Wirth, Franz Peter
- Lebensdaten
- 1919 – 1999
- Geburtsort
- München
- Sterbeort
- Berg/Starnberger See
- Beruf/Funktion
- Regisseur ; Dramaturg ; Drehbuchautor
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
-
- Wirth, Franz Peter
- Wirth, Franz Pether
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Wirth, Franz Peter
| Regisseur, Dramaturg, Drehbuchautor, * 22.9.1919 München, † 17.10.1999 Berg/Starnberger See, ⚰ Berg/Starnberger See, Friedhof Aufkirchen. (katholisch)
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Genealogie
V N. N., Justizinsp.;
M N. N.;
⚭ →Wega Jahnke (1943–1998), aus Dettingen, Schausp. -
Biographie
Nach dem Abitur studierte W. Theaterwissenschaft und absolvierte an der Otto-Falckenberg-Schule eine Ausbildung zum Schauspieler. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde er zu den Gebirgsjägern eingezogen und geriet 1944 in Gefangenschaft. In Front- und Lagertheatern sammelte er erste Bühnenerfahrung; danach schloß er seine zuvor unterbrochene Ausbildung ab. 1948–50 war W. als Dramaturg und Regisseur beim Städtebundtheater in Hof tätig, ab 1950 als Oberspielleiter und stellvertretender Intendant am Stadttheater Pforzheim. 1954 wechselte er als Oberspielleiter zum Süddt. Rundfunk, wo er gemeinsam mit →Hans Gottschalk (1926–2010), →Rainer Wolffhardt (1927–2017) und →Helmut Jedele (1920–2012) den sog. Stuttgarter Stil prägen sollte, eine Form des noch live inszenierten Fernsehspiels, als dessen Pionier und Förderer W. gelten kann. Der Spezifik des Mediums Rechnung tragend, setzte W. hier auf ein reduziertes, fast schon abstrakt wirkendes Bühnenbild wie auch auf den Einsatz der Nahaufnahme, um den Fokus auf die Gesichter der Schauspieler zu legen. Ähnlich wie der Fernsehregisseur →Peter Beauvais (1916–1986) suchte W. nach einem dem Fernsehen eigenen Stil des Dramatischen. „Unruhige Nacht“, nach der gleichnamigen Erzählung von →Albrecht Goes (1908–2000), wurde 1955 eines seiner ersten Fernsehspiele, dem weit über 100 weitere Inszenierungen folgen sollten. Er führte auch bei Hörspielen für den Hess. und Süddt. Rundfunk Regie und war als Drehbuchautor tätig. 1957 realisierte er mit „Der Richter und sein Henker“, basierend auf dem Buch →Friedrich Dürrenmatts (1921–1990), den ersten abendfüllenden Fernsehfilm mit Außenaufnahmen, die auf 35mm-Filmmaterial gedreht wurden. W.s Arbeiten für das Fernsehen konzentrierten sich auf Schauspielinszenierungen und Fernsehadaptionen,|die sowohl auf Klassiker als auch auf moderne Stücke zurückgriffen, ihm aber zuweilen den Ruf eines Theaterregisseurs und bloßen Handwerkers einbrachten. Seine am 1.1.1961 in der ARD ausgestrahlte Inszenierung des „Hamlet“, mit →Maximilian Schell (1930–2014) in der Titelrolle, wurde als maßgeblicher Wegbereiter für die Inszenierung klassischer Stoffe im Fernsehen angesehen.
Die wenigen, bei Kritik und Publikum gleichermaßen erfolgreichen Kinofilme, die W. in den 1950er Jahren drehte, stellen ein seltenes Beispiel für einen innovativen bundesdt. Film vor dem Oberhausener Manifest 1962 und dem Aufkommen des Jungen resp. Neuen deutschen Films dar. 1958 erschien sein Film „Helden“ nach der Vorlage von →George Bernard Shaw mit →O. W. Fischer (1915–2004) und →Liselotte Pulver (* 1929) in den Hauptrollen (1959 in d. Kategorie Bester fremdsprachiger Film f. d. Academy Award nominiert). 1960 wechselte W. gemeinsam mit Gottschalk zur Bavaria Atelier GmbH nach München.
Im Laufe seiner Karriere widmete sich W. immer wieder auch Historienfilmen, die er u. a. als Mehrteiler für die Sender des öffentlichrechtlichen Rundfunks realisierte. Sein 1978 für das ZDF fertiggestellter Vierteiler „Wallenstein“, nach der Biographie →Golo Manns (1909–1994), kostete die damalige Rekordsumme von 6 Mio. DM und griff auf 176 Darsteller zurück. Die 1982 in der ARD ausgestrahlte achtteilige Fernsehserie „Ein Stück Himmel“, beruhend auf der Autobiographie Janina Davids, die ihre Kindheit im Warschauer Ghetto und mehreren Verstecken verbrachte, wurde 1983 mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet. 1975 war W. Mitbegründer des Bundesverbandes der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland e. V. (heute Bundesverband Regie). In den 1970er und 1980er Jahren führte er Regie in einzelnen Episoden der langlebigen Fernsehkriminalserien „Derrick“ und „Tatort“. Bis ins hohe Alter als Regisseur tätig, übernahm er in den 1990er Jahren auch Aufträge für das damals noch relativ neue Privatfernsehen. Seit 2015 wurden Filme W.s vermehrt auf DVD zugänglich gemacht.
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Auszeichnungen
|Dt. Filmpreis (Bundesfilmpreis) f. „Helden“ (1959);
Preis d. dt. Filmkritik f. „Helden“ (1959);
Dt. Kritikerpreis (1963);
Adolf-Grimme-Preis mit Gold f. „Die Gesch. v. Joel Brand“ (mit H. Kipphardt, 1965);
Bambi (1970);
Goldene Kamera f. „Change“ (1972);
Bayer. Fernsehpreis f. „Die unruhige Nacht“ u. „Ein Stück Himmel“ (1989). -
Werke
Weitere W u. a. Der Hexer, 1956;
Jeanne oder Die Lerche, 1956;
Der kaukas. Kreidekreis, 1958;
Der Tod d. Handlungsreisenden, 1958;
Bis z. Ende aller Tage, 1961;
Bekenntnisse e. möblierten Herrn, 1963;
Die Gesch. v. Joel Brand, 1964;
Der Hund d. Generals, 1964;
Der arme Mann Luther, 1965;
Schmutzige Hände, 1968;
Change, 1971;
Operation Walküre, 1971;
Alexander Zwo, 1972;
Die rote Kapelle, 1972;
Der Biberpelz, 1975;
Minna v. Barnhelm, 1976;
Buddenbrooks, 1979 (auch Drehbuch);
Don Carlos, 1984;
Vor d. Sturm, 1984;
Familienschande, 1988. -
Literatur
|M. K., Junger Mann mit Ambitionen, F. P. W. zw. Fernsehen u. Film, in: Tagesspiegel v. 21.9.1958;
Knut Hickethier, Das Fernsehspiel d. Bundesrep., Themen, Form, Struktur, Theorie u. Geschichte 1951–1977, 1980;
Sei (= H.-D. Seidel), Hexenmeister d. Fernsehspiels, Zum 70. Geb.tag d. Regisseurs F. P. W., in: FAZ v. 22.9.1989 (P);
ders., Herr d. Fernsehspiels, Zum Tod v. F. P. W., ebd. v. 19.10.1999;
W. Geldner, Keine Zeit f. Erinnerungen, Zwei immer noch aktive Pioniere d. Fernsehspiels feiern 75. Geb.tag, F. P. W. u. Helmut Pigge, in: SZ v. 22.9.1994;
M. Althen, Der Herr am dunklen Fenster, Der Film- u. Fernsehregisseur F. P. W. ist gestorben, ebd. v. 19.10.1999 (P);
Th. Thieringer, Pionier d. Fernsehspiels, Zum Tod d. Regisseurs F. P. W., in: Frankfurter Rdsch. v. 20.10.1999;
liv., Ein Garant f. Fernsehqualität, Der Regisseur F. P. W. gestorben, in: NZZ v. 20.10.1999;
Munzinger. -
Porträts
|Photogr. v. I. Ohlbaum, Abb. in: FAZ v. 22.9.1989 u. SZ v. 19.10.1999 (s. L).
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Autor/in
Tobias Haupts -
Zitierweise
Haupts, Tobias, "Wirth, Franz Peter" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 282-283 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142904.html#ndbcontent