Lebensdaten
erwähnt 18.-20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Bankiers
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1143727185 | OGND | VIAF: 5508151052037933530000
Namensvarianten
  • Trinkaus

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Zitierweise

Trinkaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143727185.html [25.07.2021].

CC0

  • Leben

    Die Herkunft der Familie T. ist unklar. Ein Friedrich diente Ende des 18. Jh. als Hofmeister des Gf. zu Isenburg-Meerholz bei Gelnhausen (Hessen). Friedrich war verheiratet mit Katharina Elisabetha Jäger (1773–1856) aus Trarbach/Mosel. Der Sohn Christian Gottfried (1800–70) trat nach 1833 in Düsseldorf in die „Handlung C. G. Jäger“ seines Onkels Christian Gottfried Jäger (1760–1852) ein, der u. a. mit Farbstoffen für die rhein. Textilindustrie handelte. Jägers Handelsgeschäfte wurden zunehmend über Wechsel und Kredite abgewickelt; Christian Gottfried konzentrierte sich|v. a. auf dieses Geldgeschäft. Spätestens 1837 wurde er Teilhaber des Unternehmens. Als Jäger 1852 starb, erbte Christian Gottfried die Firma. Unter dem neuen Namen „C. G. Trinkaus“ baute er das Bankgeschäft aus. Sein Sohn Christian Gottfried (1843–91) trat 1864 als dritter Teilhaber neben seinem Vater und dem Prokuristen Wilhelm Pfeiffer (1828–1900) in das Unternehmen ein. Nach dem Tod Christian Gottfrieds senior 1870 und der Gründung des Dt. Reichs 1871 konzentrierte sich „C. G. Trinkaus“ endgültig auf das Bankgeschäft. Düsseldorf entwickelte sich zum Finanzzentrum des rhein.-westfäl. Industriegebiets, und „C. G. Trinkaus“ gehörte bald zu den wichtigsten Bankhäusern der Stadt. Eigenständig oder in größeren Konsortien versorgte die Bank die wachsende Industrie mit Kapital. Sie ging gestärkt aus der Bankenkrise der 1870er und 1880er Jahre hervor, als mit dem Vordringen der großen Aktienbanken zahlreiche Privatbanken untergingen. „C. G. Trinkaus“ konzentrierte sich dabei nicht nur auf Industriekredite und den Handel mit Aktien, Staatsanleihen oder Wechseln, sondern baute auch das Privatkundengeschäft kontinuierlich aus. Als Finanzierungsinstitut der Rhein-Ruhr-Industrie entwickelte sich das Bankhaus zu einer der stärksten Privatbanken Deutschlands.

    Nach dem frühen Tod von Christian Gottfried junior 1891 und dem Tod des Kommerzienrats Wilhelm Pfeiffer 1900 führten Christians Sohn Max (1866–1929) sowie Pfeiffers Sohn Wilhelm Pfeiffer (1861–1934) das Bankhaus. Die Herausforderungen waren für die Privatbank angesichts der Konkurrenz der großen Aktienbanken sowie der Sparkassen und Genossenschaftsbanken beträchtlich. Unter der Führung von Max und Pfeiffer war die Bank an der Finanzierung zahlreicher industrieller Großprojekte und Firmenfusionen beteiligt, etwa bei der Gründung und Entwicklung der „Industrieterrain Düsseldorf-Reisholz AG“, die die Ansiedlung von Henkel und ca. 50 weiteren bedeutenden Industriebetrieben in Düsseldorf erreichte.

    Da der Wettbewerbsdruck durch die großen Aktienbanken im Verlauf des 1. Weltkriegs deutlich anstieg, außerdem der kinderlose Max 1915 einen Schlaganfall erlitt, stieg 1916 die „Deutsche Bank AG“ bei „C. G. Trinkaus“ ein und übernahm 1921 die Führung. Max und Wilhelm Pfeiffer blieben persönlich haftende Gesellschafter und saßen im Aufsichtsrat der „Deutschen Bank“, ihr Bankhaus war nun aber kaum mehr als eine Filiale der „Deutschen Bank“. Mit dem Tod Max’ 1929 war die Ära T. beendet, auch wenn der Name der Bank bis heute bestehen blieb. Das Bankhaus „C. G. Trinkaus“ erfuhr seitdem zahlreiche Änderungen in der Eigentümerstruktur. Nach einer Fusion mit dem Bankhaus „E. W. Engels“ 1930 sank der Einfluß der „Deutschen Bank“ zugunsten einer wachsenden Zahl an persönlich haftenden Gesellschaftern. 1972 fusionierte die Bank mit dem Essener Bankhaus „Burkhardt & Co.“ zum Bankhaus „Trinkaus & Burkhardt“. Gleichzeitig stieg die „Citibank“ ein, übernahm 1974 die Mehrheit an der Bank und verkaufte 1980 ihre Anteile an die engl. „Midland Bank“, die 1992 von der „HSBC Holding plc“ übernommen wurde. Seitdem firmiert das Düsseldorfer Bankhaus unter dem Namen „HSBC Trinkaus & Burkhardt“.

    Die Familie T. wirkte auf vielfältige Weise für die Stadt Düsseldorf. Christian Gottfried senior war seit 1848 Mitglied im Präsidium der Handelskammer, sein Sohn gehörte 1874 zu den Gründern der Düsseldorfer Börse. Er initiierte u. a. 1880 die Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeausstellung. Dieses Engagement setzte sein Sohn Max fort, der zu den Organisatoren der bedeutenden Gewerbe- und Kunstausstellung von 1902 gehörte. 1904 engagierte er sich für die Gründung des Düsseldorfer Schauspielhauses, dem er bis zu seinem Tod verbunden blieb. 1912 war Max der einzige Bankier unter den Gründern des Düsseldorfer Industrie-Clubs, einem „Treffpunkt der Eliten“ von überregionaler Bedeutung. 1918 bestellte ihn die Düsseldorfer Börse zum Vorsitzenden. 1917 schloß sich Max der nationalkonservativen Deutschen Vaterlandspartei an, nach dem Krieg wurde er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei.

  • Auszeichnungen

    A zu Christian Gottfried sen.: KR (1859); – zu Christian Gottfried jun.: preuß. Kronenorden IV. Kl. (1880); – zu Max: KR.

  • Quellen

    Qu Firmenarchiv „HSBC Trinkaus & Burkhardt“, darin besonders: Hauptbücher d. Handlung C. G. Jäger; StadtA Düsseldorf, versch. Bestände; Landesarchiv Düsseldorf, Bestand 13618; Geschäftsberr. d. Dt. Bank.

  • Literatur

    L J. Wilden, 150 J. C. G. T., 1935;
    ders., C. G. T., 1785–1950, 1950;
    175 J. C. G. T., 1960 (P zu Christian Gottfried, S. 25, Christian Gottfried jun., S. 57, Max, S. 81);
    HSBC Trinkaus & Burkhardt AG (Hg.), Den Werten verpflichtet, 225 J. HSBC T., 1785–2010, 2010 (P zu Christian Gottfried, S. 39, Max, S. 65).

  • Autor/in

    Severin Roeseling
  • Empfohlene Zitierweise

    Roeseling, Severin, "Trinkaus" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 421-422 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143727185.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA