Lebensdaten
1821 bis 1910
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Sängerin ; Komponistin ; Pianistin ; Gesangspädagogin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118804375 | OGND | VIAF: 73929645
Namensvarianten
  • García, Michèle Ferdinande Pauline (geborene)
  • Viardot-García, Pauline
  • Viardot-García, Michèle Ferdinande
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Zitierweise

Viardot, Pauline (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804375.html [25.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Manuel del Pópulo Vicente García (eigtl. Manuel Rodríguez Aguilar) (1775–1832), aus Sevilla, Sänger u. a. in Cádiz, Madrid, Neapel, Paris u. 1825/26 in New York, Komp., 1827/28 Impresario in Mexiko, 1829 Gesangslehrer in P., Komp. (s. MGG²; Riemann, Diccionario de la Musica Española e Hispanoamerica, V, 1999), S d. Geronimo Rodríguez ( 1817), u. d. Mariana Aguilar ( 1821);
    M MariaJoaquina (García-)Sitches (1780–1854/64), aus Madrid, Schausp., Sängerin (s. Diccionario de la Musica Española e Hispanoamerica, V, 1999), T d. Martín Sitches u. d. Lorenza Irisarri;
    1 B Manuel Patricio Rodríguez García jr. (1805–1906), aus Madrid, Sänger (Bariton), 1835–48 Gesangslehrer am Conservatoire in P., 1848–95 an d. Royal Ac. of Music London, 1854 Erfinder e. Laryngoskops, Vf. v. Lehrwerken, u. a. „École de García, Traité complet de l’art du Chant“, 1840, Dr. med. h. c. (Königsberg 1862) (s. Kutsch-Riemens; MGG²; Diccionario de la Musica Española e Hispanoamerica V, 1999), 1 Schw Maria Felicia (Felicité, Felicitá) Malibran (1808–36 Reitunfall, 1] 1826–35 Eugene Malibran, 1781–1836, Kaufm., 2] 1836 Charles de Bériot, 1802–70, aus Belgien, Geiger, s. New Grove 2 ; MGG 2 ), Sängerin (Mezzosopran), 1825 Bühnendebüt in London, 1825–27 in New York, 1827 in P., gastierte u. a. in Mailand, Rom, Neapel u. Bologna (s. Riemann; Kutsch-Riemens; MGG², Diccionario de la Musica Española e Hispanoamerica, V, 1999; Oxford DNB; L);
    Paris 1840 Louis (eigtl. Claude) Viardot (1800–83), RA in Dijon, Journ., Schriftst., Übers., Kunstsammler, 1838–40 Dir. d. Théâtre Italien in P., Hg. d. „Revue Indépendante“ ebd. (s. E. Glaeser, Biogr. nat. des contemporains, 1878), S d. Louis (1762–1807), Procureur général in Dijon, u. d. Marie Anne Joséphine Cretenet ( 1813);
    1 S Paul (1857–1941, 1] Eugenie Dumoulin le Peletier, * 1856, aus P., 2] Germaine Jeanne Schillio, 1882–1926), Geiger, Dirigent, Komp., Musikschriftst., u. a. an Pariser Oper, Vf. v. „Histoire de la musique“, 1905, u. „Mémoires d’un Artiste“, 1910, 3 T Louise (1841–1918, Ernest Héritte [de la Tour], * 1822, franz. Dipl. u. a. in Kapstadt u. Bern, Hon.konsul), Sängerin, Komp., 1867 Gesangslehrerin am Konservatorium in St. Petersburg, dann am Hochschen Konservatorium in Frankfurt/M., gründete private Gesangsschulen in London, Berlin u. Heidelberg, Vf. v. „Memories and Adventures“, 1913, Neuausg. 1978, franz. 1923 hg. v. Louis Héritte de la Tour (s. Kutsch-Riemens; Kosch, Theater-Lex.), Claudine (Claudie, Didie) (1852–1914, Georges Chamerot, 1845–1922, Druckereibes.), Porträtmalerin, seit 1892 Ausstellungen im Salon d. Soc. Nat. des Beaux-Arts in P. (s. ThB; P), Marianne (1854–1913, VictorAlphonse Duvernoy, 1842–1907, Pianist, Komp., s. MGG; New Grove 2 ), Sängerin, Musikschriftst.;
    Ur-E Daisy Héritte de la Tour, adopt. Héritte de Campi a Montesanto (1893–1979, Hermann Euler, 1900–70, Maler, s. AKL), Malerin (s. AKL).

  • Leben

    Als Kind einer Sängerfamilie wuchs V. in den Musikerberuf hinein und erhielt früh Klavier- und Gesangsunterricht durch den Vater. Nach einer Amerikatournee lebte die Familie wieder in Paris, wo V. als Pianistin bei Charles Meysenberg (1785-n. 1828) und Franz Liszt (1811–86) weiter ausgebildet wurde und Kompositionsunterricht bei Antoine (Anton) Reicha (1770–1836) erhielt. 1832 ging sie mit der Mutter nach Brüssel, trat 1835 erstmals als Pianistin öffentlich auf, wechselte aber nach dem Tod ihrer Schwester auf Betreiben der Mutter in den Sängerinnenberuf. Auf ihr Konzertdebüt im Dez. 1837 in Brüssel folgte 1838 eine Tournee durch Deutschland, auf der V. in Leipzig Clara Wieck (1819–96), die Braut Robert Schumanns (1810–56), kennenlernte und zur lebenslangen Freundin gewann. 1839 debütierte V. in London als Desdemona in Rossinis „Otello“ und wurde zur|Winterspielzeit 1839/40 von Louis Viardot an das Théâtre Italien in Paris engagiert. Nach ihrer Heirat gab ihr Mann seine Stellung als Theaterdirektor auf und begleitete V. fortan auf ihren Konzertreisen und Engagements, die sie in den nächsten Jahren in die Musikzentren Europas, nach London, Wien, Prag, Berlin, Dresden, Weimar sowie nach Pest und Dublin führten. In den Winterspielzeiten 1843/44 bis 1845/46 gastierte V. jeweils an der Oper in St. Petersburg, wo sie u. a. als „Norma“ und in „Lucia di Lammermoor“ Erfolge feierte, aber auch Werke Michail Iwanowitsch Glinkas und Peter IljitschTschaikowskys in russ. Sprache sang.

    In St. Petersburg kam es im Nov. 1843 zur ersten Begegnung mit dem Dichter Ivan Turgenev (1818–83), der mit dem Ehepaar fortan in enger Freundschaft und künstlerischem Austausch wie auch überwiegend in unmittelbarer Nachbarschaft lebte. Die Sommerhalbjahre verbrachte V., sofern sie nicht auf Konzertreisen war, in Paris oder auf ihrem Landsitz Schloß Courtavenel in Rozay-enBrie unweit von Paris. Ihr Salon in Paris war Treffpunkt bedeutender Künstler; Ary Scheffer, Alfred de Musset, George Sand, Frédéric Chopin, Hector Berlioz und Camille SaintSaëns zählten zu ihren Freunden.

    1863 nahm V. Abschied von der Pariser Opernbühne. Während des Zweiten Kaiserreichs Anfeindungen aufgrund ihrer republikanischen Gesinnung ausgesetzt, zog V. mit ihrer Familie und Turgenev nach Baden-Baden, wo sie sich im Tiergartental, unweit von Clara Schumanns Sommerwohnsitz, eine Villa inklusive einer Konzerthalle bauen ließen. Hier unterrichtete V. zahlreiche Schülerinnen, komponierte, gab mit ihren Kindern und Schülern Konzerte und brachte in ihrem kleinen privaten Opernhaus, dem „Théâtre Viardot“, ihre Bühnenwerke zur Aufführung. Zu den Besuchern ihrer allsonntäglichen Matineen gehörten Johannes Brahms, Friedrich Nicolai und Anton Rubinstein, Hermann Levi, Josef Joachim, Julius Rietz, Richard Wagner, Franz Liszt, aber auch das preuß. Königspaar Wilhelm und Augusta sowie der Ghzg. Friedrich I. v. Baden.

    Nach Ausbruch des dt.-franz. Krieges verließ V. Baden-Baden, verkaufte ihr Anwesen und lebte vorübergehend in London. Im Juli 1871 kehrte sie nach Paris zurück, wo sie bis 1875 am Konservatorium unterrichtete. Bis zum Tod ihres Mannes und Turgenevs 1883 führte V. wieder einen Salon in der Rue de Douai, wo sie auch ein Appartement bewohnte, danach am Boulevard St. Germain.

    V. war eine besonders vielseitige und faszinierende Musikerpersönlichkeit. Als Sängerin begeisterte sie ihre Zeitgenossen durch einen großen Stimmumfang und ihre Ausdruckskraft. 1849 triumphierte V. in der Pariser Uraufführung von Meyerbeers „Le Prophète“ in der Rolle der Fidès, die sie dann über zweihundertmal auf allen großen Bühnen Europas sang. V.s Darstellungskunst in der Titelrolle verhalf 1859 auch Glucks Oper „Orpheus“ in der Neubearbeitung durch Berlioz zur dauerhaften Rückkehr ins Repertoire und überzeugte ihre Kritiker auch noch, als ihre Stimme durch Überanstrengung früh an Glanz verlor. Ihr Repertoire spannte weite Bögen und umfaßte Werke von Monteverdi, Händel, Mozart, Beethoven, Rossini, Donizetti, Verdi, Tschaikowsky und Brahms, dessen Altrhapsodie sie 1870 mit zur Uraufführung brachte.

    V. sprach fließend span., franz., ital., engl., dt. und russ., sang in allen diesen Sprachen und komponierte in verschiedenen Sprachen und Stilen. Ihre Lieder, u. a. auf Gedichte von Mörike, Goethe, Puschkin und Turgenev, erschienen seit 1838 in Sammlungen und Einzelausgaben in vielen Ländern und Sprachen im Druck. In einer Zeit, in der vielfach Nationalstile mit dem Ziel nationaler Abgrenzung gefördert wurden, widersetzte sich V. mit dem ihr eigenen Esprit ästhetischen und nationalen Schranken, sang ital. Opern in Rußland und brachte Werke russ. Komponisten nach Deutschland und Frankreich. Neben den Liedern erlangten besonders ihre Transkriptionen von Mazurken Chopins Bekanntheit und wurden mehrfach nachgedruckt.

    Ihre drei Bühnenwerke „Le dernier sorcier“ (1867), „Trop de femmes“ (1867) und „L’ogre“ (1868) auf Texte Turgenevs stehen in der Tradition der gesellschaftskritischen Operetten Offenbachs. Sie sind auf die Aufführung mit ihren Kindern und Schülerinnen zugeschnitten und besitzen melodischen Charme, Witz und Leichtigkeit.

  • Werke

    W u. a. Lieder: über 150 Lieder f. Singstimme u. Klavier, großteils zu Lebzeiten gedr., u. a. Dix mélodies, 1849;
    12 Gedichte v. Puschkin, Feth u. Turgeneff, …, 1864;
    Douze mélodies sur des poésies russes de Pouchkine, …, ins Franz. übers. v. L. Pomey, 1866;
    Transkriptionen: Six mazourkes de Frédéric Chopin, 1864;
    Six mazourkes de Frédéric Chopin … Deuxième Série, 1865;
    Trois Valses de Franz Schubert, …, 1879;
    Les Bohémiennes! Duo pour deux voix d’après les danses hongroises de Joh. Brahms, 1879/80;
    Ausgaben: Chansons espagnoles de Manuel García père, …, 1875;
    Six airs italiens du 18ième siècle, Six chansons du 15ième siècle, Cinquante mélodies de Franz Schubert, …, 1873;
    Bühnenwerke: Cendrillon, Opérette de salon en trois|tableaux (mit Text von V.), 1904;
    Instrumentalwerke: Six morceaux pour piano et violon, composée pour son fils Paul, 1867;
    Lehrwerke: École classique de chant, 1861;
    Une heure d’étude, Exercices pour voix de femmes, 1880, mehrere Nachdrr. u. Überss.;
    W-Verz.: P. Waddington, The musical works of P. V. Garcia (1821–1910), A chronological catalogue, with an Index of Titles, 2001; C. Heitmann, P. V., Systemat.-bibliogr. Werkverz. an d. Hochschule f. Musik u. Theater Hamburg, seit 2012 im Internet; Nachlaß: u. a. Bibliothèque nationale de France, Paris (Briefe, Komp.).

  • Quellen

    Qu P. V. to Julius Rietz (Letters of Friendship), in: The Musical Quarterly 1, 1915, S. 350–80 u. 526–59, ebd. 2, 1916, S. 32–60; T. Marix-Spire, Lettres inédites de Georges Sand et de P. V. 1839–49, 1959; Lettres inédites de Tourguénev à P. V. et à sa famillie, hg. v. H. Grandjard u. A. Zviguilsky, 1972; Quelques lettres d’Ivan Tourguénev à P. V., hg. v. H. Grandjard, 1974.

  • Literatur

    L La Mara (Marie Lipsius), P. V.-G., 1882;
    A. FitzLyon, The Price of Genius, A Life of P. V., 1964;
    Cahiers Ivan Tourguéniev, P. V., Maria Malibran, hg. v. d. Association des amis d’Ivan Tourguéniev, P. V. et Maria Malibran, 1977 ff.;
    N. G. Zekulin, The story of an operetta, Le dernier sorcier by P. V. and I. Turgenev, 1989;
    U. Lange-Brachmann u. J. Draheim (Hg.), P. V. in Baden-Baden u. Karlsruhe, 1999 (P);
    B. Borchard, Jeux d’esprit, P. V.-G. (1821–1910), in: Klangwelten, Lebenswelten, Komponistinnen in Südwestdtld., hg. v. M. Rebmann u. R. Nägele, Ausst.-kat. Bad. Landesbibl. u. Württ. Landesbibl., 2004, S. 91–123;
    dies., Fülle d. Lebens, P. V.-G., 2015;
    B. Kendall-Davies, The life and work of P. V. G., 2 Bde., 2004–12;
    M. Steen, Enchantress of nations P. V., Soprano, muse and lover, 2007 (P);
    P. Barbier, P. V., 2009;
    K. LaPorta Jesensky, The life of P. V., Her influence on the music and musicians of nineteenth century Europe, in: Journal of singing, The official journal of the Nat. Association of Teachers of Singing, 67, 2010/11, H. 3, S. 267–75;
    Lb. Schwaben 20, S. 258–93;
    Riemann;
    MGG;
    MGG²;
    New Grove2;
    Grove Opera;
    Kutsch-Riemens;
    Diccionario de la Musica Española e Hispanoamerica, V, 1999; MUGI.

  • Portraits

    P V. als Norma, n. e. Zeichnung v. L. Pietsch, Abb. u. a. in: MGG²; Selbstporträt, um 1839, Abb. in: Lange-Brachmann u. Draheim (s. L), S. 78, u. zahlr. weitere P; V. im Alter, Photogr., Abb. in: Steen (s. L), S. 426; Bronzebüste, 2004 (Baden-Baden, Kurpark).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Viardot, Pauline" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 786-788 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804375.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA