Lebensdaten
1915 bis 1981
Geburtsort
Halle/Saale
Sterbeort
Bochum
Beruf/Funktion
Technikhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118622749 | OGND | VIAF: 32469369
Namensvarianten
  • Timm, Albrecht Willhelm
  • Timm, Albrecht
  • Timm, Albrecht Willhelm
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Timm, Albrecht, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622749.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm ( 1915), Volksschullehrer;
    M Marianne Wolff (* 1890), Volksschullehrerin in Sondershausen b. Magdeburg;
    1942 Ella Piwko;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Magdeburg 1935 studierte T. in Halle/Saale und Berlin Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte. 1938 wurde er bei dem Mediävisten Robert Holtzmann (1873–1946) mit einer Arbeit zu den „Thüringisch-Sächsischen Grenz- und Siedlungsverhältnissen im Südostharz“ zum Dr. phil. promoviert. Bis 1943 schloß sich eine Assistententätigkeit am Seminar seines Doktorvaters an. 1939–43 war T. als kriegsdienstverpflichteter Sachbearbeiter in der wiss. Abteilung der Reichsdienststelle des NS-Reichsnährstandes in Berlin (Walter Darré) tätig, anschließend bis 1945 als wiss. Mitarbeiter im Stabsamt des „Reichsbauernführers“ Herbert Backe. In dessen Auftrag verfaßte T. auch völkische Propagandatexte (1941 Mitgl. d. NSDAP). 1945–47 folgte eine Tätigkeit als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek in Halle. Danach wechselte T. als Lehrbeauftragter an das Hist. Seminar der Univ. Rostock, habilitierte sich 1948 in Mittlerer und Neuerer Geschichte und nahm eine einschlägige Dozentur an der Univ. Halle wahr. Seit 1952 ao. Professor für mittelalterliche Geschichte an der Humboldt-Univ. Berlin, war er hier auch als Abteilungsdirektor am Museum für Dt. Geschichte tätig. Nach Anfeindungen als „bürgerlicher“ Wissenschaftler flüchtete T. 1955 mit seiner Familie in die Bundesrepublik. Mit Hilfe eines Stipendiums der DFG etablierte er sich 1958 als Dozent und apl. Professor, seit 1962/63 als ao. Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Univ. Hamburg. In dieser Zeit spezialisierte er sich zum einen auf die Entwicklung der Geschichtswissenschaft in der SBZ und der DDR (Das Fach Gesch. in Forsch. u. Lehre in der SBZ v. 1945–1953, 1957, 4 1965), zum anderen wandte er sich der Universitätsgeschichte Halles und Göttingens zu. Hierbei forschte er v. a. zu Kameralismus und Manufakturwesen des 18. Jh. sowie zum Wirken des Göttinger Technologen Johann Beckmann (1739–1811). Damit prägte T. die neu entstehende Disziplin der Technikgeschichte in der Bundesrepublik, insbes. durch seine Monographie „Kleine Geschichte der Technologie“ (1964). Er folgte 1966 einem Ruf auf den ersten Lehrstuhl für Wirtschafts- und Technikgeschichte an die neu gegründete Ruhr-Univ. Bochum (em. 1981). Von hier aus nahm er maßgeblichen Einfluß auf die weitere universitäre Etablierung und inhaltliche Ausrichtung seines Fachs in der Bundesrepublik. So wurde T. für die Technikgeschichte zum zentralen Ansprechpartner zahlreicher bedeutender wissenschafts- und technikhistorischer Gesellschaften, wie der Georg-Agricola-Gesellschaft, der Dt. Gesellschaft für die Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik sowie der Fachgruppe Technikgeschichte des Vereins Dt. Ingenieure. Darüber hinaus besetzten mit Ulrich Troitzsch (* 1938), Wolfhard Weber (* 1940) und Hans-Joachim Braun (* 1943) gleich drei seiner Schüler zentrale Lehrstühle, die die Neuausrichtung des Fachs als geschichtswissenschaftlicher Disziplin weiter entwickelten. Mit seinem Standardwerk „Einführung in die Technikgeschichte“ (1972), das nicht frei von Plagiaten war, überwand T. die bisherige Methodenlosigkeit des Fachs, emanzipierte es von dessen enger Technikzentriertheit und verwarf den traditionellen Ansatz der Artefakthistoriographie. Daher wurde T. zum Nestor der modernen bundesrepublikanischen Technikgeschichtsschreibung.

  • Auszeichnungen

    A Vorstandsmitgl. d. Mitteldt. Kulturrats (seit 1961); Präs. d. Ges. f. Wiss.gesch. (1968–71); Georg-DehioPreis d. Künstlergilde Esslingen (1979).

  • Werke

    W Moltke u. d. Bauerntum, 1943;
    Stud. z. Siedlungs- u. Agrargesch. Mitteldtld., 1956;
    Die Waldnutzung in Nordwestdtld. im Spiegel d. Weistümer, 1960;
    Verlust d. Muße, Zur Gesch. d. Freizeitges., 1968;
    Einf. in d. Technikgesch., 1972;
    Einf. in d. Wiss.gesch., 1973;
    Zur Wiss.gesch., Mein Weg u. mein Wollen, 1975 (P, W-Verz.);
    Nachlaß: Ruhr-Univ. Bochum.

  • Literatur

    L V. Schmidtchen u. E. Jäger (Hg.), Wirtsch., Technik u. Gesch., FS f. T. z. 65. Geb.tag, 1980 (P, W-Verz.);
    U. Troitzsch, in: Nachrr.bl. d. Dt. Ges. f. Gesch. d. Med., Naturwiss. u. Technik 31, 1981, H. 3, S. 135–38 (P);
    W. Weber, ebd. 38, 1988, H. 3, S. 107–12;
    ders., in: Berr. z. Wiss.gesch. 5, 1982, H. 3–4, S. 193 f.;
    R.-J. Gleitsmann, in: Technikgesch. 76, H. 4, 2009, S. 377–84 (P);
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    BBKL 18; Lex. DDR-Historiker.

  • Autor/in

    Rolf-Jürgen Gleitsmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Gleitsmann, Rolf-Jürgen, "Timm, Albrecht" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 289-290 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622749.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA