Lebensdaten
um 1300 - 1357
Geburtsort
Hagenau (Elsaß)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Augustinereremit ; Theologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 100962807 | OGND | VIAF: 64148332
Namensvarianten
  • Thomas de Argentina
  • Thomas von Straßburg
  • Thomas de Argentina
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Zitierweise

Thomas von Straßburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100962807.html [11.05.2021].

CC0

  • Leben

    T. trat in Straßburg oder Hagenau in ein Kloster der Augustinereremiten ein, das zur rhein.-schwäb. Ordensprovinz (mit Elsaß u. Holland) gehörte. Als begabter Schüler, der schon als Novize im Konvent zu Straßburg intensiv die Hl. Schrift und die Werke Augustins studiert hatte, durfte er in Padua und Paris seine theol. Studien fortsetzen. In Paris kommentierte er um 1336 die Sentenzen des Petrus Lombardus und wurde dort um 1341 zum Magister der Theologie promoviert.

    1343 wurde T. zum Provinzial der rhein.schwäb. Augustinerprovinz, 1345 in Paris zum Ordensgeneral gewählt und in diesem Amt mehrfach bestätigt (1348 in Pavia, 1351 in Basel, 1354 in Perugia). Er unternahm zahlreiche Visitationen von Italien (1349) über Avignon nach Paris und von dort durch Deutschland nach Böhmen und Mähren (1356). Vom Pariser Generalkapitel bekam er 1345 den Auftrag, die Ordenskonstitutionen (constitutiones) von 1290 durch Ergänzungen (additiones) zu aktualisieren. Auch die von T. für den Konvent in Paris um 1352 erstellte Haus- und Studienordnung „Mare magnum“ belegt seine Fähigkeit, zeitgemäße Ordnungsstrukturen zu entwickeln.

    In seinem Sentenzenkommentar, der fünf Mal im Druck erschien (Straßburg 1490, Venedig 1564 u. 1588, Genua 1585 u. 1635) und bis in die Neuzeit hinein rezipiert wurde, stellte T. nicht nur seine ordnende, klare und präzise Artikulationsfähigkeit, sondern auch seine Kompetenz zu theol. Profilierung unter Beweis. So präsentierte er sich als eigenständiger Schüler des Aegidius Romanus (um 1243–1316), grenzte sich aber deutlich von Heinrich von Gent (vor 1240–93) sowie von etlichen Scotisten ab. Kritisch setzte er sich mit Petrus Aureoli (um 1280–1322) und Wilhelm Ockham (um 1288–1347) auseinander.|

    Zum Nominalismus-Streit nahm er differenziert Stellung, indem er gegenüber der stark konzeptualistischen Position eines Ockham eher die realistische Position zu stärken suchte. Er versuchte den Aristotelismus mit dem Augustinismus zu versöhnen. T. gehörte zu den innovativen Theologen. Er war der erste seines Ordens, der die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens (immaculata conceptio) verteidigte. Der Dt. Mystik stand er nahe und darf zu den Wegbereitern der „Wiener Schule“ gezählt werden.

  • Werke

    W Additiones et moderationes supra constitutiones OESA, Venedig 1508, fol. 40r–48v;
    Tractatus de gratia Dei, Mare magnum, hg. v. E. Ypma, in: Augustiniana 6, 1956, S. 275–321;
    Commentaria in quatuor libros Sententiarum, Straßburg 1490 (Nachdr. 1971), Venedig 1564 (Nachdr. 1964) u. 1588, Genua 1585 u. 1635.

  • Literatur

    L B. Lindner, Die Erkenntnislehre d. T. v. S., 1930;
    G. Tumminello, L’Immacolata concezione di Maria e la scuola agostiniana del secolo XIV, 1942, S. 1–28;
    C. Balic ´, Testimonia de assumptione beatae Maria virginis I, 1948, S. 321;
    F. Rennhofer, Die Augustiner-Eremiten in Wien, 1956, S. 89–91;
    D. Trapp, Augustinian Theology of the 14 th Century, in: Augustiniana 6, 1956, S. 146–274, hier S. 175–82;
    ders., La tomba bisoma de T. de S. e Gregorio da Rimini, in: Augustinianum 6, 1966, S. 6–17;
    A. Zumkeller, Die Augustinerschule d. MA, in: Analecta Augustiniana 27, 1964, S. 167–262, hier S. 212–14;
    ders., Die Lehre d. geistl. Lebens unter d. dt. Augustinern (…), in: S. Augustinus vitae spiritualis Magister, II, 1959, S. 239–338, hier S. 270–73;
    ders. (Hg.), Mss. v. Werken d. Autoren d. Augustiner-Eremitenordens in mitteleurop. Bibliotheken, 1966, S. 382–87;
    F. Fernández, La evidenzia de la existencia de Dios en la Escuela Agustiniana del siglo XIV, 1965;
    P. Vara, Inquietud agustiniana, T. de A., in: Archivo teologico Agustiniano 2, 1967, S. 57–83;
    A. Kunzelmann, Gesch. d. dt. Augustiner-Eremiten, II, 1970, S. 195–202;
    K. Binder, T. v. S., Ein Verteidiger d. Unbefleckten Empfängnis, in: Studia Mediaevalia et Mariologica P. Carlo Balic ´ dicata, 1971, S. 259–81;
    J. Gross, Gesch. d. Erbsündendogmas, III, 1971, S. 298 f.;
    C. Mateos Alvarez, Doctrina inmaculatista de T. de S., 1975;
    L. A. Kennedy, Two Augustinians and Nominalism in: Augustiniana 38, 1988, S. 118–28;
    M. E. Reina, T. di S. nella controversia sulla distinzione scotiana tra conoscenza intuitiva e conoscenza astrattiva, in: Archives d’Histoire Doctrinale et Littéraire du Moyen Âge 62, 1995, S. 37–70;
    M. Gerwing, Theol. im MA, 22002, S. 215–28;
    LThK2+3;
    RGG4;
    Marienlex.;
    LexMA;
    BBKL XI (L); Vf.-Lex. MA 2 (W, L)

  • Autor/in

    Manfred Gerwing
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerwing, Manfred, "Thomas von Straßburg" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 181-182 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100962807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA