Lebensdaten
1911 bis 1976
Geburtsort
Göttingen
Sterbeort
(Ost-)Berlin
Beruf/Funktion
kommunistischer Politiker ; Agrarwissenschaftler
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 119435705 | OGND | VIAF: 8197967
Namensvarianten
  • Oswald (Pseudonym)
  • Vieweg, Kurt
  • Oswald (Pseudonym)
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Vieweg, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119435705.html [15.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Bankangest.;
    M Auguste N. N.; 1937 1946 1968 Gertrud Schulze (1912–2009), aus Halle, 1932 Mitgl. d. KPD, 1934 wegen illegaler Arb. verurteilt, bis März 1936 z. T. im KZ Mohrigen inhaftiert, emigrierte 1936 zu V. n. Dänemark, 1937 Scheinehe mir e. Dänen, 1938 i. A. d. KPD-Abschnittsltg. Nord illegal in Dtld., 1943 mit V. n. Schweden, Textilarb. in Höganäs, dann in Borås, kehrte n. Dänemark zurück, 1946 in d. SBZ im „Arbeitsbüro Reimann“ tätig, Referentin in d. „Ges. f. kulturelle Verbindungen mit d. Ausland“, Redakteurin in d. dän. Redaktion v. „Radion Berlin Internat.“, Mitgl. d. Zentralvortstands d. Komitees d. antifaschist. Widerstandskämpfer, T e. Mitgl. d. KPD u. d. KJVD, 1967 Elisabeth Rothmaler, geb. Kecker (1921–93);
    1 Adoptiv-S, 1 Adoptiv-T.

  • Leben

    V. schloß das Realgymnasium in Itzehoe 1929 mit der mittleren Reife ab und besuchte 1930/31 die Landwirtschaftsschule in Eisleben (Freistelle). Er war aktiv in der Wandervogel- und Landvolkbewegung und 1930–32 Mitglied der Hitlerjugend (HJb.). Seit 1931 verdeckt für den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) tätig mit Kontakten zum nationalrevolutionären „Aufbruchkreis“, trat er 1932 von der HJb. zum KJVD über und wurde KPD-Mitglied. Im Okt. 1933 emigrierte V. nach Dänemark, wo er 1935–40 Gasthörer der Landwirtschaftlichen Hochschule Kopenhagen und 1936–40 Mitarbeiter der illegalen KPD-Abschnittsleitung Nord war. Er redigierte die „Bauernbriefe“ und lieferte landwirtschaftliche Expertisen für die KPD und die Komintern, seit 1940 war er aktiv im dän. Widerstand (Frit Danmark). 1943 ging er auf Weisung der KPD nach Schweden, wo er kurzzeitig interniert und danach als Wald- und Fabrikarbeiter tätig war. 1943 KPD-Leiter in Göteborg-Borås, studierte er 1944/45 an der Landwirtschaftlichen Hochschule Ultuna/Uppsala. Im Frühjahr 1945 kehrte er nach Dänemark zurück und wurde Sekretär des antifaschistischen Flüchtlingsausschusses in Kopenhagen sowie erster Redakteur der „Deutschen Nachrichten“. Nach seiner Übersiedlung in die SBZ im Juli 1946 war V. Landesbauernsekretär der „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ (VdgB) in Sachsen-Anhalt, 1947–52 Generalsekretär der VdgB, 1948–51 Vorstandsmitglied des „Zentralverbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften“ und 1948 Mitglied des Sekretariats der „Deutschen Wirtschaftskommission“ (DWK). 1949–54 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer bzw. Volkskammer, war er gleichzeitig Mitglied des ZK der SED, 1950–53 auch des Sekretariats, 1950–54 Mitglied des Präsidiums des Nationalrats der Nationalen Front und seit 1951 o. Mitglied der „Deutschen Akademie für Landwirtschaftswissenschaften“ (DAL).

    Im Rahmen des „Gesamtdeutschen Arbeitskreises für Land- und Forstwirtschaft“ (GAK), der zunehmend für Zwecke der Geheimdienste mißbraucht wurde, entwickelte V. einen „Deutschen Agrarplan“ als gemeinsame Plattform der Bauernverbände in Ost- und Westdeutschland. 1953 war er als Stellvertreter des Ministerpräsidenten der DDR vorgesehen, verlor jedoch durch die politischen Veränderungen nach dem Tod Stalins im selben Jahr alle politischen Ämter. 1953–57 war er Direktor des von ihm im Auftrag der SED aufgebauten Instituts für Agrarökonomik, 1954 Mitglied der Sektion Wirtschaftswissenschaften der „Deutschen Akademie der Wissenschaften“ (DAW). 1955 wurde er an der Berliner Humboldt-Universität promoviert (Dr. agr. habil.) und zum Professor an der DAL ernannt. Seine interne Ausarbeitung eines „Neuen Agrarprogramms“, das die bäuerlichen Familienbetriebe favorisierte, wurde im Febr. 1957 von der 30. Tagung des ZK der SED als revisionistisch zurückgewiesen. V. floh nach seinem erzwungenem Rücktritt von allen Ämtern im März 1957 in die Bundesrepublik, wo er Kontakt mit Herbert Wehner (1906–90) hatte. Im Okt. 1957 in die DDR zurückgekehrt, wurde er dort inhaftiert und im Okt. 1959 durch das Oberste Gericht der DDR wegen „Staatsverrat“ zu zwölf Jahren Zuchthaus (Aufhebung d. Urteils durch d. Landger. Berlin Dez. 1990) und Verlust aller Titel verurteilt, im Dez. 1964 begnadigt und aus dem Zuchthaus Bautzen II entlassen. Seit 1965 war V. wissenschaftlicher Mitarbeiter am „Nordischen Institut“ in Greifswald, seit 1969 arbeitete er dort als Forschungsgruppenleiter, 1971 wurde er ao. Professor, 1974 trat er in den Ruhestand. Die Anstellung in Greifswald wurde zunehmend durch eine nachrichtendienstliche Tätigkeit geprägt: V. war als IM „Nordland“ für die Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit tätig, er fertigte offene und geheime Studien zur Situation in Nordeuropa für das Außenministerium und v. a. für die Nachrichtendienste der DDR an.

  • Auszeichnungen

    A Nat.preis d. DDR (1955).

  • Werke

    W Die Bauern u. d. kommende demokrat. Rep., in: Pol. Information, Nr. 13 v. 1. 7. 1944;
    Agrarprobleme d. neuen Dtld., ebd., Nr. 21 v. 1. 11. u. Nr. 22 v. 15. 11. 1944;
    Der Aufstieg d. Landwirtsch. in d. Ostzone, Die Tätigkeit u. d. künftigen Aufgaben d. VdgB, 1949;
    Unser Weg z. Zus.arb. d. dt. Landwirtsch., in: Die Ähre, H. 6, 1950;
    Die Veränderungen d. Klassenverhältnisse im Dorf u. unsere Bündnispol., in: Einheit, H. 7, 1950;
    Die nächsten Aufgaben auf d. Lande, ebd., H. 12, 1950;
    Ein Btr. z. Ausarbeitung d. Ökonomik d. LPG, ebd., H. 9, 1956;
    Die Aufgaben d. neugegründeten Inst. f. Agrarökonomik, in: Die dt. Landwirtsch., H. 10, 1953;
    Zu Fragen d. landwirtschaftl. Bauwesens, ebd., Sondernr. (März), 1956;
    Unterss. z. Methodik d. planmäßigen Standortverteilung d. landwirtschaftl. Produktion in d. Dt. Demokrat. Rep. u. Vorschläge f. e. neue Form u. Praxis d. Agrarplanung, Diss. Ost-Berlin 1955;
    Zu d. neuen Aspekten d. gegenwärt. ideolog. Diskussion in d. dän. Soz.demokratie, in: Nordeuropa 1, 1966, S. 98–112;
    Zu einigen theoret. Aspekten d. Diskussion über europ. Sicherheitsfragen in Skandinavien, ebd. 3, 1969, S. 47–54;
    Hg.: Hdb. d. Genossenschaftsbauern, 3 Bde., 1954, Bd. 1, 1.2, ²1959, Bd. 2, ²1955, Bd. 3, ³1959 (mit O. Rosenkranz).

  • Literatur

    L Rehabilitierung v. Prof. K. V. u. Marga Langendorf, in: Neue Justiz 3, 1991, S. 110 ff.;
    Michael F. Scholz, Bauernopfer d. dt. Frage, Der Kommunist K. V. im Dschungel d. Geheimdienste, 1997 (P);
    ders., Der Rückkehrer, Aus d. Akten d. Geheimprozesses gegen K. V., in: Verfemt, Verfolgt, Verschwiegen, 2000, S. 39–43;
    ders., Skandinav. Erfahrungen erwünscht?, Nachexil u. Remigration, Die ehem. KPD-Emigranten in Skandinavien u. ihr|weiteres Schicksal in d. SBZ/DDR, 2000, bes. S. 378 f.;
    U. Kluge, Die Affäre V., d Konflikt um e. sozialist. Agrarbetriebslehre, in: ders. u. a. (Hg.), Zw. Bodenreform u. Kollektivierung, 2001, S. 195–212;
    BHdE I;
    Wer war Wer Deutsche Demokratische Republik;
    Dt. Kommunisten (P);
    Biogr. Hdb. SBZ-DDR; Wer war wer DDR.

  • Autor/in

    Michael F. Scholz
  • Empfohlene Zitierweise

    Scholz, Michael F., "Vieweg, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 805-807 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119435705.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA