Wrede, William

Lebensdaten
1859 – 1906
Geburtsort
Bücken (Grafschaft Hoya, Hannover)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Professor in Breslau
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118807951 | OGND | VIAF: 44308817
Namensvarianten

  • Wrede, Friedrich Georg Eduard William
  • Wrede, William
  • Wrede, Friedrich Georg Eduard William

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Wrede, William, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118807951.html [27.01.2026].

CC0

  • Wrede, Friedrich Georg Eduard William

    | evangelischer Theologe, * 10.5.1859 Bücken (Grafschaft Hoya, Hannover), † 23.11.1906 Breslau, ⚰ Breslau, Salvatorfriedhof.

  • Genealogie

    V Friedrich Heinrich Ernst (1816–1887), 1855 Rektor u. Kantor an d. Knabenschule in Bücken, seit 1862 Pastor in Fredelsloh, seit 1872 in Groß-Freden, S d. Carl Heinrich, Bäckermeister in Celle, u. d. Sophie Christiane Detmering;
    M Marie Margarethe Justine (1822–1887), T d. Conrad Heinrich Grütter, Kaufm., u. d. Marie Catharine Magdalene Fricke, aus Walsrode;
    1 B Adolf (1860–1908), Hist., 1887 Mitarb. d. RTA JR, 1894 ao., 1907 o. Mitgl. d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (s. HV 11, 1908, S. 296; W);
    Göttingen 1893 Elisabeth (1870–1955), T d. Hermann Schultz (1836–1903), o. Prof. f. ev. Theol., 1864 in Basel, 1872 in Straßburg, 1874 in Heidelberg, 1876 in Göttingen (s. BJ VIII; RE; Drüll, Heidelberger Gel.lex. I; BBKL 17; NDB VI* u. 23*), u. d. Antonie Auguste Lorentzen (1836–1878);
    kinderlos;
    Schwager Julius Schultz (1862–1936), Philos., 1888–1927 Oberlehrer am Sophien-Realgymn. in Berlin (s. Die Philos. d. Gegenwart in Selbstdarst., hg. v. R. Schmidt, Bd. 3, 1922, S. 177–98; NDB 23*), Hermann Schultz (1881–1915 ⚔, Annemarie N. N.), Klass. Philol., PD in Göttingen (s. NDB 23*).

  • Biographie

    Aufgewachsen in einem luth. Pfarrhaus, wurde W. von seinem Vater auf den Besuch des Gymnasiums in Celle (seit 1874) vorbereitet.

    Im Anschluß an das Abitur 1877 studierte er bis 1879 ev. Theologie in Leipzig, danach in Göttingen. Durch Adolf v. Harnack (1851–1930) für die Theologie Albrecht Ritschls|(1822–89) gewonnen, prägte ihn theologisch neben Paul de Lagarde (1827–91) und seinem späteren Schwiegervater Hermann Schultz v. a. Albert Eichhorn (1856–1926). Nach dem 1. theol. Examen 1881 lehrte W. an einer Privatschule und absolvierte die prakt.-theol. Ausbildung am Predigerseminar in Loccum. 1884–86 war er Inspektor des Theol. Stifts in Göttingen. Die anschließende Pfarrstelle in Langenholzen gab er 1889 auf, um seine als Habilitationsschrift anerkannte Licentiatenarbeit „Untersuchungen zum Ersten Klemensbriefe“ (1891) anzufertigen. 1893 wurde W. ao., 1895 o. Professor für Neutestamentliche Theologie in Breslau.

    W.s Programmschrift „Über Aufgabe und Methode der sogenannten Neutestamentlichen Theologie“ (1897) ist für die neutestamentliche Wissenschaft bis heute grundlegend. In ihr forderte er die Ablösung der von der „Methode der Lehrbegriffe“ bestimmten Theologie des Neuen Testaments durch eine Religionsgeschichte des Urchristentums. In „Das Messiasgeheimnis in den Evangelien“ (1901, ⁴1969, engl. 1971) führte W. die im Markusevangelium begegnende Anschauung, Jesus habe zu seinen Lebzeiten seine Messianität verhüllt, auf die frühchristliche Gemeinde zurück. Weitere geplante Untersuchungen zur Beantwortung der Frage, ob Jesus sich für den Messias gehalten hat, wurden durch W.s Tod verhindert. Zum Thema erschien noch die erweiterte Druckfassung des Vortrags „Jesus als Davidssohn“ (1904), in dem W. die davidische Abstammung Jesu nicht auf geschichtliche Tradition, sondern auf nachösterliche Christologie zurückführte.

    Zu einem Klassiker der Paulusforschung wurde W.s „Paulus“ (1904, ²1907, Nachdr. in: Das Paulusbild in d. neueren dt. Forsch., hg. v. K. H. Rengstorf, 1964, ³1982, S. 1–97, schwed. 1906, engl. 1907, Nachdr. 1962). In diesem Buch, das in Fachkreisen und bei Laien ein lebhaftes Echo hervorrief, beurteilte W. die Rechtfertigungslehre als paulinische Kampfeslehre und erklärte Paulus zum „zweiten Stifter des Christentums“. Damit antizipierte er Positionen der sog. „New Perspective on Paul“, wie sie in den 1980er Jahren entwickelt wurden. Auch W.s weitere Publikationen sind heute noch von Bedeutung, v. a. „Charakter und Tendenz des Johannesevangeliums“ (1903) mit einer nahezu erschöpfenden Charakteristik des vierten Evangeliums, „Die Echtheit des zweiten Thessalonicherbriefs untersucht“ (1903) mit einem minutiösen Nachweis der literarischen Abhängigkeit des 2. vom 1. Thessalonicherbrief und „Das literarische Rätsel des Hebräerbriefs“ (1906) mit einer präzisen formgeschichtlichen Analyse.

  • Auszeichnungen

    |Dr. theol. h. c. (Göttingen 1895);
    Dr. phil. h. c. (Greifswald 1906).

  • Werke

    Weitere W Ll. v. 3.9.1884, in: G. Lüdemann u. M. Schröder (Hg.), Die Rel.geschichtl. Schule in Göttingen, Eine Dok., 1987, S. 106–08;
    Thesen z. Erlangung d. theol. Lizentiatenwürde (21.2.1891), in: H. Renz u. F. W. Graf (Hg.), Troeltsch-Stud. 1, 1982, S. 301 f.;
    Über Aufgabe u. Methode der sog. Neutestamentl. Theol., 1897, Nachdr. in: G. Strecker (Hg.), Das Problem d. Theol. d. NT, 1975, S. 81–154, engl.: The Task and Methods of „New Testament Theology“, in: R. Morgan (Hg.), The Nature of New Testament Theology, The Contribution of W. W. and Adolf Schlatter, 1973, S. 68–116 u. 182–93;
    Zum Gedächtnis Bismarcks, Rede b. d. Bismarck-Feier d. Schles. Bismarck-Ver. am 1. April 1905, 1905;
    Das lit. Rätsel d. Hebräerbriefs, Mit e. Anh. über d. lit. Charakter d. Barnabasbriefes, 1906;
    Die Entstehung d. Schrr. d. NT, Vortr., 1907, engl. 1909;
    Vortrr. u. Stud., hg. v. Adolf Wrede, 1907;
    Ges. theol. Stud., 2 Bde., hg. u. eingel. v. W. Zager, 2002;
    Bibliogr.: G. Strecker, W. W., 1960 (s. L), S. 88–91.

  • Literatur

    |A. Schweitzer, Von Reimarus zu W., Eine Gesch. d. Leben-Jesu-Forsch., 1906, S. 327–95;
    ders., Gesch. d. Leben-Jesu-Forsch., ²1913, ⁹1984, S. 382–401;
    H. Lietzmann, in: Biogr. Jb. f. d. Altertumswiss. 30, 1907, S. 104–10;
    K. Weidel, in: K. Lillge (Hg.), Chron. d. Wiss.-theol. Ver. zu Breslau in d. J. 1861–1911, 1911, S. 26–34;
    G. Strecker, W. W., Zur 100. Wiederkehr seines Geb.tages, in: Zs. f. Theol. u. Kirche 57, 1960, S. 67–91;
    W. Wiefel, Zur Würdigung W. W.s, in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 23, 1971, S. 60–83;
    H. Räisänen, Das „Messiasgeheimnis“ im Markusevangelium, Ein red.krit. Versuch, 1976;
    ders., Beyond New Testament Theology, A Story and a Programme, 1990;
    H. Rollmann, Paulus alienus, W. W. on Comparing Jesus and Paul, in: From Jesus to Paul, FS F. W. Beare, hg. v. P. Richardson u. J. C. Hurd, 1984, S. 23–45;
    ders., From Baur to W., The Quest for a Hist. Method, in: Studies in Rel. 17, 1988, S. 443–54;
    ders., W. W., Albert Eichhorn, and the „Old Quest“ of the Hist. Jesus, in: D. J. Hawkin u. T. Robinson (Hg.), Self-Definition and Self-Discovery in Early Christianity, 1990, S. 79–99;
    ders., in: Dict. of Biblical Interpretation, hg. v. J. H. Hayes, Bd. 2, 1999, S. 659–61;
    ders. u. W. Zager (Hg.), Unveröff. Briefe W. W.s z. Problematisierung d. messian. Selbstverständnisses Jesu, in: Zs. f. Neuere Theol.gesch. 8, 2001, S. 274–322;
    ders., in: Dict. of Major Biblical Interpreters, hg. v. D. K. McKim, 2007, S. 1056–60;
    J. Schreiber, Wellhausen u. W., Eine method. Differenz, in: Zs. f. d. neutestamentl. Wiss. 80, 1989, S. 24–41;
    ders., W. W. als Aufklärer, in: Theol. u. Aufklärung, FS f. G. Hornig z. 65. Geb.tag, hg. v. W. E. Müller u. H. H. R. Schulz, 1992, S. 284–97;
    ders., W. W., Ein Neutestamentler als Prakt. Theologe, in: Fragmentar. Wb., Btrr. z. bibl. Exegese u. christl. Theol., H. Balz z. 70. Geb.tag, hg. v. K. Schiffner, K. Wengst u. W. Zager, 2007, S. 422–27;
    W. Zager, Begriff u. Wertung d. Apokalyptik in d. neutestamentl. Forsch., 1989, S. 150–56 u. 400–07;
    ders., in: TRE 36;
    |H. Wojtkowiak, in: B. Schröder u. H. Wojtkowiak (Hg.), Stiftsgeschichte(n), 250 J. Theol. Stift d. Univ. Göttingen (1765–2015), 2015, S. 141–53;
    P.-G. Klumbies, W. W.s ks.zeitl. Messiasgeheimnistheorie, in: ders., Das Markusevangelium als Erz., 2018, S. 175–90;
    RE;
    LThK2+3;
    RGG⁴;
    BBKL 14 (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);

  • Porträts

    |Photogrr. (Klosterarchiv Loccum;
    Univ.bibl. Göttingen, Slg. Voit;
    Archiv d. Rel.geschichtl. Schule in Göttingen), alle Abb. in: Lüdemann u. Schröder, Die Rel.geschichtl. Schule in Göttingen, 1987 (s. W), S. 90 u. 99.

  • Autor/in

    Werner Zager
  • Zitierweise

    Zager, Werner, "Wrede, Friedrich Georg Eduard William" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 515-517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118807951.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA