Wiesinger, Alois

Lebensdaten
1885 – 1955
Geburtsort
Magdalenaberg ( Oberösterreich )
Sterbeort
Schlierbach ( Oberösterreich )
Beruf/Funktion
Zisterzienser ; Abt von Schlierbach
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Dr. Norikus (pseudonym)
  • Wiesinger, Alois
  • Dr. Norikus (pseudonym)
  • dr. norikus

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Zitierweise

Wiesinger, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142676.html [21.02.2026].

CC0

  • Wiesinger, Alois (Pseudonym Dr. Norikus)

    | Zisterzienser, Abt von Schlierbach, * 3.6.1885 Magdalenaberg (Oberösterreich), † 3.1.1955 Schlierbach (Oberösterreich), ⚰Schlierbach, Klosterkirche.

  • Genealogie

    V Franz (früh †), Taglöhner;
    M Maria Klausner;
    3 Geschw.

  • Biographie

    Der Pfarrer von Wartberg/Krems, der Zisterzienser Robert Fürst (1850 – n. 1895), ermöglichte W. als „Koststudenten“ den Besuch des Stiftsgymnasiums Kremsmünster. Unter Fürsts Einfluß erfolgte auch der Eintritt in das Zisterzienserstift Schlierbach nach der Matura 1905. Vom Stift zum Studium an die Univ. Innsbruck geschickt, studierte W. neben Theologie (bei den Jesuiten) Arabisch und Chaldäisch. Nach Ablegung der feierlichen Profeß empfing er 1909 die Priesterweihe. 1912 wurde er mit der Arbeit „War die in der Heiligen Schrift berichtete Besessenheit bloße Geisteskrankheit? Eine psychiatrische Untersuchung“ (ungedr., verschollen) zum Dr. theol. promoviert. Nach kurzer Seelsorgeaushilfe in Traiskirchen wechselte W. noch 1912 als supplierender Professor für Fundamentaltheologie an die Hauslehranstalt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz und übernahm zudem die Stiftspfarrei Gaaden. 1914 reiste er zum Eucharistischen Weltkongreß in Lourdes. Vom Kriegsbeginn überrascht, wurde er unter Spionageverdacht verhaftet und bis April 1915 in den Trappistenklöstern La Grande Trappe und Thymadeuc interniert. 1917 wurde W. zum 14. Abt von Schlierbach gewählt und vom Provinzkapitel mit der Überarbeitung der Provinzstatuten nach Maßgabe des 1917/18 eingeführten Codex Iuris Canonici beauftragt. W. bemühte sich um deren ordensrechtliche Anpassung und v. a. um eine innere Reform seiner Abtei, geleitet von seinen bei Jesuiten und Trappisten gesammelten spirituellen Erfahrungen. Mit seinen auch auf Widerstand stoßenden Reformbestrebungen verband er – der sozialen Frage und Fragen der Wirtschaftsethik zugewandt – schulische Initiativen. So errichtete er 1920 mit Missionsbenediktinern von St. Ottilien in Schlierbach eine landwirtschaftliche Winterschule mit klösterlicher Internatsbetreuung, außerdem ein Privat-Gymnasium, dem 1932 von staatlicher Seite Öffentlichkeitsrecht zuerkannt wurde und für das er als Direktor die Lehramtsqualifikation erwarb. Nach dem Vorbild von St. Ottilien belebte W., beispielgebend für die übrigen österr. Klöster seines Ordens, zudem das Institut der Konversen (Laienbrüder) wieder. W.s Initiativen bewirkten ein Anwachsen des Schlierbacher Personalstands von 23 (1920) auf 70 Mönche (1938).

    Von St. Ottilien empfing W. den Anstoß, seinen eher kontemplativen Orden für den Missionsgedanken zu öffnen. 1925 legte er dem Generalkapitel seines Ordens in Rom ein regelkonform ausgewogenes Missionskonzept im Sinne einer klosterinternen Komplementärmission vor, das Zustimmung fand. 1928 kam es zur Übernahme eines weiten Missionsgebiets um Apolo (Bolivien) und zur Gründung des Klosters „Our Lady of Spring Bank“ in Milwaukee (Wisconsin, USA). Ein Missionsprojekt in China kam nicht zustande; stattdessen übernahmen die Zisterzienser auf W.s Initiative 1933 das Missionskloster|in Phuoc-Son (Vietnam), das sich zum Ausgangspunkt einer aufstrebenden Kongregation entwickelte (seit 1964 selbst. Abtei) und sich die Pflege des interreligiösen Dialogs mit buddhistischen Mönchen und Nonnen zur besonderen Aufgabe machte. Nach der Schließung seines Stift-Gymnasiums durch die Nationalsozialisten 1938 von Verhaftung bedroht, ging W. 1939 nach Jequitibá (Brasilien), gründete ein Kloster (seit 1950 selbst. Abtei), leistete Seelsorge und bemühte sich um den Aufbau des Schulwesens sowie die Förderung der Landwirtschaft (1939 brasilian., 1945 bolivian. Staatsbürger). 1946 kehrte er nach Schlierbach zurück (1946 österr. Staatsbürger). W.s missionarisches Engagement und sein Bemühen, den Missionsgedanken, auch im Sinne sozialen und zivilisatorischen Wirkens, mit dem kontemplativ-monastischen Ordensleben zu verbinden, waren ordensintern wegweisend für den im Missionsdekret Ad gentes des II. Vatikanums geforderten Einsatz, den die Generalkapitel 1968/69 als wichtigen Auftrag des Gesamtordens anerkannten.

    W. beschäftigte sich seit seiner Dissertation mit Fragen der Parapsychologie und des Okkultismus, zu denen er sich unter fundamentaltheologischem Aspekt in Artikeln in der von ihm seit 1951 redigierten Zeitschrift „Glaube und Erkenntnis“ und in dem Werk „Okkulte Phänomene im Lichte der Theologie“ (1948, ²1952) äußerte. Sein Anliegen, Ergebnisse experimenteller Seelenforschung in Theologie und christliche Philosophie zu deren Erkenntnisvertiefung zu integrieren, ist ein wissenschaftliches Desiderat.

  • Werke

    |Nach Manila, Lose Bll. v. d. Reise z. eucharist. Kongreß, 1937;
    Der Operismus, Eine Darlegung d. Grundsätze d. Christentums z. Lösung d. soz. Frage, 1947;
    1848–1948, Arbeiter d. Faust u. d. Stirne vereinigt euch! Ein Aufruf an d. Arbeiter d. Welt, 1948;
    J. Chautard, Innerlichkeit, Das Geheimnis d. Erfolges im apostol. Wirken, dt. bearb. v. A. W., 1923, ⁶1951, Nachdr. 1996;
    zahlr. Art. in: Cistercienser-Chron., Zisterzienser Missionskal., Glaube u. Erkenntnis;
    Autobiogr. (Ms.) u. Nachlaß: Stiftsarchiv Schlierbach.

  • Literatur

    |N. Frey, A. W. Abt, Missionar, Wiss., in: A. Zauner u. H. Slapnicka (Hg.), Oberösterreicher, Lb. z. Gesch. Oberösterr., II, 1982, S. 179–91;
    L. Grössl, Kirche u. soz. Frage, Der Btr. A. W.s z. kath. Soz.lehre, in: CistC 94, 1987, S. 164–76;
    A. Resch, Okkulte Phänomene, Parapsycholog. Stud. d. Abtes A. W., in: 49. Jber. d. Gymn. d. Abtei Schlierbach 1985/86, 1986, S. 10–14;
    R. Pranzl, Die Missionsinitiative d. Zisterzienser in d. ersten Hälfte d. 20. Jh., Der Btr. v. Abt W. (Schlierbach) u. Prior Wöhrer (Wilhering), in: Der missionar. Charakter d. abendländ. Mönchtums, Ber.h. d. 3. Symposions d. Zisterzienserak. Mehrerau, Langwaden, Berlin v. 5. u. 6. Mai 2000, 2001, S. 39–50;
    ders., Abt Dr. A. W. OCist. Mönch u. Missionar, Päd. u. Wiss. (1885–1955), in: J. Mirkut (Hg.), Faszinierende Gestalten d. Kirche Österr., X, 2003, S. 377–412 (P);
    A. V. Schachenmayr, Prägende Professoren in d. Entwicklung d. theol. Lehrbetriebes im Cistercienserstift Heiligenkreuz v. 1802 bis 2002, 2004, S. 171–82;
    BHdE I;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    BBKL 13;
    LThK³.

  • Porträts

    |Photogrr. (Stiftsarchiv Schierbach);
    Ölgem. v. F. Thiemann, 1955 (Stift Schlierbach).

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Wiesinger, Alois (Pseudonym Dr. Norikus)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 106-107 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142676.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA