Lebensdaten
um 1425 - 1485
Geburtsort
Amberg
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Kanoniker ; Jurist ; frühhumanistischer Gelehrter ; Domherr in Regensburg
Konfession
-
Normdaten
GND: 115478140 | OGND | VIAF: 742945
Namensvarianten
  • Troster, Johann
  • Tröster, Johannes
  • Troster, Johann
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Tröster, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115478140.html [16.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann ( v. 1465), Bürger in A.;
    M Anna N. N. ( n. 1465); Verwandter Johann(es) Mendel (auch: Mandl) ( 1482), Frühhumanist, eichstätt. Kanzler (s. Vf.-Lex. MA2).

  • Leben

    Im Okt. 1442 immatrikulierte sich T. an der Univ. Wien und wurde im Jan. 1445 zur Bakkalaureatsprüfung zugelassen. Um 1450 wurde er unter Kaspar Wendel ( n. 1459) als zweiter Lehrer für den jungen Kg. Ladislaus Postumus von Böhmen und Ungarn (1440–57) am Hofe seines Vormunds, des röm. Kg. Friedrich III. (1415–93), verpflichtet. Hier fand T. Anschluß an den humanistischen Freundeskreis des Enea Silvio Piccolomini (1405–64) und wurde einer der ersten dt. Schüler des späteren Papstes Pius II. Dieser zog T. 1451 zur Erziehung seines Neffen Francesco Todeschini Piccolomini (1439– 1503), des späteren Papstes Pius III., heran. Als Lehrer von Ladislaus nahm T. 1452 am ersten Italienzug und der Kaiserkrönung Friedrichs III. teil und kopierte in der Bibliothek von Papst Nikolaus V. humanistische Handschriften. Wegen des Verdachts, ebenso wie Wendel in den gescheiterten Fluchtversuch Kg. Ladislaus’ verwickelt zu sein, verlor T. noch im selben Jahr seine Stellung am Hof. In den folgenden Jahren hielt er sich zumeist in seiner Pfarrei Burgschleinitz (b. Horn, Niederösterr.) auf, die er bereits vor Dez. 1452 innehatte.|Durch literarische Tätigkeit bemühte sich T. um seine Rehabilitierung. Der „Dialogus de remedio amoris“, einer der „frühesten literarischen Versuche des deutschen Humanismus“ (F. J. Worstbrock), sollte den ksl. Sekretär Wolfgang Forchtenauer ( 1495) und weitere Räte aus dem Humanistenkreis am ksl. Hof günstig stimmen. In Anlehnung an die antike Komödie werden in einem Gespräch zwischen dem liebeskranken Philostratus (Forchtenauer) und dem als Eudion figurierenden Autor verschiedene Personen des Humanistenkreises am ksl. Hof zitiert. Von Piccolomini erhielt T. 1454 eine Reihe von Verbesserungen, so daß der „Dialogus“ in zwei von einander abweichenden Redaktionen überliefert ist und in einigen Handschriften als Werk Piccolominis bezeichnet wird.

    Auf Empfehlung von Piccolomini trat T. 1454 in die Dienste des ungar. Humanisten Johannes Vitéz (1408–72), Bischof von Großwardein und Kanzler des Kgr. Ungarn. Im Sept. und Okt. 1454 in Prag nachzuweisen, wechselte er 1457, wiederum von Piccolomini empfohlen, in salzburg. Dienste. In einem regen Briefwechsel informierte T. seinen zum Kardinal aufgestiegenen Förderer über politische Angelegenheiten in Deutschland und Ungarn.

    Mit Piccolominis Wahl zum Papst 1458 erhielt der inzwischen zum Priester geweihte T. einige Pfründen. Die Pfarrei Burgschleinitz hatte er schon 1453 mit H ornburg in Kärnten (heute Klein St. Paul b. St. Veit/Glan) vertauscht, 1460 kam die Pfarrei Taxenbach bei Zell am See hinzu; Pius II. übertrug T. die Propstei Mattsee bei Salzburg, die zuvor der zum Bischof von Regensburg gewählte Heinrich von Absberg ( 1492) innegehabt hatte. Unter dem Nachfolger Paul II. erhielt T. durch Tausch 1465 ein Domkanonikat in Regensburg. Hier schlug er seinen Hauptwohnsitz auf, reiste aber wiederholt nach Italien, wo er Bücher erwarb und mit Kard. Francesco Todeschini Piccolomini Kontakte pflegte. Von Mai 1468 bis Okt. 1470 ist T. an der Univ. Padua nachweisbar, wo er Kirchenrecht studierte und den Doktorgrad erlangte. Seine Bibliothek umfaßte neben jur. und humanistischer Literatur fast alle Gebiete des damaligen Wissens. Nachdem er 1481 und 1483 zwei Schlaganfälle erlitten hatte, verteilte er seine Sammlung: Ein beachtlicher Teil ging an die neue Univ. Ingolstadt und bildete den Grundstock für die Bibliothek der Artistenfakultät; weitere Bände erhielten das Benediktinerkloster Tegernsee, das AugustinerChorherrenstift Rebdorf bei Eichstätt, die Dombibliothek in Regensburg und die Stadtbibliothek in Amberg sowie T.s Freund Dr. Johann(es) Pirckheimer (1440–1501) in Nürnberg. T.s bedeutende Bibliothek ist heute über europ. Sammlungen, u. a. in Bamberg, Klosterneuburg, Kopenhagen, London, München, Paris, St. Pölten, St. Petersburg, Stuttgart und Wien, verstreut.

  • Quellen

    Qu Urk. d. Stadt Amberg v. 1. 7. 1465 (Bfl. Zentralarchiv Regensburg).

  • Werke

    W Dialogus de remedio amoris, quae ex codicibus manuscriptis collegit Raimundus Duellius (…), Bd. 1, Augsburg u. Graz 1723, S. 228–45; H. Rupprich, Die Frühzeit d. Humanismus u. d. Renaissance in Dtld., 1938, S. 182–97 (kontaminierter Text).

  • Literatur

    L P. Lehmann, Dr. J. T., Ein humanist. gesinnter Wohltäter bayer. Bücherslgg., in: HJb. 60, 1940, S. 646–63, erg. erneut in: ders., Erforsch. d. MA, IV, 1961, S. 336–52;
    G. Braungart, De Remedio Amoris, Ein Motiv u. seine Traditionen v. d. Antike bis Enea Silvio Piccolomini u. J. T., in: AKG 62/63, 1980/81, S. 11–28;
    F. Fuchs, Erkenntnisfortschritte durch Hss.katalogisierung am Bsp. d. Faches „Gesch. d. MA“, in: Katalogisierung ma. Hss. in internat. Perspektive, hg. v. d. Bayer. Staatsbibl., 2007, S. 1–13;
    ders., Frühhumanismus in Amberg, in: Aus Ammenberg wird Amberg, Hist. Vortrr. aus 975 J. Amberger Gesch., hg. v. J. Laschinger, 2010, S. 90–103 (Qu);
    B. Knorr, Zum Erkenntniswert d. ma. Epigraphik, Ein Regensburger Domherr u. Stiftspropst in Mattsee, in: Tassilo III. v. Bayern, Großmacht u. Ohnmacht im 8. Jh., hg. v. L. u. Ch. Rohr, 2005, S. 237–51;
    D. L. Sheffler, Schools and Schooling in Late Medieval Germany, Regensburg, 1250–1500, 2008, S. 340 f. u. 416;
    M. Cortesi, Zur Bücherslg. d. J. T. ( 1485), in: Pirckheimer-Jb. f. Renaissance- u. Humanismusforsch. 23, 2008, S. 217–31;
    M. Schuller-Juckes, Johannes T. als früher Auftraggeber d. Salzburger Buchkünstlers Ulrich Schreier, ebd., S. 233–39;
    E. R. Szilágyi, Ajánlás bécsi módra, Enea Silvio Piccolomini ajánlólevele J. Trösterről Vitéz Jánosnak 1454 nyarán, in: Ghesaurus, Tanulmányok Szentmártoni Szabó Géza hatvanadik születésnapjára, hg. v. R. I. Csörsz, 2010, S. 125–32;
    dies., Antikvitás egy korai humanista műben, J. T., Dialogus de remedio amoris, in: Ókor 11, 2012, S. 37–43;
    M. Schuh, Aneignungen d. Humanismus, Institutionelle u. individuelle Praktiken an d. Univ. Ingolstadt im 15. Jh., 2013, bes. S. 130–44;
    F. J. Worstbrock, in: Vf.-Lex. MA2.

  • Portraits

    P Konturbildnis auf Grabplatte aus rotem Marmor (Regensburg, Domkreuzgang), Abb. in: Die Inschrr. d. Stadt Regensburg II, Der Dom St. Peter (1. T. bis 1500), Gesammelt u. bearb. v. W. Knorr u. a., 2008, Abb. 109, hierzu Kat.nr. 280, S. 192 f

  • Autor/in

    Franz Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Franz, "Tröster, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 436-437 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115478140.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA