Lebensdaten
1882 – 1960
Geburtsort
Gotha
Sterbeort
Plön
Beruf/Funktion
Zoologe ; Limnologe ; Biologe ; Hydrobiologe ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118757008 | OGND | VIAF: 51772016
Namensvarianten
  • Thienemann, August Friedrich
  • Thienemann, August
  • Thienemann, August Friedrich
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Thienemann, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757008.html [24.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (Fritz) (1854–1917), S d. Ernst (1823–99), beide Verlagsbuchhändler in G., u. d. Auguste Perthes (1830–1903);
    M Emilie (1860–1937), T d. August Noack (1822–1905), Porträt- u. Historienmaler in Darmstadt, ghzgl. hess. Hofmaler, Prof. (s. ThB; NDB 19*), u. d. Leontine Frobenius (1827–1900);
    Urur-Gvv Carl Renatus (1751–1803), Amtmann in Gräfentonna (s. Gen. 1);
    Ur-Gvv Johann Friedrich Wilhelm (1784–1836), Jur., Fabr., hzgl. gotha. Kammerconsulent, HR, Friedrich Perthes (1772–1843), Verl. in Hamburg u. G. (s. NDB 20);
    Ur-Gvm Heinrich Ludwig Noack (1796–1854), Oberkonsistorialregistrator in Darmstadt; Ur-GrOv Karl (1786–1863), aus Gräfentonna, Kaufm., Schausp., Kinderbuchautor, gründete 1849 d. Verlag K. Thienemann in Stuttgart (s. Kosch, Theater-Lex.);
    Gr-Ov Bernhard Friedrich (1825–97), Buchhändler in Justus Perthes’ Geogr. Anstalt in G., Otto (1827–1905), Architekt in Wien, 1872 Rr. d. österr. Franz-Joseph-Ordens (s. Hist. Lex. Wien; ÖBL);
    Helsingborg 1911 Siri (1885–1975), aus Helsingborg, T d. N. N. Jönsson ( 1921), Dir. e. Inst. f. schwed. Heilgymnastik in Duisburg;
    2 S Hans (1911–88, Lieselotte Prietzel), Sven (1912–2007), Kpt., 2 T Karin (* 1914), Operationsschwester, Elsa (1917–2005, Karl Gösta Busch, 1906–66, Jur.); Verwandter Johannes (s. 1);

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Gymnasium Ernestinum in Gotha begann T. 1901 ein Studium der Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Zoologie an den Univ. Greifswald, Innsbruck und Heidelberg. Zurückgekehrt nach Greifswald, arbeitete er seit 1904 als Assistent am zoologischen Institut und wurde dort 1905 mit einer Arbeit über die Biologie der Trichopteren-Puppe bei Robert Lauterborn (1869–1952) zum Dr. phil. promoviert. 1907 wurde er Vorsteher der hydrobiologischen Abteilung der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Münster, wo er sich v. a. mit Fischerei- und Abwasserfragen beschäftigte. 1910 habilitierte sich T. mit der Arbeit „Die Stufenfolge der Dinge“ für Zoologie, nahm seit 1914 als Soldat am 1. Weltkrieg teil und wurde nach schwerer Verwundung 1915 Tit.-Professor. 1917 wurde er im Range eines Ordinarius Direktor der Hydrobiologischen Anstalt der KWG in Plön (als Nachfolger von Otto Zacharias, Ruhestand 1957). Gleichzeitig lehrte er seit 1917 als ao. Professor Hydrobiologie an der Univ. Kiel (1923 Abteilungsvorsteher am zoolog. Institut, 1924 Ordinarius f. Hydrobiologie).

    In T.s wissenschaftlichem Werk sind zunächst die Arbeiten zu den Eiszeitrelikten in|Süßgewässern zu beachten, wobei er den Strudelwurm Planaria alpina in Bächen des nordöstl. Rügen als solches Relikt identifizierte. Eingehend befaßte er sich auch mit den Chironomidae (Zuckmücken), die ihm später als Indikatoren für die Wasserqualität dienten. Bei der Untersuchung von Eifelmaaren 1911/12 erkannte T. zwei Seentypen, benannt nach den Gattungen der dort vorkommenden Zuckmückenlarven: Chironomus-Seen und Tanytarsus-Seen. Der schwed. Botaniker Einar Naumann (1891–1934) unterschied gleichzeitig dieselben Seentypen. Darauf aufbauend führte T. die Begriffe „eutroph“ (nährstoffreich), „oligotroph“ (nährstoffarm) sowie „dystroph“ (wenig Phytomehr Zooplankton) in die biologische Terminologie ein. Damit wurde er mit Naumann zum führenden Vertreter der „Biozönologie“, d. h. der Lehre vom Zusammenwirken unterschiedlicher Organismen in einem Ökosystem. 1927 und 1929 beschrieb T. die Beziehungen des Sauerstoffgehalts zu Fauna und Flora der Gewässer, 1931 definierte er den heute weniger gebräuchlichen Begriff der „Produktion“ in der Biologie. Nach mehreren Aufenthalten in Abisko (Nordschweden) leitete T. mit Franz Ruttner (1882–1961) und Heinrich Jacob Feuerborn (1883–1979) 1928/29 eine limnologische Sunda-Expedition, auf der u. a. der Tobasee auf Sumatra untersucht wurde. Nach 1945 vermittelte T. die Erkenntnisse seines Fachgebiets in populärer Form und warnte als einer der Ersten in Publikationen und Rundfunkbeiträgen vor einer Wasserknappheit und den Gefahren der Umweltzerstörung.

  • Auszeichnungen

    A u. a. Präs. d. Internat. Vereinigung f. theoret. u. angew. Limnol. (1922, Ehrenpräs.);
    Mitgl. d. Leopoldina (1932), d. Rumän. Ak. d. Wiss., d. Kgl. Soz. d. Wiss. z. Uppsala u. d. Dansk Naturhistorisk Forsning Kopenhagen;
    Einar-Naumann-Medaille d. Internat. Ver. f. Limnol. (1942);
    Ehrenmitgl. d. Royal Irish Ac. (1958) u. d. russ. Ges. z. Erforsch. d. Wassers u. seines Lebens;
    korr. Mitgl. d. Finn. Zool. u. Botan. Ges.;
    Fabricius-Medaille d. Dt. Entomol. Ges. (1955);
    Rr.kreuz d. ernestin. Hausordens mit Schwertern II. Kl.;
    Dr. agrar. h. c. (HU Berlin 1956);
    Gr. BVK (1957).

  • Werke

    W mehr als 450 Publl., u. a. Die Stufenfolge d. Dinge, d. Versuch e. natürl. Systems d. Naturkörper aus d. 18. Jh., in: Zool. Ann. Würzburg 3, 1910, S. 185–274 (Habil.schr.);
    Die Binnengewässer Mitteleuropas, 1925;
    Der Produktionsbegriff in d. Biol., in: Archiv f. Hydrobiol. 22, 1931, S. 616–22;
    Chironomus, Leben, Verbreitung u. wirtschaftl. Bedeutung d. Chironomiden, 1954;
    Die Binnengewässer, e. Einf. in d. theoret. u. angew. Limnol., 1955;
    Leben u. Umwelt, v. Haushalt d. Natur, 1956;
    Erinnerungen u. Tagebuchbll. e. Biologen, e. Leben im Dienste d. Limnol., 1959 (P);
    Hg.: Archiv f. Hydrobiol., 1916–59; Die Binnengewässer, 1925–55.

  • Literatur

    L F. Lenz (Hg.), Festband A. T., 1945;
    ders., in: Zool. Anz. 24, 1961, S. 534–36;
    H. Scoli, in: Mitt. d. MPG, H. 4, 1960, S. 200 (P);
    Archiv f. Hydrobiol. 57, 1960, S. 1–12 (W-Verz., P);
    G. Huber-Pestalozzi, in: Aquatic Sciences 23, 1961, S. 290–95;
    H.-J. Elster u. W. Ohle (Hg.), A. T. in memoriam, 1982;
    W. Plesse u. D. Rux (Hg.), Biogr. bed. Biologen, ³1986, S. 223–27;
    R. Hachtmann, Wiss.management im „Dritten Reich“, 2007;
    Rhdb. (P);
    Lex. bed. Naturwiss.;
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein X, 1994; – zur Fam.: Otto Thienemann, 400 J. Stammreg. u. Geschlechtertafeln d. Fam. T., vormals Dienemann u. Duhnemann, Neu bearb. u. vervollständigt, 1933, S. 228–31.

  • Porträts

    P Gem. (MPI f. Limnol., Plön)

  • Autor/in

    Uwe Hoßfeld
  • Zitierweise

    Hoßfeld, Uwe, "Thienemann, August" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 129-130 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA