Lebensdaten
1890 – 1939
Geburtsort
Friedland (Oberschlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Publizist ; Arzt ; Drehbuchautor ; Kameramann ; Regisseur ; Neurologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1019893214 | OGND | VIAF: 232079286
Namensvarianten
  • Thomalla, Curt Robert Victor
  • Thomalla, Curt
  • Thomalla, Curt Robert Victor
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Zitierweise

Thomalla, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019893214.html [27.09.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (* 1860), aus Kasimir (Oberschlesien), Kreisarzt in Ohlau (Schlesien), Med.rat;
    M Elli Raabe (* 1868), aus Zindel (Oberschlesien);
    Pleß (Oberschlesien) 1917 Gerda (1896–1979), T d. Jakob v. Samson-Himmelstjerna (1859–1918), aus Dorpat, Dr. med., Arzt am Krankenhaus d. Johanniterordens in Pleß, u. d. Mary Morley (1866–1932), aus Auckland (Neuseeland);
    2 T Ursula (* 1918, 1] Erich zu Klampen, 1908–67, Autor, 2] N. N.), Karin Plötz (* 1920, vermißt 1945).

  • Biographie

    Nach dem Abitur in Waldenburg (Niederschlesien) studierte T. zunächst ein Semester Jura in Lausanne, seit 1910 Medizin in Kiel, Würzburg und Erlangen. Er schloß sich den schlagenden corpsstudentischen Verbindungen Holsatia Kiel und Rhenania Würzburg an. Im Aug. 1914 meldete er sich zum Kriegsdienst und wurde dem Reserve-Infanterieregiment 22 als Feldunterarzt zugeteilt. Nach einer Verwundung im Mai 1915 legte T. im Breslauer Lazarett sein med. Staatsexamen ab, 1916 wurde er mit einer Arbeit aus dem Bereich der orthopädischen Chirurgie in Breslau zum Dr. med. promoviert. Neben der Ausbildung zum Psychiater im Festungslazarett Breslau publizierte er Fronterlebnisse und verfaßte populärwissenschaftliche Zeitungsartikel. Der corpsstudentische Jargon prägte den Stil des Schriftstellers T. Noch vor Kriegsende begann er für die staatliche Filmindustrie (BUFA) zu arbeiten, offiziell wurde er erst am 1. 1. 1919 als Leiter des Medizinischen Filmarchivs der Ufa angestellt. T.s erster Film „Die Folgen der alliierten Hungerblockade“ steht noch in der Tradition der Ludendorffschen Kriegspropaganda. 1920 arbeitete er an „Krüppelnot und Krüppelhilfe“, dem ersten abendfüllenden Kulturfilm der Ufa, der die Öffentlichkeitsarbeit für ein preuß. Gesetzgebungsverfahren begleitete. Mit einem Sexualaufklärungsfilm, der nach dem Wiener Endokrinologen Eugen Steinach (1861–1944) „Steinachfilm“ genannt wurde, habe sich T., so Oskar Kalbus (1890–1987), „ein bleibendes Denkmal auf dem Felde des medizinischen Laufbildes gesetzt“. T. suchte einen Mittelweg zwischen biologischem Lehrfilm und Pornographie, der zugleich Kinopublikum und Zensurbehörden zufriedenstellte. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zum Einsatz von Lehrfilmen.

    1923, mit der Reprivatisierung der Ufa, verließ T. die Kulturfilmabteilung und machte sich als Filmschriftsteller selbständig. Zu seinen erfolgreichsten Projekten zählen der Biene-Maja-Film (1925) nach dem Roman Waldemar Bonsels (1880–1952), der Syphilis-Film „Falsche Scham“ (1926) und das reich illustrierte Erziehungsbuch „Seine Majestät das Kind“ (1928). 1926 wurde T. Pressechef des Reichsausschusses für hygienische Volksbelehrung. Der von ihm entworfene Gesundheitspaß (1930), der Angaben zu „Rasse“ und Erbleiden enthielt, sorgte für einen Skandal und wurde nach Debatten in den Medien und im preuß. Abgeordnetenhaus zurückgezogen. Nach T.s Ernennung zum Regierungsrat (seit 1935 Oberregierungsrat) im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda im Mai 1933 wurde sein Gesundheitspaß neu aufgelegt. In Zeitungsartikeln für „Angriff“ und „Völkischer Beobachter“ und mit Werbebroschüren der NS-Volkswohlfahrt, die in Auflagen von 30 Mio. Exemplaren an alle Haushalte verteilt wurden, warb er für die|Nürnberger Rassegesetze und für das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Als Referatsleiter war T. für die Kampagnen zur Unfallverhütung und für die Zeitschrift „Kampf der Gefahr“ der NS-Volkswohlfahrt zuständig. 1936 gab er den Ratgeber „Gesund sein – gesund bleiben“ heraus, ein populäres Gesundheits-Hausbuch, das Ratschläge mit Aufsätzen zur NS-Ideologie kombinierte.

    Auf T.s Initiative ging die Bildung einer „Deutschen Kongress Zentrale“ zurück, die zu gleichen Teilen vom Auswärtigem Amt und dem Propagandaministerium unterhalten wurde, und die Auslandskontakte dt. Wissenschaftler und Forscher überwachen sollte.

    In einem Ende Febr. 1939 anonym verfaßten Brief kritisierte T. Goebbels Amtsführung. Am Morgen des 3. 3. 1939 wurden er und seine Sekretärin tot aufgefunden. Die Memoiren des Reichsfilmintendanten Fritz Hippler (1909–2002), der ebenfalls verdächtigt wurde, die anonyme Kritik verfaßt zu haben, legen nahe, daß T. zum Suizid gezwungen worden war.

    Wie kaum ein zweiter steht T. für die Kontinuität der offiziellen hygienischen Volksbelehrung vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die NS-Zeit. Mit Filmen, Ausstellungen, Radiosendungen sowie populären Büchern und Zeitschriftenbeiträgen trug er in den 1920er und 1930er Jahren maßgeblich zur Verbreitung sozial- und rassehygienischer Theorien bei.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    A E. K. I u. II.

  • Werke

    Weitere W Radialislähmung u. Sehnenplastik, 1916;
    Lorettoschlacht, Erinnerungen aus d. Felde, 1918;
    Hygiene u. soziale Med. im Volksbelehrungsfilm, in: Zs. f. Med.beamte 35, 1922, S. 589–93, 606–10 u. 631–35;
    Hysterie, Die Krankheit d. 20. Jh., in: Uhu 2, 1925, H. 11, S. 90–101;
    Innere Sekretion, Probleme d. Blutdrüsen u. Verjüngung, 1925;
    Lustige Hygiene, 1928–31 (Ms. z. Trickfilmserie);
    Der Zweibändermann, 1932; Warum Bevölkerungspol.? Eine dt. Schicksalsfrage, 1934.

  • Literatur

    L O. Kalbus, Der Steinachfilm, in: Das Kulturfilmbuch, hg. v. E. Beyfuß u. A. Kossowsky, 1924, S. 223–28;
    U. v. Keitz, Wissen als Film, Zur Entwicklung d. Lehr- u. Unterr.films, in: Gesch. d. dokumentar. Films in Dtld., hg. v. P. Zimmermann, Bd. 2, hg. v. K. Kreimeier, A. Ehmann u. J. Goergen, 2005, S. 120–50

  • Autor/in

    Philipp Osten
  • Zitierweise

    Osten, Philipp, "Thomalla, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 175-176 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019893214.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA