDB 15*; Dt. Apotheker-Biogr. Friedrich Carl), u. d. Marie Louise Dorothee Löser;
2 S Friedrich Carl (1864–1938, ⚭ Laura Roth, 1869–1939, Frauenrechtlerin, s. Biogr. Lex. Mecklenburg III; Rostocker Porträts, Schw d. Frederick Roth, 1872–1944, Bildhauer, Präs. d. Nat. Sculpture Soc. d. USA, 1910 Mitgl. d. American Ac. of Arts and Letters, s. ThB, Vollmer, AKL, P, u. T d. Johannes Roth, 1837–97, Kaufm., Baumwollhändler in Brooklyn u. Bremen, u. d. Jane Gray, geb. Bean, 1841–1901, aus Dover), Dr., Chemiker, übernahm 1893 d. väterl. Fa. „Chemische Fabrik u. Drogengroßhandlung Friedrich Witte“ in R., 1897 Mitgl. d. Bürgervertretung ebd., 1903 d. Vorstands d. Meckl. Handelskammer, Mitgründer u. Landesvors. d. DDP in Mecklenburg, 1919/20 Abg. d. Vfg.gebenden LT d. Freistaats Mecklenburg-Schwerin (s. Biogr. Lex. Mecklenburg III; W, L), Richard (1875–1921, ⚭ Lussie Ludewig), 2 T Louise (Elise?) (1858–1923, ⚭ Richard Mengel,* um 1852, Rittmeister), Annemarie (1870–1947, ⚭ Georg v. Harlem, 1866–1918, ghzgl. schwerin. Geh. Kammerrat);
E Annemarie v. Harlem (1894–1983), Dr. phil., Germanistin, Oberstudiendir. in R., 1945 Mitgründerin d. CDU in Meckl.-Vorpommern, 1946–48 LT-Abg. ebd., 1951 Legationsrätin im Auswärtigen Dienst d. BRD, bis 1959 in d. Handelsvertretung in Helsinki, Konsulin 1. Kl., Gr. BVK, Friedrich (1895–1915 ⚔), Siegfried (1897–1961, ⚭ Käthe Sperling,* 1892), Dr. phil., Kaufm., Fabr., Pol., führte mit seinem B Carl August (s. u.) W.s Untern. weiter, 1946–50 Wirtsch.min. d. Landes Meckl.-Vorpommern bzw. Meckl., LT-Abg., Mitgründer d. CDU in Rostock (s. Biogr. Lex. Meckl. III), Elisabeth (Liesel) (1903–44, ⚭ Friedrich Wilhelm Rahe, 1888–1949, Tennis- u. Hockeyspieler, Galerist in Berlin, s. H. Gillmeister, Tennis in Dtld., 2002), Carl August (* 1908, ⚭ Grete Weidler,* 1909), führte mit seinem B Siegfried (s. o.) W.s Untern. weiter. -
Biographie
Nach dem Besuch des Rostocker Gymnasiums bis zur Primareife begann W. 1845 eine pharmazeutische Lehre in der Poln. (Dorotheenstädt.) Apotheke in Berlin bei Julius Eduard Schacht. Hier lernte er den damaligen Apothekergehilfen Theodor Fontane (1819–1898) kennen, der ihn in die literarische Gesellschaft „Tunnel über der Spree“ einführte.
Durch Fontane angeregt, schrieb W. Gedichte, die im „Berliner Figaro“ und in der „National-Zeitung“ erschienen.
Aufgrund guter Kenntnisse und Fertigkeiten legte W. vorfristig im Okt. 1848 sein Gehilfenexamen ab. Anschließend arbeitete er bis Dez. 1849 als Receptarius in der Apotheke von A. Mayer in Stettin. Vom Militärdienst befreit, trat er zum Okt. 1850 eine Stelle in der Apotheke von Johann Peter Joseph Monheim (1786–1855) in Aachen an, wo er bis Sept. 1851 überwiegend im Laboratorium arbeitete. Danach studierte W. Pharmazie an der Univ. Berlin, wohnte bei Fontane und übernahm das Amt des Sekretärs der Gesellschaft „Tunnel über der Spree“. Obwohl ihn Fontane für eine Dichterlaufbahn zu begeistern suchte, entschied sich W. für den Apothekerberuf. Zum Wintersemester 1852/53 wechselte er an die Univ. Rostock und legte im Mai 1853 das pharmazeutische Examen ab. Im Anschluß an eine Bildungsreise, die ihn nach Genf, Luzern, Zürich, Venedig, Mailand und Brüssel führte, wurde er im Okt. 1853 in Rostock zum Dr. phil. promoviert.
W. trat in die seit dem Tod des Vaters verwaltete Hirsch-Apotheke in Rostock ein und erwarb 1854 das Bürgerrecht. Da es in Rostock vier Apotheken gab, eröffnete er als zusätzliches Standbein 1856 ein Handelsgeschäft für Arzneidrogen und im Apothekenlabor hergestellte Arzneipräparate. Dies entwickelte sich so gut, daß er im Sept. 1862 die Apotheke verkaufte, die er nach dem Tod seiner Mutter 1861 als Besitzer übernommen hatte, und in Rostock eine von Friedrich Saniter errichtete Fabrik zur Herstellung pharmazeutischer Präparate eröffnete. In der ersten Preisliste der „Fr. Witte, Chemische Fabriken“ finden sich 700 Präparate. Der Durchbruch gelang dank umfangreicher Forschungen des Chemikers Carl Großschopf (1835–1908), der im Laboratorium der Firma Verfahren zur Herstellung von Coffein (1871), Pepsin (1873), Pepton und Labpulver (1877), Pankreatin (1880) sowie Papain (1887) entwickelte. Als besonders erfolgreich erwies sich „Witte-Pepton“, das 1879 von Robert Koch (1843–1910) als Nährboden für Bakterienkulturen empfohlen wurde. Neben Arzneimitteln vertrieb W. „Drougeriewaren“ wie Essig, Alaun, Borax, Zucker, Tee, Gewürze und Farben. W. schrieb auf seinen zahlreichen Geschäftsreisen (u. a. n. Rußland u. in d. USA) Tagebücher und Berichte, die detaillierte Einblicke in die jeweiligen Länder bieten (StadtA Rostock, z. T. abgedr. in: Lauterbach, 2011, s. L). Er gehörte 1872 zu|den Gründern der Rostock-Nykjöbing-Dampfschiffahrts-AG.
Seit 1864 fungierte W. als kaufmännischer Senator in Rostock und wurde 1887 Mitglied und Vorsitzender der Rostocker Bürgerschaft. 1878–81 war er für die Nationalliberale Partei Mitglied des Reichstags, wo er Sachverständiger für Zölle und Steuern war, und erneut 1884–93 für die Dt. Freisinnige Partei, dann für den Wahlkreis Sachsen-Meiningen II. W. hinterließ ein umfangreiches Vermögen und ein auf dem Weltmarkt florierendes pharmazeutisches Unternehmen, das sich unter der Leitung seines Sohnes und Enkels weiterentwickelte; nach dem 1. Weltkrieg gewann auch die Produktion von Grundstoffen für die pharmazeutische Industrie an Bedeutung.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Norddt. Apotheker-Ver. (1854);
Hofapotheker (1858);
Vizedir. d. Apothekerver. im nördl. Teutschland (1860);
Silberne Verdienstmedaille d. Mecklenburger Landesgewerbeausst. (1872);
Medaille f. Pepsin auf d. Weltausst. in Wien (1873);
Bronzemedaille auf d. Weltausst. in Chicago (1893). -
Werke
|Wahlreden u. Parl.reden, in: Friedrich Carl Witte, Erinnerungen an F. W., 1894.
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Literatur
|Friedrich Carl Witte, Lebenserinnerungen, 2 Bde., 1936/38;
W. Schneider, in: Dt. Apotheker Ztg. 96, 1956, S. 944 f.;
M. Hamann, F. W., 1829–93, e. Rostocker Apotheker u. Pol., in: Btrr. z. Gesch. d. Pharm. u. ihrer Nachbargebiete, 1959, Nr. 3, S. 5–25 (P);
ders., in: Pharm. Ind. 22, 1960, S. 474–77 u. 555–57;
H. Nürnberger, Der frühe Fontane, 1967, S. 166 f.;
G. Alcer, in: Die Pharm. 40, 1985, S. 485–89;
E. Groenke, in: Rostocker wiss.hist. Mss. 12, 1985, S. 86–89;
B. Jürgens, F. W., 1828–93, Mecklenburger u. Weltbürger, 1993;
I. R. Lauterbach, F. W., 1829–93, Apotheker, pharm. Untern. u. RTAbg. unter Berücksichtigung seiner Tagebücher, 2011 (P);
Pogg VII a Suppl.;
Dt. Apotheker-Biogr. II;
Biogr. Lex. Mecklenburg III (P). -
Porträts
|Ölgem. v. F. Encke, 1887 (Kulturhist. Mus. Rostock);
Photogrr., um 1870, 1880, um 1890 u. 1893 (StadtA Rostock, Bilderslg., Geneal. Slg. u. Fam.nachlaß);
Relief v. Frederick Roth am Grabmal (Rostock, Alter Friedhof, heute Lindenpark, verloren). -
Autor/in
Christoph Friedrich -
Zitierweise
Friedrich, Christoph, "Witte, Friedrich Martin Sigismund Carl" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 321-322 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142916.html#ndbcontent