Lebensdaten
1929 – 2014
Geburtsort
Köthen (Anhalt)
Sterbeort
Berlin-Grünau
Beruf/Funktion
Regisseur ; Theaterwissenschaftler
Konfession
keine Angabe
Namensvarianten
  • Weckwerth Manfred (amtlich)
  • Wekwerth, Manfred
  • Weckwerth Manfred (amtlich)
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Zitierweise

Wekwerth, Manfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140266.html [16.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Weckwerth ( n. 1947), Maschinisten-Maat, Ing., 1939 Marineoffz.;
    M Helene Rypholz (1895–1981), Hausfrau, Telephonistin, Küchenhilfe, ab 1932 getrennt lebend, 1939 geschieden;
    1) 1953 Renate (Erre) Meiners, Journ., 2) 1963 Renate (Reno) Richter (* 1938), aus Magdeburg, Schausp. (s. Kosch, Theater-Lex.; Lex. Schausp. in d. DDR, hg. v. F.-B. Habel, 2009);
    1 T aus 2) Christine Weckwerth (* 1963), Dr. phil., Philos., Mitarb. d. Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss. u. a. an d. Marx-Engels-Gesamtausg.

  • Biographie

    W. wuchs, da die Eltern seit 1932 getrennt lebten, bei der Mutter auf. Nach dem Abitur 1948 absolvierte er eine Ausbildung zum Neulehrer. An der Marktschule in Köthen unterrichtete er Mathematik und Physik und studierte mit den Schülern seiner Klasse erfolgreich ein Theaterstück ein. Bald kündigte W. den Schuldienst und gründete 1949 im|Auftrag des Vereinssekretärs der Gesellschaft für Dt.-Sowjet. Freundschaft, Fritz Weiler, eine Laienspielgruppe, mit der er Stücke von Gorki und Brecht (1898–1956) einstudierte. Nach einem Gastspiel seiner Truppe mit „Die Gewehre der Frau Carrar“ im Frühjahr 1951 an Brechts Berliner Ensemble (BE) erhielt er ein Engagement als Assistent. Erste selbständige Regiearbeiten waren 1953 „Die Mutter“ mit Helene Weigel (1900–71) am Neuen Theater in der Scala in Wien und die Uraufführung von Brechts „Die Tage der Commune“ in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) 1956 (mit Benno Besson, 1922–2006). Nach dem Tod von Brecht setzte W. dessen Theaterarbeit gemeinsam mit Peter Palitzsch (1918–2004) fort: Sie inszenierten 1957 erfolgreich „Der Held der westlichen Welt“ von John Millington Synge, 1958 „Die optimistische Tragödie“ von Wsewolod Wischnewski, 1959 „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Brecht und 1961 die Uraufführung von „Frau Flinz“ von Helmut Baierl (1926–2005).

    1960 wurde W. Chefregisseur des BE. Die künstlerischen Verluste, die das Ensemble durch den Weggang vieler Schauspieler und auch Palitzschs nach dem Bau der Mauer erlitt, konnten die Intendantin Helene Weigel und W. mit seinem neuen Regiepartner Joachim Tenschert (1928–1992) einige Jahre noch gut überbrücken durch die Inszenierungen der Brecht-Stücke „Die Tage der Commune“ und „Coriolan“ (nach Shakespeare) sowie „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ von Heinar Kipphardt. Danach stagnierte das Theater künstlerisch – zu unterschiedlich waren die Vorstellungen der Prinzipalin und W.s in bezug auf die weitere Gestaltung von Brechts Erbe und seines Theaters. 1969 löste W. seinen Vertrag und wurde 1970 mit einer Arbeit zum Thema „Theater und Wissenschaft“ an der Humboldt-Univ. zum Dr. phil. promoviert. Danach inszenierte er am National Theatre in London Shakespeares „Coriolan“ (1971, mit Anthony Hopkins), am Dt. Theater in Berlin, wo ihm 1972 eine spannende Inszenierung von Shakespeares Drama „Richard III.“ mit Hilmar Thate in der Titelrolle gelang, sowie am Schauspielhaus Zürich: hier nochmals „Richard III.“ mit Helmut Lohner, „Jegor Bulytschow und die anderen“ von Gorki mit Traugott Buhre, sowie „Der gute Mensch von Sezuan“ von Brecht mit Renate Richter. Beim Dt. Fernsehfunk der DDR realisierte W. 1971 und 1973 herausragende Verfilmungen von Wischnewskis „Optimistischer Tragödie“ und Fjodor Gladkows Roman „Zement“. In den Konflikten mit Helene Weigel hatte W. die Unterstützung maßgeblicher DDR-Politiker, insbesondere des Sekretärs für Agitation beim Politbüro der SED, Werner Lamberz (1929–78) erfahren. Als Zeichen der Wertschätzung wurde für ihn auf Vorschlag von Lamberz und der Akademie der Künste der DDR ein Institut für Schauspielregie geschaffen, zu dessen erstem Direktor er 1975 (mit Friedo Solter, * 1932) berufen wurde. 1977–91 war er – als Nachfolger von Ruth Berghaus (1927–96) – Intendant des Berliner Ensembles, ab 1982 amtierte er auch als Präsident der Akademie der Künste der DDR. 1986 erfolgte seine Wahl zum Mitglied des Zentralkomitees der SED (1950 war er in die Partei eingetreten). Von den letztgenannten Ämtern trat W. nach der „Wende“, als sie ihm nichts mehr nützten, zurück. Sein Vertrag mit dem BE allerdings wurde von Kultursenator Ulrich Roloff-Momin (* 1939) zum Ende der Spielzeit 1991 / 92 aufgelöst. Mehr als handwerklich solide Inszenierungen waren ihm in seiner Intendantenzeit kaum noch gelungen, erwähnenswert sind allenfalls „Johann Faustus“ von Hanns Eisler (1982), Shakespeares „Troilus und Cressida“ (1985, mit Arno Wyz niewski, Corinna Harfouch, Ekkehard Schall, Martin Seifert) und Nikolai Erdmanns Komödie „Der Selbstmörder“ (1989). Auch die beiden repräsentativen Gastinszenierungen im Westen, Schillers „Wallenstein“ mit Michael Heltau am Burgtheater in Wien 1983 und Kleists „Der Prinz von Homburg“ am Schauspielhaus Zürich 1990, waren nur halbherzig-moderne, sog. „realistische“ Klassikeradaptionen. Von seinem BE verabschiedete er sich mit einer holprig-komischen Inszenierung von Eugène Labiches Lustspiel „Der Florentiner Strohhut“. In Berlin bald vergessen, inszenierte W. in den letzten 20 Jahren seines Lebens zumeist in Meiningen, im Neuen Theater Halle, im Tournee-Theater des Ostens und im Westdt. Tournee-Theater Remscheid (dort 2000 den „Jedermann“ und 2002 „Celestina“). Seit 2005 arbeitete er gemeinsam mit der thür. Rock-Band „Emma“ an der Vertonung früher Brecht-Gedichte.

    Über seine Theaterarbeit mit Brecht hinaus war W. auch als Theaterwissenschaftler tätig, der seine dramaturgischen Prinzipien kritisch reflektierte und ihren methodischen Wert zu bestimmen versuchte. Zudem war er bestrebt, die Entwicklung und die Rolle des Theaters in der Gesellschaft der DDR und „unter den veränderten Bedingungen des internationalen Klassenkampfes“ zu verorten. Während jedoch Brecht immer offener, lebendiger und frei von dogmatischer Starre|dachte, war W.s Hang zum Theoretisieren meist zwanghaft und wirklichkeitsfremd bzw. die politischen Verhältnisse beschönigend. In seiner praktischen Theaterarbeit allerdings zeigte sich die Lust an Widersprüchen und doppelbödigem Witz. Als Kulturpolitiker in den späteren Jahren der DDR stilisierte er sich gern zum Mann mit vielen Geschichten zwischen Hoffnungen und Illusionen.

  • Auszeichnungen

    |Kunstpreis d. FDJ (1953);
    Nat.preis d. DDR (3. Kl. 1959, mit Peter Palitzsch, 2. Kl., 1962, 1. Kl., 1989);
    Mitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (Ost) (1965–93, Sekr. d. Sektion Darst. Kunst 1965–74, Vizepräs. 1974–82, Präs. 1982–90);
    Heinrich-Greif-Preis, 2. Kl. (1976);
    VVO in Gold (1979);
    Karl-Marx-Orden (1984);
    – Prof.titel (1975).

  • Werke

    Schrr.: Über Regiearbeit mit Laienkünstlern, 1958;
    Theater in Veränderung, 1960;
    Notate, Über d. Arbeit d. Berliner Ensembles 1956–1966, 1967;
    Schrr., Arbeit mit Brecht, 1973, ²1975;
    Theater u. Wiss., Überlegungen f. e. Theorie d. Theaters, Diss. HU Berlin 1970, gedr. u. d. T. Theater u. Wiss., Überlegungen f. d. Theater v. heute u. morgen, 1974;
    Mut z. Genuss, Ein Brecht-Hdb. f. Spieler, Zuschauer, Mitstreiter u. Streiter, 2009;
    Btrr. in d. Zss. Ossietzky u. Das Argument, 1990 ff.;
    Autobiogr.: Erinnern ist leben, Eine dramat. Autobiogr., 2000, 2015 (P);
    Nachlaß: Berliner Ak. d. Künste.

  • Literatur

    |Theater in Diskussion, 1982;
    S. Wirsing, Die Kunst der Tuis – während Argus oben wacht, Theaterchef, Ak.präs., Brecht-Schüler, M. W. wird sechzig, in: FAZ v. 2. 12. 1989 (P);
    H.-D. Schütt, M. W., 1995 (Ill., P);
    C. B. Sucher, Der Statthalter, M. W. z. 70. Geb.tag, in: SZ v. 3. 12. 1999 (P);
    J. Lang, Neues v. alten Brecht, M. W. im Gespräch, 2010;
    Nachrufe: W. Hecht, Theatermacher M. W. ist tot, in: Berliner Ztg. v. 17. 7. 2014;
    Ch. Funke, Der Brecht-Bewahrer, in: Der Tagesspiegel v. 17. 7. 2014 (P);
    T. Briegleb, Das BE war sein Schicksal, Zum Tod d. Ostberliner Theatermanns M. W., in: SZ v. 18. 7. 2014 (P);
    – Theater-Lex., hg. v. H. Rischbieter, 1983;
    Kosch, Theater-Lex. (W, L);
    Wer war wer DDR.

  • Autor/in

    Klaus Völker
  • Zitierweise

    Völker, Klaus, "Wekwerth, Manfred" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 719-721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140266.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA