Wieland, Deba

Lebensdaten
1916 – 1992
Geburtsort
Moskau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Journalistin
Konfession
keine Angabe
Namensvarianten

  • Wieland Debora
  • Raschkes, Debora (geborene)
  • Wieland, Deba
  • Wieland Debora
  • Raschkes, Debora (geborene)
  • raschkes, debora

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Zitierweise

Wieland, Deba, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142464.html#indexcontent [12.05.2026].

CC0

  • Wieland, Deba (eigentlich Debora), geborene Raschkes

    | Journalistin, * 25.3.1916 Moskau, † 16.12.1992 Berlin, ⚰Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Pergolenweg.

  • Genealogie

    Aus jüd. Fam.;
    V Asarij Raschke(e)s(s) ( 1937), Handelsvertr.;
    M Ida Jewelson (* 1887, ermordet im Ghetto Riga), aus Riga, Buchhalterin;
    Heinrich (Heinz) Robert Wieland (1907–1980, 1] Käthe Niederkirchner, 1909–44 ermordet, aus B., Schneiderin, Mitgl. d. KPD, emigrierte 1933 in d. UdSSR, Widerstandskämpferin, sowjet. Fallschirmagentin, geriet 1943 in d. Hände d. Gestapo, im KZ Ravensbrück interniert, Vfn. e. geheimen Tageb.), aus Mannheim, Former ebd., 1934–36 illegal f. d. KPD tätig, emigrierte 1936 über Frankr. n. Spanien, Politkommissar ebd., Hptm., Spanienkämpfer, Pol. (KPD, SED), Mitarb. im SED-Apparat, S e. Hafenarb. u. e. Büglerin, Fabrikarb. (s. Wer war wer DDR);
    1 S André |(1943–1996), 1979–86 Botschafter d. DDR b. d. Verhh. über d. Reduzierung d. Streitkräfte u. Rüstungen in Mitteleuropa in Wien, 1 T Jeanette (* 1940).

  • Biographie

    Nach dem Abitur in Riga 1933 ließ sich W. in Straßburg und Brüssel zur Reklamezeichnerin ausbilden, arbeitete hier – geprägt durch ihre Mitgliedschaft im Kommunistischen Jugendverband Lettlands – in Parteiorganisationen mit, war als Übersetzerin tätig und schrieb und zeichnete für die kommunistische Presse (u. a. f. „Die Frau als Kämpferin“ u. d. Verlag „L’Humanité“). Dieser Linie blieb W. seit 1939 im sowjet. Exil als Agitatorin und Wandzeitungsredakteurin treu, u. a. in den Spanienkämpferheimen in Moskau und Osch. Hier sammelte sie Erfahrungen, die sie wie viele andere aus der Gründergeneration des DDR-Journalismus für eine Führungsposition prädestinierten. 1946–49 fungierte W. als Chefredakteurin im Sowjet. Nachrichtenbüro, danach als Mitarbeiterin und seit 1950 als stellv. Leiterin im Amt für Information in Ost-Berlin. 1952 wurde sie Direktorin, später Generaldirektorin des Allgemeinen Dt. Nachrichtendienstes (ADN), des Sprachrohrs der SED-Spitze, der wichtigsten Quelle für Presse, Funk und Fernsehen der DDR sowie Lieferant von vertraulichen Informationen für einen ausgewählten Funktionärskreis. Bis zum UNO-Beitritt der DDR 1973 fungierte der ADN als „diplomatische Speerspitze“ des Landes, v. a. über Sonderkorrespondenten, die internationale Termine wahrnahmen, dann zunehmend durch ständige Korrespondenten. Ende der 1960er Jahre war der ADN in 39 Hauptstädten und bei der UNO akkreditiert.

    W. beherrschte neben Russisch und Polnisch auch Lettisch, Französisch, Spanisch und Englisch und galt als ausgesprochen weltläufig. Sie handelte weltweit Austauschverträge mit großen Nachrichtenagenturen aus und sorgte jenseits offizieller politischer Beziehungen auf persönlicher Ebene dafür, daß der ADN sein Korrespondentennetz ausbauen und so auch in Entwicklungsländern in Afrika und Lateinamerika präsent sein konnte. W., die sich selbst als „Erzieherin ungezählter Journalisten“ in der DDR verstand, zählte 1956 zu den Initiatoren der Europ. Allianz der Nachrichtenagenturen. Im Aug.|1977 ging sie vorzeitig in den Ruhestand; während der Krise nach der Biermann-Ausbürgerung paßte sie als Intellektuelle nicht mehr in die „politische Landschaft“. W. stand ein Vierteljahrhundert und als einzige Frau an der Spitze eines der wichtigsten Instrumente der Medienlenkung in der DDR und war in ihrer Amtszeit die einzige Chefin einer internationalen Nachrichtenagentur.

  • Auszeichnungen

    |Präsidiumsmitgl. d. Verbandes d. Dt. Presse (1956–72, seit 1959 Verband d. Dt. Journalisten);
    Mitgl. d. Agitationskomm. b. SED-Politbüro (1967–77), d. Friedensrats d. DDR (Vizepräs. 1977–80) u. d. Weltfriedensrats (1977–90);
    – Banner d. Arb. (1964);
    VVO in Gold (1970), mit Ehrenspange (1976);
    Stern d. Völkerfreundschaft (1984);
    Karl-Marx-Orden (1986).

  • Literatur

    |R. Bachmann, Ich bin d. Herr, Und wer bist du? Ein dt. Journalistenleben, 1995;
    M. Minholz u. U. Stirnberg, Der Allg. Dt. Nachrr.dienst (ADN), Gute Nachrr. f. d. SED, 1995;
    K. Olivier, ADN, Spitze d. Informationskette, in: Dtld. Archiv 28, 1995, S. 244–55;
    M. Meyen u. A. Fiedler, Die Grenze im Kopf, Journalisten in d. DDR, 2011;
    A. Fiedler, Medienlenkung in d. DDR, 2014;
    Wer war wer DDR;
    Biogr. Hdb. SBZ;
    BHdE I;
    Die dt.sprachige Presse;
    Nachlaß: BA Berlin (P).

  • Autor/in

    Michael Meyen
  • Zitierweise

    Meyen, Michael, "Wieland, Deba (eigentlich Debora), geborene Raschkes" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 77-78 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142464.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA