Lebensdaten
1892 bis 1976
Geburtsort
Marklissa (Les ´na, Schlesien)
Sterbeort
Hof/Saale
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Film- und Fernsehtechniker
Konfession
-
Normdaten
GND: 1119333512 | OGND | VIAF: 138147965610584081002
Namensvarianten
  • Thun, Eduard Rudolph
  • Thun, Rudolf
  • Thun, Eduard Rudolph
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Zitierweise

Thun, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1119333512.html [06.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard, Offz.;
    M Mathilde Brandt;
    1918 Katharina Schmidt (1893–1979);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Eigenen Angaben zufolge absolvierte T. ein Studium der Physik an der Univ. Berlin, doch ist er 1904–22 weder in den Matrikeln der TH Berlin-Charlottenburg noch der Universität nachweisbar. T. arbeitete zunächst in Berlin, seit 1925 in Schöneiche bei Berlin und zuletzt seit 1953 in Hof/Saale als beratender Ingenieur und Physiker; über eine Anstellung ist nichts bekannt. Aus den über 70 Patenten, die T. 1920–53 erteilt wurden, treten die Film- und seit 1929 auch die Fernsehtechnik als zentrale Bereiche seiner Forschungstätigkeit hervor. Seine umfangreiche publizistische Produktion unterstreicht diese Interessen und bindet sie zugleich stärker in den Gebrauchszusammenhang der noch jungen Medien ein.

    Unter dem Einfluß der Psychotechnik, wie sie an der TH Berlin gelehrt wurde, befaßte sich T. zunächst mit der Hochfrequenzkinematographie, um eine genaue filmische Kontrolle von Arbeitsvorgängen und Prozeßabläufen zu ermöglichen. Für August Hilpert, den Leiter des Versuchsfelds für Schweißtechnik an der TH Berlin, zeichnete T. 1927 Sequenzen des Schweißlichtbogens mit einer von ihm selbst konstruierten Zeitlupenkamera auf. In den folgenden Jahren konnte die Qualität der Aufnahmen durch eine neue Kamera mit optischem Ausgleich durch bewegte Linsen erheblich verbessert und die anfängliche Frequenz von 400 Bildern/s durch eine Verringerung des Bildformats um das bis zu zehnfache gesteigert werden. Dieser „Zeitdehner“ wurde 1929 im Forschungsinstitut der AEG in Berlin weiterentwickelt und zur Analyse verschiedener elektromechanischer Vorgänge eingesetzt.

    1929 wandte sich T. der Fernsehtechnik zu, die sich zu dieser Zeit in der wichtigsten Entwicklungsphase seit ihrer Entstehung im letzten Viertel des 19. Jh. befand. Im Unterschied zu der bis dahin gebräuchlichen Helligkeitssteuerung bei der Bildübertragung setzte sich T. für die Liniensteuerung ein, bei der die Steuerung des Elektronenstrahls mit konstanter Helligkeit und variabler Abtastgeschwindigkeit erfolgt. Manfred v. Ardenne (1907–97), dem 1930 die erste vollelektronische Fernsehübertragung gelang, beschäftigte sich konstruktiv mit T.s Verfahren und hielt es trotz erkennbarer Schwierigkeiten für aussichtsreich. Der Unternehmer Siegmund Loewe (1885–1962), der eng mit v. Ardenne kooperierte und über die Rechte zur Nutzung beider Verfahren verfügte, gab jedoch der später auch international eingesetzten Helligkeitssteuerung den Vorzug, weshalb er die von T. propagierte Liniensteuerung nicht weiter verfolgte.

    Mitte der 1930er Jahre kehrte T. in engem Kontakt mit dem dt. Filmpionier Oskar Messter (1893–1943) wieder zur Filmtechnik zurück, die er nun publizistisch im Hinblick auf ihren praktischen Einsatz und ihre professionellen Möglichkeiten verfolgte. 1938–40 war er Dekan der filmtechnischen Fakultät an der Dt. Filmakademie in Berlin. Aus unbekannten Gründen offenbar nicht zum Kriegsdienst eingezogen, wandte T. sich Fragen der technischen Statistik zu und entwickelte ein komplexes System von Gleichungen, das der quantitativen Untersuchung und Rationalisierung des zeitlichen Ablaufs von Vorgängen unterschiedlicher Art dienen sollte. Diese Beschäftigung führte ihn zu geschichtsphilosophischen Fragen und mündete zuletzt in eine Formel, mit der er glaubte, den zeitlichen Verlauf geschichtlicher Epochen bestimmen zu können. Diese Arbeiten fanden keine nennenswerte Beachtung mehr.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Hist. Komm. d. Dt. Kinotechn. Ges. (1925–39).

  • Werke

    W Der Film in d. Technik, 1925;
    Anwendung u. Theorie d. Zeitdehner, in: Zs. d. VDI 70, 1926, S. 1353–58;
    Der Zeitdehner, sein Bau u. seine Anwendung, in: Die Kinotechnik 10, 1928, H. 5, S. 119–26;
    Der T.sche Zeitdehner, d. Instrument f. Kleinzeitforsch., ebd. 11, 1929, H. 6, S. 145 f.;
    Grundsätzl. Systeme d. elektr. Übertr. bewegter Bilder, in: Fernsehen 1, 1930, S. 267–73;
    Helligkeitssteuerung u. Liniensteuerung, ebd. 2, 1931, S. 161–67;
    Fernsehen u. Bildfunk, Die allg. Grundlagen, Der gegenwärtige Stand, 1934;
    Entwicklung d. Kinotechnik, in: Dt. Mus., Abhh. u. Berr. 4, 1936;
    Stufen d. Entwicklung, in: Kulturwarte 8, 1962, 146–57 (P);
    Patente u. a. Verfahren z. Aufnahme d. räuml. u. zeitl. Verlaufes v. Bewegungen, DRP 350722, 1920;
    Reihenbilderaufnahmeapparat mit stetig laufendem Bildband, DRP 452313, 1925;
    Reihenbildapparat insbes. f. kinematograph. Hochfrequenzaufnahmen, DRP 606059, 1927;
    Verfahren z. photograph. oder kinematograph. Unters. elektr. Lichtbögen, DRP 495221, 1928;
    Übertragung v. Bildern f. d. Zweck d. Fernphotogr., d. Fernsehens, d. Fernkinematogr., DRP 563294, 1929.

  • Literatur

    L W. Ende, Theorie d. T.schen Zeitdehners u. ihre Anwendung in d. Aufnahmepraxis, in: Jb. d. Forsch.Inst. d. AEG 1930, Bd. 2, S. 77–84;
    M. v. Ardenne, Die prakt. Durchführung d. T.schen Liniensteuerung unter Anwendung neu entwickelter Methoden, in: Fernsehen u. Tonfilm 3, 1932, S. 210–21;
    Pogg. VI–VIII

  • Autor/in

    Cornelia Kemp
  • Empfohlene Zitierweise

    Kemp, Cornelia, "Thun, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 227-228 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1119333512.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA