Lebensdaten
1901 bis 1943
Geburtsort
Schwäbisch-Hall
Sterbeort
Berlin-Nikolassee
Beruf/Funktion
Zeitungswissenschaftler ; Filmwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117405280 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Traub, Hans Karl Theodor
  • Traub, Hans
  • Traub, Hans Karl Theodor
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Zitierweise

Traub, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117405280.html [31.05.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried (s. 1);
    M Elma Heinersdorff;
    Potsdam 1930 Hedwig (später Viege) (1910–96, 2] 1952 Pierce Cransto[u]n Ommanney, * 1918, 1955 Gründer u. Dir. d. Psychological Guidance Center in Anaheim, Prof. f. klin. Psychol. an d. Univ. of Madison, am Brooklyn College, an d. Northwestern Univ. u. an d. William Lyons Univ., Autor u. Regisseur v. Lehrfilmen in Los Angeles, Kalifornien, USA, s. Who’s who in California, 20 1991), aus Breslau, Dr. phil., Journ. (s. W), T d. Wilhelm v. Grolman (1868–1915 Frankr.), Oberstlt., u. d. Frida v. Naso (1881–n. 1941), aus Stettin;
    S Volker (* 1932), Gottfried (Bruce) (* 1939), T Christiane (* 1933);
    Gvv d. Ehefrau Ernst v. Grolman (1832–1904), preuß. Gen. d. Inf. (s. Priesdorff X, S. 482–84, Nr. 3340).

  • Leben

    T. besuchte seit Ostern 1911 das Biographien Dortmunder Stadtgymnasium am Wall. Wegen einer 1918 zugezogenen Blutvergiftung militär- und sportuntauglich geschrieben, nahm er wie sein Vater im März 1920 aktiv an den Geschehnissen des antirepublikanischen „KappLüttwitz-Putsches“ im Raum Dortmund teil. Nach dem Abitur Ostern 1920 immatrikulierte er sich in Marburg zunächst für Medizin, dann für Geschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft. 1921 folgte er dem Vater nach München, der dort Hugenbergs nationale „München-Augsburger Abendzeitung“ leitete, und setzte hier sein Studium fort; gleichzeitig arbeitete er als Journalist an der väterlichen Zeitung wie an den von diesem herausgegebenen „Eisernen Blättern“ mit. 1922/23 bayer. Zeitfreiwilliger, war T. in den HitlerLudendorff-Putsch im Nov. 1923 verwickelt. Nach der Promotion zum Dr. phil. 1925 bei Michael Doeberl (1861–1928) in München und zwei Volontariaten begann er auch schriftstellerisch zu arbeiten. 1926 wurde T. von Martin Mohr (1867–1927), dem Leiter des im Aufbau befindlichen Dt. Instituts für Zeitungskunde, als Assistent nach Berlin geholt, wo er v. a. zeitungshistorische und archivalische, aber auch leitende Aufgaben als Referent übernahm. Von Mohrs Nachfolger Emil Dovifat (1890–1969) gefördert, machte er sich mit Vorträgen, zeitungshistorischen Kursen, Film-Arbeitsgemeinschaften, Tagungs- und Rundfunkbeiträgen einen Namen als Zeitungswissenschaftler. Nach einer Habilitation über „Grundbegriffe des Zeitungswesens“ an der Univ. Greifswald 1932 hatte T. dort eine Privatdozentur inne. Auch nach 1933 trat er für eine allgemeine Medienerziehung an Schulen ein. Die von ihm verantwortete Rubrik „Randgebiete: Film und Rundfunk“ in dem Periodikum „Zeitungswissenschaft“ (zw. 1934 u. 1936) bietet noch heute wertvolle filmhistorische Informationen; seinen mitteilungstheoretischen Ansatz zur Erweiterung der Zeitungswissenschaft um die Ausdrucksmöglichkeiten von Rundfunk und Film konnte er jedoch nicht mehr weiterentwickeln, nachdem ihm im Juli 1937 als „Mischling zweiten Grades“ die Lehrbefugnis entzogen wurde. Die weitere Verfolgung T.s, der Mitglied der Bekennenden Kirche war und Kontakt zu Martin Niemöller unterhielt, blieb aber – anders als bei seinem Bruder Hellmut – gemäßigt. Anfang Okt. 1938 wurde er in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen.

    Neben seiner universitären Lehrverpflichtung seit Ende 1932 auch in Diensten der Ufa, gelang es T. unter Protektion des Generaldirektors Ludwig Klitzsch (1881–1954), eine mustergültige wissenschaftliche Lehr- und Ausbildungsstätte zu organisieren: die Anfang 1936 in Babelsberg der Fachöffentlichkeit übergebene „Ufa-Lehrschau“. Zusammen mit Hanns Wilhelm Lavies (1908–2000) entstand unter Heranziehung v. a. der Lehrschau-Bestände 1940 die Bibliographie „Das dt. Filmschrifttum“ – ohne Nennung jüd. Autoren und von Werken über jüd. Künstler. Seit 1941 arbeitete T. an einem „Wörterbuch des Films“, dessen kriegsbedingt fragmentarisch überlieferte Druckfahnen von außergewöhnlichen Kenntnissen und vorbildlicher Definition zeugen. Übergeordnetes Ziel seiner Arbeit in der Lehrschau war die Suche nach Möglichkeiten zur Herabsetzung der Filmherstellungskosten. Zugleich aber bildete die Einrichtung mit ihren Sammlungen, Archiven, filmwissenschaftlich und -wirtschaftlich ausgerichteten Büchereien und Vermittlungstätigkeiten eine frühe und führende Anlaufstelle für filmwissenschaftliche Aktivitäten, deren Besucherzahl beständig anstieg.

    Nach T.s frühem Tod geriet sein Werk zunächst in Vergessenheit. Die Fülle seiner forschungstheoretischen Ansätze wird seit 1984 für die Zeitungswissenschaft, seit kurzem auch für die Filmwissenschaft kritisch aufgearbeitet.

  • Werke

    W Die Augsburger Abendztg. u. d. Rev. im J. 1848, Ein Btr. z. bayer. Rev.gesch., 1925 (Diss.);
    Ztg.wesen u. Ztg.lesen, 1928;
    Lessings Anteil am period. Schrifttum seiner Zeit, 1929;
    Wege z. Dt. Inst. f.|Filmkde. [um 1932/33] (mit O. Kalbus);
    Ein Standortskat. wichtiger Ztg.bestände in dt. Bibliotheken, 1933, Nachdr. 1974;
    Der Film als pol. Machtmittel, 1933;
    Ztg., Film, Rundfunk, Die Notwendigkeit ihrer einheitl. Betrachtung, 1933 (erweiterte Antrittsvorl. Greifswald), Nachdr. in: Medientheorie 1888–1933, Texte u. Kommentare, hg. v. A. Kümmel u. P. Löffler, 2002, S. 485–508;
    Grundbegriffe d. Ztg.wesens, Krit. Einf. in d. Methode d. Ztg.wiss., 1933;
    Wohin gehört d. Filmkde.?, in: Lichtbild-Bühne, Nr. 299, 20. 12. 1933;
    Als man anfing zu filmen, Ein geschichtl. Abriß über d. Entstehung d. Films, 1934;
    Aktenauszüge über Filmpropaganda während d. Weltkrieges unter bes. Berücksichtigung d. Feindpropaganda u. d. Organisationen v. Bufa, Deulig u. Ufa, 1938;
    Als man anfing zu filmen, Die Erfindung d. Kinematographie u. ihrer Vorläufer, 1940;
    Das dt. Filmschrifttum, Eine Bibliogr. d. Bücher u. Zss. über d. Filmwesen, 1940 (mit H. W. Lavies);
    Die Ufa-Lehrschau, Der Weg d. Films v. d. Planung bis z. Vorführung, 1941 (mit F. Frhr. v. Steinaecker);
    Fünf J. Lehrschau in Babelsberg, in: Filmwoche, Nr. 10, 1941;
    Die UFA, Ein Btr. z. Entwicklungsgesch. d. dt. Filmschaffens, 1943 (Hg.);
    Die UfaLehrschau, Gesch. – Gestalt – Bedeutung, in: Der dt. Film 1943/44, Kl. Film-Hdb. f. d. Dt. Presse, 1943;
    Teilnachlässe: Dt. Kinemathek, Berlin;
    BA Berlin;
    Inst. f. Ztg.forsch., Dortmund;
    zu Hedwig: Die Verflechtung d. publizist. Führungsmittel „Zeitung“ u. „Film“ u. ihre soziol. Wechselwirkungen, Diss. München 1945.

  • Literatur

    L [A.] Narath, in: Kinotechnik u. Filmtechnik, H. 1–2, 1944, S. 16;
    Nat.-Ztg., 18. 1. 1944;
    -at. [= E. Dovifat], in: Ztg.wiss. (Berlin), 19. Jg., 1944, Nr. 9/10, S. 275 f.; F. Biermann, H. T., in: A. Kutsch (Hg.), Ztg.wissenschaftler im Dritten Reich, 1984, S. 45–78 (Auswahlbibliogr.);
    L. Hachmeister, Theoret. Publizistik, 1987; J. Heuser, Ztg.wiss. als Standespol., Martin Mohr u. d. „Dt. Inst. f. Ztg.kde.“ in Berlin, 1994;
    St. Averbeck, Kommunikation als Prozess, Soziolog. Perspektiven in d. Ztg.wiss. 1927–1934, 1999, S. 355–413 (L); dies., H. T. (1933), Grundbegriffe d. Ztg.wesens, in: Ch. Holtz-Bacha u. a. (Hg.), Schlüsselwerke f. d. Kommunikationswiss., 2002, S. 429–31; C. Zimmermann, Filmwiss. im NS, Anspruch u. Scheitern, in: A. Kohnle u. F. Engehausen (Hg.), Zw. Wiss. u. Pol., 2001, S. 203–17; H. Starkulla, Wie H. T. z. Ztg.wiss. kam, in: U. Nawratil (Hg.), Medien u. Mittler soz. Kommunikation, FS f. Hans Wagner, 2002, S. 155–75; K. Beck, Ztg. als anonyme Wechselbeziehung, Der Btr. H. T.s z. Entwicklung v. d. Ztg.- z. Kommunikationswiss., in: Hist. u. systemat. Kommunikationswiss., hg. v. St. AverbeckLietz, P. Klein u. M. Meyen, 2009, S. 197–213; J. Haase, Ein Vergessener, H. T. baute in Babelsberg d. Ufa-Lehrschau auf, eine Art Vorreiter f. moderne Filmarchive u. -museen, in: Potsdamer Neueste Nachrr. v. 18. 12. 2013 (P); U. Döge, Ein völk. „Nichtarier“ im Dienst d. NS-Filmwiss., H. T. (1901–1943) an d. Ufa-Lehrschau, in: R. Aurich u. R. Forster (Hg.), Wie d. Film unsterbl. wurde, Vorakad. Filmwiss. in Dtld., 2015, S. 191–98;
    Dortmunder II;
    Qu u. a. Univ. Greifswald;
    ausführl. QuVerz. b. R. Aurich (Potsdam) u. im Archiv d. NDBRedaktion; – Mitt. v. Gerd Hiersemann, Gottfried Traub u. Ulrich Döge.

  • Autor/in

    Rolf Aurich
  • Empfohlene Zitierweise

    Aurich, Rolf, "Traub, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 363-364 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117405280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA