Lebensdaten
1868 - 1940
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Marineoffizier ; Admiral
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11880278X | OGND | VIAF: 59880460
Namensvarianten
  • Trotha, Adolf Lebrecht von
  • Trotha, Adolf von
  • Trotha, Adolf Lebrecht von
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Zitierweise

Trotha, Adolf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880278X.html [13.06.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1834–70 b. Le Bourget), preuß. Hptm., S d. Ferdinand (1798–1865), aus Bittkau, Offz., u. d. Karoline Henriette v. Itzenplitz (1801–34);
    M Johanna (1844–1906), aus Rothenburg (Oberlausitz), T d. Adolf Frhr. v. Gersdorff (1799–1855), auf Rothenburg, Ober-Kodersdorf usw., preuß. Kammerherr, u. d. Marianne v. Schindel u. Dromsdorf a. d. H. Nieder-Steinkirch (1805–55);
    Ur-Gvv Friedrich August v. Itzenplitz (1769–1842), auf Grieben, Deichhptm d. Altmark, preuß. Major (s. NND 20);
    Stief-V seit 1878 Friedrich Frhr. v. Willisen ( 1879), preuß. Oberst, seit 1886 Julius Frhr. v. Gemmingen-Steinegg (1844–1903), preuß. Gen. d. Inf., Präs. d. Reichsmil.ger. (s. Priesdorff X, Nr. 3075, S. 51–53; NDB VI, Fam.art.);
    Destedt 1902 Anna (1877–1964), T d. Fritz (Friedrich) v. Veltheim (1824–96), auf Destedt, braunschweig. Oberjägermeister, Oberkammerherr, 1872 Mitgl. d. braunschweig. Standesverslg., 1878 Vizepräs., 1881 Präs. (s. BJ I, S. 409–11, u. III, Tl.; Braunschweig. Biogr. Lex. I), u. d. Elisabeth (Elise) v. Krosigk (1850–1918);
    2 S Karl (1906–91, ⚭ Gertraud Böhm, 1917–2010), Wilhelm (1916–45 b. Untergang d. U-Boots U 475), 3 T Else (1903–44, ⚭ Hans Ulrich v. Borcke[-Stargordt], 1902–44, vermißt in Rumänien), Wally (1904–86, ⚭ Heinrich Menzel, 1903–45, in jugoslaw. Kriegsgefangenschaft), Ehrengard (1909–78, ⚭ Erhard Erdmann, 1903–41 ⚔);
    Gvm d. Ehefrau Anton v. Krosigk (1820–92), anhalt. Min., WGR (s. ADB 51); Verwandter Lothar (s. 1).

  • Leben

    T. wuchs ohne Vater in Koblenz, Dessau und Berlin auf und wurde der Familientradition entsprechend Soldat. 1886 trat er jedoch nicht in die Armee, sondern in die Marine ein und durchlief dort die übliche Ausbildung. Mehrfach begleitete er Ks. Wilhelm II. auf dessen Reisen. Als Navigationsoffizier diente T. 1896/97 auf dem Stationskreuzer „S.M.S. Seeadler“ in Ostafrika, 1899–1901 gehörte er dem Ostasiengeschwader an und nahm an der Niederschlagung des „Boxer“Aufstands teil. 1901 in die Zentralabteilung des Reichsmarineamts kommandiert (bis 1906), gewann T. schnell das Vertrauen von Admiral Alfred v. Tirpitz (1849–1930), dessen Politik er nachdrücklich unterstützte. Nach Bordkommandos (1909 Fregattenkpt. u. ksl. Flügeladjutant) war T. 1910–13 Abteilungschef im wichtigen Marinekabinett, bevor er zurück in die Hochseeflotte wechselte. Als Kommandant des Linienschiffs „Kaiser“ nahm er 1913/14 an einer politisch wichtigen Südamerikareise teil.

    Nach Kriegsausbruch beteiligte sich T. an den Operationen gegen die engl. Ostküste. Seit Jan. 1916 Chef des Stabs der Hochseeflotte, plante er die Operation, die – unbeabsichtigt – die Schlacht im Skagerrak zur Folge hatte. Stets ein politisch denkender Marineoffizier, unterstützte T. Forderungen nach einer energischeren Kriegführung zur See sowie einer Zusammenfassung der miteinander konkurrierenden Stellen der Marine. Erst im Sommer 1918 gelang unter Führung von Admiral Reinhard Scheer (1863–1928) die Errichtung einer einheitlichen Seekriegsleitung. Im Zuge dieser Veränderungen wurde T. Ende Okt. 1918 Chef des Marinekabinetts. Der von ihm geplante letzte Vorstoß der Hochseeflotte provozierte eine Meuterei, die den Sturz der Monarchie einleitete. T.s Ernennung zum Chef der Admiralität im März 1919 und im selben Jahr zum Vizeadmiral zeigte, daß er in der Umbruchphase – mangels Alternative – das Vertrauen der neuen Regierung besaß. Dieses verspielte er während des Kapp-Lüttwitz-Putsches, als er durch sein Verhalten Zweifel an der Treue der Marine zur Weimarer Reichsverfassung aufkommen ließ. Nach der Niederschlagung des Putsches mußte er seinen Abschied nehmen.

    Danach hielt T. Kontakt zum gestürzten Kaiser in Doorn, engagierte sich u. a. in der ev. Kirche und in Vereinigungen der Sudeten- und Auslandsdeutschen, war Mitglied des Reichstagsausschusses zur Untersuchung der Ursachen des Zusammenbruchs sowie (seit 1921) Vorsitzender nationalkonservativer Vereinigungen zur Erziehung der Jugend. Trotz mancher Differenzen arrangierte T. sich schnell mit dem NS-Regime, das ihn mit Ehrungen überhäufte. Seine Beisetzung im Okt. 1940 erfolgte nach einem Staatsakt im Beisein Hitlers.

    T. war ein typischer Repräsentant wilhelminischen Weltmachtstrebens. Als treuer Anhänger von Tirpitz verteidigte er dessen Politik vor und nach 1918 gegen jede Kritik. Seine Rolle im Kapp-Lüttwitz-Putsch ist umstritten, seine Nähe zum NS-Regime typisch für das Verhalten vieler Angehöriger der alten Eliten. Eine Biographie, die seiner Persönlichkeit gerecht wird, ist ein Desiderat.|

  • Auszeichnungen

    A Roter Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub u. Schwertern; Kronen-Orden II. Kl.; E. K. II. (1914) u. I. Kl.; Rr.kreuz d. Kgl. Hausordens v. Hohenzollern mit Schwertern; Pour le Mérite (1916); preuß. Dienstauszeichnungskreuz; Offz.kreuz d. bayer. Mil.verdienstordens; Ehrenkreuz d. Greifenordens; meckl. Mil.verdienstkreuz II. u. I. Kl.; Friedrich-AugustKreuz II. u. I. Kl.; Komtur d. Friedrichs-Ordens; preuß. Staatsrat (1933); Leiter d. Reichsbundes Dt. Seegeltung (1934); Ehrenführer d. Marine-Hitler-Jugend (1935); Goldenes Parteiabzeichen d. NSDAP (1938); Admiral (1939); Domherr, schließlich Vors. (1939) d. Domkap. in Brandenburg.

  • Werke

    W Der Organismus d. Ksl. Marine u. d. Weltkrieg, 1930;
    Admiral Scheer, Der Sieger v. Skagerrak, 1933;
    Großadmiral v. Tirpitz, Flottenbau u. Reichsgedanke, 1933;
    Die Einheit d. Dt.tums u. d. Weltmeer, 1934;
    Seegeltung, Weltgeltung, Gedanken e. Admirals, 1940;
    Großdtld. u. d. Seegeltung, in: Marinetb. Dt. Seefahrt, 1941, S. 8–14;
    Die Entwicklung d. Waffen u. ihr Einfluß auf d. Seekriegführung, ebd., S. 27–32; A. v. T.s jugenderzieher. Wirken in d. J. 1921–1933, hg. v. B. v. Bargen, 1957.

  • Quellen

    Qu privater Nachlaß: Depositum im Niedersächs. HStA in Bückeburg (Dep. 18); dienstl. Nachlaß: BA, Mil.archiv Freiburg; zahlr. wichtige Korr. ebd. in d. Nachlässen A. v. Tirpitz u. Magnus v. Levetzow; Großdt. Wollen, Aus d. Lebenserfahrungen e. Seeoffz. v. Vizeadmiral v. T., 1924 (P); Volkstum u. Staatsführung, Briefe u. Aufzz. aus d. J. 1915–1920, 1928; Admiral v. T., Persönliches, Briefe, Reden u. Aufzz. 1920–1937, ausgew. u. hg. v. B. v. Bargen, 1938 (P).

  • Literatur

    L Aus Anlaß d. 70. Geb.tages v. Vizeadmiral Staatsrat A. v. T. seinen Freunden gewidmet v. Reichsbund Dt. Seegeltung, 1938;
    T. Dorn, Admiral A. v. T. z. Gedenken, 1965 (P);
    V. R. Berghahn, Der Tirpitz-Plan, Genesis u. Verfall e. innenpol. Krisenstrategie unter Wilhelm II., 1971;
    H. Schuberth, Admiral A. v. T. (1868–1940), Ein Versuch z. hist.-psychol. Biographik, Diss. Freiburg 1976;
    W. Rahn, Reichsmarine u. Landesverteidigung 1919–1928, 1976;
    M. Epkenhans, Die wilhelmin. Flottenrüstung 1908–1914, 1991;
    A. Hopman, Das ereignisreiche Leben e. „Wilhelminers“, Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen 1901–1920, hg. v. M. Epkenhans, 2004;
    Lilla, Preuß. Staatsrat; – zur Fam.: Gotha. Geneal. Tb. d. Adeligen Häuser, Dt. Uradel, 1923, S. 266

  • Autor/in

    Michael Epkenhans
  • Empfohlene Zitierweise

    Epkenhans, Michael, "Trotha, Adolf von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 456-457 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880278X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA