Lebensdaten
1918 – 2006
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Dermatologe ; Onkologe ; medizinischer Informatiker
Konfession
lutherisch
Namensvarianten
  • Wagner, Gustav Alfred
  • Wagner, Gustav
  • Wagner, Gustav Alfred

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Wagner, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138237.html [20.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1887–1965), Kaufm., Bandagist;
    M Anna Wölfelschneider (1892–1964);
    1 Schw (früh †);
    Berlin 1941 Ingeburg Winiarz (* 1918), Sekr.;
    1 S Klaus-Dieter (* 1942).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Realgymnasium in Hannover 1937 sowie Arbeitsdienst und Ableistung der Wehrpflicht studierte W. als Soldat seit 1939 Medizin an den Universitäten Leipzig und Berlin. Nach einer halbjährigen US-amerik. Gefangenschaft legte er 1945 sein Staatsexamen an der Univ. Berlin ab. Auf die Promotion zum Dr. med. im selben Jahr mit der Arbeit „Über den Scheintod“ folgte 1946–50 eine Tätigkeit als Dermatologe an der Hautklinik am Städtischen Krankenhaus Hannover-Linden, wo er 1950 Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten wurde. 1951–64 arbeitete W. unter der Leitung von Albin Proppe (1907–90) als Wissenschaftlicher Assistent, Oberarzt, Wissenschaftlicher Rat und seit 1959 apl. Professor für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universitätshautklinik Kiel (1962 o. Prof. f. Haut- u. Geschlechtskrankheiten, Med. Dokumentation u. Statistik). 1954 mit „Untersuchungen zu den gegenwärtigen Grundlagen einer dermatologischen Röntgentherapie“ für Medizin habilitiert, führten ihn seine Untersuchungen zur Epidemiologie in der Dermatologie zur Medizinischen Dokumentation und Statistik. Bereits damals galt W. als erfahrenster Praktiker auf dem Gebiet der elektromechanischen|Datenauswertung (Lochkarten) und der Entwicklung von standardisierten und strukturierten maschinell auswertbaren Krankenblättern.

    Seit 1964 war W. Direktor des Instituts für Dokumentation, Information und Statistik des Dt. Krebsforschungszentrums (DKFZ); gleichzeitig hatte er den Lehrstuhl für Medizinische Dokumentation und Statistik an der Univ. Heidelberg inne (1967–68 u. 1973–74 Direktoriumsvors. d. DKFZ). Auch nach seiner Emeritierung 1986 arbeitete W. weiter; so schloß er 2002 das Werk „Klassifikation maligner Thoraxtumoren, Lunge, Pleura, Mediastinum“ (mit P. Drings, J. Hasse u. P. Hermanek) ab.

    W. gilt als einer der Begründer der medizinischen Informatik; in Heidelberg prägte er die Entwicklung des neuen Fachs „Medizinische Dokumentation und Statistik“. Mit Siegfried Koller (1908–98) gab er 1975 das erste Standardwerk, „Handbuch der medizinischen Dokumentation und Datenverarbeitung“, heraus. Er publizierte den zweiten „Krebsatlas der Bundesrepublik Deutschlands“ (1984, mit N. Becker u. R. Frentzel-Beyme), war Herausgeber zahlreicher Handbücher und Kongreßbände und realisierte bedeutende Projekte, wie den „Dermatologischen Diagnosenschlüssel“, den „Allgemeinen Krankenblattkopf“, die „TNM-Klassifikation für Tumoren“ und das Krebsliteratur-Dokumentationssystem „CancerNet“. W. war Gründer und Herausgeber der „Methods of Information in Medicine“, die er zu einer weltweit führenden Zeitschrift machte. Außerdem war er 1966 Gründer und bis 1973 Vorstand der Dt. Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS) (Ehrenmitgl. seit 1973). Als engagierter und anerkannter Vertreter Deutschlands trat er in internationalen Gremien und Fachgesellschaften auf, so z. B. bei der Leitung mehrerer Projekte der Weltgesundheitsorganisation und des Council for International Organisations of Medical Sciences.

  • Auszeichnungen

    Weitere A Ehrenmitgl. d. European Federation of Medical Informatics (1985).

  • Werke

    Weitere W Der Krankenblattkopf d. Heidelberger Kliniken, in: Methods of Information in Med. 7, 1968, S. 17–25 (mit H. Immich u. C. O. Köhler);
    Tumorlokalisationsschlüssel, ²1979, ⁵1993;
    Organspezif. Tumordokumentation, 1995 (mit P. Hermanek);
    Tumorhistologieschlüssel, Empfehlungen z. aktuellen Klassifikation u. Kodierung d. Neoplasien auf d. Grundlage v. ICD-O/ ADT, ²1997 (mit dems. u. E. Grundmann);
    Mithg.: Basisdokumentation f. Tumorkranke, Prinzipien u. Verschlüsselungsanweisungen f. Klinik u. Praxis, 1980, ⁵1999.

  • Literatur

    L C. O. Köhler, K. Böhm u. R. Thome (Hg.), Aktuelle Methoden d. Informatik in d. Med., FS z. 65. Geb.tag v. Prof. Dr. med. G. W., 1983 (W-Verz., P);
    J. H. van Bemmel u. D. Bergemann, in: Methods of Information in Med. 46, 2007, S. 1 (P);
    Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. IV;
    Kieler Gel.verz. (Internet);
    Qu Landesarchiv Schleswig-Holstein;
    Archiv d. Univ. Heidelberg(P).

  • Autor/in

    Paul Schmücker
  • Zitierweise

    Schmücker, Paul, "Wagner, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 235-236 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138237.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA