Lebensdaten
1927 - 1993
Geburtsort
Hot Springs (South-Dakota, USA)
Sterbeort
Tiburon (Marin County) bei San Francisco (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Psychologe ; Sänger ; Musiker ; Sänger ; Tenor <Sänger>
Konfession
Christliche Wissenschaft
Normdaten
GND: 118821369 | OGND | VIAF: 10034919
Namensvarianten
  • Thomas, Jess Floyd
  • Thomas, Jess
  • Thomas, Jess Floyd
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Zitierweise

Thomas, Jess, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118821369.html [03.08.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Charles Alfred (1900–65), aus Iowa, dann in Oral (South-Dakota), führte 1920–29 mit seinem Vater e. kleines Kaufhaus in Oral, seit 1937 in H. S., Angest. im Elektrizitätswerk ebd., S d. Harry Dalton, aus walis. Fam., u. d. Mary Virginia N. N. ( 1949);
    M Hattie Ellen (* 1902), aus Atchinson (Kansas), dann in Gordon (Nebraska), Lehrerin, T d. Jess Yocam, aus dt.-schott. Fam., Vorarb. b. d. Chicago North Western-Eisenbahn;
    1) Alameda (Kalifornien) (?) um 1954/56 1973 Bettye Lee Wright (* um 1929), aus Webster (Kentucky), Ausbildung in Tanz u. Schausp. am Mills College in Oakland (Kalifornien), T d. Lex Wright (* um 1898) u. d. Nannie N. N. (* um 1900), 2) 1974 Violeta v. Bernick (* um 1940), aus Buenos Aires (Argentinien), später in Boston, Krankenschwester, 1967–74 Journ. b. Time Inc., New York, ab etwa 1983/84 Grundstücksmaklerin in Belvedere Tiburon (Kalifornien);
    1 S aus 1) Jess David (* 1959), 1 T aus 1) Lisa Bet, 1 S aus 2) Victor Justin (* 1977), studierte Digital Design an d. New York Univ.

  • Leben

    T. stammte aus einer Familie mit lebendiger Country-Musikpflege. Er lernte Geige und entwickelte seit seinem zehnten Lebensjahr vielfältige musikalische Aktivitäten (Unterricht in Trompete, High-School-Band, Gemeinde-Orchester u. Chor). 1944 schloß er die Schule mit Auszeichnung ab. Vom Militärdienst wegen einer Sehschwäche freigestellt, begann er an der Univ. von Nebraska in Lincoln ein Medizinstudium, das er 1949 mit einem Bachelor of Arts in Psychologie beendete. Während seiner anschließenden Tätigkeit als Schulpsychologe 1949–52 im School District von Hermiston (Oregon) nahm T. erstmals professionellen Gesangsunterricht. Sein 1952 aufgenommenes Studium an der Stanford Univ. war zwar seiner Fortbildung als Therapeut gewidmet (1953 Master), brachte ihn aber auch mit dem seit 1933 dort tätigen jüd. Exilanten und vormaligen Ersten Kapellmeister des Ulmer Stadttheaters, dem Münchner Otto Schulmann (1902–89), in Kontakt, dem er in Abänderung seines Lebensziels die Ausbildung seiner Stimme anvertraute. Nach Auftritten an der Universität kam T. über das Merola-Programm an die San Francisco Opera, wo er im Herbst 1957 in kleinen Rollen erste Erfahrungen im internationalen Opernbetrieb sammeln konnte (Debüt als Haushofmeister bei Faninal, in: „Der Rosenkavalier“ v. R. Strauss). 1958/59 wurde T. an das Bad. Staatstheater in Karlsruhe engagiert (im Ensemble bis 1961; Debüt als Erster Gefangener, in: „Fidelio“ v. L. v. Beethoven). Schon im Nov. 1958 ließ er in der Titelpartie von „Lohengrin“ (v. R. Wagner), die er als Einspringer übernahm, und bald darauf auch als Florestan („Fidelio“) aufhorchen. Nach Gastspielen am Württ. Staatstheater in Stuttgart und am Stadttheater Frankfurt/M. im Herbst 1959 erfolgte im Nov. 1959 sein Debüt an der Bayer. Staatsoper als Florestan („Fidelio“), im Aug. 1960 sang er dort den Bacchus (Festspiele), an Weihnachten auch Lohengrin; im Jahr darauf nahm T. auch seinen Wohnsitz in München. 1961 debütierte er in der Titelrolle des „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen und als Radames in G. Verdis „Aida“ an der Dt. Oper in Berlin. 1962 interpretierte er in Bayreuth die Partien von Lohengrin und Parsifal, 1963 Stolzing („Die Meistersinger von Nürnberg“ v. R. Wagner) und Parsifal. Im Dez. 1962 trat er an der New Yorker Metropolitan Opera als Stolzing auf. Im Nov. 1963 sang T. in der Eröffnungsvorstellung des wiedererrichteten Münchner Nationaltheaters den Kaiser in der „Frau ohne Schatten“ von R. Strauss und ebenso auch 1964 als Einstand an der Wiener Staatsoper (anläßl. d. 100. Geb.tags v. R. Strauss). 1964 und 1965 verkörperte T. den Bacchus bei den Salzburger Festspielen. 1967 gestaltete er an der San Francisco Opera den Titelhelden in „Tristan und Isolde“ v. R. Wagner (Rollendebüt). 1969 debütierte er als Stolzing an der Covent Garden Opera in London; bei Herbert|v. Karajans Salzburger Osterfestspielen übernahm er die Titelrolle von R. Wagners „Siegfried“ (Rollendebüt), in Bayreuth dazu auch den Siegfried in der „Götterdämmerung“ (Rollendebüt), eine Partie, in der er wiederum 1970 bei den Salzburger Osterfestspielen und 1976 im Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ unter Pierre Boulez mitwirkte.

    T., der nahezu alle wichtigen Bühnen Europas und Amerikas bereiste, trat regelmäßig v. a. an den Opernhäusern von München (zuletzt 1978 als Parsifal), San Francisco (zuletzt 1981 als Siegmund), New York (zuletzt 1982 als Parsifal während eines Met-Gastspiels in Washington D. C.) und Wien auf, dessen Haus am Ring er als seine musikalische Heimat betrachtete (193 Vorstellungen, zuletzt 1982 als Lohengrin). 1983 war T. zur Centennial Gala der Metropolitan Opera eingeladen. Nach Beendigung seiner internationalen Karriere sang er noch vereinzelt in konzertanten Aufführungen seines Heimatlands und unterrichtete. Er starb unerwartet an einer Herzattacke.

    T.s stimmliche Entwicklung nahm zwar ihren Ausgang von der Baritonlage, seine Karriere startete er jedoch als Tenor mit lyrischer bis jugendlich-dramatischer Spannweite. Dem raschen Aufstieg zu einem der führenden Helden- und Wagnertenöre seiner Generation versuchte er bis 1970 mit einem stilistisch vielfältigen Repertoire und Konzertauftritten zu begegnen. Gewisse Schwächen seiner Technik und eine hohe vokale Belastung – einen markanten Einschnitt stellt sein Bayreuther Tannhäuser 1966 dar – führten zwar zu vorzeitigen Abnutzungserscheinungen und Unausgeglichenheiten, aber die baritonal fundierte Strahlkraft seiner Höhe wurde weithin geschätzt. Wenn auch Schmelz und Glanz nicht eigentlich zu seinen Stimmcharakteristika zählten, beeindruckte T. jedoch mit einem meisterlichen Mezza voce. Seit 1966 widmete er sich auch immer wieder dem Liedgesang (Wiener Festwochen 1972 „Winterreise“ v. F. Schubert mit Erik Werba, 1918–92). Seinen Rollen näherte er sich infolge seiner akademischen Ausbildung als Psychologe, als Darsteller prägte ihn aber v. a. die intensive Zusammenarbeit mit Wieland Wagner (1917–66).

  • Auszeichnungen

    A bayer. Kammersänger (1963); Richard WagnerMedaille, Bayreuth (1963); San-Francisco-OperaMedaille (1972); österr. Kammersänger (1976).

  • Werke

    Weitere W u. a. Rollen: Hoffmann (J. Offenbach, Hoffmanns Erzz., Frankfurt/M. 1959);
    G. Alfredo (G. Verdi, La Traviata), Manrico (Der Troubadour), Alvaro (Die Macht d. Schicksals, Fernsehinszenierung WDR Köln 1960), Don Carlos (Don Carlos, München 1961);
    Faust (Ch. Gounod, Margarethe);
    Vasco da Gama (G. Meyerbeer, Die Afrikanerin, München 1962);
    Tamino (W. A. Mozart, Die Zauberflöte);
    Cavaradossi (G. Puccini, Tosca), Kalaf/Calaf (Turandot);
    Lenski (P. Tschaikowski, Jewgeni Onegin, New York 1964);
    Caesar (S. Barber, Antony and Cleopatra, UA New York 1966);
    Loge (R. Wagner, Das Rheingold);
    Peter Grimes (B. Britten, Peter Grimes, San Francisco 1973); – Schallplatten u. a. Mitschnitte: Lohengrin, Wiener Philharmoniker, Dirigent R. Kempe, Theater an d. Wien 1962/63 (1964) u. Dir. W. Sawallisch, Bayreuth 1962; Parsifal, Dir. H. Knappertsbusch, ebd. 1962; Kaiser, Die Frau ohne Schatten, Dir. J. Keilberth, München 1963 u. Wiener Staatsoper 1964; Walther v. Stolzing, Die Meistersinger, Dir. J. Keilberth, München 1963; Bachus, Ariadne auf Naxos, Dir. K. Böhm, Salzburger Festspiele 1964 u. 1970; Menelas, Die Ägypt. Helena, Dir. J. Krips, Wiener Staatsoper 1970; – Aufnahmen: J. T., Ein Sängerporträt, Dir. H. Stein, Berlin 1963; J. T., Tenor, 1964; Siegfried in „Siegfried“, Dir. H. v. Karajan, 1969; Schönberg, Gurre-Lieder, Dir. P. Boulez, London 1974 (Wiederveröff. 1993); Mahler, Das Lied v. d. Erde, Dir. J. Krips (Wiederveröff. 1992); – Autobiogr.: Kein Schwert verhieß mir d. Vater, Das Opernbuch meines Lebens, 1986 (Abb. v. Privatphotogrr. u. Rollenporträts).

  • Literatur

    L J. Kaiser, Kl. Theatertagebuch, 1965 (passim);
    E. Schwaiger, Warum d. Applaus? Berühmte Interpreten über ihre Musik, 1968, 2 1969, S. 278–82 (P);
    R. Jacobson, Reverberations, Interviews with the World’s Leading Musicians, 1974, S. 248–57;
    J. B. Steane, The Grand Tradition, Seventy Years of Singing on Record, 1974;
    R. Hartmann, Das geliebte Haus, Mein Leben mit d. Oper, 1975, Tb. 1979;
    J. M. Fischer, Gr. Stimmen, 1995;
    W. Herrmann, A. Hollaender, Legenden u. Stars d. Oper, 2007;
    Th. Keilberth, Joseph Keilberth, Ein Dirigentenleben im XX. Jh., 2007 (passim);
    Ch. Bührle, Die Zürcher Richard-Wagner-Bühne, Zur szen. Wiedergabe v. Wagners Bühnenwerken in Zürich zw. 1852 u. 1991, 2008;
    Nachrufe: New York Times v. 13. 10. 1993;
    FAZ v. 14. 10. 1993;
    SZ v. 14. 10. 1993;
    NZZ v. 16. 10. 1993;
    Kosch, Theater-Lex., 1998;
    New Grove2;
    MGG² (K. Malisch);
    Hist. Lex. Wien;
    Kutsch-Riemens;
    J. Kesting, Die gr. Sänger, III, 2008, S. 1356 f.; ÖML

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Thomas, Jess" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 184-185 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118821369.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA