Lebensdaten
erwähnt Ende 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Minnesänger ; Minnesänger
Konfession
-
Normdaten
GND: 104364289 | OGND | VIAF: 445563
Namensvarianten
  • Ulrich von Buwenburg
  • Ulrich von Bûwenburg
  • Baumburg, Ulrich von
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Zitierweise

Ulrich von Baumburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104364289.html [25.07.2021].

CC0

  • Leben

    Der Vorname des in der Manessischen Liederhandschrift C mit 6 Liedern vertretenen Sängers „von Buwenburg“ kann aus einer erst im 20. Jh. wissenschaftlich erfaßten Zweitquelle, die ein weiteres Lied enthält, ergänzt werden (Sammelhs. des Rudolf Losse). Die dortige Autornennung „Vlricus de bovinburg armiger“ verweist auf die württ. Freiherren v. Baumburg bzw. auf deren gleichnamige Ministerialen. Die früher übliche Identifizierung mit dem Einsiedler Kantor Konrad von Baumburg, mit dem die Dynastie der Freiherren ausstarb, basierte auf einer Fehldeutung der Miniatur in C. Tatsächlich kommt von den historischen Namensträgern wohl nur der 1289–1305 bezeugte Ulrich II. aus der Ministerialenfamilie in Betracht.

    Alle 7 Lieder U.s sind dreistrophige Rundkanzonen mit ganzer oder teilweiser Stollenreprise am Liedschluß. Auffällig ist U.s Vorliebe für den daktylischen Rhythmus, der nur in Lied 4 ganz fehlt, während umgekehrt lediglich in Lied 2 ein Refrain begegnet. Als primäres Markenzeichen gilt U.s metaphernreicher Stil mit originellen Beiträgen zur Kleider- und Rechtsmetaphorik (2.II, 4.II, 6.I bzw. 3.III, 5.III) sowie recht drastisch ausgemalten, wörtlich genommenen Herzmetaphern (1.II, 5.II). Den Natureingang, der nur in 4 fehlt, reichert U. mit eigenwilligen Personifikationen (3, 6) und dem Herbstmotiv an (1, 2, 3, 5). Anders als bei Steinmar erwächst daraus aber kein Antagonismus zwischen Herbstfreude und Minnekummer, mithin keine Grundsatzkritik am Minnedienst-Modell. Hingegen polemisiert U. voll Standesstolz gegen die fahrenden Berufssänger, die er der höfischen Dichtkunst für unwürdig erachtet (6.III.13.f.: swer getragener kleider gert,/der ist nit minnesanges wert!), wobei als weibliches Gegenüber das Kollektiv der „reinen wîp“ die private Minneherrin abgelöst hat. Stellt U. ausnahmsweise einmal den Frauenpreis hintan, um stattdessen das Schreckbild einer ehrlosen Minnedame parodistisch zu verhöhnen (4), so sollte dies seiner Ansicht nach ein „ieglich frowe reine“ als ein gleichsam ex negativo gesprochenes Lob gebührend zu schätzen wissen. Insgesamt zeugt U.s Œuvre sowohl in formtechnischer wie sprachstilistischer Hinsicht von einer beachtlichen Versiertheit des Verfassers und offenbart ein angesichts des kärglichen Umfangs überraschend markantes Profil.

  • Werke

    W F. H. v. d. Hagen (Hg.), Minnesinger II, 1838, S. 261–63 (Lieder 1–6); E. Stengel u. F. Vogt (Hg.), Zwölf mhdt. Minnelieder u. Reimreden, 1956, S. 31 f. (Lied 7); M. Schiendorfer (Hg.), Die Schweizer Minnesänger, 1990, S. 300–09 (Lieder 1–7).

  • Literatur

    L H. Herzog, Zur Pariser Liederhs., in: Anz. f. schweizer. Altertumskde. 5, 1885, S. 178;
    R. Weissenfels, Der daktyl. Rhythmus b. d. Minnesängern, 1886, S. 224–26, 247–49 u. 262–64;
    F. Bech, Zu dem v. Bûwenburg, in: ZDP 28, 1896, S. 195 f.;
    M. Schiendorfer, Vorschläge z. e. Neugestaltung v. Bartschs ‚Schweizer Minnesängern‘, ebd. 104, 1985, Sonderh., S. 102–23;
    ders., U. v. B., Trutz, trutz, trutz, Ein ‚echtes‘ Produkt d. Manessischen v. Bûwenburg?, in: ‚Da hoeret ouch geloube zuo‘, FS G. Schweikle, hg. v. R. Krohn u. W.-O. Dreessen, 1995, S. 155–76;
    F. Grimme, Die rhein.-schwäb. Minnesinger, 1897, S. 187–93 u. 289–92;
    G. Siebert-Hotz, Das Bild d. Minnesängers, Diss. Marburg 1964, S. 188–90;
    H. E. Renk, Der Manessekreis, seine Dichter u. d. Manessische Hs., 1974, S. 73–77 u. 200–05;
    J. Bumke, Ministerialität u. Rr.dichtung, 1976, S. 24–28;
    Vf.-Lex. MA 2 (L);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (L); Lit.-Lex. MA IV, Sp. 584–87 (L).

  • Portraits

    P Miniatur, 14. Jh. (Univ.bibl. Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, Gr. Heidelberger Liederhs., fol. 359r), Abb. u. a. in: Codex Manesse, Die Gr. Heidelberger Liederhs., Faks.ausg., 1975–80.

  • Autor/in

    Max Schiendorfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schiendorfer, Max, "Ulrich von Baumburg" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 601-602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104364289.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA