Lebensdaten
1826 bis 1901
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Abt zu Loccum
Konfession
-
Normdaten
GND: 118818783 | OGND | VIAF: 84382816
Namensvarianten
  • Uhlhorn, Johann Gerhard Wilhelm
  • Uhlhorn, Gerhard
  • Uhlhorn, Johann Gerhard Wilhelm
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Zitierweise

Uhlhorn, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818783.html [14.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Handwerkerfam.;
    V Wilhelm (1787–1876), Schuhmacher- u. Gildemeister in O., S d. Johann Hermann (1749–98), Schuhmacher in O.;
    M Anna Marie Margarete (1793–1827), T d. Albrecht Philipp Strohrmann (1743–93), Schuhmacher in Lemförde, u. d. Margarete Elisabeth Pohlmeyer;
    Stief-M Margarethe Katharina Müller ( 1834), Margarete Hartmann (1806–90);
    2 Geschw u. 7 Halb-Geschw;
    Göttingen 1855 Maria Wilhelmina (1836–1903), T d. Wilhelm Vogel (1808–72), Buchhändler in Göttingen, übernahm 1836 d. väterl. Buchhandlung, u. d. Luise Werner (* 1810);
    3 S Wilhelm (1858–1917), Pastor 1886–99 in Kirchhorst u. 1894–1917 in Hannover-Ricklingen, Friedrich (1860–1937), Vf. v. theol. Schrr., Pastor 1888–97 in Lauenförde, 1897–1920 in Hameln u. 1921–31 in Meensen (Kr. Hannoversch Münden) (s. Kosch, Lit.-Lex. 3 ; BBKL 20; L), Gerhard (1868–99), 3 T Margarete (1856–97, Robert Stalmann, 1848–1922, Pastor 1876–80 in Meensen u. 1881–87 in Bolzum, 1887–1921 Sup. in Soltau), Elisabeth (1857–91, Albrecht Rabe, 1848–1925, Pastor 1877–94 in Dankelshausen u. 1894–1922 in Obernjesa), Marie (* 1863, Theodor Tilemann, 1860–1934, Pastor 1886–93 in Lachem u. 1893–1907 in Bergen, Sup. 1907–19 in Markoldendorf u. 1913–25 in Rotenburg/Wümme);
    E Karl Stalmann (1877–1953), Pastor 1906–08 in Hannover-Hainholz, 1908–10 in Wilstorf u. 1910–21 in Harburg, Sup. 1921–26 in Fallersleben u. 1926–33 in Hannover-Limmer, 1933–53 Oberlandeskirchenrat in H., D. theol. h. c. (Göttingen 1953), Gerhard Stalmann (1878–1950), Dr. phil., Chemiker, Fabr.dir. in Düsseldorf-Oberkassel, 1932 in Berlin, Mitgl. d. Vorstands d. Schering-Kahlbaum AG, Geschäftsführer d. Rhein. Kampferfabr. GmbH, Düsseldorf (s. Wenzel; Rhdb.), Albrecht Stalmann (1880–1967), Dr. iur., Verw.jur., Min.rat im preuß. Kultusmin., 1931–55 Präs. d. Klosterkammer Hannover, Gr. BVK 1953, Dr. iur. h. c., Göttingen (s. Klimesch), Robert Stalmann (1881–1924), Kaufm. in Shanghai u. Minden, Martin Stalmann (1884–1917), Dr. phil., Oberlehrer in Wiesbaden;
    E Hermann (1891–1966), Pastor seit 1921 in Othfresen, 1923–60 in Beedenbostel;
    Ur-E Hans-Albrecht (* 1925), Pastor coll. 1954 in Asendorf, 1955–90 Pastor in Bargstedt, Jürgen (1927–2000), 1954 Pastor coll. in L. u. H., Pastor 1955 in Trupe-Lilienthal u. 1956–64 in Worpswede, seit 1964 Mitarb. b. Landeskirchenamt H., 1967–92 Oberlandeskirchenrat; Urur-E Frank (* 1966), 1999 Pastor in Hassel (Niedersachsen), 2010 in O.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Ratsgymnasiums in Osnabrück studierte U. als Stipendiat in Göttingen 1845–48 ev. Theologie, u. a. bei Friedrich Lücke (1791–1855). 1852 habilitierte er sich in Göttingen mit einer Arbeit zur Frühen Kirchengeschichte. 1855 ging er als 3. Hof- und Schloßprediger nach Hannover (seit 1861 Primarius) und trat in die Kirchenverwaltung ein. 1861–84 war er zudem Superintendent der Inspektion Hannover. Deutlich sah er die sozialen Probleme und beteiligte sich an zahlreichen diakonischen Initiativen (Gründung d. Henriettenstifts f. Diakonissen 1860, d. Ev. Ver. 1865, d. Stephansstifts f. Diakone 1869, d. Luth. Seemannsmission 1886). Diakonische Einrichtungen sollten als organisierte „Liebestätigkeit“ in Notsituationen helfen, während die kirchliche Predigt Gemeindemitglieder zu ermutigen habe, für gesellschaftliche Probleme selbständig nach vernünftigen Lösungen zu suchen, die dem Liebesgebot Jesu entsprechen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, mußten Pfarrer und Kirchengebäude für die Gemeindeglieder erreichbar sein. Deshalb wandte sich U. früh gegen Massengemeinden und setzte in Hannover ein vorbildliches Neubauprogramm durch. Neben den Kirchen sollten ev. Vereinshäuser Austausch und Fortbildung der Gemeindeglieder ermöglichen.

    Als Oberkonsistorialrat im neu gebildeten Landeskonsistorium (1866) beteiligte sich U. intensiv am Bemühen, die traditionell unterschiedlichen Kirchengebiete Hannovers durch verbindliche Ordnungen für Theologenausbildung, Visitationen und Agenden zu einer Landeskirche umzuformen. Basis dafür war das luth. Bekenntnis. Deshalb lehnte U. einen Anschluß an die unierte ev. Landeskirche Altpreußens ab. 1878 mit Zustimmung des preuß. Königs zum Abt des ev. Klosters Loccum gewählt, intensivierte er hier die Ausbildung der jungen Theologen im Vikariat. Berufungen auf Lehrstühle an theol. Fakultäten, u. a. nach Straßburg, Leipzig und Göttingen, lehnte er ab, beteiligte sich aber literarisch an historischen und kirchengeschichtlichen Diskussionen, nicht zuletzt 1894–1901 als Vorsitzender des Historischen Vereins für Niedersachsen. Sein Hauptwerk „Die christliche Liebesthätigkeit“ (3 Bde., 1882–90, 2 1895, Nachdr. 1959; krit. Ausg., bearb. v. I. Mager, 2006–12) dokumentiert auf breiter Quellenbasis die sozialen und diakonischen Aktivitäten der Kirche, die U. als Antworten auf Herausforderungen der jeweiligen historischen Epochen begriff. Als führender Repräsentant des dt. Luthertums am Ende des 19. Jh. würdigte er zentrale Anliegen der liberalen Theologie, ohne die herkömmliche Bindung an „seine“ Landeskirche und ihr Bekenntnis aufzugeben. – Die Ev.luth. Landeskirche Hannover vergibt seit 1960 die „Uhlhorn-Plakette“ als ihre höchste Auszeichnung an Personen, die sich um die Diakonie Hannovers verdient gemacht haben.

  • Auszeichnungen

    A D. theol. (Greifswald 1857); Rr.kreuz d. Guelphen-Ordens (1862); Stern z. preuß. Kronenorden 2. Kl. (1899); – G.-U.-Stud.konvikt, Göttingen (1932); G.-U.-Kirche, Hannover-Linden (1957); Gedenktag im Ev. Namenkal. (15. 12.).

  • Werke

    Weitere W Die älteste KGesch. in ihren neueren Darst., in: Jbb. f. dt. Theol. 2, 1857, S. 603–78, ebd. 3, 1858, S. 280–349 u. 492–531;
    Die Homilien u. Recognitionen d. Clemens Romanus n. ihrem Ursprung u. Inhalt dargest., 1854;
    Urbanus Rhegius, Leben u. ausgew. Schrr., 1861, Nachdr. 1968;
    Predigten auf alle Sonn- u. Festtage d. Kirchenj., 2 T., 1870/71;
    Der Kampf d. Christenthums mit d. Heidenthum, Bilder aus d. Vergangenheit als Spiegelbilder f. d. Gegenwart, 1874, 71924, engl., niederl., chines. Überss.;
    Gnade u. Wahrheit, Predigten, 2 Bde., 1877/78, 21888/90;
    Katholicismus u. Protestantismus gegenüber d. socialen Frage, 1887;
    Die kirchl. Armenpflege in ihrer Bedeutung f. d. Gegenwart, 1892; Der Einfluß d. wirthschaftl. Verhältnisse auf d. Entwickelung d. Mönchthums im MA, in: Zs. f. KGesch. 14, 1894, S. 347–403; Kämpfe u. Siege d. Christenthums in d. german. Welt, 1898, 21905; Hannoversche KGesch. in übersichtl. Darst., 1902; Schrr. z. Soz.ethik u. Diakonie, hg. v. M. Cordes u. H. Otte, 1990 (P); – Bibliogr.: G. U., Nachlass u. Bibliogr., bearb. v. H. Otte, 2002, S. 65–110 (L, P); – Nachlaß: Landeskirchl. Archiv Hannover, Bestand N 1.

  • Literatur

    L Friedrich Uhlhorn, G. U., 1903;
    H. W. Krumwiede, Abt U.s Stellung z. Bekenntnis, in: Loccum vivum, 1963, S. 59–82;
    H. Otte, Liebestätigkeit, christl. oder kirchl.?, G. U.s Bedeutung f. d. Ortsbestimmung d. Diakonie im Ks.reich, in: Diakonie im dt. Ks.reich (1871–1918), hg. v. T. Strohm u. J. Thierfelder, 1995, S. 334–55;
    A. Makowski, Diakonie als im Reich Gottes begründete Praxis unbedingter Liebe, Stud. z. Diakonieverständnis b. G. U., 2000;
    RGG1–4;
    Who is who d. Soz. Arb., hg. v. H. Maier, 1998;
    BBKL XII;
    TRE 24;
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L);
    Hann. Biogr. Lex.; Stadtlex. Hannover.

  • Portraits

    P Ölgem. v. F. Kaulbach (?), vor 1895 (Kloster Loccum); Büste v. K. Oswald, 1957 (Hannover, Eingangshalle d. Krankenhauses im Henriettenstift), beide Abb. in: Geschichten aus d. Kloster Loccum, hg. v. H. Hirschler u. E. Berneburg, 1980; Büste v. K. Gundelach, 1901 (Landeskirchenamt Hannover, Kunstslg.), Abb. in: G. U., Nachlass u. Bibliogr. (s. W)

  • Autor/in

    Hans Otte
  • Empfohlene Zitierweise

    Otte, Hans, "Uhlhorn, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 545-546 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818783.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA